Ein schwerer Gang aufs Sozialamt – Hartz IV

Ich war vor 8 Jahren für etwa 4 Monate leider in der unglücklichen Situation, Hartz-IV-Empfänger zu sein. Das hatte sich kurze Zeit später geändert. Aber dennoch gab es in diesen 4 Monaten ein paar sehr unangenehme Situationen, die diesen Artikel bestätigen:

Anno 2005, Stuttgart Ost, Sozialamt, 2. Stock. Ich bin unter den ersten Hartz-IV-Empfängern, habe einen Termin um 8 Uhr. 7.55 Uhr bin ich dort. Vor der Anmeldung steht eine etwa 20 m lange Schlange – sie reicht die Treppe bis in den 1. Stock runter. Jetzt wird sich jemand fragen, wieso sich die Schlange nicht in den Gang zieht. Antwort: es geht nicht, denn beide Türen rechts und links der Anmeldung sind verschlossen und der einzige „freie“ Weg ist die Treppe runter. Ich kann gar nicht in den Gang eintreten, wo Frau X. demnächst vergeblich auf mich wartet.

Bis ich das Problem mit den Türen erkenne, ist es ca. 7.57 Uhr. Jeder weiß, wie knallhart manche Sachbearbeiter auf Ämtern sein können – 1 Minute Verspätung kann da schon bedeuten, dass du nicht mehr rankommst. Und wenn du einen Termin nicht wahrnimmst, wird dir die Leistung gekürzt. Ich krieg leichte Panik. Bis ich die Schlange durchgestanden habe, ist es gut und gerne 8.30 Uhr oder später. Und dann entdecke ich einen kleinen DIN A 4 – Zettel an der Türe der Anmeldung: „LEUTE MIT TERMIN – BITTE EINTRETEN“.

Ich drängele mich also an den Leuten vorbei. „Tschuldigung…“ und „Darf ich bitte…“ Die Blicke, die ich ernte, kann sich jeder vorstellen. Zu einer Art Solidarität unter den „Adressaten“ (wie man es so schön nennt), trägt der DIN A 4 – Zettel jedenfalls nicht bei.

Inzwischen ist es 7. 59 Uhr. Ich bin sauer.

Drinnen sitzen mehrere Leute an PCs, ein „Adressat“ an der Theke wartet. Was soll ich tun? Offensichtlich ist gerade niemand zuständig. Und selbst, sich einer des „Kunden“ (auch so ein Euphemismus) annimmt – bis dessen Anliegen geklärt ist, komme ich bestimmt zu spät. Ich sage in den Raum hinein: „Entschuldigen Sie mal, ich habe einen Termin um 8 und die Tür draußen…“ – weiter komme ich nicht. Ein leicht molliger Mann Mitte 20 springt in meine Richtung auf, zieht das Kinn hoch, so dass er mich quasi von oben herab beäugen kann und sagt äußerst barsch: „Was ist los, hä? Suchen Sie Streß? SUCHEN SIE STRESS?“. Ich wiederhole mein Anliegen mehrfach geduldig und irgendwann kommt es auch bei dem Freizeit-Freisler an.

Dann wird mir die Tür in den Gang aufgeschlossen, während etliche andere weiter warten müssen.

Niemand rügt den Mitarbeiter, er entschuldigt sich natürlich nicht bei mir. Ich sitze im Gang und warte auf Fr. X. Es ist ca. 8.10 Uhr, als ich hereingebeten werde.

(Fortsetzung folgt).

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