Nintendo und so…

Mario Kart 8 kam, sah und siegte.

War die Wii U seitens mancher Publikationen schon totgesagt worden, redet nun kaum einer noch vom Untergang der aktuellen Nintendo-Konsole. MK 8 hat sich alleine in der ersten Woche 1,2 Millionen mal verkauft [Update 27.06.2014: Verkaufszahlen weltweit: 2 Millionen]. Dabei ist anzumerken, dass viele Leute sich extra dafür eine Wii U gekauft haben, will heissen: MK 8 hat auch die Hardwareverkäufe angekurbelt.

 

mk8Nicht schlecht für das erste Verkaufswochenende: 1,2 Millionen verkaufter Einheiten von Mario Kart 8.

Schon ist die Rede von einer Trendwende – Nintendo hatte mit der Vorgängerkonsole (Wii) dank der innovativen Bewegungssteuerung die in technischer Hinsicht hoch überlegene Konkurrenz auf die Ränge verwiesen, aber der Nachfolger Wii U tat sich mangels ausreichenden Softwareangebots zunächst schwer. Dank MK 8 und eines überzeugenden Auftritts auf der E3 ist von Krise kaum noch die Rede: das Blatt wendet sich und ich will mir hier ein paar der verbliebenen Kritikpunkte an der Wii U genauer anschauen.

Zunächst einmal fällt auf, dass plötzlich hier und da externe Publisher nun doch bereit sind, Spiele für die Wii U herauszubringen. Ganz so plötzlich kommt das dann auch nicht: nach dem Verkaufserfolg von MK 8 sowie einer überzeugenden E3, bei der u.a. das langersehnte Wii-U-exklusive Zelda angekündigt worden ist, ist Nintendo wieder in aller Munde.

Dazu zunächst der Zelda-Teaser-Trailer von der E3:

 

 

Kritikpunkt: die Entwicklung von Spielen für die Wii U ist ein Risiko.

Nun ist Ubisoft-CEO Yves Guillemot der Meinung, Nintendo müsse die Konsole billiger anbieten, denn das würde die Verkäufe weiter ankurbeln und Nintendo endgültig zu einem Kandidaten für Spiele-Releases machen. Klartext: „Nintendo, mach Deine Konsole billiger, dann wird sie öfter gekauft und wir sind dann so gnädig, für sie Software zu produzieren, die wir an viele Leute verkaufen können„. Schönen Dank, Herr Guillemot für den Ratschlag in der Not. Nur sollten Sie ja eigentlich wissen, dass Konsolen sich besser verkaufen, je mehr Software für sie vorhanden ist.

Dementsprechend hat Ubisoft verlauten lasse, ein fertiges Wii U – Spiel in der Schublade stecken zu haben, dieses aber noch zurückzuhalten, bis die Konsolenverkäufe ein sicheres Geschäft garantierten. Man wolle das Geld fürs Marketing nicht in den Sand setzen. Ich glaube, das mit Ubisoft und Nintendo wird nix. Ich habe schon so einige verärgerte Kommentare von Nintendo-Besitzern bzgl. Ubisofts Release-Strategie gelesen und kann diese wirklich nachvollziehen..

Weiter frage ich mich, für wen sich der CEO von Ubisoft hält. Klar, seine Firma ist einer der größten Publisher überhaupt und Spiele aus seinem Hause sind eine gewichtige Entscheidungshilfe für die Anschaffung einer Konsole. Allerdings überschätzt er hier Ubisofts Einfluss eindeutig. Denn Nintendo hat ein derart eigenes Profil, dass eher Publisher ihre Spiele an die Konsole anpassen müssen denn Nintendo auf „gutgemeinte“ Ratschläge bezüglich der Preispolitik seitens einer Softwarefirma hören. Beispiel: Rayman Legends aus eben jenem Hause Ubisoft.

 

Rayman-Legends-wii-uRayman Legends beweist, welches Potenzial im Wii-U-GamePad steckt – man muss es nur ausschöpfen.

 

Rayman mag seinen Fanstamm haben, allerdings hat der Titel weder je den Verbreitungsgrad noch den Kultfaktor von Super Mario erreicht. Dementsprechend musste Rayman Legends für die Wii U den Konsolenbesitzern auch etwas zu bieten haben angesichts der drückenden Konkurrenz aus dem Hause Nintendo, denn: warum soll sich der Besitzer einer Nintendo-Konsole ein Jump ´n´ Run anschaffen, das nicht Super Mario ist? Und hier hat Ubisoft das einzig Richtige getan und sich der Nintendo-Spielekultur angepasst. Letztlich ist es dem Publisher mit Rayman Legends auf der Wii U gelungen, durch die konsequente Nutzung des Wii-U-Gamepads einen Kaufanreiz zu liefern. Der Wechsel zwischen GamePad und TV ist nicht nur hübsche Spielerei, sondern wirkt spielerleichternd bzw. den Spielfluss fördernd.

D.h., Publisher müssen sich Nintendo anpassen, nicht umgekehrt. Wenn Ubisoft 6,2 Mio Kunden für keine ausreichende Zahl möglicher Kundschaft hält, frage ich mich, inwiefern 7 Mio dann besser sein sollen – von den 5 Mio (an Händler, nicht an Kunden!) ausgelieferten Xones mal ganz abgesehen. Falls aber das Spiel einfach nur ein billiger Abklatsch der Xone-PS4-Versionen ist, könnte es aber natürlich sein, dass Ubisoft ein Risiko mit einem Release eingeht. Dann müssen sie halt überzeugendere Titel rausbringen.

 

Kritikpunkt: „Wii U klingt der Vorgängerkonsole Wii zu ähnlich“.

Die Prügelstrafe ist zurecht abgeschafft, und dennoch möchte man bei manch voreilig herausposauntem Kommentar einfach nur mit der flachen Hand ausholen. So geschehen bei der Annahme, die Wii U hätte sich anfangs nicht so gut verkauft, weil der Name zu ähnlich sei und man somit eventuell gar nicht bemerke, dass es sich dabei um eine neue Konsole handele.

Der Nachfolger der Playstation hiess Playstation 2. Und deren Nachfolger? Wir erinnern uns: Playstation 3. Und nun, Achtung, IQ-Test, bietet Sony die Playstation 4 an. Geschadet hats nicht. Bei der Xbox hat man sich schon einiges mehr einfallen lassen: aus der XBox wurde die Xbox 360, bis wir nun die Xbox One vorliegen haben. Geschadet hats nicht. Das NES wurde vom SNES abgelöst, geschadet hats nicht.

OK, der C128 war, verglichen zum C64 ein Flop. Das lag aber wohl eher daran, dass er als 8-Bit-Computer zu einer Zeit gekommen war, als Atari – und wenige Monate später Commodore selbst – bereits 16-Bit Computer auf dem Markt hatten.

Also das mit dem Namen wollen wir mal ganz schnell wieder vergessen.

 

Zelda:

zugegeben, Nintendo hat sich selbst keinen Gefallen damit getan, seit Release der Konsole bis zur E3 2014 nicht ein Wort darüber zu verlieren, ob es nun ein Wii-U-exklusives Zelda geben wird oder nicht. Zelda ist – wie Super Mario Bros – ein Label mit riesiger Fangemeinde auf der ganzen Welt und somit ein echtes Zugpferd im Wettbewerb um die Vorherrschaft im Konsolenbereich. Alleine die Ankündigung eines Ablegers dieser Serie hätte viele zum Kauf der Konsole bewogen, aber Nintendo schwieg.

Nun gut, seit der E3 ist dieses Schweigen endlich gebrochen und Menschen in aller Welt freuen sich auf das kommende Zelda.

 

Kritikpunkt: Zelda ist wie die anderen Serien-Titel immer das Gleiche.

Nun lese ich in dem einen oder anderen Kommentar, Zelda sei wie die anderen großen Nintendo-Titel immer das Gleiche und allein deshalb wäre eine PS4 oder die Xone der Wii U vorzuziehen. Da frage ich mich, welchen Grund es für einen FIFA-13-Besitzer auf der PS3 wohl geben mag, sich nun FIFA 14 zu holen.

 

fifa14_ps3_bale_shootingFIFA 13: Spieler schiesst Ball auf Tor. Mit links.

 

fifa14FIFA 14: Spieler schiesst Ball auf Tor. Mit links.

 

Ich kann ja verstehen, wieso jemand dieses Fussballspiel mag, nur gibt es wirklich keinen Grund, sich jedes Jahr einen neuen Ableger zu holen. Es ist schon dreist, wie EA hier Jahr für Jahr Kohle scheffelt, indem eigentlich nur die Jahreslizenz sowie die Namen der neuen Spieler erneuert werden. Klar, die Grafik wird auf den Stand gebracht, aber gerade im Konsolenbereich passiert da nichts innerhalb eines Jahres. Und natürlich mag der eine oder andere Spielzug besser von der Hand gehen, aber seien wir ehrlich: ist der Aufwand vergleichbar mit jenem, der für ein komplett neues Spiel betrieben wird? Die FIFA-Reihe ist ein hervorragendes Beispiel dafür, wie sich Konsumenten Jahr für Jahr das Geld aus der Tasche ziehen lassen. Weil sie es wollen.

Das ist nicht nur ein Beispiel: den Großteil der AAA-Titel machen inzwischen Serien-Ableger aus, wie z.B. Assassins Creed 3, The Witcher 3, GTA 5 oder CoD, von dem es inzwischen fast ein Dutzend Ableger gibt. Und trotzdem kaufen es die Leute. Das ist ja auch OK und soll ihnen gegönnt sein, nur verstehe ich dann nicht die Kritik an Zelda, bei dem jeder Teil von Grund auf neu programmiert wird und neben Story, Grafik, Sound und Steuerung eine bedeutende Frischzellenkur in punkto Spielmechanik verpasst bekommt.

Zu den Verkaufszahlen der Wii U:

 

PS4: 7 Mio (16.04.2014)

Wii U: 6,2 Mio (März 2014)

Xbox One: 5 Mio (April 2014, nicht Endverkauf, sondern an Händler ausgeliefert)

 

Ich frage mich, wieso angesichts dieser Zahlen immer noch hier und da von „schlechten Verkaufszahlen“ gesprochen wird. Zum einen liegt die Wii U vor der Xone und zum anderen ist der Abstand zur PS4 gering (aufgerundet 13 %). Da wird dann so argumentiert, dass die Wii U ja bereits ein Jahr vor den anderen beiden Konsolen auf den Markt gekommen ist und deshalb die Zahlen anders zu werten seien. Ich frage: wie soll man sie denn sonst werten? Soll man eine vergleichende Liste führen, bei der die Verkaufszahlen der Wii U jeweils 1 Jahr zurückgerechnet werden? Das wäre doch Quatsch. Für Publisher (extern oder Nintendo selbst) ist es völlig wurscht, wieviele Konsolen vor 1 Jahr verkauft worden sind – der Absatzmarkt hat jetzt die Stärke von 6,2 Mio möglichen Kunden und das ist die Zahl, die den Hersteller von Software interessiert. Wobei „jetzt“, also im Juni 2014 dank MK 8 und der E3 von um einiges höheren Verkaufszahlen auszugehen ist als den genannten 6,2 Mio. Demnächst sollte es ein Update bzgl. der Verkaufszahlen geben, aber die Verkäufe allein in Japan lagen bereits vor dem Release von MK 8 über jenen sowohl von Xone als auch PS4.

 

Eines noch zu der Frage, welche Spielerschaft Nintendo anspricht. Nintendo-Spiele sind für jedermann. Wenn Leute der Meinung sind, aufgrund der Aufmachung seien vor allem Kinder angesprochen, handelt es sich um 13 – 16-Jährige. Deren Geschmack ist bekanntlich unter jeglichem Niveau – man schaue sich nur deren gemoddete PCs an. Jemand, der einen solchen „Gaming-PC“ besitzt:

gamingpc

hat natürlich keinen Sinn für Ästhetik und Witz einer solchen Darstellung:

 

Diese_Spiele_gibt_es_zum_Europa-Start_fuer_Nintendos_Wii_U-24_neue_Games-Diashow-24894_630x354px_13_b8y5z0dVHtVUEFür < 12-jährige ist das da oben Kinderkram. Wohingegen bizeps-Boliden mächtig erwachsen aussehen. Vor allem, wenn sie Knarren in der Hand halten.

 

Dazu lese man sich nur die dümmlichen Kommentare der PC-Gamerschaft zu Broken Age auf gamersglobal durch.

 

Es ist nun mal so: PC-Fetischisten haben keinen Sinn für Ästhetik. Und wenn doch, dann haben sie einen Mac.

 

Spielen ist wichtiger Teil menschlicher Kultur. Computerspiele sind inzwischen derart verbreitet, dass sie auf ihre Art ein Abbild der Menschheit sind. Es gibt Kunst und Kommerz, Stil und Kitsch, Spass und Ernst darin. Leute zocken um Geld oder zum Spass, manche sind süchtig, manche machen sogar politische Spiele. Demnach kann man also die Frage stellen, welchen Teil der Menschheit Nintendo eigentlich repräsentiert. Für mich ist Nintendo eine Firma, die einer Philosophie folgt. Sie wollen unterhalten. Natürlich wollen sie Geld damit verdienen, nicht primär. Die ziehen das mit der Wii U durch, auch wenn es zwischenzeitlich schwer war – Microsoft kickt das jeweilig schlecht laufende Betriebssystem einfach in die Tonne, siehe Vista. Die Leute bei Nintendo aber stecken all ihre Liebe in die Dinge, die sie tun wollen. Sie verlieren sich in Details. Sie probieren Neues aus. Sie nehmen das, was sie tun, ernst und dementsprechend fühlt man sich bei Nintendo als Kunde auch ernstgenommen. Ich rede hier übrigens nicht von der Art, wie N meine Supportanfragen bearbeitet usw. sondern davon, wie die Spiele gestaltet sind. Das sind wirklich Welten für sich, Spielmechaniken für sich, Ideen für sich. In solchen Computerspielen will ich mich verlieren, nicht in bombastisch aufgeblasenen Fantasy-Kitsch-Welten, in denen es 500 verschiedene Schwerter gibt, die letztlich alle gleich funktionieren: Angriffswert Schwert vs Verteidigungswert Rüstung = Ergebnis des Kampfes. Diese Formel ist millionenfach variierbar und deshalb ist Skyrim langweilig ohne Ende. Eine gute Idee ist eine Beschränkung auf das Wesentliche, sie bedarf keiner 1000 Variationen. Die Variation entsteht dann beim Spielen, durch den Spieler. Und deshalb bleibe ich bei Nintendo und deshalb glaube ich, dass diese Nintendo überleben wird – Kunden spüren es, wenn sie ernstgenommen werden und das ist bei Nintendo der Fall.

 

 

 

 

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