ora et labora – bete und schippe!

Gibt es etwas Schöneres als frischen Schnee?

Natürlich ist es nervig, am Flughafen tagelang auf seinen Abflug warten zu müssen. Auch möchte ich keinen Winterdienst haben, während andere „im Kreise der Familie…“ usw.
Kurz:
Es gibt so manchen Grund, Schnee nicht zu mögen.

Wenn man aber das Glück hat, nicht zu einem der oben beschriebenen Personenkreise zu gehören, ist Schnee, also der frische, schöne, unberührte, weiße Schnee einfach nur schön. Noch dazu, wenn man, wie ich, gerne in aller Ruhe Schnee schippt.

Nein, ich bin kein Schneefetischist. Einer unserer Nachbarn in Stuttgart hatte die Angewohnheit, morgens um 6 Uhr Schnee zu schippen – und wenn es nur eine Decke von 1 cm war. Immer. Auch sonntags. Ob es an der schwäbischen Kehrwoche lag, weiß ich nicht. Jedenfalls muß es eine Art Liebe oder Fetischismus (beides?) gewesen sein. Und er tat es immer in Pantoffeln ohne Socken.

Zu dieser Sorte zähle ich mich also nicht. Aber da man es eh schon tun muß, um mit dem Auto überhaupt auf die Straße zu gelangen, tue ich es eben, und ich versuche, dabei Spaß zu haben.
Es ist einfach ein Unterschied, ob man arbeiten muß oder arbeiten will. Da ich die letzten 2 Wochen völlig vergrippt war, habe ich mich also warm eingepackt und bin raus, Heldentaten vollbringen.

Es gibt verschiedene Techniken, es zu tun.
Schneisentyp:
Manch einer schiebt am liebsten erstmal eine Schneise durch die Schneedecke. Daß am Ende auch nur eine gute Schippe voll weggeräumt ist, zählt nicht. Auch nicht, daß der Schnee links und rechts der Schneise jetzt deutlich höher liegt und noch schwieriger wegzuschippen ist. Wichtig ist nur: ich habe meine Spur hinterlassen. Ein absolut archetypisches menschliches Verlangen.
Und dann kann es auch sein, daß man es dabei einfach beläßt. Wozu alles freischaufeln, einer kommt ja durch… und wenn man sich entgegenkommt, kommt man sich eben entgegen und tritt ein wenig zur Seite😉

Hover Bovver-Typ:
Man kann den Schnee auch so völlig ohne Plan schippen. Ganz so, als würde man beim Rasenmähen von Nachbars Lumpi verfolgt.

Nadeldruckertyp:
Wahrscheinlich ist es am kraftökonomischsten, den Schnee so zu schippen. Eine Reihe von links nach rechts, dann die nächste von rechts nach links usw. Menschen, die dazu in der Lage sind, hätten auch Mönch werden können. Ora et labora. Es liegt etwas Gleichmütiges, aber Glückliches in diesem Typ Mensch. Der Weg ist das Ziel. Wenn man so arbeitet, vergißt man schnell, daß man arbeitet, läßt währenddessen seinen Gedanken freien Lauf und – schwupps – ist der Schnee auf einmal geschippt. Und das ist womöglich das einzige Problem, das dieser Typ Schipper hat.

Auch hier ein Beispiel aus Hover Bovver:

Jedenfalls gabs heute eine Menge wegzuschippen und ich war echt froh, als ich fertig war. Draußen noch dem Nachbarn „Fröhliche Weihnachten!“ zugerufen, bin ich dann echt verschwitzt in einer – so kam es mir zumindest vor – Höllenglut drinnen angekommen. Und gerade eben, nachdem ich seit mindestens 1 1/2 Stunden wieder drinnen war, habe ich mal rausgeschaut und war deprimiert.

Nein, nicht wegen der 2 cm-Schicht neuen Schnees. Damit muß man eben rechnen. Es war schlimmer: der gut 20 Jahre ältere Nachbar war immer noch fleißig am Schippen. Da hatte ich mich für ach so fleißig gehalten und dann sowas.

Naja, Zweitbester. Immerhin.

Eine Antwort

  1. Na spitze, dann kann man das effiziente Rasen mähen üben. Einfallsreich finde ich.

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