tagesschau.de 06.10.2011- das Review

Irgendwie war es klar. Steve Jobs hatte es lange in der Öffentlichkeit gehalten, doch nun ist er tot. Tagesschau.de bringt das zurecht als die Top-News des Tages, denn bereits nach Jobs Rückzug aus dem Geschäft brach der Kurs für Apple-Aktien ein. Eine Wirtschafts- aber auch Gesellschaftsmeldung also, war Steve Jobs doch für viele das Paradebeispiel eines Visionärs, der aus dem angeschlagenen Unternehmen Mitte der 90er die Alternative zu Microsoft gemacht hatte.
Es gibt genügend andere und besser geeignete Plattformen für einen persönlichen Rückblick. Deshalb will ich es hierbei belassen. Persönlich betroffen bin ich nicht, denn ich habe ihn nicht persönlich gekannt. Allerdings imponiert mir Jobs Stil, der Elemente des Leadership hatte, bevor systemisches Management zu einer Art Modewort geworden ist.

In den USA, in denen ohne Slogan mal gar nichts funktioniert, sagte Obama „Yes we can“, aber irgendwie meinte er wohl „Maybe we could“. Jobs stellte die Frage Kann man erfolgreich sein, wenn man es anders versucht?“ und gab selbst die Antwort „a solution exists„.

Ja, Apple, das war auch immer Werbung, Slogans, Schick und Design. Aber durch Steve blieb es nie bei leeren Versprechungen – die Slogans der Firma Apple, das muß man trotz der Kritik an deren Marktstrategie gelten lassen, die Slogans trafen zu: Apple ist anders. Apple ist verrückt. Und Apple funktioniert wirklich.
Steve Jobs war ein Mann, der etwas ganz einfaches gemacht hat: er Computer zum Funktionieren gebracht. Das Argument, man müsse sich verändern, um den Computer zu verstehen, hat er nie gelten lassen. Die Technik hat sich an den Menschen anzupassen und dies zu bewerkstelligen, hat Steve Jobs als Aufgabe gesehen. Und genau so einfach ist der Erfolg Jobs´ sowie seiner Firma zu sehen: Menschen geben ihr Geld eher für Dinge aus, die funktionieren, als für welche, die man erst selbst zum Funktionieren bringen muß. Danke, Steve.

[Update 11:45 Uhr]
Die Tagesschau fährt nun das volle Jobs-Programm:
hier (Video) und
hier (Bericht) und
hier (Bilderstrecke)
und das zusätzlich zum eigentlichen Artikel. Death sells.

Grüne und SPD in Berlin.

Kurz durchatmen, dann gehts weiter: die Seite berichtet über die Schlammschlacht zwischen den Grünen und der SPD, nachdem die Koalitionsverhandlungen in Berlin gescheitert sind. Da scheint ein ganz schön heftiger Rechtfertigungsdruck zu bestehen, sonst würden die sich jetzt im Nachhinein nicht die Schuld gegenseitig in die Schuhe schieben, aber ich frage mich, welchen Wähler das interessiert? Und warum macht da die Tagesschau mit? Die Dienstleistung ist nicht erbracht und es ist völlig irrelevant, wer die „Schuld“ hat (ich nehme an, beide). Da sollte sich die Tagesschau raushalten, sonst ist das nichts weiter als Polit-Boulevard.

Ulrich Deppendorf bringt einen Artikel über den inhaltlichen Gehalt des Piratenprogramms. Naja. Er hat ja nicht unrecht, aber den aktuellen Anlaß kann man sich selbst irgendwo herzaubern. Inhaltlich kommt da immer noch zu viel Wertung rüber. Zur Frage, ob die Piraten bundesweit eine Chance haben oder nicht, analysiert er richtig: die haben im Moment einen Höhenflug und sind eben übereifrig. Das wird sich schon noch geben… Dann folgt eine Analyse des Programms. Deppendorf nimmt bezug zur Transparent-Politik der Piraten. Und gleich meint er, es gäbe eben Staatsgeheimnisse, die nicht presgegeben werden dürften, aber „richtig ist es, daß die mehr drin haben wollen, daß die mehr beteiligt werden wollen, daß der Staat oder die Parteien mehr mit den Leuten kommunizieren müssen“. Das ist scheint zunächst nicht richtig, denn soweit man die Piraten zunächst verstanden hatte, wollten die Piraten völlige Transparenz, nicht nur „mehr“ davon. Aber dann behält Deppendorf doch recht. Auszug aus dem Parteiprogramm, Punkt 8 („Freier Zugang zu öffentlichen Inhalten“):

„Ausnahmen von der Veröffentlichungspflicht sind nur bei schwerwiegenden Gründen möglich; diese müssen in jedem Einzelfall schriftlich dargelegt werden.“

Also doch keine völlige Transparenz. Deppendorf nimmt wahr, daß die Piraten zumindest momentan noch so tun, als seien sie für völlige Transparenz („so, wie sie es jetzt sagen, noch eher ja“), allerdings interpretiert er „den Gedanken dahinter, möglichst viel Transparenz zu haben“. Und da interpretiert er richtig – ich nehme an, er hat das Parteiprogramm überflogen (langsamer geht auch nicht). Quintessenz ist: man darf sie nicht so unterschätzen, wie man das bei den Grünen anfangs gemacht haben – die waren plötzlich eben doch da, im Parlament. Allerdings bezweifelt er, ob die Piraten bei ihren Grundsätzen bleiben werden und da bin ich mit ihm einer Meinung, obwohl ich mein Wissen über die Piraten ausschließlich aus erster Hand habe: da ist viel Willen, viel berechtigte Empörung über ausufernde Politik, aber auch seltsame Vorstellungen von Freiheit, wobei letztere zum Wert erhoben wird, was ich für äußerst fragwürdig halte.

Entschädigung für verstrahlte NVA-Soldaten

CHristian Thiels bringt einen Artikel über die geplante Einrichtung einer Stiftung / eines Fonds „außerhalb des geregelten rechtlichen Verfahrens“. Klartext: das, was es dazu von gesetzlicher Seite gibt, ist ausgeschöpft, aber gerecht wird diese Lösung den Erkrankten nicht. Nun legt das Verteidigungsministerium vor: 7 Mio € fließen von dortiger Seite in den Fonds, was aber natürlich nicht reicht. Daher wird „eine Beteiligung mit den Firmen, die die Radargeräte damals produziert hätten“ in die Diskussion (die außerhalb des Parlaments ja noch gar nicht besteht…) eingebracht.

Ein Paradebeispiel für die Handlangerfunktion öffentlich-rechtlicher Medien. Der rechtliche Rahmen ist ausgeschöpft, die Alternative, ein Fonds aus teils öffentlicher, teils privater Hand ist schwer zu rechtfertigen bzw. realisierbar. Also bringt man die Diskussion ein wenig in Gang. Grundsätzlich ist eine öffentliche Diskussion bei Fragen zum Thema Geld ja wichtig, aber mit gefällt die Chronologie nicht, in der das abläuft. Eigentlich sollten die Bürger selbst darüber entscheiden, welche Themen außerhalb des rechtlichen Rahmens dennoch behandelt werden sollen. Und offensichtlich scheinen die Politiker auch keinerlei Handhabe gegenüber den Herstellern jener Radargeräte zu haben, sonst würden sie dies nicht in die Diskussion bringen. Da hofft doch stillschweigend jemand auf öffentliche Empörung, oder? Und zuguterletzt frage ich mich, wie die Nähe zur Tagesschau zustande kommt. Eigentlich sollten derartige Themen – also Menschen, die außerhalb des rechtlichen Rahmens dennoch nicht oder nicht so richtig zu ihrem Recht kommen – durch das Volk an die Presse herangebracht werden können. Ist aber nicht so. Die Damen und Herren in Berlin sagen der Tagesschau, wo es langgeht. Klar, schließlich sind die Politiker die personifizierte Meinung des Volkes. Wozu das Volk befragen? CDUSPDGrüneFDPLinke sind doch das Volk…

Slowakei sagt zum Euro-Rettungsschirm: „ne!“ – oder fast noch nicht eventuell vielleicht erst später noch

Ein Nein der Slowakei zum Rettungsschirm wäre ja eine Meldung, aber das voraussichtliche Nein ist es für die Tagesschau ebenfalls. Man erhält in Stefan Heinleins Artikel detaillierte Einsichten in die Befindlichkeiten der slowakischen Parteienlandschaft, selbst, wenn die keinen interessieren. Und mal ehrlich: ist selbst die Ablehnung des Rettungsschirmes durch die Slowaken ein wirkliches Novum? Ich schreibe bewußt: „die Slowaken“, denn das Parlament hat ja noch nicht abgestimmt. Das wäre wirklich einer Meldung wert. Aber Säbelrasseln im Vorfeld hebt sich irgendwann auch nicht mehr aus den vielen Säbelrasseln-Meldungen hervor. Bisher bringt diese Tagesschau jedenfalls – bis auf den Tod Jobs´ – keine wirkliche Meldung.

Immerhin: Brigitte Osterath erklärt uns in der Reihe „Nobelpreis live“, was Quasikristalle eigentlich sind. Ich muß sagen, daß mich das sogar interessiert. Ganz sicher mehr als das Geplänkel zwischen den Fast-Koalitionspartnern in Berlin oder das Bald-Vielleicht-Nein der Slowakei zum Rettungsschirm.

Und nochmal nix, aber die Tagesschau liest die Gedanken Sarah Palins – EXKLUSIV!!!

Sarah Palin wird 2012 nicht für die Republikaner im Kampf um die US-Präsidentschaft antreten. Das allein wäre schon unwichtig genug, denn mit Michele Bachmann steht (natürlich) schon eine andere Kandidatin parat. Interessant ist jedoch, daß die/der nicht genannte RedakteurIn Worte in Palins Mund legt die sie nie gesagt hat. Sie hat das auch nicht so gemeint, sondern es ist schlichte Konstruktion, was da bei unserem öffentlich-rechtlichen Parademedium getan wird. Schauen wir uns das genau an (ich nehme bewußt wörtliche Zitate der Tagesschau!):

Die Tagesschau nennt folgende Begründung:
In einem Brief an ihre Anhänger schrieb die ehemalige Kandidatin für die Vize-Präsidentschaft, dass ihre Familie Vorrang habe. „Nach vielen Gebeten und ernsthaften Überlegungen habe ich entschieden, mich 2012 nicht um eine Nominierung der Republikanischen Partei für die Präsidentschaft der Vereinigten Staaten zu bemühen“.
In der Überschrift heißt es aber: „Gott und Familie statt Wahlkampf und Weißes Haus“.
Das mit der Familie kann man dann noch durchgehen lassen, denn trotz fehlenden wörtlichen Zitates bekennt sich die/der AutorIn dazu dies in der Nachricht an die Anhänger gelesen zu haben.
Aber wo steht, daß Palin „für Gott“ auf den Wahlkampf verzichtet? Sie hat geschrieben, sie hätte sich nach „vielen Gebeten“, nicht „für Gott“ gegen die Kandidatur entschieden.

Jetzt wird man sagen können, das sei kleinlich.

Das wäre es, wenn hier nicht tatsächliche Aussagen mit Konstrukten vermischt würden und wenn in diesem Zusammenhang nicht mit konstruierten Einstellungen gegenüber den Republikanern gespielt würde.

Die Republikaner, klar, für Gott und Vaterland und überhaupt: konservativ bis ins letzte Detail. Natürlich gehört bei denen eine Frau nach Hause in die Küche und bestenfalls in die Kirche, wenn sie schon mal austreten darf. Böse Republikaner, gute Demokraten.

Das meine ich mit Konstrukten. Das ist alles ein Funken Wahrheit, der mit journalistischem Brennstoff zur Explosion gebracht wird. Da ist ein Teil wahr und nimmt den Leser erstmal mit in den Zug. Dann wird vor dem Fenster eine Fototapete vorbeigezogen, und zwar so schnell, daß man nicht erkennt, daß das gar nicht die Realität ist. Am Waggon wird geruckelt und man glaubt, der Zug holpert durch die Gegend. Und wenn man aussteigt, hat man das Brainwashing solange mitgemacht, daß man glaubt, tatsächlich an einem anderen Ort angekommen zu sein. Und wenn dann einer sagt: „hey, wir sind ja gar nicht in XY“, sagen die anderen: „wieso, hast Du denn nicht gesehen, daß die Landschaft vorbeigesaust ist und der Zug geruckelt hat?“.

Macht Euch immun gegen dieses Brainwashing. Sarah Palin mag eine Republikanerin sein. Sie mag gläubig sein. Aber sie tritt nicht „für Gott“ von der Kandidatur zurück. Das ist mehr als nur eine boulevard-stilistische Umschreibung. Hier soll suggeriert werden, daß Palin aus irrationalen Gründen zurücktritt und natürlich deshalb, weil sie eine Republikanerin ist. Das ist Wahlkampf pur und einseitig, wie es sich für ein öffentlich-rechtliches Medium verbietet.

Ob ich die Republikaner mag? Nein, und in diese Diskussion darf man sich nicht hineinzwängen lassen. Weil die Schwarz-Weiß-Malerei, die Messianisierung Barack Obamas, der Guantanamo immer noch nicht geschlossen hat, obwohl er es mal versprochen hatte, die Kehrseite der Medaille ist. Sie schreibt den Persilschein für „die Guten“, Böses zu tun. Die Republikaner sind nicht nur böse und die Demokraten auch nicht nur gut. Auch Obama hat seinen Amtseid auf Gott geschworen, ebenso wie Clinton und alle anderen Demokraten vor ihm. Es gibt verdammt viele Gläubige Christen bei den Demokraten. Die Öffentlichkeit wird hier an der Nase herumgeführt und abgelenkt: man beschäftigt sich mit Wahlkämpfen und Präsidenten, während die Kriege immer weiter gehen.

Diese Meldung ist eines ÖR-Mediums nicht würdig.

Kaczynski mag die Deutschen nicht, Kazmierczak hält das für reine Strategie

Weiter folgt eine enorm wichtige Meldung über das neue Buch des polnischen Oppositionschefs Kaczynski. Die Erklärung, waraum dies ausgerechnet jetzt geschieht, folgt sogleich: am Sonntag ist Wahl in Polen und mit etwas Deutschen-Bashing kommt man schon eher ins Gespräch. Ob das so ist, ist fraglich. Überhaupt nicht fraglich ist, daß, falls diese Strategie aufgehen sollte, die Erwähnung des Buchs und seines Inhaltes in Ludger Kazmierczaks Artikel auf tagesschau.de ihren Beitrag zum Erfolg beigetragen hat. Also wieder eine Meldung, die sich wichtig macht, indem sie Unwichtiges aufbauscht. „Seht mal, da ist nichts!“…

Deutscher Wissenschaftler darf nicht nach Russland

Klingt zwar nach umgefallenen Reissack, ist aber tatsächlich mal eine sinnvolle Meldung. Es zeigt, in welchem Zustand sich der russische Rechtsstaat befindet: der gute Mann hatte immerhin ein gültiges Visum, womit die Frage der Gültigkeit russischer Dokumente geklärt ist. Weitere Informationen zu Schröders politischen Forschungsergebnissen findet man zwar nicht, dafür ist ein Link zu Schröders HP vorhanden.
Aber auch hier weise ich auf das gestrige Review hin: Rußland mag in vielerlei Hinsicht kritikwürdig sein, von einer Dämonisierung muß aber abgesehen werden, denn Konstrukte wie ein verteufeltes Rußland sind genausowenig zutreffend wie politisch hilfreich.

Bahn informiert über Wintervorbereitungen.

Als BahnCard-Besitzer nehme ich diese Meldung dankend entgegen. Die Bahn ist für mich ein Beispiel dafür, daß die Wirtschaft eben doch kontrollierbar ist. Dazu bedarf es keines Staates. Die Bürger selbst können kraft ihrer Masse einiges tun. So gibt es seit langem schon Pro Bahn, eine Interessenvertretung der Verbraucher, die genau das macht, was Konzerne brauchen: die Interessen der Kunden vertreten, Druck ausüben. Konzerne verändern sich nicht aus Spaß an der Freud zu verbraucherfreundlichen gemeinnützigen Vereinen. Sie tun es, wenn sie es müssen. Und das tun sie nur, wenn ihnen die Kunden abspringen.
Also: diese Meldung ist schon OK. Allerdings ist die Chronologie wiederum etwas ver-rückt (sic!). Eigentlich geht es ja um die Interesen der Fahrgäste. Hier gings aber andersrum: Bahn -> Tagesschau -> Bürger. Hätten letztere keinen Druck auf die Bahn ausgeübt, läge der Bericht wohl nicht vor. Ein wenig mehr Wahrnehmung der Verbraucherinteressen täte der Tagesschau gut, aber dazu sind die nicht nahe genug am Bürger.

Insgesamt wieder einiges belanglose in dieser Tagesschau, aber Deppendorfs Woche sowie die beiden Artikel zu Rußland und der Bahn verhelfen dieser Tagesschau doch zu einer Wertung von 63,57 %, wobei deutlich mehr dringewesen wäre, wenn man sich den Palin-Artikel gespart hätte.

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Das Verständnis der Piraten von der Urheberschaft

Die Piraten sind dafür, kreative Schöpfungen frei zugänglich zu machen. Eine Begründung dafür findet sich in ihrem Programm: Kreative griffen bei der Schaffung neuer Inhalte auf bestehende Schöpfungen zurück (Programm Punkt 2 ff) .
Dem liegt ein einfaches Verständnis kreativer Schöpfungsprozesse zugrunde. Kreativ zu sein, bedeutet nicht, ausschließlich medial verfügbare Schöpfungen zu verwerten. Kreativität ist die Gesamtheit intrinsischer Prozesse im Hinblick auf Auslöser und Ergebnis. D.h. von außen betrachtet mag ein Künstler vermitteln können, was ihn zu einem kreativen Prozess bewogen hat und – natürlich – was dabei rausgekommen ist. Was aber währenddessen geschehen ist, ist ungleich schwerer zu vermitteln. Paul McCartney hat einmal gesagt, er habe die Melodie von „Yesterday“ geträumt. Hat er auf bestehende Schöpfungen dabei zurückgegriffen und wenn ja, auf welche? Es ist wichtig, dies in Frage zu stellen, denn die Piraten tun dies nicht und damit blenden sie all jenes Unfaßbare und Unvermittelbare aus, das einen Künstler zum Künstler macht.
Ein zweiter Kritikpunkt ist: selbst, wenn ein Musiker auf den Schatz früherer Schöpfungen zurückgreift, sind es doch auch wieder Schöpfungen von Künstlern, die ihrerseits viel in ihre Schöpfungen investiert haben und mitnichten etwas getan haben, was jeder hätte tun können.
Denn wenn jeder einfach so kreativ sein könnte, indem er den bestehenden Schatz an Schöpfungen nutzt, wieso tut es dann nicht jeder bzw. wieso sind dann nicht alle Neuschöpfungen gut?

Mir scheint, die Piraten sehen das Internet als etwas ganz Besonderes, Neues an. Deshalb sind sie offensichtlich überwältigt von der Masse an Kreativität, vor allem Musik, die sie dort im Netz finden und vermutlich schließen sie daraus, die Menschheit sei kreativer geworden.

Dies ist mitnichten der Fall bzw. wenn dem so wäre, müßten sie es beweisen. Die Tatsache, daß man per youtube oder grooveshark an so gut wie jedes Musikstück kommt, reicht mir als Beweis nicht aus. Denn es findet sich dort bei weitem nicht alles. Alte mongolische Gesänge findet man dort mitnichten und schon gar nicht, wenn man als Westeuropäer in seiner jeweiligen Sprache und Schrift danach sucht. Das, was es auf diesen Plattformen gibt, ist ein Spiegel des Musikgeschmacks der Internet-User, und der ist durchaus beschränkt. Im Großen und Ganzen finden Menschen des Westens dort westliche Popmusik.
D.h.: das westliche Internet ist ein Spiegel der westlichen Kultur. Hier gilt also dasselbe, was für alte Medien gegolten hat. Was früher das Fernsehen und davor die Live-Performance war, findet heute über das Internet statt. Ich sehe da prinzipiell keinen Unterschied, außer den, daß alles schneller und größer geworden ist.

Und somit ist es also erlaubt, die Frage der Urheberschaft genauso zu behandeln wie in früherer Zeit. Ein Urheber stellt mit einem Aufwand, den andere nicht betreiben (weil ihnen das zu mühsam ist) ein Werk her und sein Erfolg ist nur durch eines meßbar: seine Verbreitung. Ein Ohrwurm mag manchmal ein Zufall sein und ein One-Hit-Wonder kommt immer wieder vor. Es gibt aber Musiker, die einfach ein Händchen dafür haben und sie gehören entlohnt. Es ist davon auszugehen, daß hinter der Leichtigkeit des Ohrwurms eine Menge Arbeit steckt, eine Menge Know-How, das mühsam erarbeitet wurde. Alleine schon der Umstand, daß man sich entschließt, eine so unsichere Branche wie jene des Musikbusiness zu wählen, gehört entlohnt. Dieses Wagnis gehen verdammt viele ein, anstatt eine sichere Lehre bei der Bank anzustreben und die wenigsten von ihnen haben damit Erfolg. Es ist oft ein elendes Leben, das sie führen und selbst Bands, die einen Plattenvertrag haben, müssen oft knapsen, wo es nur geht.

Es ist ein wenig wie die Goldsuche. Tausende verlassen ihr Zuhause, geben Geld für Ausrüstung aus, suchen, graben, verzweifeln. Der Goldrausch ist mitnichten eine Erfolgsgeschichte, sondern eigentlich die Geschichte großen Elends. Eigentlich müßten die Menschen Reißaus nehmen, wenn sie nur davon hörten, daß es irgendwo Gold gibt. Stattdessen passiert folgendes: einer findet einen dicken Goldnugget, hat für sein Leben ausgesorgt. Und was geschieht? Erneut zieht es tausende und abertausende an den Ort, wo einer etwas gefunden hat.
Die Piraten wären in diesem Fall eine Partei, die der Meinung ist, daß das ganze Gold, das gefunden wird, an einen frei zugänglichen Ort gebracht wird und jeder, der will, sich dort bedienen kann. Was wäre die Folge? In Kürze wäre alles weg und ganz sicher wäre nicht alles gerecht verteilt.
Jetzt argumentieren Piraten so, daß der Vergleich mit dem Gold hinkt, denn die Musik würde ja nicht von einem Besitzer zum anderen wechseln, vielmehr würde sie vervielfältigt. Da es technisch möglich sei, exakte Repliken dieses Besitzes zu machen, würde keiner ärmer, sondern andere reicher werden. Das ist ein völliger Trugschluß. Denn selbst, wenn alle Menschen in der Lage wären, Gold zu vervielfältigen, wäre das Gold bald schon nichts mehr wert und es gäbe bald schon keine Goldsucher mehr, sondern nur noch Goldduplizierer. Diese gäbe es aber bald auch nicht mehr, da Gold nur deshalb so wertvoll ist, weil es knapp ist.
Die Piraten sind der Ansicht, daß es andere Wege gäbe, an Musik zu verdienen. Wenn dies aber nicht durch CD-Verkäufe ginge, wodurch dann? Live-Auftritte? Da haben die Piraten dann aber einfach mal ausgeblendet, daß man an Live-Auftritten in den letzten Jahrzehnten nur deshalb verdient hat, weil die Musik durch die allseits verhaßten Plattenfirmen gehyped worden ist. Niemand hätte je 130 € für Michael Jackson gezahlt, wenn er „nur“ die Musik bekommen hätte. Und auch den „Star“ Michael Jackson, für den dann doch einige gezahlt haben, hätte es ohne Hype nicht gegeben.
Wir müssen uns das so vorstellen, daß ohne den (historisch belegten) Hype Musiker auf exakt jenem Niveau gewesen wären, auf dem sie vor Erfindung der Schallplatte gewesen sind. Die wenigen, die davon leben konnten, waren ein paar studierte Musiker und wenige Hochbegabte, die sich selbst vor allem durch Auftritte finanziert haben.
Und genau darauf wird es auch wieder herauslaufen bzw. es ist schon zu sehen, daß das Musikerdasein ein karges ist, es sei denn, man gehört zu den wenigen Glücklichen, deren Label mehr als nur die Kosten trägt. Vor allem verdient man, wenn man sich kaputt tourt.
Ich will nicht ungerecht sein: die Technik macht alles schneller und besonders die Kreativität profitiert davon. Das möchte ich nicht missen. Die Piraten erkennen in ihrem Programm sogar die „berechtigten wirtschaftlichen Interessen der Urheber“ an, schreiben aber kein Wort dazu, wie diese interessen gewahrt werden sollen. Es fehlt also jegliche konkrete Vorstellung davon, wie der Urheber nun zu dem Geld kommen soll, daß ihm laut Piraten zusteht.
Stattdessen steht ganz klar darin, daß dies nicht durch Plattenverkäufe geschehen soll, denn Platten sollen für den Privatgebrauch frei kopierbar sein.

Natürlich habe ich kein Problem damit, wenn dies in jenem Umfang geschieht, in dem früher Kassetten kopiert worden sind. Das Problem an der heutigen Zeit ist, daß man per mp3 und Internet Musik jedem Menschen auf der anderen Seite der Welt zur Verfügung stellen kann. Das ist also nicht dasselbe wie der persönliche Kontakt früher zu einem Freund, dem man eine Band wärmstens empfohlen hat („hey, hast schon xy gehört? Nein? Ich leih es DIr mal aus, kannst ja überspielen“).

Den Song zu schreiben, den Millionen von Menschen auf der Straße pfeifen, erfordert eine Auseinandersetzung mit dem Commonsense, dem Allgemeinwissen, der Befindlichkeit der Gesellschaft. „Wann wird’s mal wieder richtig Sommer?“ – vielleicht war es ein tatsächlicher schlechter Sommer, vielleicht aber auch nicht. Tatsache ist aber, daß das Lied sofort zündet, da jeder das Gefühl kennt, sich im falschen Sommer zu befinden. Dazu eine Melodie, die die Melancholie und gleichzeitige Beschwingtheit in der Erinnerung trifft – das soll jeder können? Das soll Zufall sein? Es hört sich leicht und beschwingt an, ein Song, bei dem man vor sich hin faulenzen kann. Nur daß der Autor bestimmt kein Faulenzer war, als er sich das Know-How für etwas, das so leicht klingt, draufgeschafft hat.

Diese Arbeit gehört entlohnt. Und wenn sie nicht entlohnt wird, wird sich auch keiner mehr diese Arbeit machen.

Die Piraten nennen Werke eine „freies Gut“, da sie durch einen Kopierschutz künstlich unfrei gemacht werden. D.h.: alles, was man sich aneignen kann, ist frei. Das ist ein Denkfehler – nur, weil man Werke kopieren kann, können sie dennoch das Eigentum eines anderen sein. Viele Läden haben ihre Waren im Sommer draußen vor der Türe, unbewacht. Sich diese anzueignen ist Diebstahl, egal, ob es jemand merkt und verhindert oder nicht. Im Umkehrschluß würde dies ja bedeuten, daß jeder unbemerkte Diebstahl rechtmäßig wäre.

Unter 1.1 steht „die Schaffung von künstlichem Mangel aus rein wirtschaftlichem Interesse erscheint uns unmoralisch“. Wieso ist es ein künstlicher Mangel? Gibt es ein Menschenrecht auf die neue Platte seiner Lieblingsband? Haben sich diese Bands gegründet, um den Hörern zu einem Recht zu verhelfen? Ist es nicht vielmehr so, daß da ein Handel stattfindet? Einer kann etwas so besonders gut, daß andere dafür bezahlen, um es zu hören – dieses Prinzip ist bei Konzerten unumstritten. Warum soll das bei der Konservierung von Musik anders sein? Einer setzt sich wochen. und monatelang hin, um Musik zu schreiben, einzustudieren, aufzunehmen. Wieso sollen andere das Recht haben, die Früchte dieser monatelangen Arbeit zu essen, ohne dafür zu bezahlen?
Es ist also kein künstlicher Mangel, sondern ein freiwilliger. Eine bestimmte Musik hören zu wollen, ist die freiwillige Entscheidung jedes einzelnen. Wenn einer die Musik von Lady Gaga gutfindet, aber das Geld dafür nicht ausgeben will, muß er es sich halt verkneifen. Er wird daran nicht sterben.
Die Schaffung eines existenzgefährdenden Mangels an Geld, an Essen, an Kleidung kann es geben, und das ist das unmoralisch. Aber auch die Sicherung des Existenzminimums gegenüber Arbeitslosen bspw. über die Sozialhilfe heißt nicht, daß der Staat der Bank das Geld, dem Bauer die Produkte oder dem Kleidungshersteller die Kleidung wegnimmt – er bezahlt sie! Wenn es ein Recht, Lady Gagas neue CD zu besitzen gäbe, müßte der Staat der Logik der Piraten folgend also errechnen, wie viele Menschen ihre Platte konsumiert haben und ihr dann dieses Geld erstatten – ein lachhaftes Unterfangen wäre das.

Es heißt im Piratenprogramm, Kopierschutzverfahren erschüfen Kontrollierbarkeit. Dies läßt sich technisch und rechtlich beheben. Technisch dadurch, daß Kopierschutz ausschließlich zum Schutz vor unautorisierten Kopien genutzt wird und rechtlich dadurch, daß ein Zuwiderhandeln schlicht und einfach verboten wird. Wenn dies dennoch gemacht wird, dann deshalb, weil die User da mitmachen – wer hat die Leute gezwungen, sich bei Online-Spielen zu registrieren?

Was die Inoperabilität bei Abspielsystemen angeht, die durch Kopierschutz entsteht, ist das kein Argument gegen den Kopierschutz, sondern vielmehr ein Argument gegen das Kopieren. Würden Werke nicht dermaßen weitverbreitet kopiert werden, hätten die Softwarefirmen keinen Grund, ihre Werke zu schützen.

Es ist wahr, daß Plattenfirmen zu viel Macht besitzen und – das ist in der Wirtschaft leider so – monopolistisch vorgegangen sind. Es ist auch wahr, daß das Internet neue Formen der Vermarktung geschaffen hat, allerdings wird dabei oft negiert, daß Stars, die aus myspace und youtube hervorgegangen sind, dies aufgrund genau jener Dominanz Googles geschafft haben, die die Piraten verabzuscheuen vorgeben.

Jedoch gibt es einen anderen, wichtigeren Punkt. Ich habe mehrfach vom Know-How gesprochen. Ein besseres Wort fällt mir nicht ein, denn Wissen ist zu rational, Intuition verschweigt die Systematik, Begeisterung und Disziplin, mit der Künstler ihrer Wege gehen, um etwas Neues zu schaffen. Es ist, wie im Wort „Kunst“ schon verborgen, ein Können. Können aber zeichnet sich dadurch aus, daß einer etwas kann und andere nicht. Und genau dieses Können muß man wollen. Es ist eine Entscheidung. Die Entscheidung, etwas ganz anders als alle anderen machen zu wollen. Ein Künstler wird sich immer auf Abwege begeben, und wenn das Internet noch so viele Möglichkeiten bietet. All die interessanten und sicher auch guten Spielereien auf youtube wie „human beatbox“, bastard pop und sonstige neue Kunstformen der medialen Zerstückelung und Neuordnung mögen frisch und neu klingen, aber einer Band wie Beirut ist auf einfache, fast schon klassische Weise gelungen, was Künstler seit Jahrhunderten schon gemacht haben: sie haben sich einfach auf Abwege begeben. Weil Kunst bedeutet, anders sein zu wollen und vielleicht auch besser. Ist das schlimm? Es ist schlimm, wenn man sieht, wie die ganz oben sich selbst geil finden – Lady Gaga und Michael Jackson. Aber bis sich der kleine Furz aus der Provinz mal so verkauft wie jene beiden, wird er den Schutz von Plattenfirmen wohl brauchen, so leid es mir tut für die Piraten.

In 1.4 heißt es wieder: „Im Allgemeinen wird für die Schaffung eines Werkes in erheblichem
Maße auf den öffentlichen Schatz an Schöpfungen zurückgegriffen. Die Rückführung von Werken in den öffentlichen Raum ist daher nicht nur berechtigt, sondern im Sinne der Nachhaltigkeit der menschlichen Schöpfungsfähigkeiten von essentieller Wichtigkeit. “
Das ist ein materielles Verständnis von Kunst. So, als habe man sich an einem begrenzten Fundus materieller Güter bedient und somit diesen gemindert. Weiter müsse man also dies wieder zurückführen. Das strotzt nur so vor Denkfehlern. Kunst entsteht am seltensten aus Kunst und selbst dann wäre noch die Frage, woraus diese entstanden ist. Der Künstler macht aus dem Alltag etwas Unvorhergesehenes: aus rotem Lehm macht er Handabdrücke an Höhlenwände, aus den Reißzähnen von Säbelzahntigern Amulette, aus Fett und einem alten Stuhl ein Kunstwerk. D.h., daß da gar nichts mehr rückführbar ist. Auf dem Weg vom rohen Material hin zum Kunst-Stück ist etwas passiert, was sich materiell Meßbarem entzieht. Man könnte sagen, es sei die Fähigkeit, den Kontext zu verändern, zu extrahieren, der Mut, die Verzweiflung, der Wille, seinen Handabdruck auf der Höhlenwand der Geschichte zu hinterlassen, aber trotz aller Analyse bleibt ein unbestimmbar großer Teil dieses Prozesses im Dunkeln. Dieses Etwas ist auf untrennbare Weise mit dem Individuum verbunden und kann ihm nicht genommen werden. Es hat ein Recht darauf, es bereitzustellen sowie es wieder zu entziehen.
Wenn also die Piraten etwas zurückhaben wollen, können sie sie haben, die A-molls oder D-Durs, die einzelnen Trommelschläge, die einzelnen unzusammenhängenden Worte und Buchstaben. Sie sollen sich damit einschließen; wenn sie wollen, auf ewig. Und vielleicht schaffen sie es auch nur annähernd, aus diesen Bruchstücken von Musik und Text etwas zu schaffen, das so beseelt ist, daß jemand anders bereit wäre, Geld dafür auszugeben. Und wenn sie das geschafft haben (und ich bin mir sicher, daß es welche gäbe, die das lernen könnten, wenn sie nicht vorher aufgeben würden, weil es bis dahin nix zu fressen gibt), dann sollen sie sich nochmal hinstellen und sagen, daß jeder ihre Musik frei kopieren darf, da sie ja aus bereits Bestehendem erschaffen worden ist. Da bin ich aber mal gespannt.

Piraten: die neue FDP?

Schön, daß ich mich in bezug auf den Wahlausgang vor nunmehr 2 Jahren geirrt habe. Damals erkannte ich an, daß 2 % aus dem Stand bemerkenswert wären.

Nun schaffen die bei der Wahl in Berlin satte 9 %. Was Detailfragen zur Sozialpolitik oder dem Urheberrecht angeht, hat sich nach einem Blick ins Parteiprogramm aber nicht viel getan. Klar, das Argument war ja: wir wollen uns zuerst eine Meinung bilden und dann erst eine solche vertreten. Aber reichen da 2 Jahre nicht aus?

Wie gesagt, immerhin ist diese Wahl eine weitere Watsche für die Etablierten, wobei ich es ja schon süffisant finde, daß der Stimmenzuwachs in Berlin antiproportional zum Stimmenverlust der FDP zugenommen hat. Sind das die neuen Liberalen? Kind of…

Na jut, Balin is Balin, auch wenn es wie ein Bundesland daherkommt. Die Wahlverhältnisse sind dort andere als bspw. im Ruhrpott. Deshalb halte ich diesen Versuch für sinnvoll und bin mal gespannt, wie die sich in der täglichen politischen Arbeit positionieren. Vorher konnten sie mangels elaborierter Meinung schweigen – das wird nun nicht mehr gehen.

SWR ahnungslos: ähhh…Pflastersteine oder so?

Heute berichtet der SWR darüber, daß 600 Demonstranten aus Stuttgart im restlos ausverkauften Sonderzug in Berlin angekommen sind, um dort u.a. vor der Zentrale der Deutschen Bahn gegen S21 zu demonstrieren.

Natürlich wird versucht, die Demonstranten wieder einmal in die linke Ecke zu stellen. Unheimlich erwähnenswert scheint dem SWR der Umstand, daß sie von den Vorsitzenden der Linkspartei, Gesine Lötzsch und Klaus Ernst, begrüßt worden seien. Mich wundert inzwischen nicht mehr, daß seitens der Befürworter als Argument für S21 die Frage „ja, wollt Ihr denn den Kommunismus?“ angeführt wird. Dahinter stehende Logik: entweder CDU oder Kommunismus, wer nicht für uns ist, ist gegen uns… kennen wir bereits. Also ich habe nix mit den Linken – bin ich jetzt wie alle meine Bekannten zu Unrecht in der Bewegung? Bin ich CDU-Wähler? Da hätte ich aber was verpaßt…

Gegen Ende des Artikels gibts dann aber doch etwas wirklich Ärgerliches:


(Screenshot 26.10.2010, 12:20 Uhr – vielleicht wirds ja noch geändert…)

Nun, auch Anstalt des öffentlichen Rechts kann mal eine Panne passieren… Innenminister Rech ließ noch am selben Abend, also am 30.09. seine Aussage, es seien Pflastersteine geworfen worden, dementieren. Das ist meiner Rechnung nach inzwischen rund 26 Tage her. Scheint aber nicht auszureichen für den SWR.

Also nix „nach Angaben der Demonstranten“ – „Offiziell bestätigt vom Innenminister himself“, bitteschön.

Worauf ich jetzt noch warte, ist, daß der SWR dies damit begründet, daß es Schwarzseher gibt.

Heute schon REZitiert?

UPDATE:

wie daMax berichtet, hat die Falschinformation bereits ihren Schaden angerichtet: bspw. die NZZ hat den Text wortwörtlich vom SWR übernommen.
Da wir wissen, wie gewaltig die normative Wirkung solcher Artikel in Massenmedien ist, ist Empörung angebracht.
Denn offensichtlich dürfen Medien wie der SWR derartige Falschinformationen in die Welt setzen, wenn sie sie eine Zeit später ändern / korrigieren. Die Korrektur wird im Gegensatz zur Falschinformation von den copy&paste-Jounalisten (Danke für den Begriff, daMax!) aber nicht mehr übernommen.

Was bleibt, ist die Falschinformation und da das beim SWR, der StZ und den StN immer wieder passiert und denen somit bewußt ist, spreche ich nicht mehr von Falschinformation oder Ahnungslosigkeit, sondern von Lüge.

Ich schlage dem super-etablierten, spitzen-seriösen SWR vor, Nachhilfe bei der BILD-Zeitung zu nehmen. Die war in der Lage, bei Google die Worte „Polizeieinsatz Rech dementiert Pflasterteine“ einzugeben und sich zu informieren.

UPDATE:
Weiter gehts mit der Manipulation:
Der Stern stellt fest, die Demonstranten kämen aus „der linken Mitte“.

Im Artikel werden die Ergebnisse der Studie zunächst „den Demonstranten“, dann „den Protestierenden“ und zuletzt „den Stuttgart 21-Gegnern“ zugeordnet:


Das ist wissenschaftlich bzw. journalistisch unkorrekt! Wenn die Befragung auf einer Demo stattgefunden hat, frag ich mich, wieso nicht darauf hingewiesen wird, daß die Menge der Demonstranten und die Menge der Stuttgart 21-Gegner zwar Schnittpunkte haben, aber nicht gleichzusetzen sind (intensional gleich, extensional verschieden – ich glaube, das ist Logik…)!

Was denkt Otto-Normal-Leser? Wer gegen S21 ist, gehört zur linken Mitte. Das wirkt natürlich abschreckend.

Manipulation.

Moslem darf beten – web.de Forum: „Wehrt Euch“

Die Nachricht hat der eine oder andere gelesen. Ich habe mit Verwunderung festgestellt, daß das Ganze überhaupt den Stellenwert einer Nachricht hat.

Und dann stolpert man ja geradezu über den entsprechenden Artikel bei web.de und, was noch schlimmer ist, man landet danach gleich beim sogenannten „Forum“.

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