Frage an die Produktpiraten

Nur eines noch:
die Pirätchen sagen, es gäbe kein geistiges Eigentum. Schließlich würden auch Autoren auf Bestehendes zurückgreifen, aus dem Allgemeingut schöpfen. Also müsse man – durch die aufopferungsvolle Arbeit der Piraten natürlich – diese Bestandteil wieder in das Allgemeingut zurückführen.

Selbst wenn das stimmen würde – wenn also Kunst frei von jenem unbegreiflichen Etwas wäre, das aus einem Künstler kommt und dessen Ursprung niemand, manchmal nicht mal der Künstler kennt – selbst in diesem Fall würde das ja bedeuten, daß der Zweck von Kunst, wo immer sie auch herkommt, die Schaffung von Kunst wäre.

Wir reden beim Filesharing aber vom Konsum dieser Werke.

Deshalb, liebe Piraten: Ihr dürft gerne Musik nehmen, kopieren, auseinandernehmen – WENN Ihr daraus Neues schafft. Wenn Ihr Musik analysiert, versteht und dann neue Musik daraus macht.

Ihr macht doch aber gar nichts Neues aus der Musik, die Ihr kopiert. Ihr kopiert sie, um sie zu konsumieren. Warum zahlt Ihr dann nicht für sie? Wollt Ihr mir erzählen, Ihr tätet das, um die Entstehung neuer Werke zu beschleunigen? Dann stellt sie unbesehen, ungehört ins Netz für andere Künstler. Dann nämlich, und nur dann, habt Ihr das getan, was Ihr zu tun vorgebt: „Wissen“ (darauf reduziert Ihr die Kunst ja) an die Allgemeinheit zurückgeben.

Ich dachte ja eigentlich, daß Coder irgendwie logisch denken müssen, um zu coden, aber offensichtlich beschränkt sich die Logik auf das Programmieren, nicht auf das Argumentieren.

2 Antworten

  1. die Pirätchen sagen, es gäbe kein geistiges Eigentum.

    Das sagen nicht die Piraten, sondern bereits viele Wissenschaftler und Juristen, bevor es die Piratenpartei überhaupt gab. Die Piraten haben sich lediglich oder allerdings dieser These angeschlossen: http://de.wikipedia.org/wiki/Geistiges_Eigentum

    …aus dem Allgemeingut schöpfen.

    Die Definitionen sind unpräzise. Ab wieviel Noten ist ein Musikstück überhaupt ein schützenswertes Werk? Ist nicht jede Note für sich bereits ein eigenständiges Werk? Ähnlich klingende Musikstücke mit phasenweise identischer Notation werden gelegentlich Anlass für Urheberrechtsstreitereien zwischen den Musikern selbst. Manche Musiker können nicht einmal Noten lesen und benutzen sie trotzdem, nicht selten mit großem Erfolg. Sind diese Noten bzw. Klänge nicht Allgemeingut? Wenn nicht, wem gehören sie dann? Was lässt eine Ansammlung von Klängen zum eigenständigen Werk werden? Darf ich überhaupt Texte verfassen, wenn die Wörter nicht mir gehören? Verletze ich das Urheberecht, wenn ich einen Satz genauso formuliere, wie es ein berühmter Autor in einem seiner Bücher getan hat, auch wenn ich das Buch nie gelesen habe und meine Ansammlung von Wörtern zufällig die gleiche Reihenfolge besitzt? Woraus besteht das Allgeingut denn genau?

    Wir reden beim Filesharing aber vom Konsum dieser Werke.

    Falsch, wir reden beim Filesharing vom Tauschen von Daten. Diese müssen nicht zwangsläufig urheberrechtlich geschützt sein. Es ist allerdings so, dass auch in erheblichem Maße urheberechtlich geschützte Daten über Filesharing getauscht werden, bewusst wie unbewusst. Technisch birgt aber ein solches Peer-to-Peer Netzwerk die Gefahr, dass ein Download unmittelbar nach Beginn auch gleichzeitig einen Upload darstellt. Damit bietet man unrechtmäßig Daten an und muss demzufolge mit einer Abmahnung rechnen. Der Konsum ist übrigens allein nicht illegal.

    Warum zahlt Ihr dann nicht für sie?

    Das ist eine blanke Unterstellung. Demzufolge müssten all jene, die einmal abgemahnt wurden, Mitglied der Piratenpartei sein. Eine Überprüfung dieses Sachverhaltes würde dich erschrecken. Darunter befinden sich mehr Leute, die andere Parteien bevorzugen, wie mir meine Erfahrung im IT- Support bestätigte. Also sei bitte vorsichtig mit solchen Behauptungen.

    …Wissen an die Allgemeinheit zurückgeben.

    Hier muss man differenzieren. Werke im Sinne von beispielsweise Filmen oder Dokumentationen, die im öffentlich- rechtlichen TV gezeigt werden, wurden bereits vom Konsumenten bezahlt. Grob gesehen war es eine Auftragsarbeit der jeweiligen Autoren, die ebenfalls entlohnt wurden. Das Produkt gehört der Allgemeintheit, die deren Schaffung finanziell ermöglichte. Daher ist es nur gerecht, wenn diese Werke auch der Allgemeinheit zur Verfügung stehen.

    Wissen basiert auf Lernen und dem Vermitteln von Wissen. Ein Schreinermeister vermittelt seinem Lehrling das nötige Wissen, damit dieser später selbst einmal dieses Wissen anwenden kann. Auch bestimmte Techniken gibt der Meister seinem Schüler weiter. Manche Techniken entwirft der Lehrling vielleicht selbst. Hätten diese Meister ihr Wissen für sich behalten, würden wir heute nicht auf Stühlen sitzen, nicht am Tisch essen und raffiertes Designermobilar gäbe es nicht. Innovation lebt von der Weitergabe von Wissen.
    Das wiederum bedeutet keinesfalls, dass der Schaffende von geistigen Lestungen dafür nicht entlohnt werden soll, jedoch die Modelle des vergangenen Jahrhunderts sind eben nicht mehr kompatibel zum heutigen Stand. Man muss neue Wege finden, die Urheber auch im digitalen Zeitalter vernünftig entlohnen zu können, damit die Welt jene Bereicherungen nicht verliert. Das aktuelle Urheberrecht, welches in höchstem Maße die Verwertungsindustrie bevorteilt und die eigentlichen Urheber in eine Abhängigkeit drängt, sollte in Sinne der Urheber selbst und der Allgemeinheit reformiert werden.

    • Ich höre und lese immer wieder die gleiche Fehlargumentation:
      selbst, wenn es zuträfe, dass die Urheber von der „Verwertungsindustrie“ ausgebeutet würden, inwiefern ist dann Filesharing eine Unterstützung der Urheber?
      Das leuchtet überhaupt nicht ein. Seid doch ehrlich: Ihr wollt Mucke, aber Ihr wollt nix dafür bezahlen. Ich kenne keinen Urheber, der sich über die GEMA beschwert hätte, und ich selbst kann da auch insgesamt nur Gutes berichten.

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: