Borna: matrjoschka

BILD nur noch in BILD-Stuben…?

tagesschau.de: Beschwerden beim Presserat über die Berichterstattung der BILD-Zeitung.

Stimmt schon, da ist viel Heuchelei dabei:

– gibt es einen meßbaren Grad an schockierender Wirkung von Bildern?
– ist das offene Zurschaustellen von Leichen schockierender als deren mit Kreide gezeichneter Umriss?
– haben es nicht die Käufer selbst in der Hand, welche Zeitung welches Niveau hält (bzw. wie im Fall von BILD: unterschreitet)?
– verdienen nicht auch sog. „seriöse“ Medien an der Berichterstattung? Schließlich ist die FAZ genausowenig kostenlos wie die BILD…
– natürlich sind die Toten von Duisburg zu betrauern, aber von wem und in welchem Maße? Findet hier nicht wieder Trauer-Tourismus wie im Falle Robert Enkes statt?

Diese Fragen sollen die BILD-Zeitung mitnichten entlasten. Nur fällt es schwer, sie zu verurteilen, wenn man sich diese Fragen nicht vorher gestellt hat. Es geht darum, daß man sich der Mechanismen unserer Medienlandschaft bewußt wird, und zwar nicht nur an ihren Extremen wie der BILD, sondern eben auch da, wo die Zone „ernsthaften“ Jounalismus definiert wird.

Dennoch bleibt am Ende das Bauchgefühl, und das sagt mir, daß das Treiben der BILD schlicht gemaßregelt gehört. Ich sitze in der Bahn und neben mir packt einer das Lügenblatt aus. Wie um Himmels Willen soll man sich da entziehen? Allein schon die Größe der Lettern … mein Word kann bis zu 72, BILD hat wohl ne spezielle Boulevard-Lizenz, bei der 72 die Minimalgröße ist… Und die halbseitig aufgeblasenen Youtube-Stills sterbender oder schon totgedrückter Menschen KANN man gar nicht übersehen, selbst, wenn man wegschaut, sobald der Blick aus Versehen drüberschweift. Wenn Lieschen Müller sich daran aufgeilt, weil ihr Leben ansonsten eher trostlos ist – naja, schade für sie, aber es geht mich nichts an. Aber ich, ich WILL das nicht sehen und ich halte es für eine Form von Nötigung.

Nein, ich bin nicht der Meinung, daß man die BILD verbieten sollte. Man sollte nur ihren Konsum, so wie beim Heroin, auf spezielle BILD-Stuben beschränken.

Es heißt, unsere Kinder sollten nicht mitansehen sollen, wie Junkies sich einen Schuß setzen. Es ist aber OK, wenn sie detaillierte Bilder der Katastrophe von Duisburg mitsehen müssen, ein paar Millimeter entfernt vom blanken Busen Carolas, die „es mag, wenn man sie am Hals küßt“.

Und dabei muß man noch nicht mal was legalisieren, denn BILD bekommt man im Gegensatz zu Koks, Hasch oder Crack an jedem Kiosk.

Ihr seid doch alle ferngesteuert!

Jetzt neu:

oder auf myspace:

ferngesteuert auf myspace

web.de´s neuer Sex-Puppenbericht!

web.de: neue Generation von Sexpuppen auf dem Markt!

Auszug:

„Sie kann sich dank eines menschenähnlichen Skeletts bewegen, Schlaf simulieren und über ausgesuchte Themen wie Fußball fachsimpeln“ –

Oh, das kann ich auch.

web.de berichtet über mysteriöse Vorfälle und Reissäcke

Heute morgen bei web.de:

Das liest sich so, als wäre die Landung 18 Stunden lang hinausgezögert worden, oder nicht? Wir alle denken da an „Stirb lansam 2„: während John McClanes Frau in einer Maschine sitzt, die abzustürzen droht, weil die Landung infolge terroristischer Aktivitäten nicht möglich ist und so langsam der Sprit ausgeht, kämpft dieser sich halbnackt und blutverschmiert durch Horden von schwer bewaffneten Terroristen. Wie man sieht: die Lizenzierungsreihenfolge von Computerspielen zum Kinofilm gibt es nicht erst seit deren Etablierung als Massenmedium.

Jedenfalls hat man so alle möglichen schlimmen Szenarien vor Augen, wenn man die Übersicht list. Klickt man auf den Artikel, muß man jedoch feststellen, daß das alles nur Hype ist: da war halt ein Klo kaputt und die Maschine wurde während einer Zwischenlandung repariert, was insgesamt zu 18 Stunden Verspätung geführt hat.
Darunter folgen noch die Angebote für den täglichen Voyeurismus („Busen“, „fast nackt“) – dazu hatte ich unter „Sex“ bereits berichtet.

Demnächst auf web.de:

„China: Reissack fällt um, Politbüro verabschiedet Sofortmaßnahmen“

und darunter:
„Nackte Chinesinnen: komm doch ins Reisfeld (Video)“ und:
„Nur mit Stäbchen bekleidet – der chinesische StundentInnenkalender“

Insekten-Ex bei Brigitte: statt „Gut so!“ lieber „Weiter so!“

Ich habe nie die Brigitte gelesen und wüßte nicht, warum ich das tun sollte. Aufmerksam bin ich dann aber doch geworden, jetzt, wo doch die tagesschau.de-Radaktion darüber schreibt.

Gut gemeint, aber meine imaginäre Mind-Map sagt mir, daß das Ganze nur ein Baustein des riesigen In/Out-Gebildes ist, welches anstelle moralischer Werte getreten ist. Was alles gutaussehend, erfolgreich, geil (Geiz?) und sexy ist, bestimmen immer noch die Leute selbst, und wenn die Modelszene sich zur Magersucht hin entwickelt hat, dann sicher deshalb, weil das die Kunden so wollen.

Ein Tropfen also auf dem heißen Stein? Nee, es ist wohl so ne Art Symbol. Dann muß man sich aber auch fragen, was es bringt, symbolisch die Anbiederung an Trends (und Mode hat verdammt viel damit zu tun) abzulehnen und gleichzeitig weiter über Trends zu berichten.

Wie gesagt, ein symbolischer Akt gegen den Kommerz ist besser als gar keiner, aber bevor das Ganze nun zur Revolution hochsterilisiert wird, sage ich statt „Gut so!“ lieber „Weiter so!“.

Wendy O. Williams

plasmaticsarrested

Manche nannten sie die Queen of Shock Rock, manche nannten sie „konfrontativ politisch“, manche bescheinigten ihrer Combo „The Plasmatics“, den wahren, den ursprünglichen Crossover begründet zu haben.

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