Maze Game Prank – Kindesmißbrauch auf youtube

Geht man auf Youtube und gibt die Worte „Maze Game Prank“ ein, werden einem eine ganze Auswahl von Videos angeboten, die die Reaktion von Menschen auf das „Spiel“ „Maze Game“ zeigen. Wer nicht weiß, was das ist:

es ist eines jener Spiele, die so tun, als seien sie ein Spiel, aber nur bis zu dem Zeitpunkt, an dem plötzlich irgendeine total schockierende Monsterfratze begleitet von einem völlig übersteuerten Schrei auftaucht. Das ganze gibt es auch als Videos (car commercial prank) oder auch Suchbild-Fake (eye puzzle).

Ich kannte das schon eine Weile und mußte nach einem ersten Schreck selbst darüber lachen.

Heute habe ich aber etwas entdeckt, das wirklich äußerst erschreckend war. Nachdem ich für richtige, kommerzielle PC-Spiele schon lange einfach keine Zeit mehr habe, spiele ich in der Zeit, die mir bleibt, gerne mal das eine oder andere Browsergame. Diese zu finden, ist nicht schwer, google machts möglich. So landete ich beim maze game, erschrak und mußte ein wenig grinsen – der Gag ist ja eigentlich uralt, aber: OK, was solls, mein 5-Jahres-Debit ist hiermit wieder erfüllt.

Irgendwie war bei dem Link auch ein Link auf Youtube und dort glaubte ich, auf den ersten Moment nicht richtig zu sehen: gleich zu Beginn an oberster Stelle wird einem ein Video angeboten, daß einen etwa 6 – 8-jährigen Jungen zeigt, dessen Reaktion auf das maze game gefilmt worden ist. Er bricht danach in bitteres Schluchzen aus, während er immer noch gefilmt wird. Das Ganze ist herzzerreißend, aber der Camcorder läuft weiter. Jemand muß das nicht nur geplant, sondern auch durchgezogen und bewußt auf Youtube hochgeladen haben.

Nun ist es so, daß „dank“ web 2.0 die Menge an öffentlich zur Schau getragener Debilität so enorm gestiegen ist, daß man sich nicht darüber aufregen sollte. Kranke Hirne waberten schon immer in Schädeln herum, und das Internet ist eben nur eine besonders leicht erklimmbare Plattform, auf der sich eben auch Deppen aller couleur präsentieren. Was mich aber betroffen gemacht hat, war die Tatsache, daß das Ganze ein Renner geworden ist. Damit meine ich nicht die teils echt lustigen Reaktionen von Teenies oder Erwachsenen, sondern eben von Kindern, deren Eltern offensichtlich darauf scheißen, daß das eingeblendete Erschreckbild aus dem Exorzisten stammt – einem Film, der zurecht erst ab 18 zugänglich ist. Zwar haben wir uns den schon mit 13 reingepfiffen, das aber freiwillig, und zumindest ich hatte die Hosen echt voll bzw. ich gab es im Gegenteil zu einigen meiner Kumpels zu.

Da gibt es also Leute, die aus Spaß oder Geltungssucht ihre Kinder dabei filmen, wie sie von einem Ausschnitt aus dem Exorzisten erschrocken werden. Das jüngste Kind, das ich bei einem dieser Videos gefunden habe, war meiner Einschätzung nach ca. 2 1/2.

Ich halte das für einen klaren Fall von Kindesmißbrauch.

Nun muß man solche Themen aber auch etwas emotionslos angehen: die gut 12 Mio Besucher, die dieses Video bis heute hatte sowie die 30000 Kommentare bedeuten ja auch, daß da viel diskutiert wird. Nicht jeder, der das Video gesehen hat, findet es auch gut. Tatsächlich habe ich bei ähnlichen Videos fast gar keine positiven Reaktionen gesehen (ich nehme an, bei den wenigen Videos mit ausschließlich positiven Reaktionen wurde eben gelöscht). Warum sehen sich das dann so viele Leute an? Haben die alle einen Blog, wo sie darüber abkotzen?

Ein weiteres Argument für die allgemeine Beruhigung ist, daß der Ausdrucksweise der positiv Kommentierenden nach zu schließen diese höchstens 15-Jährige sind – ein schwieriges Alter…was soll man machen, wenn man groß und stark sein will, es nicht ist und eine Tastatur die einzige mediale Verbindung zwischen eingebildetem Ego und einem Millionenpublikum im Internet ist? Will sagen: Äußerungen von 15-jährigen sind in dem Zusammenhang sowieso nicht ernstzunehmen. Am besten hört man weg und wünscht schnelle Reifung. Wir waren ja auch mal zwischen Kindheit und Adoleszenz.

Man muß auch sehen, daß es Kindesmißbrauch schon immer gegeben hat – nicht daß er dadurch einen Deut besser würde. Es leuchtet lediglich ein, daß er sichtbarer, in der Menge aber nicht mehr geworden ist.

Da könnten jetzt besonders schlaue Leute auf die Idee kommen, zu sagen, es sei ja fast schon ein Segen, daß man durch diese Videos auf so etwas aufmerksam würde…daß also die Aktion böse, das Internet als Medium aber gut sei, da es helfe, schlechte Taten aufzudecken. Irrtum, kann ich da nur sagen.

Man kann Tat und Medium nicht so einfach trennen. In diesem Fall ist ja eine richtige Lawine losgetreten worden. Böse Menschen wären zwar dennoch böse gewesen, aber man muß dem Bösen ja nicht unbedingt eine Plattform bieten, oder?

Menschen geilten sich beim Aufnehmen daran auf, Menschen geilen sich beim Sehen auf. Viele – wie ich – regen sich darüber auf und so landen noch mehr Menschen bei diesen Videos. Aber der Gedanke, daß man früher ja auch nicht in die Ghettos gerannt ist, um zuzusehen, wie Kinder in Gefühlskälte erzogen worden sind, hilft dann schon. Wie gesagt, das macht es nicht besser – es läßt einen nur darüber nachdenken, ob wir uns wirklich jeden Scheiß ansehen sollen.

Also nichts dagegen tun?

Doch:

ich bin gegen eine Auffassung von Freiheit, die meint, jeder dürfe alles tun, was ihm einfällt.
Ich habe auch kein Problem damit, so etwas zu verbieten. Ist das Zensur? Ja, von mir aus ist es das.
Ich glaube auch nicht, daß man das Internet nicht kontrollieren soll, nur, weil man es effektiv nicht kann.

Allerdings denke ich ebenso wenig, daß dafür neue Gesetze notwendig wären. In den USA vielleicht (aus denen übrigens die meisten maze game pranks mit Kindern stammen), aber die, die wir haben, reichen aus, um solche Leute zu bestrafen. Und das sollte man. Eine Lösung des Problems ist es freilich nicht.

Der Grund für die Unmenschlichkeit dieser Videos liegt in den „Eltern“, nicht in Youtube. Wahscheinlich haben die damals Nosferatu schauen müssen, wer weiß… letztendlich gilt der alte Grundsatz:

jeder Täter ist ein Opfer. Die Eltern müssen eine beschissene Kindheit gehabt haben. Laßt uns kurzfristig also derartige Videos aus dem Netz verbannen und langfristig dafür sorgen, daß Familienleben keine Plattform für angestaute Frustrationen wird, die dann durch derartige Projektion verarbeitet werden.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: