Eine Runde Mitleid für die Bayern…

Louis van Gaal hat was gegen Joachim Löws 4-tägigen Leistungstest.

Der arme FC Bayern, der sich gerne damit brüstet, den größten Teil des DFB-Kaders zu stellen, sieht sich nun in Schwierigkeiten. Schließlich müsse man sich konzentriert auf das nächste Spiel vorbereiten. Gegen Mainz 05. Aha. Das erfordert von so hochklassigen Spielern wie denen des FCB natürlich enorm viel Vorbereitung und Konzentration.

Am besten wäre es noch, wenn man die Länderspiele und WMs ganz abschaffen würde. Denn Profi-Fußball bedeutet Geld, und das verdient man in der Liga, dem UEFA-Cup und der Championsleague viel eher als bei einer lumpigen WM.

Wer braucht schon altmodische Prestigeduelle? Wozu Ehre? Wozu Eleganz oder – PFUI! – Fairneß? Erfolg, und nur Erfolg zählt.

Schließlich bewegen wir uns nur, um zu überleben, und das tut man heute eben nicht durch die Jagd auf Beute, sondern auf Geld. Wobei man ja noch feststellen muß, daß das Wort „Prestige“ nur deshalb gerechtfertigt ist, weil es bei Weltmeisterschaften im Vergleich zu den Nebenkriegsschauplätzen relativ wenig Geld zu verdienen gibt:

Der DFB zahlt jedem Spieler für ein gewonnenes WM-Finale 300.000 €. Nicht schlecht für 90 Minuten kicken, sollte man meinen.

Soviel zahlt aber die UEFA jedem Verein bereits für ein Unentschieden in einem Gruppenspiel der Euroleague. Ein Sieg bringt das Doppelte, die Prämie für das Erreichen der Vorrunde allein übertrifft das 12-fache: 4400000 €, und zwar kumulativ. D.h. also: die Mannschaft, die das Finale gewinnt, bekommt „nur“ 7000000 €, kann aber inclusive der bis dahin erreichten Runden und der dafür notwendigen Siege bis zu 22700000 € verdient haben.

Und da wundere sich noch einer darüber, daß Vereinsobere und immer mehr auch Spieler auf das Prestige, Nationalspieler im Kader zu haben oder einer zu sein, scheißen. 4 Tage für eine Prestige-Veranstaltung sind gleichbedeutend mit 4 Tagen Fehlen eines Leistungsträgers im Verein, nein, weniger: sie verbrauchen Energie außerhalb der Firma und es besteht das Risiko, sich zu verletzen und somit unbrauchbar zu werden. Ein Bauunternehmen leiht ja auch nicht seinen Bagger an eine Initiative zur Stadtverschönerung aus – er könnte ja kaputt gehen.

Und die Spieler machen das Spiel natürlich gerne mit. Von den Achtungserfolgen bei einer WM spricht kaum einer. Oder kennt noch einer die unterlegenen Spieler aus dem WM-Finale 98? Und falls ja: wer kennt noch die Spieler des WM-Dritten oder Vierten von 2002? Sprich: wenn es nur darum geht, daß Sport sich lohnen muß, hat die WM verloren.

Und wenn jetzt einer kommt und verlangt, daß der DFB mehr Geld an die Spieler auszahlen soll, damit es sich auch lohnt, Nationalspieler zu sein, hat er nichts verstanden. Genausowenig, wie wenn er die Belohnung (Kaffeservice, B-Ware) für die Gewinnerinnen des EM-Finales der Frauen 1989 für einen Akt kommutativer Gerechtigkeit hält.

Das Problem ist nicht, daß es zuwenig Geld für WMs gibt, sondern der, daß es zu viel Geld für den regulären Profifußball gibt. Nicht, daß ich das ändern wollte. Könnte ich nicht mal mit einem Volksentscheid (und der wäre sicher sinnvoller als so mancher Volksentscheid der letzten 2 Monate…). Ich will hier nur erklären, wieso ich den ganzen Mist aus dem Fernsehen nicht mehr ernstnehmen kann. Stattdessen:

ich habe mit alten Herren schon so manch tollen Fußball zelebriert. So wie damals, als ich trotz Sturz über Changs Arthrose-Beine noch den Ball irgendwie vors gegnerische Tor geschnibbelt habe, wo ihn dann der Nino südländisch mit der Hacke aufgenommen hat – weil er ihn nicht gesehen hat. Dabei ist der Ball über einen Huppel gerollt und über die O-Beine von Peter gehüpft. Und da Nino mit seinen 34 Jahren schon ziemlich lahm war, konnte er sein Bein nicht richtig hochziehen. Also traf der Ball sein Knie und das bewirkte einen herrlichen Lupfer, gegen den der Franz völlig machtlos war, Schienbeinschoner hin oder her: das Runde landete im Eckigen und damit meine ich nicht Martins Hackfresse.

Danach sind wir noch ein Bier trinken gegangen und keiner hat seinen dümmlichen Mist in irgendeine Kamera gestammelt, so wie wir das von Idioten wie Ballack, Hoeneß oder seinerzeit Matthäus gewohnt sind. Unseren Mist erzählen wir uns selbst, und zwar fließend. Bis zum 3 Bier natürlich.

DAS ist Fußball.

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