tagesschau.de, Anwalt der Beatles gegen den Papst

Aua.

John Lennon sagte einmal, die Beatles seien berühmter als Jesus. Er sagte das in einem völlig anderen Zusammenhang, als man das im Nachhinein, etwa ein halbes Jahr nach dem Interview, rezipiert hat. Man kann sich den Rummel, den das alles damals ausgelöst hat, heutzutage kaum vorstellen. Als Indikator mag für Menschen heutiger Zeiten, die sich fragen, was an dieser Aussage so außergewöhnlich sei, vielleicht die erbosten (kollektives und öffentliches Zerstören der Platten) bis teils kriminellen Reaktionen darauf gelten (der Ku Klux Klan in den USA beispielsweise kündigte „a lots of surprises“ (ca. 3:49) für unerwünschte Konzerte der Beatles in den Südstaaten der USA an – und das als „Terror-Organisation“, so der O-Ton). Lassen wir Lennons selbst zu Wort kommen:

Es heißt, Lennon sei nach diesem Interview im Kreise seiner Bandkollegen in Tränen ausgebrochen. Ich habe einiges von den Beatles gelesen, aber nie, daß Lennon je geweint hätte. Jedenfalls hat dieser Vorfall dazu beigetragen, daß die Beatles Ab dem Herbst 1966 keine Konzerte mehr gegeben haben.

Natürlich hat damals auch der Vatikan reagiert, jedoch eher gemäßigt. Wie gesagt, waren es vor allem die Evangelikalen im Süden der USA, die auch George W. Bush zum Wahlsieg verholfen hatten, die sich auf die Beatles mit teils grotesken Anschuldigungen (Satanisten … pruuust …) gestürzt hatten.

Die einzige Organisation, die im Nachhinein zugegeben hat, den Beatles unrecht getan zu haben, war die katholische Kirche. Und ja, sie hat es erst jetzt getan. Besser spät als nie. Vom Ku Klux Klan oder der PRMC hat man so etwas nie gehört.

Wie sind nun die Reaktionen auf das Handeln des Vatikans (und jetzt komme ich zum „Aua“)?

Folgenden Kommentar lese ich bei diesem Artikel über John Lennons Aussage über die Berühmtheit der Beatles in der nicht ganz ernstgemeinten Rubrik „Schlusslicht“ bei tagesschau.de:

„Wen interessiert was Kinderschänder und deren Unterstützer für Musik hören.Es ist erstaunlich das Intoleranz und geistige Engstirnigkeit hier auch noch positiv bewertet werden.Spart euch solche Ergüsse,oder hat die kath.Kirche(also alle kath.Kirchensteuerzahler)hier gesponsert um abzulenken.“

Mal ganz abgesehen davon, daß ich die Gelegenheit nicht auslassen konnte, meine fundierten Beatles-Kenntnisse zum Besten zu geben,

„Zu viel des mittelmäßigen Hohns
Di, 13.04.2010 – 22:43 — FeydBraybrook

Och ja, der Artikel wäre ja ganz amüsant, wenn es bei der Kuriosität der Meldung geblieben wäre.

Jedoch fällt auch weniger qualifizierten Beatles-Kennern auf, daß der Griff in die Klischee-Kiste leider auch hier nicht ausbleiben konnte: die Beatles hatten sicher auch mit der katholischen Kirche nach John Lennons Zitat (das er übrigens kleinlaut widerrufen bzw. richtiggestellt hatte) Probleme, der eigentliche Frontalangriff kam aber seitens der Evangelikalen aus den Südstaaten der USA.“

so ist es doch befremdlich, wie anschaulich hier Hetze abgeht. Meine die katholische Kirche nicht schonende Meinung zu den Mißbrauchsfällen habe ich ja bereits veröffentlicht, aber dennoch fehlen mir dann doch die passenden Worte, dieses Beispiel an bereitwilligem Mitmarschieren zu beschreiben. Mitmarschieren, heute gegen die Kirche (morgen gegen wen…?), so lautet das Motto. Deshalb will ich es mit folgender kleinen Groteske veranschaulichen:

tagesschau.de im Jahre 2020:

Das Oberhaupt derSie wissen schon, welcherKirche, derund man möge mir die Nennung seines elenden Namens verzeihenPapst, der als Oberhaupt der wohl größten und verruchtesten Verbrecherorganisation aller Zeiten (und in Ewigkeit, Amen) eigentlich mit ein paar wenigenwenn auch für ihn machbarenWorten hätte Öl auf brennende Wunden gießen können, hat auch heute die Gelegenheit ausgelassenund das spricht für seine und seiner kritiklos ergebenen Diener Niederträchtigkeit!die Mißbrauchsfälle in derSie wissen schon, welcherKirche vollständig und im Alleingangdenn er allein trägt die Verantwortung für die vielen Schandtaten im Namen der Kirche (man denke nur an die Hexenverbrennungen, die zwar überwiegend von evangelischen Christen begangen wurden, aber wen interessiert das?)wenn schon nicht aufzulösen, dann doch sich selbst mit Nilpferdpeitsche peinigend dazu Stellung zu nehmen, so daß jeder noch so untalentierte Journalist verbal von hinten in ihn eindringen kann (was einer wie er ja nur mögen kann!), was aber auch nicht schlecht ist, weil wir dann darüber berichten können, daß wir nichts darüber berichten zu habenwovon sich in Zeiten nachlassenden Interesses an abgestürzten Passagiermaschinen russischer Herkunft gut leben läßt.

Stattdessen hat erund man stelle sich diese Heuchelei angesichts seines imaginierten Stellvertretertums Christi auf Erden vor!Geranien umgetopft. JAWOHL, GERANIEN, DIESER … DIESER … SCHÄBIGE SCHUFT!!! STEINIGT IHN!!!

Oder, um mit einem italienischen Sprichwort zur Überschrift mit dem „Anwalt der Beatles“ zurückzukehren:

„Avvocato non chiamato, con merda pagato“

(heißt soviel wie: ein ungerufener Anwalt wird mit Scheiße bezahlt)

😀

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: