Bundesliga wird 50 – Feier im First-Class-Hotel

Auf heute.de lese ich: „die Bundesliga feiert sich selbst„. Sie wird 50:

bundesligafeiertUnterschriebn is´ – die Münchner zapfn o (Quelle: heute.de)!

Klickt man auf den Artikel, wird die Party größer: jetzt feiert schon der Fußball an sich.

bundesligafeiert2Die knappe Erwähnung der Doping-Affäre unter dem Bild weist darauf hin, dass im Video eingehender darauf eingegangen wird (Quelle: heute.de).

„Der Fußball“, damit sind wohl die ganzen Funktionäre heutiger und vergangener Zeit gemeint, die sich Dienstag Abend im First-Class-Hotel „Estrel“ in Berlin getroffen haben. Da wird dann Selbstbeweihräucherung betrieben und wer würde schon ausgerechnet bei einer Gala über die Doping-Vorwürfe reden wollen?

Der Video-Beitrag nimmt dann doch bezug:

Redakteur: „Hat der deutsche Fußball n Doping-Problem?“

Funktionär: „Nein, das glaub ich nichtääh, wobei dieses Thema schon eines ist, was uns alle … äähhh … belastet“

Dann folgt eine Erwähnung des Vorwurfs, einige der WM-Helden ´66 seien nicht sauber gewesen, begleitet von diesem Bild:

bundesligafeiert3Der Begriff „Rechte“ zeigt: der „Fußball“, von dem hier die Rede ist, gehört jemandem – jedenfalls nicht dem Fan (Quelle: heute.de).

Und dann kommt die Lichtgestalt des deutschen Fußballs mit der ultimativen Exkulpation.

Beckenbauer: „Ich glaube, dass wir ´66 noch gor ned wußtn, wos is Doping, wos, wosääh, wos mocht man do, oda wie-hi geht so wos? Es gab auch, also soweit ich mich erinnern kann, auch keine Kontrolln. Also mich hat nie einer aufgefordert, irgendwo reinzupinkln, wie des heute der Foll is. Also ich, ich… mei vielleicht is es au scho zu lang her, dass ich dort Einzlheitn vergessn hob, oba ich kann mich do ned daran errinern, dass do irgndwos in der, in der Richtungäh … passierd is.“

Also wenn selbst der Kaiser sich nicht mehr erinnern kann, muß die Liga ja unschuldig sein…

Der DfB ist der größte Sportverband in Deutschland und alleine die Fernseh-Übertragungsrechte 2013-2017 bringen der Liga 2,5 Mrd. € ein. Wer so viel Geld hat, bestimmt, worüber im Fernsehen berichtet wird und worüber nicht.

Mal ganz ehrlich: glaubt bei diesen Summen noch irgendjemand daran, dass alles mit rechten Dingen zugeht?

Das sind natürlich bisher unbestätigte Vorwürfe, also orientieren wir uns mal an der Unschuldsvermutung. Aber auch ganz ohne Doping ist dieses Geschäft – wie jedes andere auch – durchsetzt von Mauscheleien.

Der Wett-Skandal 2005 reicht mir aus, um mir ein Bild über den Profi-Fußball zu machen. Und dann ist es schon seltsam: etliche Spieler sagen, sie würden nie zu den Bayern gehen, und kurz vorher noch dementieren sie jegliche Gespräche über einen Wechsel. Dann kommt es eben doch dazu und im letzten Spiel gegen die Bayern laufen sie entweder nicht auf (Mario Götze war im Champions-League-Finale aufgrund einer „Verletzung“ plötzlich nicht mehr dabei) oder schießen, was für ein Pech aber auch, ein Eigentor (Michael Ballack) und die Bayern sind Meister.

Nimmt das noch jemand ernst?

Dieses ganze Aufbauschen von langweiligen Partien – der Kommentator schreit in seiner Zusammenfassung 10 Minuten lang ins Mikrofon und am Ende stehts dann 0 : 0 – aber dafür gab es 3 Schwalben und einen Verweis des Trainers auf die Tribüne.

Wrestling-Fans sind blöd, weil sie bewußt einer Inszenierung auf den Leim gehen? Neenee, mein Lieber: Fußball-Fans sind blöd, denn die bemerken die Inszenierung noch nicht einmal.

All die Beckenbauers und Breitners und DfBs und Bundesliga-Fans – DAS soll „der“ Fußball sein?

Von wegen. Die kleinen Steppkes auf dem Parkplatz vom Aldi nach Ladenschluß, die aus Spaß an der Freude spielen, die sich nicht gekonnt fallen lassen, die mehr Teamgeist haben als die gesamte Profi-Liga – DAS ist Fußball.

50 Jahre Bundesliga – Zeit für die Rente.

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VfB: Unglück im Glück

Irgendwie scheint da ja noch was zu schlummern beim VfB. Sah ich mich vor Wochen noch genötigt, die von allen als sicher gehandelte Annahme einer möglichen Entlassung Markus Babbels im Vorfeld zu verurteilen, bin ich im Moment wieder zuversichtlich. Zwei Unentschieden gegen jeweils die Favoriten Bayern München (Liga) sowie den FC Sevilla (Championsleague) werfen die Frage auf, woher die dafür notwendige Substanz kommt und wo sie in der Liga die ganze Zeit über steckt. Es heißt, gegen Sevilla wäre sogar ein Sieg drin gewesen.

Wie auch immer: wenn der VfB es schafft, diese Leistungssteigerung bis zum Wochenende gegen Mönchengladbach zu konservieren, ist eine Mini-Serie von „ungeschlagen in den letzten 3 Pflichtspielen“ geschafft und Markus Babbel kann aufatmen.

Danke Markus, aber Fußball ist ein Geschäft…

Heute ist Samstag, und am Samstag wird die Bundesliga kommentiert:

Der VfB verliert zum dritten Mal in Folge. Ich korrigiere mich: da gibts nix mehr groß zu kommentieren.

Da ich Trainerentlassungen einerseits oft für verfrüht, andererseits als Realität der Bundesliga beurteile bzw. anerkenne, tippe ich darauf, daß Markus Babbel diese Woche beim VfB – im fußballerischen Sinne – nicht mehr überlebt.

Er kam in der letzten Saison als Retter nach einer fast komplett verkorksten Hinrunde für den Meistertrainer Armin Veh. Damals hieß es: „Danke Armin, aber Fußball ist ein Geschäft. Wenn die Erfolge fehlen, …“. Dann kam Babbel und brachte den VfB nach einer glänzenden Aufholjagd noch auf einen Champions-League-Qualifikationsplatz. Und ich schätze, bald heißt es: „Danke Markus, aber Fußball ist ein Geschäft…“.

Das Verrückte ist, daß diese Trainerwechsel zunächst einmal ja funktionieren. Einfach deshalb, weil fast alle daran glauben. Die Bundesliga ist in diesem Sinne höchst konstruktivistisch veranlagt. Daß strenggenommen Trainerentlassungen eigentlich Humbug sind, interessiert keinen. Hauptsache ist, daß sie funktionieren – selbst, wenn sie es nicht tun.

Und deshalb shcließe ich mit dem Fußball-Phiolosophen Sepp Herberger:

Nach dem Spiel ist vor dem Spiel.

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