borna: phänomen

Borna: Löwen

Löwen /Borna

ich hab genug von euch Löwen
von eurer Mähnigkeit
eurer Faulenzerei mitten am Tag
und es ist mir scheissegal, ob das wegen Afrika
und der Mittagshitze ist
oder ob ihr euch gestern sogar an Kaffernbüffel gewagt habt
huhuuuu sag ich da bloss – Kaffernbüffel…
aber ihr echten Löwen seid noch nicht mal das Problem
das Problem sind die Schemen
vor denen ich nachts weglaufe
im Traum
von einem Zimmer ins andere fliehend
Türen aufstossend
abschliessend
aufatmend
verzweifelnd
denn da steht ihr schon wieder
mit eurer Scheiss Mähne
und ihr lacht noch nicht einmal ein Muhaha unser
nix da
nicht mal schlechten Stil habt ihr
sondern die Jagd beginnt von vorn
und es ist noch nicht einmal das, was ich so an euch fürchte
es ist nicht diese Endlos-Jagd
dieses Fliehen in die Flucht
nein
es sind die wenigen Momente
in denen ich mich euch stelle
und euch in der Luft zerreisse
weil ich mehr bin als ihr
mehr als Gewalt
mehr als der tägliche Tod
in irgendeiner
Gott
verlassenen Savanne Afrikas.
Es ist das Tier in mir
vor dem ich am meisten Angst habe
und ihr könnt froh sein
das es oft genug

die Mittagshitze verschläft.

Borna: Illusionen geraubt

occupy yourself

Herr Braybrook, morgen ist occupy:World-Tag. Ihnen als Linkem müßte doch das Herz aufgehen.

Mir als Linkem, soso… seltsam. Ich wußte nicht, daß ich ein Linker bin.

Sie bezeichnen den Rechtspopulismus dieser Tage als Nationalismus, der System hat. Sie verurteilen die Verschmelzung von Wirtschaft und Politik. Sie fordern mehr Geld für soziale Belange ein. Sind das keine linken Positionen?

Gegen Nazis zu sein, hat was mit Menschlichkeit und gesundem Menschenverstand zu tun. Dazu muß man kein Linker sein. Die anderen Probleme und offenen Fragen, die sie genannt haben, geben aus traditionell linker Position Antworten, die ich so nicht teile.

Beispiel?

Ich befürworte grundsätzlich einen freien Markt. Traditionell linke Positionen dazu gehen von planwirtschaftlicher Steuerung aus. Davon halte ich nichts. Das macht den Markt kaputt.

Sie sind gegen die Ausuferungen des Marktes, halten aber nichts davon, ihn zu steuern. Welches Konzept legen Sie vor?

Gar keines. Die Möglichkeiten, die wir bisher haben, reichen aus, der Politik einen gehörigen Denkzettel zu verpassen.

Das erinnert stark an die occupy-Bewegung. Denen wirft man auch vor, gegen alles zu sein, selbst aber keine Konzepte vorzulegen.

Konzepte vorzulegen, ist nicht Aufgabe der Bürger. Sie dürfen sich darauf beschränken, Mißstände anzuzeigen. Darauf muß die Politik dann reagieren.

Werden Sie morgen Mißstände aufzeigen gehen?

Nein.

Warum nicht?

Mir ist das alles zu schwammig.

Haben Sie nicht gerade eben gesagt, daß Protest auch ohne vorliegendes Verbesserungskonzept geübt werden darf?

Ja, aber meine Unzufriedenheit verpflichtet mich nicht, jedem Aufruf hinterherzurennen. Die occupy-Bewegung liefert schwammige Analysen, schwammige Schlüsse und dazu eben auch keine Konzepte. Das ist insgesamt zu wenig.

Erläutern Sie: welche schwammigen Analysen sind gemeint?

Es heißt, die Banken, die Börse wäre schuld an unserer Misere. Natürlich war all die Spekuliererei hautpverantwortlich dafür, daß der globale Finanzmarkt eine riesige Seifenblase geworden ist, mit Bürgschaften, Verbindlichkeiten und Geld, das gar nicht da ist. Dennoch wurde mit diesem nicht vorhandenen Geld spekuliert und weiterspekuliert, bis die Seifenblase geplatzt ist. Und nun springen Politiker ein und retten die Banken und das heißt im Klartext: der Bürger springt mit seinen Steuern ein. Das weckt natürlich Wut in uns. Aber wohin mit der Wut? Wen wollen wir treffen? Welches Verhalten wollen wir in Zukunft verhindern? Und vor allem: welche politischen Mittel gibt es, ausufernde Spekulationen zukünftig zu vermeiden?

Na, Sie haben es doch gerade eben gesagt: Banker und Spekulanten sind schuld. Sie sollen genauer kontrolliert und zukünftig verantwortlich für ihr Tun gemacht werden können.

„Banker“, „Spekulanten“ – das sind Konstrukte. Es gibt nicht die Banker oder die Spekulanten. Damit wirft man alle in einen Topf und wird keinem gerecht. Wir brauchen Banken, wir brauchen Marktwirtschaft und in einem überschaubaren Rahmen brauchen wir auch Spekulation.

Aber Sie selbst sagen doch, daß dem Markt das Regulativ fehlt.

Ja und nein. Ja, denn der Markt folgt fast schon naturwissenschaftlichen Gesetzen, aus denen man aber keinerlei Prognosen ableiten kann. Es ist wie der berühmte Flügelschlag eines Schmetterlings, der irgendwo auf der Welt einen Orkan auslösen kann: also pure Chaostheorie. Der Markt wird aber immer noch von Menschen bevölkert und auf die kommt es an. Wenn wir Menschen jegliche Verantwortung von uns weisen, degradieren wir uns zu Maschinen und machen uns letztendlich selbst abhängig von den Gesetzen des Marktes.
Wir brauchen aber die Souveränität, als Menschen im Markt agieren zu können. Es wirkt geradezu lächerlich, daß dies angeblich nicht möglich sein soll. Banker müssen menschlich agieren dürfen. Die öffentliche Ächtung der Menschlichkeit muß ein Ende haben.

Was meinen Sie damit?

Ein Manager bekommt Geld dafür, den Gewinn zu optimieren. Alles andere ist egal. So hat man lange gedacht und Unternehmen geführt.

Das war ja auch erfolgreich.

Irrtum. Viele Unternehmen hatten lange Zeit eine gesunde Bilanz, aber eine kranke Unternehmenskultur. Irgendwann sind sie zusammengebrochen – meistens dann, wenn die autoritäre Integrationsfigur, der Patriarch gestorben ist. Dieser Teil der Unternehmensgeschichte interessiert die wenigsten. Das ist ganz ähnlich wie mit Ex-Jugoslawien. Als es Anfang der 90er zusammengebrochen ist, war das die logische Konsequenz einer Entwicklung, die mit Titos Tod undwillkürlich begonnen hatte. Er hatte das Land mit eisernern Hand über jegliche Freiheitsbestrebungen hinweg geführt und als er starb, konnte und wollte keiner diese Funktion ersetzen.
Wir brauchen Menschlichkeit als Selbstverständlichkeit im Management, sonst wird der Markt immer weiter wuchern, bis nichts mehr zum Wuchern da ist.

Das klingt irrational: Menschlichkeit im Markt.

Ist es nicht umgekehrt? Alle befassen sich mit Ganzheitlichkeit, überall wird davon geredet, daß Systeme in allen Aspekten analysiert werden müssen, weil sie sonst unvollständig und somit fehlerhaft dargestellt werden. Nur für den Markt soll das bitteschön nicht gelten. Hier soll die Beschränkung auf Zahlen und Wachstum ausreichend für den Erfolg sein.

Warum nicht?

Weil der Markt letztendlich aus Menschen besteht. Mir erscheint es irrational, Aspekte der Humanität außer Acht zu lassen, nur weil Geld keine Seele besitzt. Wir, die wir das Geld in der Hand halten, haben eine Seele und die läßt sich nicht ausblenden.

Meinen Sie nicht, eine humane Ökonomie könnte kränkeln?

Im Gegenteil. „burn-out“ ist in aller Munde und stellt eine typische Krankheit dar, die durch Ausblenden menschlicher Aspekte beim Job entsteht. Der Mensch soll nicht nur alle Anforderungen bewältigen, er soll sie auch noch besser als die Konkurrenten bewältigen. Befindlichkeiten oder gar Krankheiten werden unterdrückt und das macht dann erst recht krank – bis zum burn-out.
Gegen das, was die Chinesen momentan tun, haben wir keine Chance, da können wir nur hinterherhecheln. Das ist nicht die Chance, nicht der Weg. Wir sparen immer mehr, bemühen uns immer mehr, werden immer nur noch unmenschlicher in der Arbeitswelt und am Ende reichen all diese Bemühungen doch nicht aus – die Chinesen arbeiten eben immer noch für nen Apfel und ein Ei. Selbst, wenn wir unsere Löhne auf deren Niveau runterschrauben würden, hätten uns die Chinesen den Hunger voraus: ein Apfel und ein Ei ist das Paradies für die, die hatten gestern weniger. Wir müssen versuchen, neue Wege zu gehen – so wie es auf technischer Ebene die grünen Energien waren, müssen wir einen neuen Weg in der Ökonomie einschlagen.

Wie soll ein Manager einen Haufen selbstmitleidiger Mitarbeiter zu Höchstleistungen anspornen?

Dieser Satz strotzt nur so vor negativen Konstrukten. Warum sollen Menschen zu Leistung agespornt werden? Wie wäre es mit Motivation? Und: muß die von außen kommen? Welche Rolle sollte ein Manager dabei haben? Was meinen Sie mit selbstmitleidig?
Das sind alles die Fehler der Vergangenheit. Schauen Sie sich Google an, da bekommen die Kreativen einen ganzen Tag pro Woche für ihre Kreativität. Sie müssen niemandem irgendetwas nachweisen und sind vielleicht gerade deshalb erfolgreich. Das Zauberwort hier ist „Vertrauen“.

Vertrauen kann man mißbrauchen.

Wegen der 5 – 10 %, die das Vertrauen eines Unternehmens mißbrauchen, lohnt sich das Prinzip des Vertrauens in Unternehmen trotzdem.

Was möchten Sie also der occupy-Bewegung sagen?

Mir fehlt der Selbstbezug. Das Problem, der Turbo-Kapitalismus ist das Ergebnis völliger Freiheit. Wir haben dem Markt völlige Freiheit gelassen, wir haben ihn auf den Sockel gehoben. Nun müssen wir uns aber eingestehen, daß wir auf den Markt nicht verzichten wollen, denn das würde heißen, auf die Annehmlichkeiten des Marktes verzichten zu wollen. Allerdings müssen wir ihn von seinem Sockel holen. Da gilt es, Heldenhaftigkeits-Vorstellungen zu demontieren. Der schnittige, sportliche, erfolgreiche Typ – das impliziert immer auch den inhumenen Typ. „Geiz ist geil“ – solche Sprüche hätten uns aufschreien lassen müssen, stettdessen haben wir alle mitgemacht. Weil wir immer mehr immer billiger wollten. Damit muß Schluß sein. Auch als Verbraucher haben wir einen Anteil an der Misere. Wir müssen den Konsum in Frage stellen. Er ist der Motor einer Wirtschaft, die nur bestehen kann, solange wir in regelmäßigen Abständen neue Waren kaufen, selbst, wenn wir sie nicht brauchen. Wer braucht einen 3D-Fernseher? Muß das sein? Im vergangenen Jahrzehnt sind wir von der Röhre über den LCD-Bildschirm, dann zum HD-Fernseher gekommen. Muß das sein? Ende der 90er hatte die CD die Vinyl-Platte bzw. Diskette als Datenträger abgelöst. Dann kam die DVD, die inzwischen von der Blu-Ray abgelöst wird. Muß das sein? Festplatten werden immer größer, weil die Daten, die wir darauf speichern, immer umfangreicher werden. Ein Bekannter hatte sich Mitte der 00er-Jahre damit gebrüstet, über 2500 Stunden Musik auf dem Rechner zu haben, von denen er vielleicht ein Zehntel überhaupt gekannt hat. Muß das sein? Brauchen wir das?
Ich wünsche mir, daß wir uns alle als ein gesamtes System begreifen. Die Banker, wie es sie gibt, haben wir uns gebacken. Der Media-Markt, über den ich lästere, in diesem Media-Markt habe ich auch schon eingekauft.

Sollen wir also kollektiv die Schnauze halten?

Nein. Wir sollen protestieren, aber wir dürfen uns von der Kritik nicht ausnehmen. Allein schon deshalb, weil ich es höchst zweifelhaft finde, Menschen aufgrund ihres Berufes auszugrenzen. Wenn die occupy-Bewegung absolut kongruent wäre, würden ihre Mitglieder ihre Bankkonten schließen. Tun sie das?

Müssen sie das, um glaubwürdig zu bleiben?

Nein, aber sie sollen nicht so tun, als seien sie unschuldig. Und sie sollen keine einseitigen Schuldzuweisungen gegenüber Bankern formulieren. Das sind Menschen wie du und ich, die mit der Zeit so inhuman werden wie das System, in dem sie arbeiten. Die Frage ist: welchen Teil tragen wir dazu bei, daß dieses System besteht?
Wir stehen vor einer der größten Herausforderungen der Neuzeit. Im Moment fällt mir nämlich kein besseres Heilmittel als die gute alte persönliche Haltung ein. Kompliziert zu definierende Werte wie „Maß halten“ – so etwas kann man schwer naturwissenschaftlich nachprüfbar festlegen. Das muß dem Menschen überlassen sein

Ist das nicht das Problem? Ist es nicht so, daß genau dadurch, daß man den falschen Leuten die Entscheidung über gutes und schlechtes Handeln überlassen hat, diese sich eben für schlechtes Handeln entschieden haben?

Doch schon. Dann müssen eben andere Leute her. Wir brauchen endlich ein gesellschaftliches Paradigma: jeder Mensch muß in jeder Position der Gesellschaft auch „gut“ handeln. Das haben wir zu lange außen vor gelassen. Weil uns die Freiheit wichtiger war als das Streben nach dem Guten, bis wir gemerkt haben: wenn man uneingeschränkt Freiheit hat, dann gibt es Leute, die sich die Freiheit nehmen, völlig egoistisch zu denken und zu handeln. Dabei müssen sich Freiheit und Gutes nicht widersprechen.
Also: okkupiert, aber polarisiert nicht.

tagesschau.de: China nur halb so aufgeklärt wie der Westen!!!

(Segnungen der freien aufgeklärten westlichen Gesellschaft – bild.de)

Ach du meines Güte…

die Online-Präsenz der Tagesschau berichtet exklusiv über das neueste aus China: chinesische Kinder glauben, sie würden auf der Straße aufgelesen. Das Thema Sex sei in China „traditionell mit Schmutz behaftet“, Sexualität ein Tabuthema. Die aufgeklärte 38-jährige Xin Yuan, mit der der Redakteur Markus Rimmele gesprochen hat, sei anders als die Mehrzahl ihrer Landsleute.

Oha. Knapp 1,4 Mrd Chinesen, das sind 1.339.000.000 Menschen und deren Mehrzahl soll laut tagesschau.de unaufgeklärt durch die Welt laufen…?
Wie sind es dann so viele geworden? Vielleicht liegen chinesische Babys ja tatsächlich auf der Straße, wer weiß? Denn so, wie sich der Artikel liest, sind die Chinesen zum Sex einfach zu blöd. Woher kommen die vielen Chinesen denn dann? Und: haben die überhaupt Spaß beim Sex, ohne unsere Aufklärung? Erst die Segnungen der westlichen Welt scheinen, so Rimmele, Ordnung in die chinesische Welt zu bringen: über 50 % des kindlichen Wissens über Sex in China stamme aus Medien. Da fühlt man sich doch gleich etwas besser, wenn man den dümmlich-prüden Chinesen die einfachste Sache der Welt erklären kann.

(Segnungen der freien aufgeklärten westlichen Gesellschaft II – web.de)

Aber es ist nicht nur blanker Chauvinismus, der den Artikel bestimmt. Der Redakteur eines öffentlich-rechtlichen Mediums muß natürlich einen Bezug zum politischen Topos bilden: schuld ist das hinterwäldlerische Bildungssystem Chinas. Also nicht nur blanker Chauvinismus, sondern blanker politischer Chauvinismus.

Klar, es ist natürlich schmerzhaft, wenn überall auf der Welt die westlichen Finanzmärkte den Bach runtergehen und ausgerechnet das verhaßte China da die Ausnahme bildet. Da berichtet man schon lieber über die Mängel des anderen. Schließlich sind wir ja wer. Noch.

(Segnungen der freien aufgeklärten westlichen Gesellschaft III – web.de)

Nein, ich mag kommunistische Parteien nicht, besonders, wenn sie Macht haben. Aber es ist doch sehr befremdlich, daß die Stärke Chinas eine seltsame Melange aus kapitalistischer Machterzeugung (durch Geld) und kommunistischer Machtausübung ist. Wächst endlich zusammen, was zusammen gehört?

Wenn man schon von „der Bildung“ „der Chinesen“ spricht, darf man nicht unerwähnt lassen, daß sie vor tausenden von Jahren schon Hochkulturen mit Schrift, Philosophie, Mathematik, Literatur usw. hatten, während unsere Vorfahren in die Büsche geschissen haben, bis auf Kreta so etwas wie eine Kultur entstanden ist. DAS ist die Bildung der Chinesen und deren Tradition, sofern man überhaupt pauschalisierende Aussagen über die beiden Kategorien „Chinesen“ und „Bildung der Chinesen“ machen darf.

(Segnungen der freien aufgeklärten westlichen Gesellschaft IV- bild.de)

Man kann natürlich alles aus dem Blickwinkel unseres Kapitalismus-Sexismus sehen: all das altbekannte Gelaber von Sex als Weg und Ausdruck der persönlichen Freiheit, der Selbstbestätigung und auch als normativer Indikator für den Wert eines Menschen – wer keinen Sex hat, gilt hierzulande einfach weniger.
Und in bezug auf China in besagtem Artikel soll das wohl so viel heißen wie: schaut sie Euch an, die Chinesen. Wirtschaftswachstum ohne Ende aber zu blöd für Sex, da unaufgeklärt. Mittelalter. Nicht so wie wir. Gut, wir sind nicht mehr reicher als diese hinterbliebenen Kommies, aber wenigstens haben wir noch unsere überlegene demokratische Kultur.

Na, dann brauchen wir ja auch nicht von den Chinesen lernen. Perfekt sind wir ja schon.

Zumindest die google-Suche weiß: im Westen herrscht erhöhter Sexbedarf!

Oder bedeutet das, daß der Osten einfach nur mehr Sex „in echt“ hat? Oder ist der Westen doppelt so aufgeklärt (inetwa) wie der Osten? Oder ist das einfach nur eine Art Penis-Vergleich? Oooder kann google jetzt Pseudo-Lautschrift (sex-east = Sexist)? Fragen über Fragen…

Lady Gaga, Michael Jackson und die Beatles bei McDonalds

Guten Tag Herr B.

Guten Tag.

Es heißt, Sie lehnten Casting-Shows ab.

Richtig oder genauer: ich nehme sie nicht ernst.

Warum?

Weil eine Casting Show nicht geeignet ist, Künstler zu entdecken.

Die Shows werden von Millionen verfolgt, die Finals sind regelmäßige Highlights im Fernsehen. Die Gewinner, ja sogar die ausgeschiedenen Finalisten werden zu Stars, die Juroren sind allgemein anerkannt. Dennoch halten Sie die Beteiligten nicht für Künstler. Erläutern Sie.

Nichts von alledem, was Sie sagen, ist ein Argument dafür, daß es sich hierbei um Kunst handelt. Sie reden von einem Markt – das ist was anderes.

Wo ist der Unterschied?

Ein Markt ist steuerbar. Gute Kunst lebt von der Überraschung.

Oha. Und das von Ihnen, der Sie sagen, Märkte hätten die Eigenschaft, sich zu verselbständigen.

Das tun sie auch, was die Verantwortung für die Gesellschaft angeht. Porsche, Daimler, Bosch, Microsoft – die interessieren sich nicht dafür, welchen Platz sie in der Gesellschaft einnehmen und was für soziale Impulse sie auf die Gesellschaft ausüben. Sie interessieren sich nur für ihre Position im Markt aus Sicht des Marktes. Und da sind sie in hohem Maße in der Lage, den Markt zu steuern. Werbung spielt eine enorme Rolle dabei. Aber es gibt auch andere Möglichkeiten, seine Monopolstellung zu sichern bzw. auszubauen.

Ist dies bei der Musik überhaupt möglich?

Die Musik ist dafür sogar prädestiniert. Weil sie aus genügend Idealisten besteht, beiderseits des Musikmarktes. D.h.: Sowohl Musikschaffende als auch Konsumenten sind auf der Suche nach dem idealen Lied. Das kann blind machen.

Wie meinen Sie das?

Man stellt sich vor einen Haufen Leute und singt ihnen ein Liebeslied. Nicht alle, aber viele werden nach einer Weile verträumt dastehen und die Paare werden Händchen halten und sich küssen.

Was ist schlimm daran?

Nichts. Allerdings ist es möglich, daß das Lied nicht ernstgemeint ist. Daß es aus einer Aneinanderreihung aus archetypischen Textbausteinen besteht. „ewiglich – lieb´ ich Dich“ usw.

Und selbst, wenn: was ist so schlimm daran, in Klischees zu versinken?

Nichts. Es ist nur schade, daß diese Aneinanderreihung von Klischees zum Nonplusultra gemacht wird. Leuten wie Dieter Bohlen, die seit Jahrzenten nur seichte Diskomucke produzieren, wird ein Expertenstatus zuerkannt, weil sie sich so benehmen, als wären sie der Dorfschulmeister. Man muß sich das mal vorstellen: da genießt es ein Mittvierziger, Jugendliche vor der ganzen Nation mit mehr oder minder prolligen Kneipensprüchen niederzumachen. Und keiner spricht darüber, was er macht, im Gegenteil: man lacht diese armen Kinder aus und schiebt ihnen selbst die Schuld in die Schuhe. Sie hätten ja zuhause bleiben können.

Hätten sie doch auch. Wer hat sie gezwungen, sich bei Bohlen zu bewerben?

Mit der Waffe niemand. Aber wollen Sie den Druck, den Medien auf Jugendliche aufbauen, leugnen?

Nein, aber wie ließe sich das staatlich regeln?

Gar nicht und es ist auch nicht die Aufgabe des Staates. Es ist auch nicht „die“ Aufgabe eines anderen Teiles der Gesellschaft. Mich wundert lediglich die völlige Kritiklosigkeit, mit der Bohlens Eskapaden in den Adelsstand gehoben werden. Bohlen kann halt geschickt Platten verkaufen, das ist aber auch alles. Er ist sich auf der anderen Seite aber auch für nichts zu schade. Das kann durchaus mal nach hinten losgehen und dann hat er sichs übel verscherzt.

Da widersprechen Sie sich aber. Einerseits sagen Sie, Bohlen habe die Macht, die Menschen und den Markt zu manipulieren, andererseits sei er von ihnen derart abhängig, daß er völlig im Abseits landen könnte.

Das ist kein Widerspruch. Die Macht, mit der er hantiert, ist letztlich unkontrollierbar. Wenn er gewisse Strömungen im Musik-Konsum-Markt im Moment nutzt, ist das vielleicht vorteilhaft für ihn, aber er zahlt auch einen hohen Preis. Er baut das Image eines Alleinherrschers auf. Das funktioniert nur solange, wie er König ist. Aber Könige werden gestürzt, und je grausamer sie geherrscht haben, desto grausamer ist die Rache des Volkes.

Herr Braybrook, Sie übertreiben. Zwischen Ludwig dem XIV. und Dieter Bohlen besteht ja wohl noch ein Unterschied.

Im Prinzip nicht, nein. Ich spreche ja auch nur im übertragenden Sinne von Bohlen als einem König. Aber wenn Sie diesen Vergleich für übertrieben halten, dann nehmen sie doch Michael Jackson zum Vergleich. Er wurde (zurecht) in den Himmel gehoben, ist dann Mitte der Neunziger tief gefallen und hat sich Zeit seines Lebens nie davon erholt. Als er dann plötzlich gestorben ist, wurde er gottgleich verehrt.

Da bin ich jetzt aber mal gespannt, was davon Sie für gerechtfertig halten.

Nichts von alledem. Jackson war zurecht als Sänger und Tänzer gefeiert, aber er wurde auch immens gehyped. Seine Songs hat er auch nicht geschrieben. So viel zur ersten Epoche. Der Skandal mit dem Kindesmißbrauch war ebenfalls völlig übertrieben…

Halten Sie die Empörung über seinen Mißbrauch Minderjähriger für übertrieben?

Es ist bis heute nicht erwiesen, daß er es getan hätte. Man hatte sich außergerichtlich geeinigt.

Halten Sie ihn für unschuldig?

Nein.

Sie verstricken sich in Widersprüche, Herr Braybrook. War Jackson schuldig oder nicht?

Was weiß denn ich, ob er schuldig war? Bin ich Richter? Bin ich Augenzeuge? Die Öffentlichkeit überschätzt ihre Rolle, das ist ihr permanentes Problem. Man trägt Berichte aus allen möglichen Medien zusammen und glaubt, daraus ein Urteil bilden zu können und zu dürfen. Mein Standpunkt ist: ich kann nichts zu den Vorwürfen gegenüber Jackson sagen. Leider meinen Millionen von Menschen, dies tun zu müssen, und das heizt den Hype ebenfalls an. Illustrierte leben von dieser Gier nach Sensationen. Und wenn es keine gibt, erfindet man eben welche. Überschriften mit Fragezeichen usw. – sowas sollte man nicht lesen, das ist unseriös. Also: die Rolle der Öffentlichkeit in Epoche 2 war ebenfalls übertrieben.

Und Epoche 3 nicht minder, schätze ich.

Richtig. Jackson starb unerwartet und auf einmal war alles vergeben und vergessen. Jackson wurde kanonisiert, verkaufte Platten wie seit 2 Jahrzehnten nicht mehr. Dabei waren die Aufnahmen auch nicht besser geworden in der Zeit – wenn auch nicht schlechter.

Sie waren grandios. „Beat it“ ist ein Knaller.

Das war Beat it die 15 Jahre davor auch. Und selbst, wenn beim Prozeß in den 90ern rausgekommen wäre, daß Jackson ein Pädophiler ist: Beat it wäre auch weiterhin eine Granate. Verstehen Sie nicht? Hype, Image und Musik muß man trennen können.

Kann man das überhaupt? Macht nicht gerade diese Melange die Popmusik so interessant? Sie behaupten doch immer von sich selbst, Konstruktivist zu sein. Na bitte: die größten Konstruktivisten, die Kinder und Jugendlichen, fahren auf Pop ab.

Erzählen sie mir nicht, daß das in der sogenannten U-Musik nicht auch der Fall wäre. Und was den Konstruktivismus angeht: seine größte Schwäche ist die, daß man ihn zur Rechtfertigung des Positivismus heranziehen kann. Nach dem Motto: was ist, ist gut so.

Herr Braybrook, Sie sind eine Spaßbremse. Finden sie Lady Gaga nicht auch sexy?

Ich habe sie mir bisher unter diesem Gesichtspunkt noch nicht angeschaut. Ihre Musikvideos jedenfalls haben mich noch nicht davon überzeugt, daß sie so etwas wie eine Königin ist. Noch nicht mal eine der Popmusik.

Sie machen Späße. Wo schauen Sie denn hin? Versuchen Sie , ihr ethisches Bewußtsein zu entdecken, während sie mit ihrem knackigen Po wackelt?

Sie ordinärer Sack, Sie. Doch, natürlich sieht man ihren Arsch. Da ist ja fast nichts anderes als ihr Arsch in ihren Videos.

Sonst entdecken sie nichts?

Doch, ihre Titten und die Ärsche ihrer Mittänzerinnen, die im Übrigen weitaus knackiger sind als ihr eigener.

Jetzt sind sie ordinär. Also scheint Sie ja doch etwas dazu bewogen haben, hinzusehen.

Natürlich sehe ich hin. Ist doch klar. Wenn mir eine den Hintern hinstreckt, schaue ich hin. Aber ich schaue nicht gezielt nach Lady Gaga. Und schon gar nicht interessiere ich mich für ihre Musik. Sie ist einfach belanglos.

Was ist mit den Beatles? Als John Lennon erschossen worden ist, haben Sie doch auch Nachrichten geschaut, Beatles-Musik gehört. Und war es nicht auch so, daß kurz nach dem 08.12.1980 Lennons Platte die Charts der halben Welt angeführt hat? Sie sind Beatles-Fan und ich behaupte, daß Sie jetzt den Hype bei den Beatles natürlich für gerechtfertigt halten – weil deren Musik ja gut war. Aber ist das nicht exakt die Begründung, die ein Jackson- oder Gaga-Fan für seine Blindheit geben würde?

Zunächst mal war ich noch ein Kind, als Lennon erschossen wurde. Da darf man ruhig ein wenig spinnen. Und außerdem halte ich auch den Hype der Beatles für nervig.

Die Musik der Beatles war also auch gehyped?

Schon, klar. Aber ein paar Platten und Songs waren derart gut, daß sie auch Jahrzehnte nach dem Hype noch alle Menschen begeistern. Wenn etwas derart Bestand hat, kann man es nicht mit dem Hype allein erklären. Gehypte Stars verschwinden irgendwann in der Versenkung. Deshalb ist Jacksons Musik auch nie wirklich weg gewesen. Sie war einfach gut, Hype hin oder her. Das Gleiche gilt für die Musik der Beatles oder jene von Pink Floyd.

Nix Neues dabei?

Im Gegenteil. Arcade Fire, Radiohead, dEUS. Es gibt immer wieder gutes neues Zeug. Und das darf dann auch gerne gehyped werden.

Zurück zu Bohlen.

Bitte nicht. Der hatte schon genug Aufmerksamkeit.

Also gut: sie haben gesagt, bei den Beatles sei es die Musik gewesen. Wie haben sie sie kennengelernt.

Mein älterer Bruder hat sie dauernd gehört.

Ist das kein Hype, nur weil er nicht von den Medien inszeniert ist?

Doch, Sie haben recht. Das Wort des großen Bruders hat manchmal mehr Gewicht als das der Eltern. Was der cool findet, findet man auch cool. Ein weiterer Punkt ist dann natürlich die Dauerberieselung. Vielleicht bin ich auch vom Hype beeinflußt. Aber selbst, wenn es alle anderen Milliarden Fans auch gewesen wären – wieso wachsen immer wieder neue Generationen heran?

Sie alter Beatles-Fan.

Für den Status eines Fans bin ich zu alt. Aber nehmen sie Bach. Oder Beethoven. Es gibt einfach eine Art, Musik zu machen. Manche beherrschen diese Art nicht nur meisterhaft, sie sind darüber hinaus auch in der Lage, etwas Neues zu schaffen. Das Genie fällt aus dem Rahmen, gerade weil es ihn beherrscht. Und wenn dann der Rest der Welt kapiert, daß das funktioniert, akzeptiert er den neuen Rahmen. Bohlen hat nie den Rahmen verlassen, nie etwas Neues geschaffen. Er hat Etabliertes gut vermarktet und nichts weiter. Dazu muß man nicht Musik machen. Das kann man auch bestens mit Aktien.

Warum macht er es dann nicht?

Weil er den Musikern etwas voraus hat.

Ich bin gespannt, was das ist.

Es ist der Geschäftssinn. Der ist bei ihm ungemein ausgeprägt. Irgendwie hat er früher mal Fuß in der Musikindustrie gefaßt. Seine Musikalität war beschränkt. Aber dank seines Geschäftssinnes hat er sich mangels Konkurrenz schnell so viel Freiraum verschafft, daß er bald machen konnte, was er wollte. Denkt er zumindest.

Ich nehme an, sie erklären mir gleich, warum er eben nicht machen kann, was er will.

Er ist für musikalisch Verarmte up to date, aber das richtig gute Zeug, den heißen Scheiß, den sich die Kids auf dem Pausenhof zeigen – sowas wird er nie hinkriegen. Er begründet nichts, sondern kopiert, reproduziert. Das hat schon fast etwas von Persiflage.

Muß denn jeder Musiker etwas Neues erfinden? Was war denn an Queen in den 80ern originell?

Der Stil vielleicht weniger, aber da waren immer noch gute Melodien. Erinnern Sie sich an „Save me tonight“, den ersten „Hit“ des ersten „Superstars“ Alexander Klaws? War das nicht schrecklich? Zwischen diesem Lied und „Radio Gaga“ liegen Welten, obwohl sie beide nicht das Rad der Musik neu erfinden.

Stört es Sie, daß Millionen Menschen Bohlens Musik kaufen?

Nein. Es stört mich, daß Millionen Menschen Bohlen für gut halten und als Begründung dafür angeben, da müsse ja Talent sein, wenn einer so viel Platten verkauft. Vielleicht halten ihn manche sogar für ein Genie. Das ist mir zu platt. Er ist ein verdammt guter Verkäufer, sonst nichts. Musik ist etwas, das er so ein wenig nebenher kann, aber genau das wird in den Mittelpunkt gerückt. Bohlen, der Musiker; Bohlen der Produzent. Käse. Bohlen ist vor allem ein Monopolist und hat eine Riesen-Klappe. Allein dafür gehört ihm schon mal der Bart gestutzt.

Herr Braybrook, wie ist das, wenn man so viel nachdenkt, bevor man einfach abtanzt? Bevor man analysiert hat, wie ernst der Interpret das meint oder ob das, was er tut, berechtigt ist, ist der Song vorbei. In der Pop-Welt ist nach dreieinhalb Minuten Schluß.

Sie irren sich. Bei mir geht es auch nicht länger als ein paar Sekunden, bis mir ein Lied gefällt. Aber manchmal beginnt eines vielversprechend und nach der ersten mittelmäßigen Strophe kommt ein dünner Refrain. Dann höre ich auf zuzuhören oder zu tanzen.

Warum haken sie das dann nicht einfach ab? Hat ein schlechter Song eine tiefgreifende Analyse verdient?

Nein, aber wenn da einer seit Jahrzehnten mein Gehör quält und den Sockel, auf den ihn eine Armee von Anspruchslosen gehoben haben, dazu nutzt, narzisstische Hymnen auf sich selbst und Schmähreden gegen arme fehlgeleitete Kinder abzulassen, muß ich doch wenigstens in meinem Blog etwas dazu sagen, oder nicht?

Wie schlecht ist Ihr Menschenbild wirklich? Ein Narziß, eine Armee von Anspruchslosen, fehlgeleitete Kinder … gibt es auch Gutes auf dieser Welt?

Natürlich. Z.B. die Beatles. Oder etwas moderner eben Arcade Fire. Beirut. Es gibt massenhaft gute Musik auf dieser Welt. Man kann sich gar nicht durchhören, selbst wenn man Zeit gewinnt, indem man Trash wie DSDS aus seinem Leben bannt.

Herr Braybrook, jeder braucht Trash. Welche Sorte bevorzugen Sie?

Alte Computerspiele-Rezensionen. Fast-Food. Alte Buchhaltungs-Bücher, von Hand geführt. Das ist zu nichts mehr nutze, hat auch keinen antiquarischen Wert, aber ich finde es äußerst spannend, so etwas durchzublättern. Nur ist das mein Trash. Den habe ich mir selbst ausgesucht und wenn ich lange genug überlege, kann ich sogar das eine oder andere zur Frage äußern, warum es mich fasziniert. Z.B. kann man bei Computerspiele-Rezensionen ganz schnell bei der Frage landen, wie sich die Technik verändert hat. Und wenn man ein wenig weiterdenkt, fällt einem auf, daß sich bestimmte Dinge überhaupt nicht verändert haben: es gab schon immer Spiele mit guter Aufmachung, aber schlechter Spielidee und umgekehrt. Manchmal gabs sogar beides. Was noch viel interessanter ist: die Reaktion der Presse darauf ist auch heute noch ganz ähnlich. Es gab Publikationen wie die Happy Computer, aber auch die ASM. Letztere kam bei weitem nicht an die Qualität der Markt&Technik-Publikation heran. Fast so wie die Computerspiele-BILD. Es ist also mein selbstgewählter Trash, der nur auf den ersten Blick als Marotte dasteht und sich bei näherer Betrachtung als Fundgrube meiner inneren Überzeugungen offenbart. Naja, nicht ganz: zumindest Fast-Food ist für jeden da und sagt nichts über mich aus. Vielleicht könnten wir nach 2 Stunden Gespräch über das Thema Fast-Food etwas über mich herausfinden, aber in diesem Fall bleibe ich doch lieber bei an der Oberfläche. Also: über Fast-Food spricht man nicht, man konsumiert es.

Herr Braybrook, darf ich Sie auf eine Runde Chicken McNuggets einladen?

Och, bitte kein McDonalds. Lieber Burger King.

Sie sind ja ein richtiger Rebell.

Quatschen Sie nicht. Gehen wir los, ich habe Hunger.

Na gut. Und los!

Interview: Feyd und die Kirche (Teil I)

Guten Tag Herr Braybrook.
 
Schön, Sie wieder zu sehen.
 
Herr Braybrook, die katholische Kirche hat soeben ihren Weltjugendtag begangen. Ihr Resümee?
 
Ein überwältigendes Ereignis.
 
Ist das Ihr Ernst?
 
Kommen Sie zur Sache. Ich nehme an, Sie fanden es alles andere als überwältigend.
 
Das kann man sagen. Schließlich gab es eine Festnahme wegen Terror-Verdachts und Proteste am Rande der Veranstaltung.
 
Ihre Bezeichnung „am Rande“ ist schon richtig. Neben all den vielen begeisterten und friedlichen jungen Menschen gab es leider auch einen Freak und eine kleine Gruppe von Menschen, die gegen den Weltjugendtag demonstriert haben.
 
Nennen Sie einen Terror-Attentäter verharmlosend einen Freak?
 
Nennen Sie einen Freak aufbauschend einen Terror-Attentäter?
 
Wieso hat ihn denn die Polizei festgenommen?
 
Es hieß, man verdächtige ihn, einen Anschlag auf Gegner des Weltjugendtages geplant zu haben.
 
Ist das kein Terror?
 
Nein, das ist der Verdacht auf einen Anschlag. Lesen Sie doch genauer. Da heißt es :“…Mexikaner plante offenbar…“. Oder:“In Internetforen soll er Attentatspläne angekündigt haben“ – soll? Ein Redakteur bekommt doch Geld dafür, zu recherchieren, oder nicht? Oder kann er kein Spanisch? Was macht er dann auf dem Weltjugendtag in Spanien? Deshalb bringt er ja auch die Kritik des Bundes Deutscher Katholiken, die sprechen wenigstens seine Sprache. Oder auf die Kritik Franceso Rodriguez von der Vereinigung „Säkulares Europa“, der katholischen Kirche würden Rechte zugebilligt, die ihr nicht zustünden, unterstellt der Autor dem mutmaßlichen Attentäter, er habe dies für „Blasphemie“ gehalten bzw. daran gedacht – ist das seriös? Kann Reinhard Spiegelhauer vom HR jetzt schon Gedanken lesen? Aber selbst, wenn er das tatsächlich vorgehabt haben sollte: so etwas gab es auch 1980 beim Oktoberfest. Ein verirrter Einzeltäter, vermutlich radikalisiert.
 
Seltsam: Sie halten Breivik (den Mann, der die Anschläge auf Oslo und Utøya verübt hat) für einen typischen Vertreter der rechten Szene, den verhafteten Mexikaner aber für keinen typischen Christen.
 
Natürlich, denn in keiner christlichen Publikation lese ich von Ausgrenzung und Gewalt gegenüber anderen, schon gar nicht den Verlierern der Gesellschaft, was ja der Fall bei den von Breivik verhaßten Migranten ist. Und damit steht er nicht alleine da bei den neuen Nationalisten Europas. Breiviks Taten stehen in reinster rechtspopulistischer und nationalistischer Tradition.
 
Ist eine Kirche, die hierarchisch strukturiert ist, deren Oberhaupt für unfehlbar proklamiert wird und die „den rechten Glauben“ predigt, unschuldig an der Verfolgung Andersgläubiger?
 
Die Hierarchie ist einerseits ein wichtiger Kritikpunkt, jedoch gibt es sie in anderen Institutionen genauso. Sie ist ein Relikt aus einer Zeit, in der Staatsoberhaupt und höchste religiöse Instanz in einer Person vereint waren. Andererseits geht es um religiöse Erkenntnisse, die eine enorme Expertenschaft voraussetzen. Das Priesteramt aber auch die Exegese bedürfen eines jahrelangen Studiums. Das sind Texte und Traditionen, die jahrtausendealt sind und die zuerst rein sprachlich, dann semantisch verstanden und interpretiert werden müssen. Das kann eben nicht jeder. Und dann ist ja noch die Frage, was das alles mit armen Irren zu tun haben soll, die in der katholischen Kirche etwas anderes suchen als ihr Seelenheil. Die sog. „Verfolgung Andersgläubiger“, wie Sie es nennen, ist in Wahrheit die Vernichtung anderer durch eine arme Seele, die sich eine Plattform für ihren Wahn sucht. Würde die Kirche ihre gesamte Hierarchie abschaffen, käme es trotzdem dazu, daß irgendein Mensch seine dunklen Seiten auf Kosten des Evangeliums oder der angeblich zu beschützenden westlichen Demokratie auslebt. Das ist kein Grund für die Kirche, ihre jahrtausendealte Tradition zu verneinen.
 
Der Staat verfügt auch über eine jahrtausendealte Tradition, hat sich aber verändert.
 
Da liegen gleich mehrere Falschannahmen drin. „Den Staat“ gibt es nicht, schon gar nicht seit Jahrtausenden. Genauer: die BRD, in der wir leben, gibt es strenggenommen in dieser Form erst seit 1990. Die Staaten, die davor existiert haben, unterlagen anderen Regeln und Gesetzen. Praktisch alle Lebensbereiche unterlagen anderen Bedingungen, die weltpolitische Lage war anders, dementsprechend die Zusammensetzung der Gesellschaft. Und der Staat vor 100 Jahren bestand aus den Menschen von vor 100 Jahren – diese aber konnten ziemlich konservativ sein und an Veränderungen überhaupt nicht interessiert. Machen Sie nicht den Fehler, die Kirche a priori für altmodisch zu halten. Menschen sind bisweilen altmodisch. Werte sind nicht alt- oder neumodisch – wir halten sie für wahr oder unwahr, nachdem wir sie lange prüfen. Ein Wertewandel wäre in der Kirche nur machbar, wenn man die Referenz, also das Evangelium umschriebe. Dieses hat sich aber 2000 Jahre lang bewährt und würde immer wieder geprüft.
Natürlich hat die Kirche auch weiterhin die Aufgabe, die Botschaft des Evangeliums zu interpretieren. Die Frage ist nur: wie viel Interpretation ist möglich, wenn der Kern der Aussage nicht verändert werden soll?
 
Das ist ja das Problem: warum soll sich die Menschheit mit der Quadratur des Kreises beschäftigen? Die Annahmen der Menschheit aus der Zeit vor 1000 und mehr Jahren können gar nicht in die neue Zeit gebracht werden. Die Menschheit des 21. Jahrhunderts hat neue Erkenntnisse gefunden, die besser zu ihrem Dasein passen.
 
Wenn man glaubt, daß der Mensch Gott nach seinem Ebenbild geschaffen hat, trifft das zu. Dann muß jede Generation ihren Gott neu definieren, weil sie sich selbst ebenfalls neu definiert. Oder um es mit Ihrem Ausdruck der „Erkenntnis“ zu formulieren: so wie sich der Mensch selbst erkennt, glaubt er, Gott zu erkennen. Es ist aber nun mal die Eigenart von Religionen, daß man an die Existenz eines „höheren Wesens“ glaubt, das dem Menschen seine höhere Weisheit offenbart. Also etwas, das vor dem Menschen da war und nach ihm sein wird und das unabhängig vom Zeitgeist Generationen überdauert.

„Und Gott schuf den Menschen zu seinem Bilde“ – klingt antiquiert.
 
Wenn Sie das überfordert, nehmen Sie vielleicht zur Kenntnis, daß der Idealismus ebenfalls von einer höheren Ordnung ausgeht, die erst hergestellt werden muß.
Eine universalistische Idee hat per se Alleingeltungsanspruch. Ich nehme an, Sie sind gegen die Beschneidung von Frauen?
 
Natürlich. Das gehört sanktioniert.
 
Es sind doch aber andere, souveräne Staaten, in denen womöglich die rechtlichen Mittel dafür nicht ausreichen?
 
Und in diesem Fall muß man sich über das sogenannte Recht in diesen Staaten hinwegsetzen.
 
Die Souveränität eines anderen Staates ist aber ebenfalls Teil einer Vorstellung von Recht.
 
Nicht, was derlei Staaten betrifft.
 
Und wer bestimmt das? Wer sagt, in welchem Fall Staaten „Unrechtsstaaten“ sind und in welchem Fall nicht? Wer bestimmt, welches Recht zugunsten der Wahrung anderer Rechte gebrochen sind? Wer bestimmt, ob die Souveränität eines Staates verletzt werden soll oder nicht? Die USA?
 
Nicht die beste Lösung. Aber immerhin besser als gar keine.
 
Die Frage ist, ob „Staaten“ – oder besser: Staatsregierungen – überhaupt in der Lage sind, solche Urteile zu fällen und daraufhin Entscheidungen zu treffen. Das kann nur der einzelne Mensch selbst.
 
Nur wird „der einzelne Mensch“ Adolf Hitler nicht daran hindern, Europa zu verwüsten und die Juden erbarmungslos zu verfolgen.
 
Stimmt. Aber viele einzelne Menschen haben ihm zu seiner Macht verholfen, obwohl sie hätten anders handeln können, und manche wenigen, darunter viele Christen, haben ihm den Gehorsam verweigert. Vergessen wir nicht: Adolf Hitler kam nicht durch seinen Putschversuch in den Zwanzigern, sondern durch legitime Wahlen 1932/1933 ins Parlament. Die Menschen selbst haben ihm zur Macht verholfen. Aber: Religion ist nicht primär dazu da, die politischen Probleme der Menschheit zu lösen, auch wenn Menschen aus religiösen Motiven heraus politisch gut handeln können. Religion ist das, was zwischen dem Einzelnen und Gott stattfindet. Jeder selbst ist seinem Gewissen, Gott gegenüber Rechenschaft schuldig. Die Identifikation eines anderen als Schurken oder eines anderen Staates als Schurkenstaat entbindet nicht von der ethischen, der moralischen, der religiösen Frage nach der Legitimation für das Außerkraftsetzen von Recht. Orientiert man sich nur an der staatlichen Legitimation, hat jeder US-Soldat mit dem Beschluß des Kongresses die Absolution für den Einmarsch in den Irak erhalten, inklusive aller Leichen, über die er auf dem Weg in Saddam Husseins Palast (oder, wie sich später herausgestellt hat: Bunker) gegangen ist.
Vor Gott aber ist jegliche staatliche Legitimation völlig unerheblich. Jesus sagt: mein Reich ist nicht von dieser Welt. Es geht um die höhere, die göttliche Ordnung, das göttliche Gesetz.
 
Sie meinen das 3. Gebot: Du sollst nicht töten?
 
Das fünfte nach dem katholischen Katechismus, das sechste nach der heiligen Schrift.

Warum brauche ich dafür eine Kirche? Wenn es nur um mich und Gott geht – was hat der Papst da verloren?
 
Ohne Kirche weiß man z.B. nicht, um welches Gebot es sich handelt. Aber im Ernst: das Hantieren mit derart komplexen Fragen wie der Legitimation für das Töten erfordert allerhöchste Genauigkeit, allerhöchste Kenntnis. Da geht es um mehr als die Kenntnis der 11 Gebote oder deren Reihenfolge.

Ohne Kirche kann also kein Mensch eigenständig ethische Entscheidungen fällen?
 
Natürlich kann er das.
 
Aber keine richtigen?
 
Natürlich kann er das. Aber warum soll die Kirche nicht eine Art Leitsatz herausgeben. Es gibt sowieso schon keine richtigen – also einfachen – Antworten auf schwere ethische Fragen. Ein US-Soldat steht im Irak vor der Wahl, einen Kameraden zu retten indem er einen Iraki erschießt oder es nicht zu tun – und damit zu riskieren, selbst mitsamt Kamerad draufzugehen. Da gibt es keine saubere Lösung.
 
Ein Dilemma.
 
Ja. Aber wenn bereits die Zielformulierung ungenau ist – wenn man also aufgrund der Realität Zugeständnisse an die Ideale macht, wird das Ergebnis immer schwammiger.

Vielleicht hilft ihm bei der Entscheidung das Wissen, mit dem irakischen Soldaten den Beschützer eines der größten Despoten der arabischen Welt vor sich zu haben.
 
Sie meinen, er verfügt über Wissen aus Zeitungen, Büchern, dem Fernsehen?
 
Was soll diese Detailfrage? Ja, vermutlich hat er dieses Wissen aus Zeitungen, Büchern und dem Fernsehen. Vielleicht auch von seiner Nachbarin, Frau Krause.
 
Dann müßte er aus diesen Medien aber auch wissen, daß diese Informationen manipulierbar sind. So geschehen im Falle Irak: dem Kongress wurden absichtlich falsche Informationen zugeschanzt, um die Wahrscheinlichkeit der Bewilligung einer Intervention zu erhöhen. Und nicht nur der Kongreß, auch die Mehrheit der Bevölkerung der USA befürwortete daraufhin die Intervention.
Es ist immer das gleiche Prinzip: man holt sich die Legitimation für die Tötung / den Mord außerhalb des eigenen Gewissens. Weil uns eine andere Instanz beruhigt: die anderen sind die Schurken und verdienen zu sterben. Sie sind die Bösen. Da findet eine Verteufelung statt.
 
Da betreten Sie jetzt aber ein gewagtes Terrain. Die Kirche hat auf diese Weise Millionen angebliche Hexen verbrannt.
 
Wieder liegen Sie bereits bei den Fakten falsch. Es waren weit weniger, etwa 40000 – 60000.
 
Na toll.
 
Und nicht die Kirche hat sie verbrannt, sondern sie hat sie verurteilt – übrigens vor allem die evangelische! Die Vollstreckung oblag weltlicher Gewalt.
 
Welchen Unterschied macht das?
 
Für die Ermordeten keinen.
 
Eben, und nun?
 
Weil man mit heutigen Maßstäben Dinge beurteilt, die früher üblich waren. Das Schlimme ist, daß man die heutige Kirche so behandelt, als hätte sie die damaligen Verbrechen begangen. Man muß verstehen, daß das eine andere Zeit war. Es war völlig normal, daß die Kirche weltliche Macht hatte. Das war bereits im römischen Reich so: Priester…
 
…und Priesterinnen…
 
… waren Angehörige einer angesehenen und mit Privilegien ausgestatteten Kaste. Selbstverständlich hatten sie eine Deutungshoheit religiöse Fragen betreffend und selbstverständlich gab es ein unfehlbares religiöses Oberhaupt.
 
Den Kaiser.
 
Richtig. Er galt als Sohn Jupiters, des höchsten Gottes und sein Wort war Gesetz.
 
L´etat ce moi. Und das finden sie gut?
 
Nein. Aber die Menschen haben das damals akzeptiert, allein aufgrund der normativen Kraft, die in den Äußerungen der Mächtigen steckt. In der damaligen Zeit war das so akzeptiert wie das Sklaventum und im Übrigen auch die Herrschaft des Hausherrn (der Name sagt es ja bereits) über die Frau und die Kinder.
 
Barbarei des Altertums.
 
Philiosophisch legitimiert. Und überhaupt: die Barbaren, das waren die jenseits des Limes. Die Römer selbst haben sich bei den griechischen Philosophen bedient und diese wiederum haben die Hierarchie zwischen Sklave Herr, Frau und Kind philosophisch begründet.
 
Ach ja? Welcher mittelmäßige Philosoph hat dies begründet?
 
Kein geringerer als Aristoteles selbst. Lesen sie seine „Politik“, schlackern sie mit den Ohren. Und dennoch war er der Begründer der Ethik.
 
Nun, auch geniale Philosophen sind der Spiegel ihrer Zeit. Zur Zeit Aristoteles´ galt eine andere Moral.
 
Na bitte, da sagen Sie es doch selbst. Aristoteles´ Ausführungen zur Sklaverei werden ihm verziehen, der Kirche der frühen Neuzeit die Hexenverfolgung aber nicht. Man beurteilt aus historischer Ferne eine Institution „hier“ vor Ort – ein glänzend geeignetes Feld für Selbstgerechtigkeit. Fragen Sie einen Menschen heutzutage, ob er die Hexenverfolgung mitgemacht hätte und keiner wird es bejahen. Aber wer hat dann die ganzen Denunziationen begangen? An der Hexenverfolgung war die Obrigkeit ebenso wie deren Untertanen beteiligt und Denunziation war der Part des einfachen Volkes, den viele bereitwillig übernommen haben. Die Institution Kirche war wie jede Institution letztlich ein Zusammenschluß von Menschen und die funktionieren heute nicht wesentlich anders als im Mittelalter oder in der frühen Neuzeit. Sie sind bereit, Mobbing zu betreiben und zu morden, solange sie glauben, es für eine gerechte Sache zu tun.

Na bitte, da haben wir einen weiteren Grund, uns von der Religion abzukehren. Sie stiftet nur Unheil.

Ebenso könnte man sagen, daß die Religion die bedeutendsten Momente des Widerstandes gegen organisiertes Unrecht inszeniert hat. Friedrich Spee, einer der bedeutendsten Kritiker der Hexenverfolgung, war Jesuit. Nehmen Sie doch einfach hin, daß Menschen die Eigenschaft haben, kollektiv zu handeln und zu denken. Wenn dies sowieso der Fall ist, ist es doch besser, man füttert diesen Hunger mit dem Streben nach dem Guten.

Aber tut das die Kirche im Falle der Homosexuellen? Ist es damit getan, ihnen die Empfehlung zu geben, vom „Weg der Sünde“ abzukehren und heterosexuell oder abstinent zu werden? Gibt es da nicht noch die Möglichkeit, kirchlicherseits Homosexualität wie eine völlig normale sexuelle Ausrichtung zu behandeln?

Das ist richtig.

Oha. Diese Worte ausgerechnet von Ihnen zu hören verwundert mich doch sehr…

Ich halte die Kirche auch nicht für unfehlbar, lediglich das Wort Gottes für wahr. Was Homosexualität angeht, hat die Kirche immer noch eine negative Position dazu. Das halte ich für unsinnig. Der Gedanke, der dahinter steckt, ist ja der, man könne ein Unheil an der Ausbreitung hindern. Stattdessen ist Homosexualität wohl determiniert, nicht „anerzogen“ oder Folge von Sozialisation. Ein Beweis dafür dürfte sein, daß sie zu allen Zeiten und überall aufgetreten ist – ob man sie nun erlaubt oder verboten hat.

Schön. Wann treten Sie aus der Kirche aus?

Sie wissen ja noch nicht einmal, ob ich Mitglied bin. Aber wenn dem so wäre: wozu? Es gibt ja auch eine Erneuerung von innen heraus. Ich bin mir sicher, daß die Kirche diese Aufgaben bewältigen kann. Dabei kommt es darauf an, daß sie sich erneuert. Dies ist aber eine schwierige Gratwanderung zwischen der Bewahrung des Wortes Gottes und dessen Interpretation. Dazu ist eine Veranstaltung wie der Weltjugendtag wichtig. Die progressivsten Tendenzen in jeder Bewegung sind bei der Jugend zu finden. Und niemand kann so frei und authentisch Kritik innerhalb der eigenen Reihen üben wie die Jugend. Leider wurde seitens der Tagesschau die Aufgabe des Jugendtages ausschließlich auf die Ausübung von Kritik reduziert. Ein journalistischer Anfängerfehler.

Wohl eher Absicht.

Das ist ja noch schlimmer: weil man der Kirche eins auf die Mütze geben will, verschweigt man, daß 1 Million junger Menschen auch anderes für die Kirche empfinden als Abneigung.

Es ist nun mal ein deutsches, freies Medium.

Es ist vor allem eine egozentrische Sichtweise, nicht im Ansatz objektiv. Hajo Friedrichs, der Guru der Tagesthemen hat mal gesagt: „Einen guten Journalisten erkennt man daran, dass er sich nicht gemein macht mit einer Sache, auch nicht mit einer guten Sache; dass er überall dabei ist, aber nirgendwo dazugehört.“. Wenn der Redakteur der Meinung ist, es sei gut, Kritik an der Kirche zu üben, kann er das ja machen. Aber „gut“ für einen Jounalisten wäre es, auch die Begeisterung der guten Million junger Christen zu beschreiben. Das hat er marginalisiert. Deshalb kann man die Tagesschau als Medium nicht mehr ernstnehmen, wenn es um die Kirche geht. Die Berichte sind völlig vorhersehbar, da nicht objektiv. So, als könnten sich die Menschen kein eigenes Urteil bilden.

Ende Teil I. Morgen folgt Teil II.

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