Protestdisziplin

Mein Statement bei den Parkschützern mit Unterstützern, Schlechtfindern und Diskussion.

Wer zu faul ist, lese hier das Statement:

Zum Thema „mangelnde Präsenz am Bahnhof“ möchte ich Euch meine Postition etwas näherbringen.
Konkret kam gestern vor Ort, am Bahnhof, bei Beginn des „großen“ Abbruchs (denn der kleine hatte, wie wir alle wußten, schon lange begonnen) dieselbe Diskussion auf, die bereits in abstrakter Weise mehrfach bei uns in der Bewegung geführt worden ist.

1. es gibt immer wieder Protestler, die sich beklagt haben, daß der Protest zu lasch sei.
Sie forderten mehr Präsenz, mehr Bereitschaft zu öffentlichkeitswirksamen Aktionen, mehr Bereitschaft zu den Bau verhindernden Aktionen und beklagten das Fehlen derselben. Dies häuft sich seit gestern ganz besonders.

2. die dahinter steckende Überzeugung ist, meinen, zu wissen,
– was das Ziel des Protestes sei
– was die richtige Form des Protestes sei
– was die falsche Form des Protestes sei
– was das Denken und die Überzeugung jener sei, die anscheinend nicht die Ansicht über das Ziel und die Form teilen

3.
kurz: sie interpretieren unsere Art, zu sein und beurteilen uns danach.
kurz: sie beanspruchen Führung

Die Menschen, die auf die Straße gehen, sind aber dort, weil sie sich nicht mehr blind führen lassen wollen.

Ich will mich nicht aufgrund einer aufgedrückten Disziplin führen lassen. Ich entscheide selbst, wann ich einer von vielen bin und wann ich meine Individualität behalten will.
Ich will mein Verhalten nicht mehr von Politikern beurteilen lassen und genauso wenig von selbsternannten Anführern des Protestes.
Auch, wenn ich keine Partei gewählt habe, die an der Durchführung von S21 beteiligt ist: es gibt doch einige, die das getan haben und die dennoch entsetzt sind darüber, daß ihre Stimme auf diese schändliche Art interpretiert worden ist, daß diese Rückschlüsse aus der Legitimation gezogen worden sind. Sie sind von Politikern enttäuscht worden und ich nehme an, daß sie in Frage stellen, ob das System, überhaupt so viel Macht für einen so langen Zeitraum an angeblich repräsentative Personengruppen zu übertragen, noch tragbar ist.

Deshalb meine Position an die Sparte derjenigen, die alle, die nicht an der Mahnwache oder den Blockaden teilnehmen, als „nicht hinter der Bewegung stehend“ verurteilen:

Ihr habt weder die Legitimation, den Konsens der Bewegung zu definieren, noch ihn (selbst, wenn man ihn definieren könnte) für Euch zu beanspruchen. Es gibt kein Protest-Paradigma, und wenn doch, ist die Frage, wer es definiert.
Ihr habt nicht das Recht, zu einer Disziplin aufzurufen (Sprüche wie: „KOMMT ZUR WACHE!“).
Ihr habt nicht das Recht, „mangelnden Gehorsam“ (wenn man nicht zur Wache kommt) zu verurteilen.
Ihr habt noch nicht einmal das Recht, nach dem Grund zu fragen, denn dadurch macht ihr die anderen zu Angeklagten, die eine Bringschuld der Rechtfertigung haben.
Ihr könnt aufrufen, aber ihr habt die Entscheidung zu akzeptieren, ohne Wenn und Aber.

Mal ganz abgesehen davon, daß es äußerst dumm ist, sich der „Logik der Unumkehrbarkeit“ unterzuordnen, indem man deren Negation, die „Logik der Umkehrbarkeit“ zum Ziel unseres Protestes macht. Das ist das Einlassen auf einen Kampf, dessen Spielregeln von Politikern gemacht wurden.

Ob S21 kommt oder nicht – ich lehne es ab. Ich versuche zwar, auf meine Weise etwas dagegen zu tun und wünsche einen sofortigen Baustopp, aber ich entscheide selbst, wie weit ich dafür gehe.

Im Grunde hätte schon eine einzige Demonstration gereicht – jene z.B., bei der mehr als 20000 Menschen an einer Lichterkette teilgenommen haben, um „unumkehrbar“ unseren Protest zum Ausdruck zu bringen. Der Grund, wieso ich für wiederholte Demos bin, ist der pragmatische, daß es dadurch immer mehr Menschen werden, die aus der angeblich „schweigenden Mehrheit“ laut werden gegen S21.

Im Moment läuft natürlich alles drunter und drüber. Das ist verständlich. Aber erst die Zeit wird zeigen, was von all dem, was im Moment an Protesten läuft, wirklich einen Einfluß auf das Leben der Menschen haben wird. Mein persönlicher Wunsch wäre es, wenn die Politiker bei der nächsten Wahl bitter abgestraft würden, damit ihnen das Wort „Demokratie“ durch den versohlten Hintern ins Gehirn aufsteigt. Mein Wunsch ist, daß jeder selbst prüft, was an Aktion und zivilem Ungehorsam er mit seinem Gewissen vereinbaren kann.
Vor allem aber wünsche ich, daß niemand aus dem Auge verliert, daß Baggerfahrer, Polizisten, Bahnvertreter und Politiker mit denselben Rechten ausgestattet sind wie wir.
Wer das nicht tut, muß damit rechnen, daß er mit seiner Argumentation eine Blaupause für jeden liefert, der gegen ihn ist. Wer also anderen Rechte abspricht, nur weil sie für S21 sind, muß damit rechnen, daß dasselbe mit ihm geschieht.

Andere mögen sich derweil damit beschäftigen, der Öffentlichkeit beweisen zu wollen, daß man in der Lage ist, dieses dumme Bauprojekt durch Aktionen wie Blockaden zu behindern. Solange das friedlich abläuft, sollen sie es ungehindert tun.

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2 Antworten

  1. Okay, einigen wir uns darauf dass jeder tut, was er/sie kann und dass es leider immer Leute geben wird, die sich bis zur Selbstverleugnung aufopfern und allen anderen dann Vorhaltungen machen, warum sie nicht auch so einen Einsatz zeigen. Außerdem gibt es auf der PS-Website eben ein paar Deppen. Das alles ist menschlich. Jetzt werd wieder gesund, vergiss die Deppen und komm wieder auf die Demos. Von mir aus meld dich auch von der PS-Site ab, das hab ich auch getan, weil mir das Palaver dort auf den Sack ging. Es gibt genuegend andere Gruppierungen und Einzelpersonen, mit denen man was auf die Beine stellen kann. Oben bleiben!

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