„Das Experiment“ – falsches Leid erzeugt keine echte Empathie.

„Gib nicht vor, etwas zu verstehen, was du nicht selbst erlebt hast.“

(Dschalal ad-Din Muhammad Rumi)

 

Die ZDF-Serie „Auf der Flucht – Das Experiment“ ist in aller Munde. Den Stream des Trailers spare ich mir hier aus Gründen, die ich weiter unten noch nennen werde.

 

Vielmehr möchte ich zunächst mal an das hier erinnern:

 

 

Liebes ZDF, SO macht man das.

SO rüttelt man auf – anstatt (überwiegend) einheimische, des Deutschen mächtige Protagonisten zu schaffen, mit denen sich der Durchschnittsbürger sowieso schon identifiziert.

SO hält man einen Spiegel vor – anstatt von vornherein den Zuschauer (und die Protagonisten) in der Sicherheit zu wiegen, doch eigentlich politisch OK zu sein und immerhin den Mut gehabt zu haben, dei Flucht eines Asylanten nachzuerleben – obwohl es eigentlich nur ein Spiel ist.

SO demaskiert man dumpfe Statements – anstatt dumpfen Statements (wie jenen Mirja du Monts) auch noch eine gut ausgeleuchtete Bühne zu bieten.

SO bewegt man etwas – anstatt dem Zuschauer eine Legitimation für seine Haltung zu geben – denn man hat ja jetzt wirklich Mitgefühl gehabt und wirklich Einblicke bekommen (nur dass es natürlich auch Leute gibt, die den deutschen Staat ausnutzen wollen blablabla…)

Es bedarf neuer, origineller und vor allem mutiger Formate in den Medien. Weil sich nationalistische Zirkel der politisch-korrekten Aussagen geschickt bedienen – da wird Islamophobie im Namen einer angeblich Israel-freundlichen Politik betrieben. Oder – weil wir ja für freie Meinungsäußerung sind – lädt man Rechtsnationale in Talkshows ein, um sie vorzuführen. Und die verbreiten dann ihre Parolen ungeachtet dessen, was ein Teil der Zuschauer über sie denken mag – sie sind dankbar für die Bühne, die man ihnen gibt.

Die Gesellschaftsschicht, auf die es ankommt beim Kampf gegen den Nationalismus ist die breite Masse, die Mitte. Es geht nicht darum, jene am äußersten Rand zu bekehren. Die sind nicht mehr zu bekehren und je mehr man es versucht, desto mehr Grund sehen sie darin, sich zu radikalisieren. Teilweise dürfte es ihnen auch noch gefallen.

Lieschen Müller ist die Adressatin. Aber Lieschen wird „Auf der Flucht – Das Experiment“ ganz sicher nicht als Kritik an sich selbst und als Aufforderung, ihren Standpunkt zu überdenken sehen. Sie wird vielmehr froh sein, Empathie für das Leid der Asylanten empfunden zu haben – auch wenn es gar kein echtes Leid und gar keine echten Asylanten waren.

Falsches Leid erzeugt keine echte Empathie.

 

Links:

http://shehadistan.com/2013/08/08/auf-der-flucht-das-experiment-beschwerde-an-den-zdf-fernsehrat/

http://afrika.himpenmacher.de/fick-dich-zdf

http://afrikawissenschaft.wordpress.com/2013/08/07/siehs-mal-neo-kolonial/

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