Lauer (Piraten): Arbeit kann man nicht anfassen, also muss man sie nicht bezahlen!

Zieht Euch das mal rein (vor allem die halbgare Antwort des Piraten-Partei-Politikers Christoph Lauer):

Regener (Element of Crime) lässt es krachen

Also dieser Lauer von der Piratenpartei läßt ja mal nichts als Politikergelalle von sich. Nur ein Beispiel: er hält den Supermarkt-Vergleich Regeners für falsch, da beim Klau einer Packung Nudeln die Packung weg sei, beim Kopieren von Musik im Internet die Musik aber immer noch da. Denkfehler: der Schaden beim Nudelklau ist der mangelnder Vergütung des Nudelproduzenten, nicht der einer etwaigen Vernichtung/eines Verbrauchs des Produkts. Und der Schaden beim Musik-Kopieren ist – GENAU DER GLEICHE: der Produzent der Musik wird nicht vergütet.

Es geht um das Prinzip, daß Arbeit vergütet werden muß, und damit ist nicht nur der Prozeß der „Herstellung von Musik“ (klingt bescheuert, aber anders versteht es so ein Yuppie wie der von der Piratenpartei nicht) gemeint, sondern auch die Einstellung, die persönliche Haltung, der Austausch unter Kulturschaffenden, der Überblick über die Szene (John Lennon hat sich, bevor er eine neue Platte rausgebracht hat, regelmäßig die Top 20 besorgt und durchgehört, was manchmal alles andere als Freizeitvergnügen ist…) und nicht zu vergessen jahrelange Entbehrung als Nobody sowie intensives Studium seines Instruments. Es gibt tausende Musiker, die das alles investieren und nichts rausbekommen – einfach weil sie nicht zur richtigen Zeit am richtigen Ort sind. Ich kenne ein paar verdammt gute und fähige Musiker, die es nie zu etwas gebracht haben – die gehen ein enormes Risiko ein und bekommen als Gegenleistung nichts dafür. Und da denke ich, ist es doch einfach nur fair, deren Musik als Ergebnis von Arbeit zu sehen und es entsprechend zu vergüten.

C.S. schrieb empört auf facebook:
Aus Wikipedea:in den letzten Jahren gerät das aktuelle Urheberrecht, entgegen aller legislativen Trends, immer mehr in die Kritik führender Rechts- und Wirtschaftswissenschaftler.
Kritisiert wird vor allem, dass das Urheberrecht immer mehr zu einem „Rechteverwerterrecht“ ohne Berücksichtigung der Allgemeinheit und der im Wandel befindlichen Internet- und Informationsgesellschaft verkomme. Das Urheberrecht sei in seiner aktuellen Form ein Relikt des letzten Jahrhunderts, das in der Zeit von interaktiven Internetanwendungen und Breitbandanbindung eine ganze Generation kriminalisiere und in keiner Weise mehr seiner ursprünglichen Intention gerecht werde. Anstatt kreatives Schaffen zu beflügeln und zu fördern, schränke das aktuelle Urheberrecht die Entwicklung von Kultur und Fortschritt enorm ein. – Welch Skandal: Das Urheberrecht schützt immer mehr nur das Recht des Urhebers. Wo kommen wir denn da hin? Die armen kriminalisierten Kulturjünger…

Dem fügte ich bei:
ja, deshalb darf man die Wikipedia auch nicht in wissenschaftlichen Arbeiten zitieren: jeder Depp darf da was reinschreiben und die Quelle ist ungesichert. Das Urheberrecht ist also immer mehr ein „Rechteverwerterrecht“ – wie verwerflich… JA, WAS SOLL ES DENN SONST SEIN??? Und was gibts bei Leistungsschutzrechten gegenüber der Allgemeinheit denn zu berücksichtigen? Das ist ein klares Verhältnis zwischen Dienstleister und Konsument. Dieser Logik folgend müßte man den gesamten sozialen Dienstleistungssektor für monetär wertlos erklären, denn es ist ja im Dienste der Allgemeinheit, wenn Ärzte, Krankenpfleger, Sozialpädagogen, Therapeuten und Psychologen ihre Arbeit verrichten… nur, daß es bald keine Ärzte, Krankenpfleger, Sozialpädagogen, Therapeuten und Psychologen mehr geben wird, wenn deren Arbeit nicht angemessen vergütet wird.

Weiter bringt Lauer in seinem Interview das Argument, man könne gegen die Entwicklung des Filesharing im Internet ja nichts mehr machen. Ach so, somit ist das Kopieren dann also legitimiert. Wies stehts dann mit Kinderpornos? Ich las auf tagesschau vor ein paar Jahren, die Internet-Kinderporno-Szene sei nicht mehr kontrollierbar, das Netz sei einfach zu groß. Heißt das der Logik Lauers zufolge, daß Kinderpornos nun legitim sind? Ich sage dem eine glänzende Karriere als Politiker voraus, nur als Mensch ist der Typ eine herbe Enttäuschung.

4 Antworten

  1. Auch hier zeigt sich der geistige Ursprung des Gros der Piraten; die Aushöhlung von Urheberrechten und die Gratismentalität.

  2. Schlechtes Beispiel: Unabhängig davon, ob oder wie verwerflich der Vorgang des ungenehmigten Kopierens nun ist, gibt es nun einmal entscheidende Unterschiede zwischen einem realen und einem virtuellen Gut.
    Die geklauten Nudeln lassen sich eben nicht mehr weiter verkaufen weil sie weg (oder beser: woanders) sind. Der Besitzer kann sie keinem ehrlichen Kunden mehr verkaufen. Bei (z.B.) einem Song ist das nicht so. Der Verwertungsberechtigte kann den Song immer noch an alle verkaufen, die dafür Geld ausgeben wollen – egal wie oft der Song „gestohlen“ wurde.
    Wer behauptet, das wäre GENAU DAS GLEICHE, hat entweder nicht sehr genau nachgedacht oder argumentiert nicht ehrlich.
    Nochmal: nur weil es kein Diebstahl ist, bedeutet es ja auch nicht automatisch, dass Filesharing erlaubt oder moralisch wäre.

    Und tatsächlich sagt Lauer im Interviews wörtlich: „…natürlich müssen die Menschen die Musik machen … damit Geld machen können…“.

    Also woher kommt die Behauptung, Lauer würde die Arbeit von Musikern nicht honorieren wollen?

    Und wo im Interview sagt lauer, dass Filesharing legitim sei weil man dagegen nichts machen könne? Ich habe es mir hier (http://www.br.de/radio/bayern2/sendungen/zuendfunk/christopher-lauer-piratenpartei100.html) zweimal angehört, aber nichts gefunden.

    • Sieh es mal als eine Dienstleistung. Musik wird erst dann zur Musik, wenn sie konsumiert wird. Das ist ihr Zweck und der Herstellungsprozeß dieser Dienstleistung ist auf diesen einen Zweck ausgerichtet. D.h. sobald die Musik gehört wird, ist die Dienstleistung erbracht und gehört entlohnt. Wenn man nun Musik kopiert, ist zwar nach wie vor ein WAV oder mp3 beim Autor oder dem Label, aber das kopierte mp3 beim Konsumenten ist es, das den Schaden anrichtet. Die ganze Arbeit, die darin steckt, den Zweck – den Konsum, das genußvolle Hören – zu erfüllen, wird nicht entlohnt, obwohl sie ihren eigentlichen Zweck erfüllt: den Konsumenten dazu zu bewegen, genau diese Musik zu hören und nicht irgendeine andere. Das ist eine Kunst und verdammt viel Arbeit, denk mal nur an die Zeit und Mühe, derer es bedarf, ein Instrument zu spielen, bis man es so spielt, daß andere zuhören möchten.
      Und je einfacher man spielt bzw. je einfacher es aussieht, desto mehr Arbeit steckt drin. Tomi Ungerer hat mal über Zeichungen gesagt: „einer guten Zeichnung sieht man die Arbeit, die drin steckt, nicht an.“ Picasso steht oft für Abstraktion, manche nennen es Gekritzel. Der konnte zeichnen und malen wie ein alter Meister. Was ist da passiert, zwischen blauer Phase, Kubismus und Auflösung der Form? Könnt Ihr Piraten das mit dem einfachen Denkmodell „Künstler setzen Aktes einfach nur neu zusammen“ erklären? Kein Mensch kann das! Picasso hat sich auf die Reise begeben, innerlich und tatsächlich, hat sich mit seiner ganzen Person auseinandergesetzt, mit der Umwelt, der Kunstszene und irgendwie kamen dann diese herrlich abstrakten Bilder hervor, die NUR er auf DIESE Weise malen konnte.

      Es ist gnadenlos unkultiviert, in all dem nur Kritzelei zu sehen. Es ist gnadenlos unkultiviert, in einem Ohrwurm nur ein nettes Liedchen zu sehen. Vielleicht kommt ein Ohrwurm leicht daher, aber davor steht oft ein Werdegang als Künstler, vor dem die meisten Menschen zurückschrecken würden – deswegen wird ja auch nicht jeder Künstler. Weil es alles andere als ein Zuckerschlecken ist. Die Künstler, die „es schaffen“, haben das alles aus reiner Liebe zur Kunst getan und oft jahrelang von Scheiße gelebt. Und dann kommen die Piraten daher, ignorieren alles, was zum Schaffensprozeß dazugehört und sagen: „och, das sind doch nur dreieinhalb Minuten Geräusch und die werden ja nicht weniger, wenn ich mir die anhöre und kopiere…“.

      Materialisten sind das. Pure Materialisten. Aber Materialisten, die ein ganz sensibles Verhältnis zu ihren Daten haben, welche man doch auch immateriell nennen kann und die durch Weiterverbreitung auch nicht weniger werden. Aber klar, das ist was anderes…

  3. @labomat
    noch mal zu Deiner Frage bzgl. Lauer und des Filesharings:
    bei 2:24 etwa sagte er: „…und natürlich müssen die Menschen, die Musik machen, die immaterielle Güter herstellen, damit Geld verdienen können, aber durch das Internet hat sich halt einfach das Spiel verändert.“
    Heißt soviel wie: „…vielleicht habt Ihr ein Recht auf Entlohnung, aber das Internet macht es möglich Euch, nicht zu entlohnen.“.
    Ich sags ja. Die Piraten kopieren, weil sie dazu in der Lage sind. Das ist bei jedem Dieb so. Er tut es nur dann nicht, wenn er davon ausgehen muß, entdeckt zu werden. Da das schon schwer genug ist (denn in den Tiefen des Internets gibt es genug genug virtuelle Schlupflöcher), muß man wenigstens das Urheberrecht erklären, den Sinn dahinter erklären. Damit es ein paar wenige aus Gewissensgründen nicht tun.

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