Dreyer: Zuwanderungsdebatte ist schädlich

SWR: Malu Dreyer (SPD), neue Vorsitzende der Integrationsministerkonferenz der Länder, hält die Zuwanderungsdebatte für schädlich.

Es gibt sie also noch, die Integrationsbeauftragten, die diesen Namen verdienen. Hervorzuheben dabei ist der Passus, in dem Dreyer ein Argument anführt, das langsam in Vergessenheit gerät: die Diskussion um „integrationsunwillige“ Ausländer ist sachlich falsch.

Immer wieder zitiere ich u.a. die SINUS-Studie aus dem Jahre 2008 (Artikel von Wippermann / Flaig), die ein differenziertes Bild der Lebenswelten von MigrantInnen zeichnet und nach deren Lektüre mitnichten behauptet werden kann, sie seien integrationsunwillig.

Genau darum geht es: alle distanzieren sich von Sarrazin, aber allzu viele sagen, seine Wortwahl sei inakzeptabel, er spräche jedoch Wahrheiten aus. Aber genau das ist es ja: die Prämisse der „allgemein integrationsunwilligen, schlechtes Deutsch sprechenden“ Migranten ist nichts weiter als eine Mär.

Aber wenn man Migranten nur aus dem Schundfernsehen kennt, kommen einem diese einfachen Erklärungen natürlich gelegen.

Die meisten Menschen haben mit Migranten überhaupt nichts zu tun. Sie sehen sie vielleicht im Kaufhaus oder auf der Straße, aber vor allem kennen sie jene verzerrten Bilder aus RTL & Co.
Das allein gibt zwar ein trauriges Bild der Freizeitgestaltung ab, aber diese mag ja jedermanns persönliche Sache sein.

Daß man sich aber daraufhin eine Meinung über ganze Volksgruppen bildet und diese verdammt, daß man dieses ganze alltägliche Mobbing mit Türkenwitzen und -Verarschung und Etikettierung mitmacht, daß man sogar in der Lage ist, Gesetze zu beschließen, die eindeutig diskriminierend oder einfach nur lächerlich sind, ist nicht mehr nur einfach traurig, es ist eine Schande: weil man zu faul und fettärschig war, mit Andersdenkenden in Berührung zu kommen.

4 Antworten

  1. Hmmm, tut mir leid, ich komme (oder bin eine Zeit lang ) aus beruflichen Gründen sehr, sehr viel mit Immigranten zusammengekommen. (Sozialarbeit, Sport ) Ich habe Freunde bei der Bewährungshilfe, alles Menschen mit hoher Achtung vor allen Menschen. Aber wir alle können nur bestätigen, dass wir enorme Probleme mit der 3. und 4. Generation haben. Das ist so, und wer das schönredet, der tut uns keinen Gefallen.

    • Tja, und ich kann das genaue Gegenteil bestätigen. Migranten leisten einen produktiven Beitrag zu dieser Gesellschaft. Google doch einfach mal die ERgebnisse der SINUS-Studie 2009, dann lernst Du Fakten kennen, die das Bild der Migranten aus dem Unterschicht-Fernsehen nicht bestätigen. Was meine persönlichen Erfahrunge angeht, gilt das Gleiche. Und ja, ich hatte auch schlechte Erfahrungen mit Migranten, ebenso wie mit Deutschen. Und jetzt?

      • Danke für die Studie, ich hätte sie selbst auch schreiben können, sie weicht nicht von meinen Erfahrungen ab. Mit dem Unterschied, dass die, auch in der Studie beschriebene „Unterschicht“ bei uns nicht 7% ausmacht, sondern mindestens 40%. Seit rund drei Jahren kommen plötzlich Eltern aus dieser Schicht in unsere Beratungsstellen, meist mit Übersetzer, da sie kein oder viel zu wenig Deutsch können, um Hilfe zu erbitte, da ihnen ihre Kinder dermaßen aus dem Ruder laufen, dass sie nicht weiter wissen. Das finden wir gut, dass sie kommen, aber wie groß muss der Druck für konservative Muslime sein, um von UNS Hilfe zu erbitten.
        In unserer Region müssen wir Streetworker einsetzen, um Spielplätze wieder für Kinder ohne Migrationshintergrund „bespielbar“ zu machen.
        An den Schulen, an denen ich gearbeitet habe, und zwar an allen, hatten die Schüler mit Mirgationshintergrund die „Herrschaft“ übernommen, waren zum Teil extrem brutal, aggressiv, frauenfeindlich. Lehrerinnen hatten und haben die größte Mühe sich durchzusetzen. In unserer Region hat sich eine klare Parallelgesellschaft entwickelt. Kontakte zur deutschsprachigen Mehrheit ergeben sich ausschließlich in der Schule. Da immer mehr türkischstämmige Unternehmer nur türkischstämmige Mitarbeiter einstellen, fällt der Arbeitsplatz als Begegnungsstätte weg. Manchmal bleibt noch der Sport. Allerdings ist bei uns eine Zunahme von rein ethnischen Vereinen zu bemerken, die ihre eigenen Meisterschaften abhalten.
        Besonders schwierig und zum Teil gefährlich ist die traditionelle Bindung in der Gruppe. Natürlich ist das auch positiv zu sehen, man hilft einander usw. Im Konfliktfall ist das aber mehr als hinderlich.
        Der Sohn einer Kollegin wurde vor 4 Jahren von mehreren türkischen Jugendlichen zusammengeschlagen. Er hat Anzeige erstattet und die Täter wurden gefasst und verurteilt. Seither wird er bedroht, Kino und Diskothek besucht er im benachbarten Ausland. Wir haben das in Zusammenarbeit mit den Behörden untersucht und sind dahintergekommen, dass die gesamte türkische Kommunity im Radius von mehr als 50km von dem Vorfall gewusst hat, teilweise seine Bilder auf dem Handy hatte. Hier führt das traditonelle Gruppendenken zu unglaublichen Auswüchsen.

        Zum Schluss: Wenn ein Jugendlicher ohne Migrationshintergrund straffällig wird und bei meinen Kollegen vom außergerichtlichen Tatausgleich auftaucht, kommt er meist alleine, ist in vielen Fällen eher kleinlaut und versucht den Schaden eher gering zu halten.

        Taucht ein Jugendlicher mit Migrationshintergrund auf, taucht er in der Gruppe auf, macht auf Macho, will einen Mann sprechen und tut so, als ob ihm der Laden gehören würde. Erlebe ich täglich.

        In deinen Augen bediene ich hier nur Vorurteile. Leider ist es umgekehrt. Hier bedienen die Immigranten die Vorurteile der deutschsprachigen Mehrheit.

        Das ist mein tägliches Leben.

  2. @Ovid

    Du sagst es ja selber: Deinem Empfinden nach sind es 40 %, die „der Unterschicht“ angehören, der Studie nach gehören 7 % einem „religiös verwurzelten Milieu“ an. Bereits an der unprofessionellen Bezeichnung merkt man, daß Deine Sicht nicht mehr objektiv ist, dazu kommt der „gefühlte“ Anteil von 40 %, also eine subjektive Steigerung um das sechsfache.
    Was sind das für Beratungsstellen, von denen Du sprichst? Jedenfalls würde ich mich da nicht beraten lassen – Deine Sicht auf Eure Adressaten ist sehr negativ und somit unprofessionell. Das ist so, als hätte ich eine Kfz-Werkstatt und würde meine Kunden hassen, weil sie Schwierigkeiten mit ihren Autos haben. Wenn Eure Adressaten Dolmetscher in Anspruch nehmen, ist das doch positiv zu werten. Daß sie überhaupt kommen, ist bereits positiv zu werten und es widerspricht jeglicher Erfahrung, daß Leute, die Beratungsstellen aufsuchen, daraus keine Schlüsse für ihr Leben ziehen.
    Insgesamt macht mich Dein Bericht skeptisch. Wo soll Deine Beratungsstelle noch mal sein? Und wer ist der Träger? Was ist Deine Ausbildung?
    Das liest sich alles wie ein Sammelsurium bestimmter Boulevard-Sendungen der Sender RTL und SAT1, nicht wie der Bericht eines motivierten Profis in einer Beratungsstelle für Migranten.

    Zur wissenschaftlich korrekten Auswertung der SINUS-Studie empfehle ich folgenden Artikel in der APuZ (herausgegeben von der Bundeszentrale für pollitische Bildung, also höchst seriös, das Ganze):
    http://www.bpb.de/publikationen/KTORL9,0,0,Lebenswelten_von_Migrantinnen_und_Migranten.html

    von Dipl. Psych. Bodo Flaig und Dr. rer. pol. Carsten Wippermann.

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