Robin Hood zum Arschloch mutiert!

Es ist ja schon eine ganze Weile her, aber im Jahre 2007 gabs sowohl für die Fans des VfB Stuttgart und des 1. FC Nürnberg was zu feiern. Die einen holten die Meisterschaft, die anderen den Pokal – gegen den frischgebackenen Meister VfB Stuttgart. Und was das beste war:

Der FC Bayern landete gerade mal auf Platz 4. Nix mit Champions-League.

Wir vom VfB konnten im Nachhinein dann doch gut damit leben, daß der Pokal an den Club gegangen ist. Der wichtigste Wettbewerb ist dann eben doch die Meisterschaft. So machte ich mir den Spaß und stellte ein Lied auf dem r-mag ein: „Weil ich ein Franke bin„, was sozusagen die Plan-B-Version meines anderen Liedes „Weil ich ein Schwabe bin“ war (hätte ja auch klappen können mit dem double, aber so…). Hier also „Weil ich ein Schwabe bin“, ein paar Tage nach der Meisterschaft und kurz vor dem Pokalfinale:

Ach so, die eigentliche Pointe hatte ich ja vergessen. Sagt der Sohn zum Vater: „Papa, mir händ doch gar koin Hund“…

Und hier dann die Version zuhause im Schlafanzug nach dem bösen Erwachen für den VfB:

Wäre ich damit reich geworden, würde ich heute nicht bloggen, sondern bloggen lassen. Es ist also verständlich, daß ich mich bei Streams, wenn schon nicht über Geld, dann doch wenigstens über etwas Publicity freue. Aber manchem ist selbst das sogar schon zu viel Arbeit. Ich mein, irgendwo muß man es ja herhaben und die offiziellen Sources geben den Autor immer an. Die Ausrede „woher soll ich wissen, von wem es ist?“ gilt also eigentlich nicht.

Aber in den Zeiten des Internet darf man nicht so pingelig sein, und nachdem ich mal wieder einen Stream auf youtube entdeckt habe, bei dem ich noch nicht mal als Autor genannt werde, habe ich mir halt die Mühe gemacht und meinen Namen sowie das kleine (c) + Jahreszahl als Kommentar hinterlassen mit der Bitte, dies der Fairness halber doch anzufügen.

Tja, und wenn ich dann sehe, daß dieser Kommentar gelöscht wird, regts mich auf. Dennoch habe ich dem Poster folgende Nachricht geschickt:

„Hallo,

vielleicht ist mein Kommentar ja untergegangen, deshalb also noch mal auf diesem Wege:

es freut mich, daß Dir mein Lied „Wil ich ein Franke bin“ gefällt. Es ist für mich auch OK, wenn Du für das Einstellen auf Youtube nichts bezahlen mußt, auch, wenn ich das als GEMA-Mitglied ohne Weiteres verlangen könnte.

Ich werde es aber nicht dulden, daß Du das Lied einstellst, ohne wenigstens die Songwriting-Credits anzugeben. Das ist sozusagen der Minimal-Standard. Es soll Autoren wie mir helfen, für ihre Arbeit eine Art von Entlohnung zu bekommen. Das kann auch schon die Verbreitung des Namens + des myspace-Links sein.

Deshalb bitte ich Dich hiermit nochmals, bei dem Lied folgende Angaben einzufügen:

„Weil ich ein Franke / Frabe bin“ M+T: © Borna Cesljarevic 2007, http://www.myspace.com/itsmeborna

Viele Grüße,

Borna“

Jetzt bin ich dann mal gespannt, was passiert…ich werde Euch auf dem Laufenden halten.

Ich hatte haargenau das gleiche Problem letzte Woche mit „Girl from Mogadishou“, welches, ebenfalls komplett aus meiner Feder, wieder einmal gestreamt worden ist, ohne jegliche Erlaubnis, noch nicht mal mit meinem Namen irgendwo. Von Geld natürlich ganz zu schweigen.

Also habe ich um lediglich die Angabe meines Namens gebeten. Ich habe also keinen Vertrag, kein Geld, nur die Platzierung meiner Songwriting-Credits erbeten. Nachdem ich beim 3. Mal noch nicht mal eine Antwort bekommen hatte, habe ich es eben doch bei youtube gemeldet.

Und nun ist das Video gelöscht.

Dazu frage ich mich nur, was solche Leute sich denken. Wahrscheinlich nichts, denn was kostet es einen, einen Namen + Copyrightzeichen mit Jahresangabe zum Video zu schreiben? Kann das so schwer sein? Offensichtlich schon und in diesem Fall habe ich überhaupt kein Problem damit, das ganze zu melden.

Ich meine, man freut sich einerseits darüber, daß, wie im Fall des FCN-Liedes gut 7500 Leute reingehört haben, aber dann stellt man sich die Frage, was man davon hat, wenn keiner der Hörer noch nicht mal die Möglichkeit hat, den Namen des Autors rauszubekommen? Warum keine win/win-Situation zwischen Konsumenten und Autoren?

Das Aufbrechen althergebrachter Strukturen im Musikbusiness ist wichtig, ja. Es ist nicht vertretbar, wenn mit Mega-Acts Millionen verdient werden, die dann zu einem guten Teil beim Management bzw. der Plattenfirma landen, nur, damit die immer wieder DSDS-Scheiße auf den Markt werfen können, wo sie nur deshalb läuft, weil sie ohne Ende gehyped ist.

Aber dann müssen kleine Autoren auch irgendeine Form von Vergütung bekommen, denn die Plattenfirmen haben sich beim Vorwurf, kleine Filesharer auf Millionen zu verklagen ja immer damit rausgeredet, daß sie die Interessen auch der kleinen Autoren stellvertretend wahrnähmen, ihnen finanzielle Sicherheit böten, damit diese ihren Beruf ausüben könnten. Daß die Plattenbosse das völlig ins Extreme verzerrt haben, also daß die meiste Kohle nur bei den durchgestylten Casting-Acts landet, mag sein, aber trotz aller Lüge ist auf diese Weise für kleine Acts letztlich mehr rausgesprungen als bei einem Stream auf youtube ohne Namensnennung.

Wer also Musik kleiner Autoren ohne Vergütung oder wenigstens Namensnennung verbreitet, bestiehlt sie und arbeitet der Ausrede der Major-Acts für ihr drakonisches Vorgehen in die Hände und mir kann keiner von dieser Sorte Filesharer erzählen, daß er die Musik kleiner Bands unbezahlt brennt / streamt, um die Ungerechtigkeit der Majors auszugleichen.

Das ist eine Lüge.

Das ist so, als hätte Robin Hood die Armen bestohlen, weil sie vom Sheriff von Nottingham beschützt werden und die Beute für sich behalten.

Ich habe für solche Arschlöcher kein Verständnis.

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3 Antworten

  1. Hey Borna,

    willkommen in der Welt der „echten“ Bloggerei. „Echte“ Blogger nutzen ihr Blog schließlich hauptsächlich, um ihre schlechte Laune ins Netz zu kippen, das ist Dir erfolgreich gelungen. Befreit ungemein, oder? 🙂

    Zum Thema: ich bin voll auf Deiner Seite, was Namensnennung angeht. Natürlich bin ich nicht auf Deiner Seite als GEMA-Mitglied, aber das ist ja bekannt. Ich schätze, was Du gerade erlebst, ist die Ignoranz einer jüngeren Generation, die die Möglichkeiten der digitalen Welt voll erfasst hat (qualitätsverlustfreies Kopieren), die aber noch keinen Plan von Respekt hat. Respekt vor der Arbeit anderer.

    Deshalb finde ich z.B. Seiten wie Tumblr total toll einerseits, total kacke aber auch andererseits. Toll, weil dort eine Schatzkiste voller Kultur angehäuft wird, kacke weil die Autoren in 99% aller Fälle ungenannt bleiben.

    Um unseren Kindern (mein Gott, sind wir alt, hm?) den notwendigen Respekt beizubringen, muss man sich wohl das Maul fusselig reden, genauso wie Du das tust. Erstmal nett sagen „schön, dass Dir mein Werk gefällt, aber bitte nenne meinen Namen dazu“. Wenn das nicht fruchtet, darfst Du ruhig derbere Töne anschlagen. Mit der GEMA zu drohen, halte ich allerdings für den falschen Weg, denn das provoziert 100%ig eine Trotzreaktion. Überleg mal, wie Du mit 15-16 reagiert hättest, wenn einer zu Dir gesagt hätte „MACH DIR MUCKE LEISER ODER ICH HOLE DIE POLIZEI“. Eher kontraproduktiv, ne?

    Also: erst locker bleiben, dann fluchen. Bloß nicht aufregen, das führt zu Sorgenfalten 😉

  2. Natürlich gibt es eine funktionale Erklärung, also: wenn man das und das tut, führt das zu diesem und jenem Verhalten bei den Kids usw.
    Wollte ich also einen bestimmtes Verhalten erreichen, müßte ich meine Vorgehensweise überdenken.

    Andererseits gibt es im Moment zumindest noch die rechtliche Lage und solange ich die durchsetzen kann, hält sich meine strategische Planung im Umgang mit Musikdieben in Grenzen.

    Ich weiß schon, was Du meinst. Die Kriminalisierung einer so immens großen Anzahl von Leuten auf der Welt kann nicht richtig sein, scheint es. Man ist gewillt, zu sagen: so viele Menschen können nicht irren.

    Und ich glaube, daß das eben doch möglich ist: viele Menschen können kollektiv irren. Letztlich ist es Diebstahl.

    Natürlich kann man den einen von dem anderen Diebstahl unterscheiden: wenn ich z.B. eh schon sämtliche Alben von Iron Maiden oder den Beatles auf Vinyl habe und mir dann die mp3s von einem Freund auf den Stick ziehe, weil ich zu faul bin, selbst umständlich zu rippen, ist das natürlich was anderes, als wenn ich – und das ist ein reales Beispiel! – wie einer meiner Mitbewohner mich damit brüste, „2000 Stunden Musik auf dem Rechner“ zu haben, die ich wahrscheinlich nicht mal bruchstückhaft höre, die ich auch genausowenig im Original besitze, Major- wie Independent-Content und die ich dann auch noch anderen Leuten frei zur Verfügung stelle, die sich das Zeug vielleih auch kaufen würden.

    Es gibt halt solche und solche und wäre ich nicht GEMA-Mitglied, hätten bestimmte (auch Dir bekannte ;-)) Label-Besitzer mir keinen Cent Autorengebühren ausbezahlt.

    Schluß: die GEMA ist nicht ganz ohne, aber es gibt Fälle wie mich, in denen sie ihre Berechtigung hat.

  3. […] die Aktie Mitleid für afgh…daMax on Auf die Aktie Mitleid für afgh…feydbraybrook on Robin Hood zum Arschloch …daMax on Robin Hood zum Arschloch …feydbraybrook on Kaczynski-Trauer […]

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