NSA-Affäre: Win / Win / Win / Win für das System

Win für Merkel:

Herr Pofalla verbot uns das Maul, als wir Fragen bzgl. unserer Ausspähung durch die NSA stellten. Nun, da seine Chefin Merkel selbst ausgespäht wird, folgt nicht etwa eine Entschuldigung, das Einräumen von Fehlern, nein: sie empört sich, reisst genau jenes Maul auf, das uns durch ihren Knecht Pofalla verboten worden ist. Ausgespäht zu werden, das schafft Nähe, das stiftet Identifikation. „Ich bin eine von Euch“, höre ich Angie sagen.

Win für Google:

der Konzern ist „aufgebracht darüber, wie weit die Regierung scheinbar gegangen ist, um Daten aus unseren privaten Glasfaser-Netzwerken abzugreifen“ – dabei sind SIE es, die Daten sammeln und per Zwangs-Verbindung von Googlemail-/Youtube-/Google+-Accounts eine weitgehende Anonymität im Netz verhindern.

Win für die Presse:

sie schreibt über alles und besonders gerne über den neuen Skandal. Dass die Presse als verlängerter Arm der Politik ständig über die drohende Gefahr des Terrorismus berichtet (wie oft wurden schon „große Anschläge“ aufgrund von „geheimen Informationen aus sicherer Quelle“ angeblich „verhindert“?) und damit erst eine breite Akzeptanz von Geheimdiensten schafft, kümmert keinen mehr, denn die NSA, die uns ausspäht, scheint ja eine andere NSA zu sein als jene, die von der Presse eifrig promoted wird.

Hauptsache, der Mensch konsumiert die journalistische Diarrhoe.

Win für die Opposition:

Sie wird sich jetzt ganz arg darüber aufregen, dass ja wohl niemand mehr in diesem Land vor Spionage sicher ist. Dabei gibt es nicht eine Partei, die nicht in irgendeiner Form staatliche Schnüffelei betrieben hat. Sei es als Lauschangriff, sei es zu anderen Zeiten in anderen politischen Systemen.

Win für Obama:

er kann sich jetzt als starker Mann profilieren, der aufräumt. Dazu muss er nur behaupten, nichts von alldem gewusst zu haben und das dumme Volk wird es ihm – zumindest überwiegend – glauben.

Win für die NSA:

solange so etwas wie die NSA nicht abgeschafft wird, gibt es keine wirkliche „Strafe“ für sie. Schlimmstenfalls werden ein paar Köpfe rollen, aber durch Neustrukturierung und Qualitätssicherung wird sie strahlender über uns wachen als je zuvor.

Hach, dabei wäre es so einfach. Einfach die Regierung abwählen. Aber bei so enorm viiielen Arbeitsplätzen (bei denen die prekären Arbeitsverhältnisse mitgezählt werden…) MUSS man sie doch lieben, unsere Winner. Wer sind eigentlich die Loser? Tja, wer wohl?

Ich will zwei Dinge. Erstens: ich will meine Häme, meine Abscheu, meine Schadenfreude über jene ausschütten, die dieser Regierung dazu verholfen haben, im Amt zu bleiben. Ihr regt Euch über die NSA-Affäre auf? HALTET. EINFACH. DEN. RAND.

Und ich will Wahrheit. Einfach nur etwas Wahrheit will ich.

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Hatte die CDU vielleicht doch recht?

kastanie05

Andere Geschichte eines Nichtwählers

Der Mann liegt halb auf dem Gehweg, halb auf der Straße. Mein Blick bleibt sofort an ihm hängen. Ist er ohnmächtig? Nein… er regt sich, kriecht auf ein Fahrrad am Gehwegrand zu.

Ah, er ist also besoffen. Und zwar so dermassen voll, dass ihm selbst das Kriechen schwerfällt. Immer wieder erschlafft er völlig.

Der braucht offensichtlich Hilfe.

Nachdem ich das letzte Mal so etwas gemacht hatte, weiss ich, dass man zuerst die Polizei rufen muss. In Deutschland geht „öffentliche Sicherheit“ offensichtlich vor Gesundheit. Da erspare ich mir jetzt mal einen Kommentar.

Ich gebe also meinen Namen an und schildere das Gesehene. Eine Streife will nach dem Rechten schauen.

Inzwischen hat sich der arme Kerl irgendwie auf ein abgesperrtes Baugelände geschleppt und liegt jetzt auf der Bank.

Sie zu mir: „Komm, wir müssen wählen.“, dann sieht sie ihn. „Der wählt heute bestimmt nicht.“

Ich: „Nee. Der hat keine Wahl.“

 

Erst denken, liebe Spiegel-Leser (Spiegel-Titel vor kurzem: „Nichtwähler: träge, frustriert, arrogant“), dann verurteilen.

Solingen vor 20 Jahren: darum.

Vor 20 Jahren gipfelte die Welle des nationalistischen Hasses im Brandanschlag von Solingen.

5 Menschen starben durch die feige Hand dumpfer Nationalisten. Deshalb zur Erinnerung:

 

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Gürsün İnce (* 4. Oktober 1965)

Hatice Genç (* 20. November 1974)

Gülüstan Öztürk (* 14. April 1981)

Hülya Genç, (* Februar 1984)

Saime Genç (* 12. August 1988)

Nur, falls sich jemand fragt, wieso ich Kommentare mit den Worten „Parallelgesellschaft“ und „Integrationsverweigerer“ nicht freischalte. Schaut in die Gesichter dieser Kinder und ich sage euch: darum.

„Das Experiment“ – falsches Leid erzeugt keine echte Empathie.

„Gib nicht vor, etwas zu verstehen, was du nicht selbst erlebt hast.“

(Dschalal ad-Din Muhammad Rumi)

 

Die ZDF-Serie „Auf der Flucht – Das Experiment“ ist in aller Munde. Den Stream des Trailers spare ich mir hier aus Gründen, die ich weiter unten noch nennen werde.

 

Vielmehr möchte ich zunächst mal an das hier erinnern:

 

 

Liebes ZDF, SO macht man das.

SO rüttelt man auf – anstatt (überwiegend) einheimische, des Deutschen mächtige Protagonisten zu schaffen, mit denen sich der Durchschnittsbürger sowieso schon identifiziert.

SO hält man einen Spiegel vor – anstatt von vornherein den Zuschauer (und die Protagonisten) in der Sicherheit zu wiegen, doch eigentlich politisch OK zu sein und immerhin den Mut gehabt zu haben, dei Flucht eines Asylanten nachzuerleben – obwohl es eigentlich nur ein Spiel ist.

SO demaskiert man dumpfe Statements – anstatt dumpfen Statements (wie jenen Mirja du Monts) auch noch eine gut ausgeleuchtete Bühne zu bieten.

SO bewegt man etwas – anstatt dem Zuschauer eine Legitimation für seine Haltung zu geben – denn man hat ja jetzt wirklich Mitgefühl gehabt und wirklich Einblicke bekommen (nur dass es natürlich auch Leute gibt, die den deutschen Staat ausnutzen wollen blablabla…)

Es bedarf neuer, origineller und vor allem mutiger Formate in den Medien. Weil sich nationalistische Zirkel der politisch-korrekten Aussagen geschickt bedienen – da wird Islamophobie im Namen einer angeblich Israel-freundlichen Politik betrieben. Oder – weil wir ja für freie Meinungsäußerung sind – lädt man Rechtsnationale in Talkshows ein, um sie vorzuführen. Und die verbreiten dann ihre Parolen ungeachtet dessen, was ein Teil der Zuschauer über sie denken mag – sie sind dankbar für die Bühne, die man ihnen gibt.

Die Gesellschaftsschicht, auf die es ankommt beim Kampf gegen den Nationalismus ist die breite Masse, die Mitte. Es geht nicht darum, jene am äußersten Rand zu bekehren. Die sind nicht mehr zu bekehren und je mehr man es versucht, desto mehr Grund sehen sie darin, sich zu radikalisieren. Teilweise dürfte es ihnen auch noch gefallen.

Lieschen Müller ist die Adressatin. Aber Lieschen wird „Auf der Flucht – Das Experiment“ ganz sicher nicht als Kritik an sich selbst und als Aufforderung, ihren Standpunkt zu überdenken sehen. Sie wird vielmehr froh sein, Empathie für das Leid der Asylanten empfunden zu haben – auch wenn es gar kein echtes Leid und gar keine echten Asylanten waren.

Falsches Leid erzeugt keine echte Empathie.

 

Links:

http://shehadistan.com/2013/08/08/auf-der-flucht-das-experiment-beschwerde-an-den-zdf-fernsehrat/

http://afrika.himpenmacher.de/fick-dich-zdf

http://afrikawissenschaft.wordpress.com/2013/08/07/siehs-mal-neo-kolonial/

The innocence of muslims – bei UNS wäre das nicht passiert…

Ach, die Moslems wieder…

Religion ist doch nur dazu da, die Massen zu verblenden. Uns im Westen kann das nicht passieren…

…aber is ja klar, die Dummen schreien nach Religion. Wer innerlich total verkümmert ist, braucht halt was Großes, an das er sich anlehnen kann…

…und überhaupt… wie kann man wegen was so Abstraktem wie einem Witz über einen vor 1300 Jahren verstorbenen Propheten den Schritt zur Gewaltausübung vollziehen…? Passend dazu ein lesenswerter (kurzer) Wikipedia-Artikel:

Daniel Nivel, fast totgeschlagen von säkularisierten und aufgeklärten westlichen Hooligans. Und zwar wegen was so Konkretem wie Fußball.

Noch Fragen?

Ratespiel und Tagesschau.de-Review

Ich hatte da so ne Idee: ich lese jeweils nur die Überschrift der Artikel und reime mir den Rest zusammen – das ist bei der Tagesschau angebracht. Ich habe es aufgegeben, fleißig Kommentare dort zu schreiben, in denen ich die Vorhersehbarkeit der Artikel kritisiere und stattdessen entschieden, etwas Spaß zu haben. Also: wenn jemand etwas findet, das der von mir implizit unterstellten Aussage der Artikel widerspricht, schreibe er / sie es rein und ich entschuldige mich bei der Tagesschau. Und los gehts.

Artikel: „Pleite-Kandidat will Europas Krise lösen
Soll eigentlich heißen: „wir verkaufen Öl, das Sie in Ihr anti-euopäisches Feuer gießen können. Wir wissen, daß es auch europafreundliche Menschen gibt, aber die sind in der Unterzahl und wir versuchen, den Stammtisch als Leserschaft zu gewinnen.“

Artikel: „Weltmächte fordern Übergangsregierung in Syrien

Soll eigentlich heißen: „Jetzt gehts dem nächsten Schurkenstaat an den Kragen. Soll die Weltöffentlichkeit glauben. Also die soll glauben, daß wir, die Staatengemeinschaft des aufgeklärten Westens uns – schweren Herzens und notgedrungenermaßen mit Gewalt – um die Gerechtigkeit in aller Welt kümmern. Das ist leider nur mit dem Schwert zu schaffen. Das Gerede über die Übergangsregierung soll klarmachen: es geht gar nicht mehr um die Frage, ob wir intervenieren, sondern nur noch darum, wie wir ein Szenario inszenieren können, das die Verbreitung von Coca-Cola auf der ganzen Welt sichert.“

Artikel: „Vage Versprechen statt konkreter Lösungen

Soll eigentlich heißen: „seht Ihr? Die Araber sind einfach zu blöd für die Demokratie, selbst, wenn sie demokratische Verfahren anwenden. So richtig demokratisch ist halt nur der Arier.“

Artikel: „Fremdes Mutterland

Soll eigentlich heißen: „Selbst die Kolonialherrschaft ist besser als die Zugehörigkeit zu China. Das weiß niemand besser als die Chinesen selbst. Eigentlich wollen die sich dem Mensch aus dem Westen unterordnen. Das ganze Blabla von wegen Volkssouveränität wischen wir mit dem Totschlagargument von der nicht vorhandenen Demokratie vom Tisch. Fremd ist China den Chinesen aus Hong Kong. Eigentlich sind sie alle Europäer. Und wollen es auch bleiben. Unter der britischen Knute.“

Artikel: „Islamisten zerstören heilige Grabstätten in Timbuktu

Soll eigentlich heißen: „Eigentlich lassen wir keine Möglichkeit aus, unsere Religionsgeschichte (Christentum, genauer: Katholizismus) in den Dreck zu ziehen, und die bösen frauen- und schwulenverachtenden Moslems mögen wir genau so wenig. Aber die Schändung der heiligen islamischen Grabstätten durch Islamisten (ist nämlich nicht das gleiche bzw. wir machen es zu etwas anderem – divide et impera) ist natürlich ein Verbrechen. Ähmm… wo war das Ganze noch gleich? Mali? Guut, guut, in Syrien gibts vielleicht doch bald so ne Art Frieden, und man muß sich ja neuen Aufgaben widmen.“

Artikel: „Mario Balotelli – Stürmer zwischen Genie und Wahnsinn

Soll eigentlich heißen: „Nee, diese EM hatte keinen Star. Sowas muß entweder durch tatsächliche Spielerqualität entstehen (kann man seit Jahren mit der Lupe suchen) oder der Hype muß Wochen vorher schon beginnen, auch durch die Presse (uns). Da wir es aber vorgezogen haben, über Mißstände zu berichten (verkauft sich besser), stehen wir nun vor dem Problem, keinen Star zu haben. Also bauen wir uns einen. Also Moment mal…ähm… wer ist denn noch dabei… Spanien? Die kennt schon jeder. Italien? So richtige Stars haben die auch nicht, aber Stop! – der Neger gibt doch nen guten Star ab. Ein bißchen verrückt ist er auch noch (bzw. wir etikettieren seine verbalen Ausrutscher als verrückt) und da bringen wir dann noch politisch korrekt unser Gesabbel vom Rassismus in italienischen Stadien unter und schon haben wir einen Artikel. Damit auch der fußballverstehende Intellektuelle was von der Tagesschau hat. Über die systematische Ausgrenzung von Migranten in Deutschland berichten wir nicht – da reicht unser regelmäßiger Artikel zu den OECD-Studien, die dies belegen. Ansonsten wird geschwiegen und über Rechtsextremisten gesprochen. Somit ist man selbst dann von der Schulddiskussion ausgenommen. Schuld, das ist der NSU und die italienischen Hooligans. Wir sind unschuldig, mehr noch: wir sind die Guten, denn wir prangern NSU und italienische Nazis an.“

Wetter: Regen.

Soll heißen: „Wetter: Regen“

Nachtrag:

Ich weiß, daß die Nachrichten privater Medien ebenfalls gekauft sind. Aber dieser Mix aus gekauftem und punktuell selbstgewähltem Nachrichtenprogramm ist noch schlimmer. Er ist heuchlerisch. Die tun so, als wären sie unabhängig, dabei haben sie genauso wie alle anderen ihre Linie, die von wirtschaftlichen Interessen geleitet wird. Es gibt eine gewisse Nachrichten-Käuferschicht, die will den ganzen Scheiß da oben lesen und zwar genau in dem pomadigen Stil, wie er vorliegt.

Das könnte mir ja eigentlich egal sein, wenn ich nicht GEZ-Zahler wäre. Mein Geld wird da verschwendet. Also, wenn mal ein „Schwarzseher“ (ist das eigentlich politisch korrekt von den ÖR, einer Farbe eine negative Eigenschaft zuzuschreiben?) in meiner Nachbarschaft ist: ich spendiere einen Drink.

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