Wüstenplanet vs. Avatar

Hab grad Avatar gesehen und fands OK. Wieso nur OK?

Also: eine Riesen-Story habe ich nicht erwartet. Bei einem Fantasy-Science-Fiction-Film kommt es natürlich auf die Detailliertheit der Umgebung an. Diese ist besonders optisch gelungen. Am besten kommt das Ambiente jedoch rüber, wo sich Cameron des Backgrounds von Naturvölkern bedient. Jedoch kommt das nie über einen gewissen Grad an Genauigkeit heraus.

Beispiel: die große Mutter – nun ja, die gibts in vielen Naturreligionen. Da hätte sicher keiner was dagegen gehabt, wenn er sich einer ganz bestimmten pantheistischen Vorstellung der Muttergottheit eines konkreten Volkes und deren Sinnzusammenhang bedient hätte, anstatt durch Verallgemeinerung (es muß ja einer breiten Masse gefallen) zu gewährleisten, daß auch wirklich der Ungebildetste versteht, worum es beim Pantheismus geht. So ist also die Rede von der großen Mutter und keiner weiß so richtig, was sie eigentlich ist. Das soll auch keiner, denn Massenkino lebt oft von archetypischen Andeutungen und dem Rest, den jeder selbst mit seinen Gedanken ausschmücken soll. Mir jedenfalls ist das nicht genug. Mal ehrlich, da funktioniert die Erklärung dessen, was „die Macht“ ist / sein soll, bei STAR WARS aber um einiges besser.

Noch ein Beispiel: Unoptanium gibts in großen Mengen auf einem Mond des Planeten Polyphemus. Deshalb ist die halbe Menschheit natürlich heiß auf das Zeug und schickt Gerätschaften zum Abbau und Soldaten zur Sicherstellung desselben. Das stört natürlich die Ureinwohner, die Na´vi. Diese Humanoiden sind den Menschen körperlich überlegen, letztere jedoch haben natürlich ihre Technik und setzen sie skrupellos ein, um den Mond auszubeuten.
Tja, so was ähnliches hatten wir im Wüstenplaneten ebenfalls. Und dort hat es mir auch viel besser gefallen, weil die Motive und das Verhalten der gegnerischen Seiten genauer dargestellt wird. Die Fremen sind nicht einfach eine Art Indianer – sie haben zwar eine archetypische Kultur, aber auch eine den Anforderungen des Lebens auf dem Wüstenplaneten entsprechend angepaßte hochentwickelte Technik (z.B. die Wüstenanzüge). Das macht die Sache viel spannender als der 100. Aufguß von Cowboys gegen Indianer.

Zu den weiteren Parallelen Paul vs. Feyd = Jake vs. Col. Miles oder Zähmung des Toruk = Zähmung des Shai Hulud oder Raumfahrergilde/MAFEA = RDA-Konzern könnte man noch mehr sagen. Jedoch ging es Cameron sicher nicht um eine getreue Kopie. Ebenso macht es mir auch nicht allzu viel aus, wenn ein Plot so offensichtlich geklaut ist. Dann muß es aber auch funktionieren, und so richtig funktionierts eben erst, wenns mich umhaut.

Hat es aber nicht. Es ist eine Schau, was da optisch vor sich geht. Damit meine ich übrigens nicht nur den Realismus, sondern auch die Kamera. Das hat schon was, wie Col. Miles am Ende dieses seltsame Vieh im „Rückspiegel“ seines Walkers auf sich zukommen sieht.

Das allerwichtigste Argument gegen eine höhere Bewertung dieses Filmes ist jedoch der Schluß. Nehmen wir mal die Klobigkeit in der Story so dahin. Gehen wir davon aus, daß Cameron tatsächlich gelingt, was er vorhatte: den Kampf um Ressourcen als Grund für die Feindschaft zwischen Völkern und vor allem dessen Überwindung darzustellen. Was lernen wir aus dieser Geschichte? Wie wird diese Allegorie, die sich einem ja geradezu aufdrängt, aufgelöst? Was steht auf der letzten Seite dieses Buches?

Das:
die Na´vi entledigen sich der gewalttätigen Bedrohung durch Anwendung von Naturgewalt. Die Wende im Film ist der Eingriff der Muttergottheit, die ihre Kinder (also die ganzen Viecher) als Verbündete der Na´vi in den Kampf gegen das feindliche Militär schickt. Das ist also die Lösung unserer Probleme: wir beten um einen Messias, der – anders als Jesus Christus – als Antwort auf die Gewalt die Gegengewalt bietet. Es gibt kein friedliches Auskommen. Es gibt nur Gut und Böse und die Guten müssen einfach nur stärker als die Bösen sein, ansonsten gehen sie drauf. Tja, da widerspricht der Film aber seiner eigenen Logik, denn nichts würde die Menschen daran hindern, mit einer 200-fachen militärischen Gewalt auf den Planeten zurückzukehren und alles Leben auf dem Planeten auszulöschen. Nein, das kann nicht die Lösung sein, aber genau das wird einem bei diesem Film angeboten und darauf fällt man nicht wirklich rein.

Avatar ist trotz vieler oberflächlich angerissener Gedanken wie der Ausbeutung der Natur und der daraus resultierenden kriegerischen Expansion vor allem Effekthascherei. Und die allein reicht mir nicht für einen 2. Besuch. Also: irgendwann mal auf DVD und bis dahin eben noch mal den Wüstenplaneten in der Ext. Edition angeschaut…

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3 Antworten

  1. „Nuttergottheit“? Meinste „Nuttengottheit“? 😛 Nee, bestimmt meintest du Muttergottheit.

    On-Topic: ich hab das Gefühl, heute geben die Leute ihr Hirn (falls vorhanden) sowieso an der Kasse ab. Ich kenn genug Leute die meinen „Hauptsache CGI Effect Overdose, der Rest interessiert mich ned“.

    Und genau deshalb läster‘ ich munter über Filme ab, die ich gar nicht gesehen habe. Denn die letzten Male, die ich dann doch im Blockbuster-Kino war, war ich maßlos enttäuscht, weil ich alter Sack eben doch darauf bestehe, dass ein Film eine halbwegs okaye Story hat. Und das haben nicht mehr viele Filme. Ich schreibe bewusst Blockbuster-Kino, weil es auch noch grandiose Gegenbeispiele gibt, z.B. „Coraline“.

  2. Das Filmende von Avatar lässt sich auch folgendermaßen interpretieren:
    Die Avatar leben friedlich mit der Natur zusammen, sie sehen sich als Teil der Natur. Menschen dagegen wollen die Natur versklaven, ausbeuten und beherrschen. Aber die Natur lässt sich nicht so einfach beherrschen! Wenn wir übertreiben, dann schlägt sie mit vielfacher Kraft zurück. Wenn wir unsere Umwelt nicht lernen zu schätzen, egal ob es sich hierbei um unser näheres Umfeld, unseren Planeten oder in der Zukunft das ganze Universum handelt, dann wird uns die Natur früher oder später zerstören.
    Das Universum ist wie ein Lebewesen, in dem bösartige Bakterien, die dem eigenen Organismus schaden wollen, von natürlichen Abwehrkräften zerstört werden. Natürlich werden die Menschen im zweiten Teil auf Pandora zurückkehren. Wir werden sehen an wen die zweite Runde geht: Mensch oder Natur 😉

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