Ökumene ist nicht Konversion

Mir kommt die wiederholte Anmahnung der Ökumene widersprüchlich vor. Da haben sich Menschen (wenn auch durchaus zurecht!) vor hunderten von Jahren von einer Institution abgespalten, weil sie Praxis (Verquickung von Kirche und Politik und somit Korruption) und Theorie (Glaubensfragen, bspw. Ablaßhandel usw.) abgelehnt haben.
Daraufhin fanden freiwillig und unfreiwillig Reformen innerhalb der Kirche statt, während sich aus der abgespaltenen Gegenbewegung eine eigene Bewegung, die evangelischen Kirchen entwickelt hat.
Und nun erwarten manche evangelischen Gläubigen, daß die katholische Kirche die Ökumene wieder herstellt, aber das geht eben nicht. Mehr ist einfach nicht drin. Die kath. Kirche ist einen weiten Weg gegangen, hat sich von innen heraus reformiert und tut dies auch weiter (wenn auch etwas langsam für meinen Geschmack). Aber das ist keine Schulaufgabe, bei der heute schon klar ist, daß irgendwann, wenn die Katholiken mal so weit sind, der Zölibat einfach so fallen oder die Scheidung als eben OK und die Abtreibung als vertretbar angesehen werden wird.
Die Position, die die Kirche zu diesen Fragen hat, ist bewußt gewählt. Sie hat sich sehr genau damit befaßt und es ist irgendwie unverschämt, wenn Leute so tun, als wäre ihr Standpunkt eine Art Denkfehler, der nur noch einzusehen ist. Die Kirchenspaltung ist nicht von der katholischen Kirche hergestellt worden und dennoch sucht sie den Dialog.
Die Ökumene ist doch eigentlich schon da – es gibt eben pluralistische Auffassungen über das Christentum und daß der Papst so offen das Gespräch sucht, ist ein Zeichen dafür, daß man sich nicht in jedem Detail einig sein muß und gleichzeitig Wert auf die Unterschiede im Detail legen darf und trotzdem miteinenander reden kann. Das müssen demokratisch gesinnte evangelische Christen schon aushalten. Oder anders ausgedrückt: so, wie die Ökumene von manchen formuliert wird, wäre sie nichts weiter als Konversion.

Hier noch ein interessanter Artikel zum Thema.

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