Belgien will die Burka verbieten

In Belgien soll darüber abgestimmt werden, ob die ganze oder teilweise Verbergung des Gesichtes bis zur Nichtidentifizierbarkeit per Gesetz verboten werden soll. Auffällig dabei ist die breite Zustimmung im Vorfeld vom ganzen politischen Spektrum. Die Mitte und der rechte Flügel – naja, die Gründe dürften bekannt sein: Neo-Nationalismus – sind sowieso dagegen, aber die Linke sieht sich dazu aufgerufen, den Mangel an Feminismus durch die Unterstützung dieses Gesetzes auszugleichen. So, als würden jetzt alle bisher verschleierten Frauen durch dieses Gesetz „befreit“ werden … noch naiver gehts nicht mehr.

Bereits aus pragmatischen Gründen ist der Gesetzesentwurf höchst zweifelhaft. Es gibt im Leben eines Westeuropäers zig Situationen, in denen er die Voraussetzungen für den Tatbestand der ganzen oder teilweisen Verbergung des Gesichts erfüllt: Fasching, Winterkleidung, Motorradhelm usw.

Gerade das letzte Beispiel ist alles andere als aus der Luft gegriffen: es sollen sogar spätere Außenminister Deutschlands in diesem Outfit auf halbkrimineller Tour fotografiert worden sein.

Ebenfalls aus pragmatischer Sicht ist es immer wieder enttäuschend, wie sehr sich gerade das linke Spektum aus einer gutgemeinten pro-feministischen Position für diese in Mode gekommene Status-Grenzlinien-Ziehung mißbrauchen läßt. Ich bin zwar für basisdemokratisch orientierte Politik, aber ein wenig strategisches Denken muß schon sein – jeder, der sich wirksam von nationalistischen Kräften distanzieren will, sollte sich aus der Kopftuch- bzw. Burka-Diskussion heraushalten.

Soviel zur Frage des Pragmatismus.

Aus humanistischer Sicht ist dieser Vorgang erst Recht beschämend. Da wird die Verschleierung gleichgesetzt mit Integrations-Unwillen und womöglich Terrorismus-Nähe.

Wie soll denn das funktionieren?

Wer Terror betreiben will, wird sicher nicht in Nikab mitten über die Einkaufsmeile Brüssel spazieren, um dann einen Akt des Terrorismus zu begehen. Wie blöde kann der Westen sein?

Und wer sich nicht integrieren wollte (ich bezweifle, daß es so viele sind die das aktiv tun, siehe SINUS-Studie in der APuZ 5/2009: S. 8), würde es durch die Kriminalisierung einer religiösen Kleiderverordnung auch weiter nicht wollen.

Der Westen zeigt sich angesichts des Terrorismus hilf- und kopflos. Daraus folgt Aktionismus dieser Art.

Der Artikel auf tagesschau.de ist übrigens sehr differenziert geschrieben, was nicht mehr allzu häufig vorkommt in diesen Tagen.

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Eine Antwort

  1. Machen sich die Befürworter dieser Art von Gesetzen absolut nicht klar, dass sie damit die Frauen zu Hause einsperren? Die meisten, die ich kenne, werden sich einfach weigern, ohne Niqab rauszugehen!

    http://alienineurope.wordpress.com/2010/04/30/burkaverbot-offener-brief-an-meine-muslimischen-geschwister/

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