Hat die SPD keine Anhängerschaft mehr?

wahl09

Das Ergebnis gestern für die SPD ist niederschmetternd.

Von bitteren Sunden ist da die Rede. Dem gleichen Link folgend wird die Frage, ob dies das Ende der Volkspartei SPD wäre, gestellt. Die faz begnügt sich damit, nüchtern das Ergebnis und den Hergang der Bekanntgabe der Prognosen zu wiederholen. Polemik ist nicht mehr nötig.
Besonders hämisch dann doch die Krokodilstränen des Oscar Lafontaine: es soll das Ergebnis der SPD „bedauert“ haben, so tagesschau.de.
Ausgerechnet er, der seinen inneren „Loslösungsprozeß“ wie kein anderer medienwirksam und opportunistisch inszeniert hat, benutzt den Terminus, den man eben benutzt, wenn man nichts anderes sagen will als:“Gut so, freut mich!“.
Nicht, daß er allein für den Stimmenschwund verantwortlich gewesen sei. Das Programm der SPD hat sich mit der Übernahme der Regierungsverantwortung vor gut 11 Jahren sehr verändert – Wehner hätte sich angesichts der Agenda 2010 im Grabe umgedreht und noch ein paar Schachtelsätze gespuckt.
Jedoch hat Lafontaine durch das Quittieren seines Dienstes, welches aber in keiner Weise ein Rückzug aus dem parteipolitischen Leben war, ein Statement gesetzt, das sicher einiges zu der Situation der SPD beigetragen hat: Lafontaine war und ist der Meinung, daß die SPD nicht mehr in der Lage ist, soziale Politik zu machen.
Hört, hört!
Ob das nun an Personalia oder der global miserablen Situation gelegen haben mag: Lafontaine hat hingeschmissen bei der SPD, aber nur, um an anderer Stelle das zu tun, was er seiner Überzeugung nach in der SPD nicht mehr tun konnte. Soziale Politik machen?

Nein.

Führen. Das wollte er, konnte es aber angesichts eines Gerhard Schröder nicht. Also sah er sich gezwungen, zu gehen.

So kommt es, daß man, zählt man die Stimmen des vorläufigen Ergebnisses zusammen, auf respektable 45,6 % bei der Opposition kommt, wohingegen die schwarz-gelbe Koalition mit 48,4 % gerade mal 2,8 % mehr an Wählerstimmen hat.

Ja, auch das reicht zum Regieren, aber nur, weil die FDP, die sich ja mal als „Opposition in der Regierung“ verstanden hat, ein sagenhaftes Ergebnis eingefahren hat.

Will sagen: so richtig identifizieren können sich mit der Politik der CDU auch immer weniger Leute. Und im Umkehrschluß liest man die Zahlen so, daß 60,2 % der Wähler nicht für die CDU stimmen, auch, wenn 14,6 % von ihnen mit der CDU zusammen eine Koalition bilden würden.

Gut 45 % der Menschen in Deutschland sind also dagegen. Das sieht für mich nicht nach einem Sieg für die CDU aus. Eher nach einem gewonnenen Massaker.

Eine Zahlenspielerei noch: SPD und Linke zusammen haben 34,9 %. Geht man davon aus, daß bei der Linken die vergraulten SPD-Anhänger sitzen, kann von dem „Ende der Volkspartei“ nicht die Rede sein. Die Themen der Arbeiterschaft sind nicht veraltet, weil es immer noch eine Arbeiterschaft gibt und weil 34,9 % der Menschen in Deutschland der Meinung sind, daß die durch Turbokapitalismus erzeugten globalen sozialen (und inzwischen auch wirtschaftlichen) Probleme nicht durch noch mehr Kapitalismus zu lösen sind.

Solange Menschen so denken, wird es eine Volkspartei SPD geben – wenn die SPD das wieder einsieht. Dann flaut der Populismus der Linken ganz schnell ab.

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2 Antworten

  1. Ich denke nicht, dass die Linken das Problem der SPD sind. Das Problem der SPD ist, dass sie von innen heraus eine Schwäche ausstrahlt.

  2. tja, ich denke das eben nicht. Soziale Politik ist nach wie vor ein Anliegen vieler Leute in Deutschland. Ich glaube sogar, daß noch mehr Leute als früher gegen eine wirtschaftorientierte Politik sind. Nur sind sie eben zersplittert.

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