Flüchtlingskatastrophe: helfen, egal warum (keine Bilder von toten Kindern)

Die Welt ist geschockt. Das Foto der an den Strand gespülten Leiche des 3-jährigen syrischen Jungen hat der anonymen humanitären Katastrophe ein Gesicht, einen Namen gegeben. Ich selbst habe ein paar Tage zuvor in meiner facebook-roll mehrere Fotos, ebenfalls von ertrunkenen Kindern gesehen. Wie das so ist, gefragt hat mich T.K. aus meiner Freundesliste nicht, ob ich es sehen will. Zwischen Cartoons, witzigen Anmerkungen zu alltäglichen und Event-Einladungen tauchten sie plötzlich auf und bevor mir überhaupt klar war, was ich da sehe, hatten mich die Bilder schon mit ihrer vollen Schockwirkung erfasst.

 

Ich war eigentlich immer sauer über fb-Freunde, die Schockbilder gepostet haben, sei es im Falle der Massentierhaltung, aber auch bei Nonsens wie z.B. Bild-PlugIns, die das Profilfoto ver-zombi-sieren. Facebook ist ein großes Boulevard-Magazin, an dem alle mitschreiben und ich habe viele der politisch ach so aktiven Sesselrevolutionäre gehasst für ihr verlogenes Treiben, das sich die denkbar ungeeignetste Plattform für die Weltrevolution gesucht hatte. Du fängst ja auch nicht mitten in einem Smalltalk an, Tod und Elend zu schildern. Aber facebook scheint für jeden etwas anderes zu sein und für manche ist es wohl ein mittel zur Revolution vom heimischen Monitor aus.

 

Diese Leute, da bin ich immer noch derselben Meinung, tun selten mehr als bequem auf ihrer Maus rumzuklicken und setzen um der Wirkung willen auch drastische Mittel ein: als ginge es darum, andere möglichst schnell und effektiv zum Auskotzen ihres Morgenkaffees zu bringen, ekelhafte Bilder postend, Tränen und Betroffenheit erwähnend.

 

Und nun hatte mich dieses Bild erreicht und die 2 Sekunden, die ich gebraucht habe, um es wegzurollen, waren zu lang. Das Bild hat sich mir eingebrannt, so wie der ganzen Welt. Die ist nun aufgerüttelt, das Bild ist Thema Nr. 1 in den Medien und natürlich schafft es die Blöd-Zeitung, das Niveau der Vermarktung auch hier noch zu senken. Als wären wir diesbezüglich nicht schon am Marianengraben angelangt. Nein, jetzt liefert dieses Mistblatt Nachschub, indem es über den Vater, die Familie berichtet. Alles natürlich aus hehren Zielen. Ich scheisse auf die Pressefreiheit und wische mir den Arsch mit dieser Zeitung ab.

 

Die Vermarktung des Leids bleibt der Community im Netz nicht unverborgen. Schnell wird diskutiert, inwiefern die Würde des kleinen Jungen verletzt wird, wenn man Fotos seiner Leiche ansieht oder gar verbreitet. Nicht wenige erheben sich über die Heulsusen, die so ergriffen dann doch nicht waren, als das es sie davon abgehalten hätte, möglichst theatralisch und nicht minder narzißtisch über ihre Betroffenheit zu reden, auf facy, damits auch jeder mitkriegt.

 

Und während all das passiert, bemerke ich: wir sind schon wieder nur mit uns selbst beschäftigt. Anstatt zu helfen, verbringt ein Teil unserer Gesellschaft seine Zeit damit, in Sensationsgier zu baden, der andere heuchelt Betroffenheit, ohne viel gegen dieses Elend zu tun und wieder ein anderer Teil verdammt eben diese Heuchler. Egal, auf welcher Seite man sich befindet, da geht es eigentlich nur um uns selbst.

 

Ich habe mich gefragt, wie scheissegal es einem Flüchtling ist, ob wir aus Mitleid, Selbstbeweihräucherung oder Kredibilität helfen, solange wir helfen. Wenn mit etwas Geld eine Unterkunft und Verpflegung für einen Flüchtling finanziert werden kann, ist es diesem letztlich scheissegal, ob der Spender es getan hat, um sein schlechtes Gewissen zu beruhigen, seine Freunde auf facebook zu beeindrucken oder gar aus Versehen: Hauptsache, was zu essen und ein Dach über dem Kopf.

 

Ich war sauer auf T.K., dass er diese schrecklichen Bilder gepostet hat. Aber sie haben letztlich das Grauen nicht erzeugt. Sie haben es uns nur vor Augen geführt.

 

Und dennoch: ich ertrage es nicht und will es nicht sehen. Ich will mich aber auch nicht mit den Befindlichkeiten dieser Gesellschaft auseinandersetzen – also ob uns das Bild betroffen macht, ob es okay ist, wenn es das tut, ob es okay ist, das okay zu finden usw.

Stattdessen lege ich jedem ans Herz, etwas Geld zu spenden. Ich bin mir ziemlich sicher: das ist okay. Mag sein, dass es die historisch bedingten Probleme der 3. Welt nicht löst – jahrhundertelange Ausbeutung wird nicht mal eben so ausgeglichen.

Mag sein, dass wir damit nur unser Gewissen beruhigen wollen.

Mag sein, dass wir glauben, bessere Menschen dadurch zu werden, obwohl wir mit jedem billigen Produkt made in 3. Welt eben dieses Elend verursachen.

Mag sein, dass der eine oder andere davon erzählt oder es auf facebook postet.

Es ist egal. Hauptsache, wir tun etwas, weil es Leid vermindert.

Linksammlung Spenden für Flüchtlinge auf heute.de

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Brigitte Dings wird 80

Brigitte Bardot wird 80. Wer? Die da:

brigitte

Klar. Das beeindruckt auch noch 60 Jahre danach. Nein, ich werde jetzt kein Vergleichsbild zu heute posten, denn logischerweise sieht sie heute alt und runzlig aus. Und nein, das ist es nicht, was mich stört. Ich störe mich auch nicht wirklich an ihrer Ausrichtung an der politisch extremen Rechten. Das ist zwar verwerflich, aber ich kann mich ja nicht über jeden kleinen Vorstadt-Nazi kümmern.

Was mich wirklich stört, ist der Artikel auf heute.de anlässlich ihres Geburtstages.

Beispiel:

bardotheute2Aha. Nicht BB liegt falsch, sondern BB sagt, was sie denkt und damit eckt man eben an. Dem einen gefällts, dem anderen nicht. Da erscheint die Überschrift zum Artikel auch in einem ganz anderen Licht:

bardotheute

Wir erinnern uns an Thilo Sarrazin. Oder Udo Ulfkotte. Oder auch, eine Nummer kleiner und (scheinbar) unpolitischer: Bernhard Bueb. Oder Michael Winterhoff usw. usw. Sie alle haben sich mit ihren „Streitschriften“ zu Wort gemeldet, um konservatives und rechtspopulistisches Gedankengut als Lösung für Probleme anzubieten. Und immer, wenn man sie oder ihre Anhänger mit dem Sturm der Entrüstung konfrontiert hat, den ihre Aussagen ausgelöst hatten, kam als Antwort: sie seien nun mal nicht gekommen, um schön daherzureden, wichtige / wahre Dinge würden halt nunmal polarisieren, manches müsse provokant formuliert werden, um Veränderung auszulösen usw. Das würde einer bestimmten linken Bürgerschaft zwar nicht gefallen, dennoch müsse es mal gesagt werden.

In dieses Horn stößt der Artikel auf heute.de: BB provoziert und eckt an, denn sie sagt, was sie denkt.

Immerhin: ein mal (1x) im Artikel nennt Sabine Glaubitz die Äußerungen BBs gegenüber Homosexuellen, Linken, Obdachlosen und illegalen Einwanderern „hetzerisch“.

Das ist mir aber zu wenig. Für mich sieht es eher so aus, als sei dies der Versuch von heute.de, auch mal so etwas ähnliches wie das Busenwunder von Seite 3 in der Bild-Zeitung abzubilden, ohne sich zu ihren politischen Äusserungen positionieren. Wie praktisch, dass BB das durch ihre „politische Arbeit“ möglich macht, denn eigentlich ist heute.de ja etwas völlig anderes als die Bild.

Hurerei bei der Tagesschau

Nur für den Fall, daß die Tageschau meinen Kommentar (wie immer bei kritischen Kommentaren) nicht veröffentlicht, hier meine Meinung zu einem Video der Passagiere auf der „Concordia“ bei der heutigen Ausgabe der Online-Tagesschau:

Jemand, der schockierende Videos wie dieses hier anbietet, wird im Netz allgemein als „Klickhure“ bezeichnet.

Tja, es scheint ja einen enormen Konkurrenzdruck bei den Medien zu geben, wenn die Tagesschau sich dazu herabläßt, so etwas zu zeigen.

Vielleicht ist ja das Video auch harmlos (habs nicht gesehen… solls ja geben). Das bezweifle ich aber.

Und natürlich wird dann immer mit der Aufklärung argumentiert: Menschen sollen sich möglichst genau ein Bild von der Lage vor Ort machen können, damit diese Welt mit Millionen Meinungen selbsternannter Experten gerettet wird.

Vielleicht schauen sie das aber auch nur aus Sensationsgeilheit.

Tipp: nehmts raus. Für diese Form der „Aufklärung“ haben wir die Bild-Zeitung.

Das haben die übrigens auch beim rechtsterroristischen Akt Breiviks in Norwegen gemacht: irgendjemand hatte „schockierende Bilder“ von der Menschenjagd des Nazis gemacht und das Video an die Tagesschau verkauft. Irgendwann wurde das Video dann rausgenommen, nachdem es massenhafte Proteste gegeben hat. Und nachdem viele (ich nehme an, Tausende) bei der Tagesschau draufgeklickt haben.

Nicht, daß ich was dagegen hätte, daß Medien gleichbedeutend mit Mediengeschäft sind. Nur sollen die dann nicht so hochgestochen daherschwafeln von wegen öffentlich-rechtlicher Auftrag. Denn da ist ein sinnloses Video von chaotischen Zuständen bei der Havarie sicher nicht inbegriffen.

Es wird Zeit, daß die Medienlandschaft sich verändert. Diese Verlogenheit ist kaum noch zu ertragen. Medien wie die Tagesschau sind genauso sensationsheischend, kommerziell und manipulativ wie andere Medien auch. Vielleicht nicht in aller Gänze – es gibt sicher noch ein paar sinnvolle Formate im ör-Fernsehen. Aber irgendwie schwindet das alles dahin.

Bild-Zeitung: Ladendiebstahls-Schilder bedrohen die Freiheit!

Wulff (Bundespräsident, also Name einfach wieder vergessen) drohte Diekmann (Bild-Zeitungsredakteur, also Name einfach wieder vergessen) mit „strafrechtlichen Konsequenzen“, wenn dieser eine veraltete Stellungnahme veröffentlichen würde. Diekmann heulte ein bißchen rum und wird nun von seinen Kollegen aus dem Blätterwald getröstet. Ein Angriff auf die Pressefreiheit soll es sein, liest man überall und die Online-Präsenz der Bild macht daraus sogar eine „Drohanruf-Affäre“ …

Ähh…was hatte Diekmann denn vor, zu schreiben? Wenn das, was er über Wulff schreiben wollte, gegen kein Gesetz verstößt, braucht er auch keine Angst vor einer Anzeige zu haben. Wieso flennt der so rum? Ich nehme an, Wulff hat irgendwie das Recht, die Veröffentlichung freizugeben oder eben nicht – sei es, weil der Bericht inhaltlich nicht zutrifft, sei es, weil er aus formalen Gründen (Schutz der Person) nicht veröffentlicht werden darf. Und wenn der Redakteur dagegen verstößt, ist das ein Straftatbestand. Also, Herr Diekmann: Klappe halten, setzen. Das hat nichts mit der Pressefreiheit zu tun, die überigens mit der Narrenfreiheit nicht zu verwechseln ist. Sonst müssen nämlich demnächst folgende Schilder sämtlich aus den Läden entfernt werden, weil sie nichts anderes als die Androhung strafrechtlicher Konsequenzen sind:

Also: der Herr Diekmann darf weiter ungestört einkaufen, wenn er nicht stiehlt. Und wenn er keinerlei Verleumdungen oder Halbwahrheiten verbreitet, darf er sogar publizieren. Letzteres dürfte ihm zumindest bei seinem jetzigen Arbeitgeber allerdings schwer fallen.

Geschmacklosigkeit am Rande:

die Online-Präsenz der Tagesschau nimmt Diekmann in Schutz. Ich nehme an, daß das weniger zur Wahrung der Pressefreiheit denn zur Wahrung der eigenen Interessen dient. Es gibt einfach nichts zu schreiben. Da kommt so ein halbes Skandälchen doch gerade recht. Mein Kommentar im Tageschau-Blog (zu diesem Beitrag) wurde gelöscht – betroffene Hunde bellen. Dann halt hier:

„Tja, die Hetze gegen Wulff war vor Weihnachten noch nicht ganz so stark.
Nein, ich bin keine Verfechter Wulffs. Sollte er etwas ausgefressen haben, soll er schlicht und ergreifend abhauen.
Aber die Vorverurteilung stößt mir schon sauer auf und daran haben die Medien ihren Anteil.

Besonders bitter ist es, wenn sich die Tagesschau an der Hetze beteiligt, nur weil ein Journalist sich bedroht fühlt. Und warum tut er das? Weil Wulff mit strafrechtlichen Konsequenzen droht. Das ist völlig legitim und wenn die Bild-Zeitung nichts unwahres schreibt, hat deren Redakteur auch nichts zu befürchten.

Selbstverständlich prüfen Politiker Berichte, die über sie publiziert werden. Das ist nämlich, in den falschen Händen, Sprengstoff.

Nicht vergessen: Wulff und die CDU sind mir egal, aber auch die Medien haben nur Presse- nicht Narrenfreiheit. Und wenn sie nun ihr inoffizielles Mandat als „vierte Macht im Staat“ mißbrauchen, sind auch sie vor rechtsstaatlichen Konsequenzen nicht sicher.“

tagesschau.de: China nur halb so aufgeklärt wie der Westen!!!

(Segnungen der freien aufgeklärten westlichen Gesellschaft – bild.de)

Ach du meines Güte…

die Online-Präsenz der Tagesschau berichtet exklusiv über das neueste aus China: chinesische Kinder glauben, sie würden auf der Straße aufgelesen. Das Thema Sex sei in China „traditionell mit Schmutz behaftet“, Sexualität ein Tabuthema. Die aufgeklärte 38-jährige Xin Yuan, mit der der Redakteur Markus Rimmele gesprochen hat, sei anders als die Mehrzahl ihrer Landsleute.

Oha. Knapp 1,4 Mrd Chinesen, das sind 1.339.000.000 Menschen und deren Mehrzahl soll laut tagesschau.de unaufgeklärt durch die Welt laufen…?
Wie sind es dann so viele geworden? Vielleicht liegen chinesische Babys ja tatsächlich auf der Straße, wer weiß? Denn so, wie sich der Artikel liest, sind die Chinesen zum Sex einfach zu blöd. Woher kommen die vielen Chinesen denn dann? Und: haben die überhaupt Spaß beim Sex, ohne unsere Aufklärung? Erst die Segnungen der westlichen Welt scheinen, so Rimmele, Ordnung in die chinesische Welt zu bringen: über 50 % des kindlichen Wissens über Sex in China stamme aus Medien. Da fühlt man sich doch gleich etwas besser, wenn man den dümmlich-prüden Chinesen die einfachste Sache der Welt erklären kann.

(Segnungen der freien aufgeklärten westlichen Gesellschaft II – web.de)

Aber es ist nicht nur blanker Chauvinismus, der den Artikel bestimmt. Der Redakteur eines öffentlich-rechtlichen Mediums muß natürlich einen Bezug zum politischen Topos bilden: schuld ist das hinterwäldlerische Bildungssystem Chinas. Also nicht nur blanker Chauvinismus, sondern blanker politischer Chauvinismus.

Klar, es ist natürlich schmerzhaft, wenn überall auf der Welt die westlichen Finanzmärkte den Bach runtergehen und ausgerechnet das verhaßte China da die Ausnahme bildet. Da berichtet man schon lieber über die Mängel des anderen. Schließlich sind wir ja wer. Noch.

(Segnungen der freien aufgeklärten westlichen Gesellschaft III – web.de)

Nein, ich mag kommunistische Parteien nicht, besonders, wenn sie Macht haben. Aber es ist doch sehr befremdlich, daß die Stärke Chinas eine seltsame Melange aus kapitalistischer Machterzeugung (durch Geld) und kommunistischer Machtausübung ist. Wächst endlich zusammen, was zusammen gehört?

Wenn man schon von „der Bildung“ „der Chinesen“ spricht, darf man nicht unerwähnt lassen, daß sie vor tausenden von Jahren schon Hochkulturen mit Schrift, Philosophie, Mathematik, Literatur usw. hatten, während unsere Vorfahren in die Büsche geschissen haben, bis auf Kreta so etwas wie eine Kultur entstanden ist. DAS ist die Bildung der Chinesen und deren Tradition, sofern man überhaupt pauschalisierende Aussagen über die beiden Kategorien „Chinesen“ und „Bildung der Chinesen“ machen darf.

(Segnungen der freien aufgeklärten westlichen Gesellschaft IV- bild.de)

Man kann natürlich alles aus dem Blickwinkel unseres Kapitalismus-Sexismus sehen: all das altbekannte Gelaber von Sex als Weg und Ausdruck der persönlichen Freiheit, der Selbstbestätigung und auch als normativer Indikator für den Wert eines Menschen – wer keinen Sex hat, gilt hierzulande einfach weniger.
Und in bezug auf China in besagtem Artikel soll das wohl so viel heißen wie: schaut sie Euch an, die Chinesen. Wirtschaftswachstum ohne Ende aber zu blöd für Sex, da unaufgeklärt. Mittelalter. Nicht so wie wir. Gut, wir sind nicht mehr reicher als diese hinterbliebenen Kommies, aber wenigstens haben wir noch unsere überlegene demokratische Kultur.

Na, dann brauchen wir ja auch nicht von den Chinesen lernen. Perfekt sind wir ja schon.

Zumindest die google-Suche weiß: im Westen herrscht erhöhter Sexbedarf!

Oder bedeutet das, daß der Osten einfach nur mehr Sex „in echt“ hat? Oder ist der Westen doppelt so aufgeklärt (inetwa) wie der Osten? Oder ist das einfach nur eine Art Penis-Vergleich? Oooder kann google jetzt Pseudo-Lautschrift (sex-east = Sexist)? Fragen über Fragen…

AKW-Diskussionstabu ist grob fahrlässig!

Politiker labern im Voraus das, was das Volk so labern wird und das Volk labert dann nach, was die Politiker so von sich geben. Selbstreferenzialismus sozusagen. Und die Bild-Zeitung ist da in der Rolle des Mittlers.

Jedenfalls war ja klar, daß angesichts der Natur- und folgend Atomkatastrophe in Japan aus konservativen Reihen schon mal eine Tabuisierung stattfinden mußte, was die Debatte um Atomkraft hierzulande angeht. Bereits vor der Explosion im AKW Fukushima I hat die Diskussion um den GAU begonnen. Da gerät eine Regierung, die mal eben den Ausstieg aus dem Ausstieg beschlossen hatte, natürlich unter Druck.
Dementsprechend war ja klar, daß seitens der Koalition nun allerhand Ausreden für die Verlängerung der Laufzeit bei AKWs folgen würden.

Äußerst dreist jedoch war der Versuch, eine Debatte über AKWs grundsätzlich tabuisieren zu wollen. Da hieß es, die Grünen machten Wahlkampf mit einem äußerst ernsten Thema. Und wie der Link oben zeigt, mischt das Haus- und Hofblatt der CDU da kräftig mit.
Da kann ich nur feststellen, daß das System der Verkettung von Politik und Medien, welches gerade die konservativen Kräfte in Deutschland geprägt haben wie keine anderen, sich keinesfalls geändert hat. Nur schlagen deren Mechanismen jetzt den etablierten Parteien entgegen. Will sagen: die CDU hatte die sog. „Integrationsdebatte“ spätestens seit jener unsäglichen Unterschriftenaktion gegen die doppelte Staatsbürgerschaft vor gut 10 Jahren massiv angeheizt und seither eigentlich keinen Wahlkampf mehr ohne dieses Thema gemacht. Dabei darf man auch nicht vergessen, daß angesichts moralischer Bedenken gerade von der CDU wiederholt der Satz „es darf keine Tabuthemen geben“ gebracht worden ist.

Und nun liegt bereits die zweite Explosion in einem AKW Japans vor (während aus dem AKW Tokai bereits „Kühl-Probleme“ gemeldet werden) und was machen CDU und Bild? Sie wollen den Menschen, die angesichts ihres gesunden Menschenverstandes natürlich über die Sicherheit von AKWs reden, ein schlechtes Gewissen machen.

So verdreht man die Realität.

Meine Herren Politiker,

falls Sie die Situation noch nicht begriffen haben, bin ich gerne bereit, sie Ihnen zu erklären:
– in Japan gibt es mehrere Zwischenfälle mit AKWs, heute.de spricht bereits von Kernschmelze im AKW Fukushima I
– in Deutschland sind 17 AKWs in Betrieb

Und nun sollen wir im Wahlkampf also nicht über AKWs reden. Worüber dann? Über das Wetter? Die Ergebnisse der 2. Liga?

Wenn Sie der Meinung sind, die öffentliche Diskussion (selbstverständlich unter Beteiligung der Parteien) verbieten zu wollen, handeln sie grob fahrlässig, denn SIE sind es, die von UNS die Macht erhalten haben, Entscheidungen bzgl. der Kernergie zu treffen. Sollte es zu Zwischenfällen in AKWs kommen, die durch eine ernsthafte Diskussion hätten vermieden werden können, tragen Sie die volle Verantwortung dafür. Weiter sind Medien, die zu einer Tabuisierung von Sicherheitsfragen beitragen, auf ihre Vereinbarkeit mit dem GG zu überprüfen.

tagesschau.de, Anwalt der Beatles gegen den Papst

Aua.

John Lennon sagte einmal, die Beatles seien berühmter als Jesus. Er sagte das in einem völlig anderen Zusammenhang, als man das im Nachhinein, etwa ein halbes Jahr nach dem Interview, rezipiert hat. Man kann sich den Rummel, den das alles damals ausgelöst hat, heutzutage kaum vorstellen. Als Indikator mag für Menschen heutiger Zeiten, die sich fragen, was an dieser Aussage so außergewöhnlich sei, vielleicht die erbosten (kollektives und öffentliches Zerstören der Platten) bis teils kriminellen Reaktionen darauf gelten (der Ku Klux Klan in den USA beispielsweise kündigte „a lots of surprises“ (ca. 3:49) für unerwünschte Konzerte der Beatles in den Südstaaten der USA an – und das als „Terror-Organisation“, so der O-Ton). Lassen wir Lennons selbst zu Wort kommen:

Es heißt, Lennon sei nach diesem Interview im Kreise seiner Bandkollegen in Tränen ausgebrochen. Ich habe einiges von den Beatles gelesen, aber nie, daß Lennon je geweint hätte. Jedenfalls hat dieser Vorfall dazu beigetragen, daß die Beatles Ab dem Herbst 1966 keine Konzerte mehr gegeben haben.

Natürlich hat damals auch der Vatikan reagiert, jedoch eher gemäßigt. Wie gesagt, waren es vor allem die Evangelikalen im Süden der USA, die auch George W. Bush zum Wahlsieg verholfen hatten, die sich auf die Beatles mit teils grotesken Anschuldigungen (Satanisten … pruuust …) gestürzt hatten.

Die einzige Organisation, die im Nachhinein zugegeben hat, den Beatles unrecht getan zu haben, war die katholische Kirche. Und ja, sie hat es erst jetzt getan. Besser spät als nie. Vom Ku Klux Klan oder der PRMC hat man so etwas nie gehört.

Wie sind nun die Reaktionen auf das Handeln des Vatikans (und jetzt komme ich zum „Aua“)?

Folgenden Kommentar lese ich bei diesem Artikel über John Lennons Aussage über die Berühmtheit der Beatles in der nicht ganz ernstgemeinten Rubrik „Schlusslicht“ bei tagesschau.de:

„Wen interessiert was Kinderschänder und deren Unterstützer für Musik hören.Es ist erstaunlich das Intoleranz und geistige Engstirnigkeit hier auch noch positiv bewertet werden.Spart euch solche Ergüsse,oder hat die kath.Kirche(also alle kath.Kirchensteuerzahler)hier gesponsert um abzulenken.“

Mal ganz abgesehen davon, daß ich die Gelegenheit nicht auslassen konnte, meine fundierten Beatles-Kenntnisse zum Besten zu geben,

„Zu viel des mittelmäßigen Hohns
Di, 13.04.2010 – 22:43 — FeydBraybrook

Och ja, der Artikel wäre ja ganz amüsant, wenn es bei der Kuriosität der Meldung geblieben wäre.

Jedoch fällt auch weniger qualifizierten Beatles-Kennern auf, daß der Griff in die Klischee-Kiste leider auch hier nicht ausbleiben konnte: die Beatles hatten sicher auch mit der katholischen Kirche nach John Lennons Zitat (das er übrigens kleinlaut widerrufen bzw. richtiggestellt hatte) Probleme, der eigentliche Frontalangriff kam aber seitens der Evangelikalen aus den Südstaaten der USA.“

so ist es doch befremdlich, wie anschaulich hier Hetze abgeht. Meine die katholische Kirche nicht schonende Meinung zu den Mißbrauchsfällen habe ich ja bereits veröffentlicht, aber dennoch fehlen mir dann doch die passenden Worte, dieses Beispiel an bereitwilligem Mitmarschieren zu beschreiben. Mitmarschieren, heute gegen die Kirche (morgen gegen wen…?), so lautet das Motto. Deshalb will ich es mit folgender kleinen Groteske veranschaulichen:

tagesschau.de im Jahre 2020:

Das Oberhaupt derSie wissen schon, welcherKirche, derund man möge mir die Nennung seines elenden Namens verzeihenPapst, der als Oberhaupt der wohl größten und verruchtesten Verbrecherorganisation aller Zeiten (und in Ewigkeit, Amen) eigentlich mit ein paar wenigenwenn auch für ihn machbarenWorten hätte Öl auf brennende Wunden gießen können, hat auch heute die Gelegenheit ausgelassenund das spricht für seine und seiner kritiklos ergebenen Diener Niederträchtigkeit!die Mißbrauchsfälle in derSie wissen schon, welcherKirche vollständig und im Alleingangdenn er allein trägt die Verantwortung für die vielen Schandtaten im Namen der Kirche (man denke nur an die Hexenverbrennungen, die zwar überwiegend von evangelischen Christen begangen wurden, aber wen interessiert das?)wenn schon nicht aufzulösen, dann doch sich selbst mit Nilpferdpeitsche peinigend dazu Stellung zu nehmen, so daß jeder noch so untalentierte Journalist verbal von hinten in ihn eindringen kann (was einer wie er ja nur mögen kann!), was aber auch nicht schlecht ist, weil wir dann darüber berichten können, daß wir nichts darüber berichten zu habenwovon sich in Zeiten nachlassenden Interesses an abgestürzten Passagiermaschinen russischer Herkunft gut leben läßt.

Stattdessen hat erund man stelle sich diese Heuchelei angesichts seines imaginierten Stellvertretertums Christi auf Erden vor!Geranien umgetopft. JAWOHL, GERANIEN, DIESER … DIESER … SCHÄBIGE SCHUFT!!! STEINIGT IHN!!!

Oder, um mit einem italienischen Sprichwort zur Überschrift mit dem „Anwalt der Beatles“ zurückzukehren:

„Avvocato non chiamato, con merda pagato“

(heißt soviel wie: ein ungerufener Anwalt wird mit Scheiße bezahlt)

😀

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