occupy Börsen, Banken, Bier

also beim Karate
da geht es ja um Selbstverteidigung
ganz so wie beim okkupieren der Wall Street
weil die greifen unsere Existenz an
das wird ja schon quasi körperlich
wie einer, der mir an den Kragen will
da muß man dann selbst körperlich werden
den einen Griff anwenden
und vielleicht sogar den anderen Schlag austeilen
Karate könnte helfen
aber Meister Miyagi sagt
nicht irgendeinen
sonst nützt es nicht
oder wird unverhältnismäßig
also:
wenn der dir mit der Faust kommt
wehr sie ab
wenn der damit nicht aufhört
wehre nochmal ab und dann schlag zu
mach ihn unschädlich

aber das, was die in Rom gemacht haben
ist einfach nur bescheuert
wer hat die verletzt?
die Schaufensterscheibe bei 1:28?
das brennende Verteidigungsministerium bei 1:40?
das brennende Auto bei 2:41?
und was wird durch die Gewalt verhindert?
ändert sich nun das Bankensystem?
ist etwas Abstraktes wie ein System
durch etwas Konkretes wie Gewalt überhaupt beeinflußbar?
sind es die Banker, die ihr treffen wollt?
welche denn?
alle?
alle Banker sind Schweine?
die Politiker?
alle Politiker sind Schweine?
und wenn ihr sagt:
nein, es sind nicht alle Banker und Politiker Schweine
aber es reicht ein % von hundert
um uns allen zu schaden
vergeßt ihr dabei nicht
daß ihr es seid,
die uns allen schaden?

gestern in der Tagesschau
eine brennende Stadt
das ist nicht subversiv
oder gar Ausdruck demokratischen Willens
das ist einfach nur dumm
weil der Bankomat jetzt nicht mehr funzt
deshalb müssen die ganzen Hools jetzt einen anderen Automaten suchen
einen, der noch funktioniert
damit sie das Geld abheben können
das sie selbst ebenfalls auf der Bank haben
um sich technischen Schnickschnack zu kaufen
mit dem sie ihre Revolution twittern
oder bei facebook posten
oder youtube
bescheuert

und wenn anonymous sagt
sie rufen zum „friedlichen Protest“ auf
frage ich mich
warum die dazu noch aufrufen müssen?
es bedarf keiner anonymen Aufrufe
um friedlich zu protestieren
die Organisation des 15.10. hat auch ohne die Anonymen gut geklappt
zu welchem Teil davon muß anonym aufgerufen werden?

und wenn die sagen
„wir vergessen nicht“
sage ich:
nee, euch vergißt die Geschichte nicht
ihr seid so ne Art Faschos
die haben wir nicht vergessen
obwohl wir es gerne würden
aber die Pest stirbt nicht aus

wenn ich eure lachhaften Aufrufe sehe
im Netz
denke ich sofort an Brainwashing
und dann diese bescheuerte Aufmachung
ein wenig zu viel Matrix geschau, ne?
nur: Matrix strotzt nicht so vor Kitsch
kitschige Musik
kitschiger Bildschnitt
kitschiger Duktus

vielleicht bedarf es ab und an mal einer Revolution
Umwälzung
Neuanfang
aber manchmal ist es schon erschreckend
was für Pfeifen sich an den Unmut des Volkes heften
um ihren geistigen Dünnschiß auf dieser Welle zu verbreiten
jedenfalls:
wenn dies eine Revolution ist
und wenn es demnächst
was ich nicht hoffe
aber auch nicht verhindern kann
zu richtig bösen Gewalttaten kommt
weil Menschen glauben
„für das Gute“ zu handeln
wenn sie andere verletzen oder töten
wenn es also zu Mord und Totschlag kommt
weil irgendein Depp sich für Neo und andere für Agenten
und diese Realität für die Matrix hält
dann seid ihr schuld
denn ihr habt das Potenzial
die nächsten Faschisten zu werden

und ja: ich habe sie gesehen
diese vielen friedlichen Demonstranten
und ich bin mir ganz sicher
daß es friedlich geblieben wäre
wenn Faschisten wie ihr nicht
Aufrufe im Netz gepostet hätten
die ein paar wenigen als Legitimation dienen
weil sie unkonkret formuliert sind
weil sie mit Ängsten
Wut
viel Bauch
aber wenig Hirn
spielen
und diese heraufbeschworenen Gefühle
dann kommentarlos stehen lassen

das ist wie zündeln
an der Tanke
oder Karate
gegenüber dem kleinen Nachbarsjungen von nebenan
„schau her
ich kann dir den Arm umdrehen“
Toll, Daniel.
Ganz toll.

und jetzt noch etwas Grusel aus dem B-Movie:

[UPDATE]
„tapfer im nirgendwo“: erfrischend vernünftige Gedanken zu ausufernden Okkupisten in Köln.

SWR ahnungslos: ähhh…Pflastersteine oder so?

Heute berichtet der SWR darüber, daß 600 Demonstranten aus Stuttgart im restlos ausverkauften Sonderzug in Berlin angekommen sind, um dort u.a. vor der Zentrale der Deutschen Bahn gegen S21 zu demonstrieren.

Natürlich wird versucht, die Demonstranten wieder einmal in die linke Ecke zu stellen. Unheimlich erwähnenswert scheint dem SWR der Umstand, daß sie von den Vorsitzenden der Linkspartei, Gesine Lötzsch und Klaus Ernst, begrüßt worden seien. Mich wundert inzwischen nicht mehr, daß seitens der Befürworter als Argument für S21 die Frage „ja, wollt Ihr denn den Kommunismus?“ angeführt wird. Dahinter stehende Logik: entweder CDU oder Kommunismus, wer nicht für uns ist, ist gegen uns… kennen wir bereits. Also ich habe nix mit den Linken – bin ich jetzt wie alle meine Bekannten zu Unrecht in der Bewegung? Bin ich CDU-Wähler? Da hätte ich aber was verpaßt…

Gegen Ende des Artikels gibts dann aber doch etwas wirklich Ärgerliches:


(Screenshot 26.10.2010, 12:20 Uhr – vielleicht wirds ja noch geändert…)

Nun, auch Anstalt des öffentlichen Rechts kann mal eine Panne passieren… Innenminister Rech ließ noch am selben Abend, also am 30.09. seine Aussage, es seien Pflastersteine geworfen worden, dementieren. Das ist meiner Rechnung nach inzwischen rund 26 Tage her. Scheint aber nicht auszureichen für den SWR.

Also nix „nach Angaben der Demonstranten“ – „Offiziell bestätigt vom Innenminister himself“, bitteschön.

Worauf ich jetzt noch warte, ist, daß der SWR dies damit begründet, daß es Schwarzseher gibt.

Heute schon REZitiert?

UPDATE:

wie daMax berichtet, hat die Falschinformation bereits ihren Schaden angerichtet: bspw. die NZZ hat den Text wortwörtlich vom SWR übernommen.
Da wir wissen, wie gewaltig die normative Wirkung solcher Artikel in Massenmedien ist, ist Empörung angebracht.
Denn offensichtlich dürfen Medien wie der SWR derartige Falschinformationen in die Welt setzen, wenn sie sie eine Zeit später ändern / korrigieren. Die Korrektur wird im Gegensatz zur Falschinformation von den copy&paste-Jounalisten (Danke für den Begriff, daMax!) aber nicht mehr übernommen.

Was bleibt, ist die Falschinformation und da das beim SWR, der StZ und den StN immer wieder passiert und denen somit bewußt ist, spreche ich nicht mehr von Falschinformation oder Ahnungslosigkeit, sondern von Lüge.

Ich schlage dem super-etablierten, spitzen-seriösen SWR vor, Nachhilfe bei der BILD-Zeitung zu nehmen. Die war in der Lage, bei Google die Worte „Polizeieinsatz Rech dementiert Pflasterteine“ einzugeben und sich zu informieren.

UPDATE:
Weiter gehts mit der Manipulation:
Der Stern stellt fest, die Demonstranten kämen aus „der linken Mitte“.

Im Artikel werden die Ergebnisse der Studie zunächst „den Demonstranten“, dann „den Protestierenden“ und zuletzt „den Stuttgart 21-Gegnern“ zugeordnet:


Das ist wissenschaftlich bzw. journalistisch unkorrekt! Wenn die Befragung auf einer Demo stattgefunden hat, frag ich mich, wieso nicht darauf hingewiesen wird, daß die Menge der Demonstranten und die Menge der Stuttgart 21-Gegner zwar Schnittpunkte haben, aber nicht gleichzusetzen sind (intensional gleich, extensional verschieden – ich glaube, das ist Logik…)!

Was denkt Otto-Normal-Leser? Wer gegen S21 ist, gehört zur linken Mitte. Das wirkt natürlich abschreckend.

Manipulation.

Protestdisziplin

Mein Statement bei den Parkschützern mit Unterstützern, Schlechtfindern und Diskussion.

Wer zu faul ist, lese hier das Statement:

Zum Thema „mangelnde Präsenz am Bahnhof“ möchte ich Euch meine Postition etwas näherbringen.
Konkret kam gestern vor Ort, am Bahnhof, bei Beginn des „großen“ Abbruchs (denn der kleine hatte, wie wir alle wußten, schon lange begonnen) dieselbe Diskussion auf, die bereits in abstrakter Weise mehrfach bei uns in der Bewegung geführt worden ist.

1. es gibt immer wieder Protestler, die sich beklagt haben, daß der Protest zu lasch sei.
Sie forderten mehr Präsenz, mehr Bereitschaft zu öffentlichkeitswirksamen Aktionen, mehr Bereitschaft zu den Bau verhindernden Aktionen und beklagten das Fehlen derselben. Dies häuft sich seit gestern ganz besonders.

2. die dahinter steckende Überzeugung ist, meinen, zu wissen,
– was das Ziel des Protestes sei
– was die richtige Form des Protestes sei
– was die falsche Form des Protestes sei
– was das Denken und die Überzeugung jener sei, die anscheinend nicht die Ansicht über das Ziel und die Form teilen

3.
kurz: sie interpretieren unsere Art, zu sein und beurteilen uns danach.
kurz: sie beanspruchen Führung

Die Menschen, die auf die Straße gehen, sind aber dort, weil sie sich nicht mehr blind führen lassen wollen.

Ich will mich nicht aufgrund einer aufgedrückten Disziplin führen lassen. Ich entscheide selbst, wann ich einer von vielen bin und wann ich meine Individualität behalten will.
Ich will mein Verhalten nicht mehr von Politikern beurteilen lassen und genauso wenig von selbsternannten Anführern des Protestes.
Auch, wenn ich keine Partei gewählt habe, die an der Durchführung von S21 beteiligt ist: es gibt doch einige, die das getan haben und die dennoch entsetzt sind darüber, daß ihre Stimme auf diese schändliche Art interpretiert worden ist, daß diese Rückschlüsse aus der Legitimation gezogen worden sind. Sie sind von Politikern enttäuscht worden und ich nehme an, daß sie in Frage stellen, ob das System, überhaupt so viel Macht für einen so langen Zeitraum an angeblich repräsentative Personengruppen zu übertragen, noch tragbar ist.

Deshalb meine Position an die Sparte derjenigen, die alle, die nicht an der Mahnwache oder den Blockaden teilnehmen, als „nicht hinter der Bewegung stehend“ verurteilen:

Ihr habt weder die Legitimation, den Konsens der Bewegung zu definieren, noch ihn (selbst, wenn man ihn definieren könnte) für Euch zu beanspruchen. Es gibt kein Protest-Paradigma, und wenn doch, ist die Frage, wer es definiert.
Ihr habt nicht das Recht, zu einer Disziplin aufzurufen (Sprüche wie: „KOMMT ZUR WACHE!“).
Ihr habt nicht das Recht, „mangelnden Gehorsam“ (wenn man nicht zur Wache kommt) zu verurteilen.
Ihr habt noch nicht einmal das Recht, nach dem Grund zu fragen, denn dadurch macht ihr die anderen zu Angeklagten, die eine Bringschuld der Rechtfertigung haben.
Ihr könnt aufrufen, aber ihr habt die Entscheidung zu akzeptieren, ohne Wenn und Aber.

Mal ganz abgesehen davon, daß es äußerst dumm ist, sich der „Logik der Unumkehrbarkeit“ unterzuordnen, indem man deren Negation, die „Logik der Umkehrbarkeit“ zum Ziel unseres Protestes macht. Das ist das Einlassen auf einen Kampf, dessen Spielregeln von Politikern gemacht wurden.

Ob S21 kommt oder nicht – ich lehne es ab. Ich versuche zwar, auf meine Weise etwas dagegen zu tun und wünsche einen sofortigen Baustopp, aber ich entscheide selbst, wie weit ich dafür gehe.

Im Grunde hätte schon eine einzige Demonstration gereicht – jene z.B., bei der mehr als 20000 Menschen an einer Lichterkette teilgenommen haben, um „unumkehrbar“ unseren Protest zum Ausdruck zu bringen. Der Grund, wieso ich für wiederholte Demos bin, ist der pragmatische, daß es dadurch immer mehr Menschen werden, die aus der angeblich „schweigenden Mehrheit“ laut werden gegen S21.

Im Moment läuft natürlich alles drunter und drüber. Das ist verständlich. Aber erst die Zeit wird zeigen, was von all dem, was im Moment an Protesten läuft, wirklich einen Einfluß auf das Leben der Menschen haben wird. Mein persönlicher Wunsch wäre es, wenn die Politiker bei der nächsten Wahl bitter abgestraft würden, damit ihnen das Wort „Demokratie“ durch den versohlten Hintern ins Gehirn aufsteigt. Mein Wunsch ist, daß jeder selbst prüft, was an Aktion und zivilem Ungehorsam er mit seinem Gewissen vereinbaren kann.
Vor allem aber wünsche ich, daß niemand aus dem Auge verliert, daß Baggerfahrer, Polizisten, Bahnvertreter und Politiker mit denselben Rechten ausgestattet sind wie wir.
Wer das nicht tut, muß damit rechnen, daß er mit seiner Argumentation eine Blaupause für jeden liefert, der gegen ihn ist. Wer also anderen Rechte abspricht, nur weil sie für S21 sind, muß damit rechnen, daß dasselbe mit ihm geschieht.

Andere mögen sich derweil damit beschäftigen, der Öffentlichkeit beweisen zu wollen, daß man in der Lage ist, dieses dumme Bauprojekt durch Aktionen wie Blockaden zu behindern. Solange das friedlich abläuft, sollen sie es ungehindert tun.

Stuttgart 21: Baubeginn! (UPDATE 31-07)

SWR spricht von immerhin 2000, auf Twitter ist die Rede von 4500 Gegnern.

SWR: S21 – Baubeginn und Proteste der Gegner

Twitter meldet ein paar tausend Demonstranten

daMax Blog

Eisenbahnjournal: Nordflügel soll offensichtlich am Montag nicht mehr stehen.

Via Twitter und Parkschuetzer.de wird gemeldet, daß es an mehreren Punkten in der Stadt Sitzblockaden gäbe, aufgrund derer der Verkehr punktuell zum Erliegen gekommen ist. Und nun der Hammer… seit ca 1 Stunde wird die IVLZ angeblich gewartet, weswegen keine Staus mehr gemeldet werden:

Viel ist über das Milliardengrab geschrieben worden und auch ich habe schon hier und da berichtet. Nun scheint es tatsächlich so weit zu sein:

entgegen dem erklärten Willen eines großen Teils der Bevölkerung wird nun in einer Nacht-und-Nebel-Aktion mit dem Abriß des Nordflügels des Stuttgarter Hauptbahnhofs begonnen.

Dabei hielten sich die Betreiber des S21-Projektes offensichtlich für ein wenig zu schlau. Sie wählten einen Zeitpunkt, an dem

– die Schulferien eben erst begonnen hatten
– das Wochenende begonnen hatte
– es dunkel wird – man könnte meinen, um sich mangels Erkennung auf der Straße am nächsten Tag nicht am nächsten Tag schämen zu müssen, aber vielmehr dürfte dies dem Umstand geschuldet sein, daß nachts nun mal weniger Protest zu erwarten ist, als tagsüber (Eltern können das Haus nicht verlassen, Kinderlose sind womöglich unterwegs)

Nein, Stuttgart 21 kann man nicht mit der Berliner Mauer vergleichen, außer in einem Punkt: beide waren / sind nicht von der Bevölkerung gewollt.

Was sollte ein Politiker in solch einer Situation also tun?

Er könnte wie ein Demokrat handeln und sich dem Willen des Volkes beugen. ODER: er tut das, was bereits Ulbricht 1961 getan hat. Er ordnet eine heimliche nächtliche Aktion an.

Dazu Polizeipräsident Siegfried Stumpf in der Online-Ausgabe der Stuttgarter Zeitung:

„Wenn wir es später gemacht und angekündigt hätten“, so Stumpf, „dann wäre das schnell bekannt geworden.“

Wäre S 21 gewollt, wären derartige Heimlichkeiten nicht nötig. Daß sie es doch sind, ist demaskierend: man ist sich der Ablehnung in der Bevölkerung gewahr und deshalb versucht man nun mit allen Mitteln, unumkehrbare Fakten zu schaffen.

Aber wie ich eingangs erwähnt habe, ist das mitnichten schlau. Diese Enttarnung wird politisch noch hohe Wellen schlagen. Man hat nicht nur preisgegeben, daß man nervös, ja ängstlich ist. Man hat offensichtlich auch noch gedacht, daß die Bürger so dumm sind, sich durch eine Nacht-und-Neben-Aktion vom Protest abbringen zu lassen.

Dies ist gründlich in die Hose gegangen. Nun kann jeder sehen, wie im Falle S 21 die Demokratie mit Füßen getreten wird.

Dies mag eine Niederlage für die Gegner von S 21 sein, da der Hauptbahnhof, ist er erst einmal zerstört, nicht mehr wiederherszustellen ist.
Aber eine derartige Mißachtung des Volkes wird nicht so einfach vergessen und vergeben schon gar nicht. Nächstes Jahr sind Wahlen und bis dahin sitzen wir mitten in einer riesigen Baustelle.

Das, meine Herren Politiker, war ein ganz böses Eigentor.

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