Frage an die Produktpiraten

Nur eines noch:
die Pirätchen sagen, es gäbe kein geistiges Eigentum. Schließlich würden auch Autoren auf Bestehendes zurückgreifen, aus dem Allgemeingut schöpfen. Also müsse man – durch die aufopferungsvolle Arbeit der Piraten natürlich – diese Bestandteil wieder in das Allgemeingut zurückführen.

Selbst wenn das stimmen würde – wenn also Kunst frei von jenem unbegreiflichen Etwas wäre, das aus einem Künstler kommt und dessen Ursprung niemand, manchmal nicht mal der Künstler kennt – selbst in diesem Fall würde das ja bedeuten, daß der Zweck von Kunst, wo immer sie auch herkommt, die Schaffung von Kunst wäre.

Wir reden beim Filesharing aber vom Konsum dieser Werke.

Deshalb, liebe Piraten: Ihr dürft gerne Musik nehmen, kopieren, auseinandernehmen – WENN Ihr daraus Neues schafft. Wenn Ihr Musik analysiert, versteht und dann neue Musik daraus macht.

Ihr macht doch aber gar nichts Neues aus der Musik, die Ihr kopiert. Ihr kopiert sie, um sie zu konsumieren. Warum zahlt Ihr dann nicht für sie? Wollt Ihr mir erzählen, Ihr tätet das, um die Entstehung neuer Werke zu beschleunigen? Dann stellt sie unbesehen, ungehört ins Netz für andere Künstler. Dann nämlich, und nur dann, habt Ihr das getan, was Ihr zu tun vorgebt: „Wissen“ (darauf reduziert Ihr die Kunst ja) an die Allgemeinheit zurückgeben.

Ich dachte ja eigentlich, daß Coder irgendwie logisch denken müssen, um zu coden, aber offensichtlich beschränkt sich die Logik auf das Programmieren, nicht auf das Argumentieren.

Feyd zu Piraten, Anonymous, Content-Diebstahl

Herr Braybrook, Sie sind den Pavillonisten beigetreten, verlangen aber ein „Unfreiwilliger Pavillonist“-T-Shirt.

Damit bringe ich zum Ausdruck, daß ich viele Positionen kritisiere, nicht aber den Willen zur Veränderung.

Beispiel?

Die Idee der Vernetzung ist grundsätzlich gut. Sie steht für den Gedanken der Partizipation. Menschen sind in vielen Bereichen des Lebens gut in der Lage, sich selbst zu organisieren.

Was haben Sie dann gegen das „Schwarmprinzip“?

Sich selbst zu organisieren heißt nicht, daß man ab jetzt und für immer ohne Führung ist. Masse braucht Führung, sonst ist sie kopflos im Sinne von hirnlos. Individuen geben sich in der Masse auf, ganz automatisch. Ob sie dies in einer Graswurzelbewegung tun oder nicht, spielt keine Rolle, die Auswirkungen können fatal sein. Der Schwarm funktioniert nach anderen Prinzipien als dem hehren Ziel der Partizipation als demokratischem Element. Sehen Sie sich einen Heuschreckenschwarm an. Der frißt jegliche Vegetation leer, hinterläßt verwüstete Landstriche. Man könnte sagen, daß da ein partizipatorisches oder anarchistisches Element zu entdecken wäre, aber es ist eben nur ein Element. Da gibt es noch die Auswirkung: totale Verwüstung.

Die Natur gleicht das wieder aus.

Ja, die Natur kann auf das Leben eines Landstrichs verzichten. Sie hat Generationen lang Zeit, dies wieder auszugleichen. Sie hat unbegrenzten Raum – in der Logik der Natur steht die Wüste ja nicht für Zerstörung und Elend. Sie erfüllt in der Gesamtökologie einen wichtigen Zweck, ist für das Klima ausgleichend wichtig, bietet spezialisierten Lebensformen Platz.

Klingt doch gut: in der Natur gibt es kein Leid, alles wird ausgeglichen.
Übertragen Sie das mal auf die Wirtschaft: denken Sie an Unternehmen, die ihre schlechte Bilanz durch Entlassungen ausgleichen. Dadurch wird kurzfristig viel Geld gespart und unter Umständen erholt sich das Unternehmen nach einer Zeit.

Hart, aber was soll man sonst machen?

Ja, interessiert es Sie nicht, was mit den entlassenen Menschen geschieht, die vielleicht Familien haben und plötzlich ihre Rechnungen nicht mehr bezahlen können? Arbeitslosigkeit, Wohnungswechsel oder gar – losigkeit, Folgeprobleme wie prekäre familiale Lebenslagen? Haben Sie die Athmosphäre in einer Hartz IV-Familie schon mal erlebt? Wenn es ständig darum geht „wie war die Jobsuche?“, „wir haben eine Rechnung erhalten“ und „die Kinder fahren ins Schullandheim und brauchen Taschengeld“? Weiter ist es bekannt, daß sozial unterschichtete Kinder schlechtere Chancen im Bildungssystem haben. Zudem werden Menschen in prekären Verhältnissen öfter krank, leiden öfter unter Depressionen.

Die Auswirkungen von Arbeitslosigkeit auf familiale Systeme sind mir bekannt.

Dann werden Sie mir zustimmen, daß es also mehr als naturwissenschaftlicher Prinzipien bedarf, um ein Unternehmen zu steuern.

Natürlich gibt es soziale Fragen, aber muß ein Unternehmen sozial sein?

Ja, wer denn sonst? Der Staat? Der ist damit überfordert, wenn er gleichzeitig freiheitlich handeln will. Der Spagat zwischen Freiheit für eine gesunde Wirtschaft und Lenkung der Wirtschaft zum Zwecke sozialer Gerechtigkeit ist zu groß für „den Staat“. Das sind diametral entgegengesetzte Kräfte, die ziehen und zerren und die müssen auf Protagonisten verteilt werden – Arbeitgeber und Gewerkschaften zum Beispiel.

Unternehmen stehen vor der Aufgabe, soziale Elemente in ihre Vision zu integrieren und selbst da wird es schwierig. Aber es ist eine Chance, denn die Menschen, aus denen Unternehmen bestehen, verbringen einen Großteil ihres Lebens in Arbeitsverhältnissen. Das prägt deren Denke, Werte, Deutungen, Überzeugungen, ihr Handeln. Wenn das Unternehmen nur Platz läßt für Profit und Rationalisierung, geschieht zweierlei: erstens zerstört das die Unternehmenskultur – d.h. Arbeitnehmer, die in dieses Schema nicht reinpassen, verabschieden sich mit der Zeit oder scheitern und zweitens bildet sich eine informelle Unternehmenskultur, damit der Laden überhaupt läuft.

Klingt doch nicht schlecht: wenn das Unternehmen versagt, sorgen die Mitarbeiter für Kompensation. Das Prinzip der Selbstorganisation funktioniert doch.

Das ist keine Selbstorganisation, sondern Zerfall. Langfristig zerstört die Entfernung der Chefetage von den Mitarbeitern das Unternehmen. Natürlich kann man, wenn man diesen Vorgang mit der Natur vergleicht, sagen: das ist natürliche Auslese, da hats zwischen Chefetage und Mitarbeiterebene nicht geklappt und wenn damit ein ungesundes Unternehmen zugrunde geht, macht es Platz für den nächsten Versuch der natürlichen Wirtschaftslandschaft, einem gesunden Unternehmen die Chance zu geben. Aber was ist mit den Arbeitnehmern – können die sagen: „hat nicht geklappt mit dem Unternehmen, in dem ich gearbeitet habe. Also jetzt erst mal ein paar Monate arbeitslos und dann schauen, wie es weitergeht.“?

Es ist ein Unterschied, ob ich als Chef Raum gebe für Diskussionen und diese auch wertschätze oder ob ich Diskussionen unterdrücke und die Mitarbeiter hinter vorgehaltener Hand lästern. Das sind zweierlei äußerst unterschiedliche Arten von Kommunikation. Ich fürchte, bei der letzteren wird das Unternehmen darunter leiden.

Die Pavillonisten sind aber eher in der Politik denn in der Wirtschaft beheimatet.

Das ist noch schlimmer. Politik ohne Gesamtverantwortung hat noch weitreichendere Folgen als Unternehmensführung ohne Verantwortung. Es sind mehr Menschen betroffen. Um genau zu sein: alle Menschen des Landes.

Die einzelnen Zellen der Pavillonisten können doch auch soziale Interessen verfolgen.

Und sie können es auch lassen. Das Partizipationsprinzip allein gewährleistet nicht soziale Gerechtigkeit. Es ist lediglich ein Weg der Teilhabe an politischen Entscheidungen, nicht derer Inhalte. Eine Gesellschaft kann sich dafür entscheiden, Menschen von gesellschaftlichen Gütern auszuschließen und sie kann dabei das Partizipationsprinzip völlig einhalten.

Glauben Sie, die Mensche seien so blöd?

Das hat nichts mit Blödheit zu tun. Wenn Ressourcen knapp sind, beginnt das große Ziehen und Zerren. Das ist nur menschlich, hat aber unmenschliche Folgen für Einzelne, meistens die Schwachen. Genau deshalb hat man sich immer schon mit der Frage beschäftigt, wie auch jene ihr Stück vom Kuchen abbekommen können, die des Ziehens und Zerrens nicht mächtig sind. So etwas kann man nicht dem Willen der Mehrheit überlassen, weil die Mehrheit nur ihre Interessen verfolgt – vor allem, wenn die Güter knapp sind. Haben sie schon mal eine Panik erlebt? Da geht’s drunter und drüber. Aber es muß noch nicht einmal die Panik als Beispiel herhalten. Da reicht schon der Sommerschlußverkauf oder die Eröffnung des Buffets. Die Leute sind blind, sie sind berauscht vom Konstrukt der Partizipation als Allheilmittel.

Sie spielen auf die Erfolge der Piratenpartei an.

Ja, die halten sich für eine Bewegung aus dem Volk heraus und das Internet mit seinen sozialen Netzwerken ist für sie DER Garant für eine Demokratisierung.

Ich nehme an, Sie sagen mir gleich, warum das nicht der Fall sein soll.

Zunächst einmal hat nicht jeder Zugang zu den Gütern, die einen Piraten ausmachen.

Nicht jeder hat einen Internetzugang, aber das wird sich ändern und die Piraten wollen dies sogar beschleunigen.

Der Internetzugang allein bewirkt noch kein politisches Engagement. Die 20 – 30 € für eine Internet-/Telefonie-Flat kriegen bis auf wenige sehr arme Menschen die meisten noch zusammen. Es ist wie mit dem Fernsehen: da steht vielleicht dasselbe Gerät in zwei Haushalten, aber es laufen unterschiedliche Programme. Die Möglichkeit allein bedeutet noch nicht, daß sie auch genutzt wird. Die Piraten schließen zu sehr von sich auf andere. Die Vernetzung, die die wahrnehmen und deren Teil sie sind, betrifft viele Volksgruppen nicht. Und damit meine ich noch nicht einmal marginalisierte Bevölkerungsgruppen in prekären Lebenslagen, sondern auch technikfremde Volksgruppen. Also Leute, die aufgrund ihres Alters oder ihrer Berufstätigkeit keinen oder einen eingeschränkten Zugang zum Internet haben. Oder solche, die ihn gar nicht haben wollen.

Die Welt da draußen ist anders als jene, die die Piraten durch ihren Bildschirm sehen. Vernetzung bringt denen etwas, weil die eine gewisse Homogenität haben. Ist dies nicht gegeben, kommt es zu widersprüchlichen Interessen und dann wird nicht vernetzt, dann werden Machtkämpfe geführt.

Beispiel?

Beispiel: Filesharing. Sie tun es, weil sie es können. Was meinen Sie, warum die Volksmusik-Industrie einen vergleichsweise geringen Einbruch zu verzeichnen hat? Deren Konsumenten sind fürs Filesharing einfach nicht technikaffin genug.

Anders bei den Piraten: viele haben schon beruflich im Internet zu tun. Da rattern die Feeds und ständig wird gebloggt, gemailt, getwittert. Dementsprechend wissen die schon lange, wie man Daten austauscht und Filesharing-Plattformen sind da, weil die es so gebraucht haben. Vernetzung ist da völlig normal.

Und das Schlimme ist nun, daß die daraus ihre Werte ableiten. Die wollen Filesharing betreiben, also muß man das auch dürfen. D.h. erst wird gehandelt, dann wird das Handeln im Nachhinein legitimiert. Da frage ich mich, wozu man Gesetze überhaupt braucht.

Deshalb sind naturwissenschaftliche Prinzipien auch so wichtig für diese Bewegung: der Schwarm hat recht, was immer er tut, wo immer er sich auch hinbewegt. Die Piraten sagen das ganz offen: die Entwicklung im Internet ist nicht mehr umkehrbar, und weil das so ist, muss das Urheberrecht abgeschafft werden. Es sei nicht mehr zeitgemäß, gehöre abgeschafft, weil sich so gut wie keiner mehr daran hält.

Als Feindbild muß dann die „Musikindustrie“ herhalten. Das ist natürlich schön bequem – „die Musikindustrie“ – wer ist das? Sind das die großen Plattenfirmen wie Sony, BMG und EMI? Also Konzerne? Das ist deshalb bequem, weil man keinen Schuldigen direkt benennen muß. Feind ist ein Konzern und wenn man die Musik nicht bezahlt, die der auf CD oder per Download verkauft, hat man ja keinen Menschen geschädigt, sondern einen bösen Konzern. Das erinnert mich an japanische B-Movies aus den 70ern oder an Resident Evil, an Fantasy oder Starship Troopers: Gewalt ist eigentlich schlecht, aber da ausnahmesweise vollkommen OK, weil das ja Maschinen oder Zombies, Orks oder Bugs sind, die vernichtet werden.

Im Übrigen trifft es noch nicht einmal „die Konzerne“ oder jene, die dort arbeiten und selbst keine Musik herstellen. Es trifft also nicht diejenigen, die Musik vermarkten. Die werden am ehesten noch den Transfer zu neuen Wegen der Vermarktung hinbekommen. Es trifft die Autoren und Musiker.

Ein Autor lebt nun einmal davon, daß die Musik, die er komponiert, gehört wird. Das so hinzubekommen, daß viele Menschen immer wieder hinhören, ist eine Kunst und die muß man sich oft erarbeiten. Gleiches gilt für Musiker: die liefern eine Dienstleistung ab und je mehr CDs bezahlt werden, desto mehr Geld verdienen die daran.

Der Kampf gegen Konstrukte ist in seinem Wesen höchst faschistischer Natur und wenn man sich die Videos von Anonymous ansieht, fühlt man sich doch unweigerlich an faschistische Propagandavideos erinnert. Der Inhalt ist ebenso bedenklich. Die demonstrieren gegen das Bankenwesen. Wieder so ein Konstrukt. Das kennen wir von dem angeblichen „Weltjudentum“ – man konstruiert einen ungreifbaren Feind, schreibt ihm die Schuld an einem Mißstand zu und das wird dann als Legitimation dafür genommen, greifbare Personen anzugreifen. Die Nazis haben sich darin ihre Legitimation für ihre Verbrechen an den Juden zurechtgelegt.

Das alles paßt den Piraten ins Bild. Sie negieren die Existenz geistigen Eigentums, damit sie Content stehlen und weiterverbreiten dürfen. Sie stellen die Freiheit auf die Stufe der Werte, dabei ist die Freiheit ein Mittel für das Gute wie das Schlechte – eine Antwort auf dringende soziale Fragen habe ich in deren Programm nicht gefunden. Sie bewegen sich im Umfeld von Anonymous – einer Organisation, die gegen „die Banken“ vorgehen will. Da haben wir es wieder: ein Mißstand wird einem Konstrukt, als „den Banken“ zugeschrieben. Das wiederum mündet in Cyber-Angriffen auf die Internetpräsenzen der Banken, was wiederum reale Personen schädigt, siehe „Operation Payback“ oder die „Operation Sony“. Bei der Gema ist es ebenso: wenn die Seite der Gema lahmgelegt wird, laufen Dienstleistungen wie die Musikrecherche nicht mehr. Rechnen Sie sich mal aus, was das bei 65000 Mitgliedern für einen Schaden anrichtet. Das ist also nicht eine ominöse „Industrie“, das sind reale Personen, Autoren, deren Werke online nicht mehr gefunden werden können, weil die Site lahmgelegt ist.

Wir können nicht einerseits behaupten, gegen Korruption zu sein (was ja das Fehlverhalten von Individuen ist) und andererseits keine Namen nennen. Wenn wir sagen: die Banken sind schuld – dann halte ich das für ein Konstrukt und zwar für ein gefährliches. Gefährlich nicht nur deshalb, weil wir damit eine Legitimation schaffen, Menschen zu verurteilen (und wie Anonymous zu bestrafen) allein aufgrund ihrer Zugehörigkeit zu einer Menschengruppe. Gefährlich auch deshalb, weil wir uns selbst dadurch zu Unmenschen machen.

Wie definieren sie „Unmensch“? Ist das nicht ein Widerspruch zu der Menschenwürde, die sie genannt haben?

Überhaupt nicht. Denn nach wie vor glaube ich, daß jeder Mensch eine unveräußerliche Menschenwürde hat. Das heißt aber nicht, daß er gefeit davor ist, Fehlverhalten an den Tag zu legen. Andere zu verurteilen oder zu schädigen, nur weil sie einer Gruppe von Menschen angehören, ohne Sicht auf den Menschen selbst, das halte ich für unmenschlich. Deshalb spreche ich diesen Leuten nicht die Menschenwürde ab. Die haben sie nach wie vor. Und gleichzeitig handeln sie anderen gegenüber menschenunwürdig, kriminell, unmoralisch.

Halten sie Anonymous für eine kriminelle Organisation?

Ich halte den Cyber-Angriff auf Websites wie jene der Gema für kriminell und jeder, der sich daran beteiligt hat, hat kriminell gehandelt.

Anonymous sagt das Gleiche über die Gema.

Mit dieser Argumentation legitimieren auch Terroristen ihr Tun. Für sie haben die knapp 3000 Toten der Anschläge vom 11. September im besten Fall den Status eines Kollateralschadens. Dasselbe ist ja das Argument der Piraten: im besten Fall zeigen diese noch eine gewisse Art von Verständnis für Autoren, aber ihrer Meinung nach sind sie durch ihre Mitgliedschaft bei der Gema eben im falschen Boot und dürfen entrechtet werden. Und deshalb ist für die Piraten das Urheberrecht ebenfalls Unrecht. D.h. die demontieren Stück für Stück alles, was ihrem Vorteil – dem Datenklau – im Weg steht. Die zimmern sich ihr Weltbild zurecht.

Teilweise lese ich auch so völlig abstruse Erklärungsversuche für das Filesharing wie: „ich unterstütze Autoren, bin aber gegen die Industrie“ – Filesharing also aus reiner Menschenliebe womöglich… das muß man sich mal vostellen: da kopiert sich einer die Musik eines Künstlers, zahlt keinen Cent dafür und bildet sich womöglich noch ein, den Autor zu unterstützen. Weil die Industrie ihn ja ausnimmt. Was er ja nicht tut, wenn er Musik kopiert.

Aber selbst, wenn das Filesharing moralisch verwerflich ist, ist doch der Kampf dagegen dennoch zumindest aus funktionaler Sicht verloren. Die Strafen, so drakonisch sie auch sind, scheinen offensichtlich kaum jemanden abzuschrecken. Welche bessere Strategie fällt Ihnen denn ein?
Warum sollen wir nicht wieder darüber reden, daß der Mensch mehr ist als tumbe Materie? Wenn man so etwas Immaterielles wie persönliche Daten für schützenswert erklärt – wo ja besonders die Piraten hochsensibel sind – muß man doch auch anerkennen, daß Musik etwas Immaterielles, aber Seiendes ist. Es ist nicht nur eine beliebige Anordnung von Tönen oder Artikulation. Es steht für eine Person, die es ausgesandt hat, um andere Personen zu erreichen. Es steht für die Arbeit, den künstlerischen Werdegang, die Auseinandersetzung mit sich selbst als Person und der Umwelt. Wie kann jemand auf die Idee kommen, die Persönlichkeit eines Menschen würde verletzt, wenn man dessen Daten weiterverbreite, aber gleichzeitig sei es keine Verletzung seiner Persönlichkeit, wenn man seine ureigene Musik verbreite, ohne ihn dafür zu entlohnen?

Ganz abgesehen davon ist es mir vollkommen egal, ob der Kampf gegen den Contentdiebstahl verloren ist oder nicht. Damit würde ich mich ja auf dieselbe positivistische Stufe stellen wie die Heuschrecken, die alles leerfressen.

Sind sie der Bauer, der in sein von Heuschreckenschwärmen zerstört werdendes Feld rennt und die Heuschrecken aufscheucht?

Nein, ich sitze daneben und gieße mein Pflänzchen. Das haben die noch nicht entdeckt und solange lassen die mich auch in Ruhe. Ich sitze da, beträufle das zarte Ding und denke über all die Arschlöcher nach, die den Acker leerfressen. Sie sind sich keiner Schuld bewußt, denn jede frißt ja „nur“ sich satt. Sie ignorieren den Anblick, der sich ihnen böte, wenn sie nur mal ein paar Meter nach oben fliegen würden: die vollständige Zerstörung einer Lebensgrundlage. Sie ignorieren es, weil sie selbst damit beschäftigt sind, zu fressen. Aber das Schlimmste ist: das sind keine Heuschrecken. Das sind Menschen, die sich selbst zu Heuschrecken degradieren. Sie sprechen der Kunst das Individuelle ab, weil ihrer Meinung nach alles von Künstlern Geschaffene auf bereits Bestehendes zurückgreift und es nur neu zusammensetzt. Wie kann man vor einem Bild von van Gogh stehen und sagen: „das ist im Prinzip dasselbe, was da Vinci gemacht hat – es ist Ölfarbe, es ist Leinwand, da ist ein Mensch und eine Landschaft abgebildet.“

Soviel zur Sinnhaftigkeit naturwissenschaftlicher Ansätze der Erklärung unserer Wirklichkeit.

Soviel zum Schwarmprinzip. Was ist nun mit den Pavillonisten?

Ich mag sie,solange sie an genau dieser Diskussion interessiert sind. Meine Frage nach dem „-ismus“ als Form der Uniformierung hat doch einige aufgeschreckt. Keiner will einem Ismus angehören. Solange die Frage danach, inwiefern Vernetzung ein Teil, oder besser: „nur“ ein Teil von Demokratie sein kann, erlaubt ist und wohlwollend behandelt wird, bleibe ich dabei.

D.h. Sie sind Pavillonist?

Ich bin für mehr Partizipation, aber sie darf nicht als Allheilmittel gelten. Es gibt keine mechanistische Verbesserung unserer Lage und ich fürchte, wir werden das schon zu einem Teil noch selbst in die Hand nehmen müssen.

Lauer (Piraten): Arbeit kann man nicht anfassen, also muss man sie nicht bezahlen!

Zieht Euch das mal rein (vor allem die halbgare Antwort des Piraten-Partei-Politikers Christoph Lauer):

Regener (Element of Crime) lässt es krachen

Also dieser Lauer von der Piratenpartei läßt ja mal nichts als Politikergelalle von sich. Nur ein Beispiel: er hält den Supermarkt-Vergleich Regeners für falsch, da beim Klau einer Packung Nudeln die Packung weg sei, beim Kopieren von Musik im Internet die Musik aber immer noch da. Denkfehler: der Schaden beim Nudelklau ist der mangelnder Vergütung des Nudelproduzenten, nicht der einer etwaigen Vernichtung/eines Verbrauchs des Produkts. Und der Schaden beim Musik-Kopieren ist – GENAU DER GLEICHE: der Produzent der Musik wird nicht vergütet.

Es geht um das Prinzip, daß Arbeit vergütet werden muß, und damit ist nicht nur der Prozeß der „Herstellung von Musik“ (klingt bescheuert, aber anders versteht es so ein Yuppie wie der von der Piratenpartei nicht) gemeint, sondern auch die Einstellung, die persönliche Haltung, der Austausch unter Kulturschaffenden, der Überblick über die Szene (John Lennon hat sich, bevor er eine neue Platte rausgebracht hat, regelmäßig die Top 20 besorgt und durchgehört, was manchmal alles andere als Freizeitvergnügen ist…) und nicht zu vergessen jahrelange Entbehrung als Nobody sowie intensives Studium seines Instruments. Es gibt tausende Musiker, die das alles investieren und nichts rausbekommen – einfach weil sie nicht zur richtigen Zeit am richtigen Ort sind. Ich kenne ein paar verdammt gute und fähige Musiker, die es nie zu etwas gebracht haben – die gehen ein enormes Risiko ein und bekommen als Gegenleistung nichts dafür. Und da denke ich, ist es doch einfach nur fair, deren Musik als Ergebnis von Arbeit zu sehen und es entsprechend zu vergüten.

C.S. schrieb empört auf facebook:
Aus Wikipedea:in den letzten Jahren gerät das aktuelle Urheberrecht, entgegen aller legislativen Trends, immer mehr in die Kritik führender Rechts- und Wirtschaftswissenschaftler.
Kritisiert wird vor allem, dass das Urheberrecht immer mehr zu einem „Rechteverwerterrecht“ ohne Berücksichtigung der Allgemeinheit und der im Wandel befindlichen Internet- und Informationsgesellschaft verkomme. Das Urheberrecht sei in seiner aktuellen Form ein Relikt des letzten Jahrhunderts, das in der Zeit von interaktiven Internetanwendungen und Breitbandanbindung eine ganze Generation kriminalisiere und in keiner Weise mehr seiner ursprünglichen Intention gerecht werde. Anstatt kreatives Schaffen zu beflügeln und zu fördern, schränke das aktuelle Urheberrecht die Entwicklung von Kultur und Fortschritt enorm ein. – Welch Skandal: Das Urheberrecht schützt immer mehr nur das Recht des Urhebers. Wo kommen wir denn da hin? Die armen kriminalisierten Kulturjünger…

Dem fügte ich bei:
ja, deshalb darf man die Wikipedia auch nicht in wissenschaftlichen Arbeiten zitieren: jeder Depp darf da was reinschreiben und die Quelle ist ungesichert. Das Urheberrecht ist also immer mehr ein „Rechteverwerterrecht“ – wie verwerflich… JA, WAS SOLL ES DENN SONST SEIN??? Und was gibts bei Leistungsschutzrechten gegenüber der Allgemeinheit denn zu berücksichtigen? Das ist ein klares Verhältnis zwischen Dienstleister und Konsument. Dieser Logik folgend müßte man den gesamten sozialen Dienstleistungssektor für monetär wertlos erklären, denn es ist ja im Dienste der Allgemeinheit, wenn Ärzte, Krankenpfleger, Sozialpädagogen, Therapeuten und Psychologen ihre Arbeit verrichten… nur, daß es bald keine Ärzte, Krankenpfleger, Sozialpädagogen, Therapeuten und Psychologen mehr geben wird, wenn deren Arbeit nicht angemessen vergütet wird.

Weiter bringt Lauer in seinem Interview das Argument, man könne gegen die Entwicklung des Filesharing im Internet ja nichts mehr machen. Ach so, somit ist das Kopieren dann also legitimiert. Wies stehts dann mit Kinderpornos? Ich las auf tagesschau vor ein paar Jahren, die Internet-Kinderporno-Szene sei nicht mehr kontrollierbar, das Netz sei einfach zu groß. Heißt das der Logik Lauers zufolge, daß Kinderpornos nun legitim sind? Ich sage dem eine glänzende Karriere als Politiker voraus, nur als Mensch ist der Typ eine herbe Enttäuschung.

Ein Franke weniger auf youtube

Ich hatte ja darüber berichtet, daß ein FCN-Fan meinen Song „Weil ich ein Franke / Frabe bin“ auf Youtube hochgeladen hatte.
Gut 7500 mal wurde das Video gesehen, nur leider hatte der User wohl vergessen, mich um Erlaubnis zu fragen oder mich wenigstens als Autor zu nennen. Ob es nun also 7500 oder 7,5 Leute waren, die das Lied gehört hatten: keiner von ihnen war in der Lage, bei Gutbefinden meines Liedes auf die Idee zu kommen, mal auf mein myspace-Profil zu schauen und vielleicht was Nettes zu hinterlassen. Und das nur, weil es manchen zu viel ist, den Namen des Autors + myspace-Link hinzuschreiben.

Nachdem ich den Typ bereits 3 mal angeschrieben hatte und der nie geantwortet hat, habe ich ihn bei youtube gemeldet.

So ein Depp. Jetzt ist der Song gelöscht und keiner hat was davon. Aber ich hatte eh schon nix davon, von daher tuts auch nicht mehr weh als vorher.

Falls sich jemand fragt, warum ich eine so minimalistische Position (also Namensnennung als Mindestforderung, nicht die mir zustehenden Tantiemen) einnehme:

Menschenliebe ist es nicht, die mich dazu gebracht hatte, von User x keinerlei Tantiemen zu fordern und ihn sogar noch eine Weile zu schonen, ihn anzuschreiben, ihm die Credits vorzuformulieren. Eigentlich ist es mir scheißegal, was aus ihm wird, aber andererseits wäre es für mich ja auch vorteilhaft, wenn das Lied ein Insider-Tipp in der FCN-Szene würde. Da es aber nicht geklappt hat, schreibe ich wenigstens hier mal meine Meinung dazu.

Ich versuche, über die Grenzen meiner persönlichen Befindlichkeiten (und natürlich geinhalten die die Vorstellung, ich hätte mehr als nur die Nennung meines Namens verdient) hinaus etwas Grundsätzliches über dieses Problem herauszufinden, denn das ist ja das eigentlich Interessante an diesem Problem. Deshalb vermeide ich die üblichen Argumente im Autoren-gegen-Filesharing-Streit. Wenn man jemand mit Autorenrechten im Sinne von Tantiemen kommt, geht die bekannte Diskussion gleich wieder los und jeder rattert sein Programm ab. Das ist langweilig. Also gehe ich mal von einem den Filesharern zumutbaren, leistbaren Minimum aus: jeder kann doch wenigstens sagen, von wem die Musik stammt, die er im Internet verbreitet – sollte man meinen.

Filesharing und die Urhebberrechtsfrage – das ist ein Thema, mit dem jeder in Berührung kommt und deshalb versuche ich, es mal aus einem anderen als den beiden bekannten Blickwinkeln zu beleuchten (Blickwinkel 1.: Major Companies, daMax nennt sie auch „Contentmafia“; Blickwinkel 2: Menschen, die Filesharing betreiben.). Und nun kommt eben mein Blickwinkel dazu: der eines Autors, der aber weder auf der Seite der Majors ist (weil er keinem angehört), noch auf der Seite der „Filesharer“, weil er irgendwie ein Problem damit hat, daß es immer wieder Leute gibt, die seine Musik irgendwo veröffentlichen, ohne nachzufragen und noch nicht einmal seinen Namen zu nennen.

Ich halte meinen Standpunkt also für einen minimalistischen: laßt uns die Mitwirkung, die Vermarktung, den Zeitplan, das Geld (welches Geld ;-)?) und alles, bei dem sich die Fronten in der Filesharing-Diskussion erhärtet haben, vergessen, aber:

was ist mit dem Namen? Man kann all die eben genannten Dinge, die mir nach geltendem Recht zustehen – sollten die Filesharer recht haben (also das Argument: kleine Autoren verdienen eh nicht an GEMA und Majors, es gibt neue Vertriebswege, das Internet ist einer davon und man sollte doch froh sein, wenn Filesharing letztlich dazu beiträgt, daß sich die Musik eines Autors verbreitet) – weglassen, aber kann man sogar den Namen weglassen? Macht Musik dann noch einen Sinn?

Jetzt komm mir keiner mit „Musik macht man doch zum Genuß“. Natürlich genießt man Musik auch, aber damit sie gut wird, muß man eben auch einiges dafür tun. Es ist eben auch Arbeit. Mal ganz abgesehen davon, daß die Erfahrungen, die man sammelt, wenn man eine bestimmte fürs Musizieren notwendige Haltung einnimmt, nicht immer die angenehmsten sind. Was für Erfahrungen sind das?
Damit meine ich schon mal eine bestimmte Art, selbst Musik zu hören. Oder die Erfahrungen, die man in Bands macht: gerade als Autor sieht man sich gezwungen, Rollen zu übernehmen, die alles andere als angenehm sind. Wenn z.B. irgendein Gitarrist meint, in einem Song unbedingt noch dieses und jenes Solo reinbringen zu müssen, auch, wenns überhaupt nicht paßt. Das artet dann schon mal in einen handfesten Streit aus: der Gitarrist fühlt sich abgewertet, weil er in Form seines Solos quasi aus der Band geschmissen wird. Aber als Autor möchte man ein Lied eben so gestalten, daß es rund klingt – keine Note zu wenig, keine Note zu viel soll da drin stecken und das kann eben auch heißen, daß kein Solo reinkommt.
Bestes Beispiel aus meiner Bandkarriere war mal ein Geiger, der gemeint hat, wir müßten ein Lied dadurch aufwerten, daß er über den groovigen 7/8 Takt (und der hat schon genervt: zeig mir einer eine Motown-Platte mit nem 7/8) der Band einen 4/4 gespielt hat. Also zwei völlig verschieden Taktarten, die dann nach 16 Takten oder so wieder einen gemeinsamen Anfangsschlag haben. Es klang zum Kotzen, aber nur, weil er sich nicht belehren ließ, mußte es nach „demokratischer Entscheidung“ (die Mehrheit hatte nicht den Mumm, was dagegen zu sagen) drin bleiben und vielleicht wird anhand dieses Beispiels klar, was ich mit „Erfahrungen“ meine. Da muß man sich den Schuh anziehen, undemokratisch gesinnt zu sein, weil man so einen Scheiß nicht mitmachten will. Und ich sage Euch was: Musik zu machen IST ein undemokratischer Vorgang und das ist gut so. Manche Leute sind einfach nicht kreativ und die sollten sich auch nicht in alles einmischen. Wers nicht glaubt, geht mal auf flockdraw.com. Wenn sich da die richtigen treffen, kommen wirklich gute Sachen raus. Leider aber darf eben jeder mitmachen, der den Link hat und beim Plattentests-flockdraw heißt das:

1. Mittelmäßige Menschen malen irgendeinen mittelmäßigen Mist ins Bild
2. -„- löschen einfach irgendwann ein Bild
3. Trolle malen lustig Hakenkreuze rein

Ohne Witz: in Bands läuft das ganz ähnlich ab.

Wie war das nun beim Song für den FCN?

Das war auch Käse. Besagter Youtube-User hat einfach meinen Song genommen und irgendwelche Stadion-Fotos eingeblendet, so als wäre meine Intention gewesen, einen typische Fanhymne zu schreiben. Da hätte er mal besser auf den Text gehört.
Von daher bin ich selbst nicht mal enttäuscht, daß er meinen Namen nicht angegeben hat, im Gegenteil: man hätte mich womöglich ja noch für für einen FCN-Fan halten können…

Robin Hood zum Arschloch mutiert!

Es ist ja schon eine ganze Weile her, aber im Jahre 2007 gabs sowohl für die Fans des VfB Stuttgart und des 1. FC Nürnberg was zu feiern. Die einen holten die Meisterschaft, die anderen den Pokal – gegen den frischgebackenen Meister VfB Stuttgart. Und was das beste war:

Der FC Bayern landete gerade mal auf Platz 4. Nix mit Champions-League.

Wir vom VfB konnten im Nachhinein dann doch gut damit leben, daß der Pokal an den Club gegangen ist. Der wichtigste Wettbewerb ist dann eben doch die Meisterschaft. So machte ich mir den Spaß und stellte ein Lied auf dem r-mag ein: „Weil ich ein Franke bin„, was sozusagen die Plan-B-Version meines anderen Liedes „Weil ich ein Schwabe bin“ war (hätte ja auch klappen können mit dem double, aber so…). Hier also „Weil ich ein Schwabe bin“, ein paar Tage nach der Meisterschaft und kurz vor dem Pokalfinale:

Ach so, die eigentliche Pointe hatte ich ja vergessen. Sagt der Sohn zum Vater: „Papa, mir händ doch gar koin Hund“…

Und hier dann die Version zuhause im Schlafanzug nach dem bösen Erwachen für den VfB:

Wäre ich damit reich geworden, würde ich heute nicht bloggen, sondern bloggen lassen. Es ist also verständlich, daß ich mich bei Streams, wenn schon nicht über Geld, dann doch wenigstens über etwas Publicity freue. Aber manchem ist selbst das sogar schon zu viel Arbeit. Ich mein, irgendwo muß man es ja herhaben und die offiziellen Sources geben den Autor immer an. Die Ausrede „woher soll ich wissen, von wem es ist?“ gilt also eigentlich nicht.

Aber in den Zeiten des Internet darf man nicht so pingelig sein, und nachdem ich mal wieder einen Stream auf youtube entdeckt habe, bei dem ich noch nicht mal als Autor genannt werde, habe ich mir halt die Mühe gemacht und meinen Namen sowie das kleine (c) + Jahreszahl als Kommentar hinterlassen mit der Bitte, dies der Fairness halber doch anzufügen.

Tja, und wenn ich dann sehe, daß dieser Kommentar gelöscht wird, regts mich auf. Dennoch habe ich dem Poster folgende Nachricht geschickt:

„Hallo,

vielleicht ist mein Kommentar ja untergegangen, deshalb also noch mal auf diesem Wege:

es freut mich, daß Dir mein Lied „Wil ich ein Franke bin“ gefällt. Es ist für mich auch OK, wenn Du für das Einstellen auf Youtube nichts bezahlen mußt, auch, wenn ich das als GEMA-Mitglied ohne Weiteres verlangen könnte.

Ich werde es aber nicht dulden, daß Du das Lied einstellst, ohne wenigstens die Songwriting-Credits anzugeben. Das ist sozusagen der Minimal-Standard. Es soll Autoren wie mir helfen, für ihre Arbeit eine Art von Entlohnung zu bekommen. Das kann auch schon die Verbreitung des Namens + des myspace-Links sein.

Deshalb bitte ich Dich hiermit nochmals, bei dem Lied folgende Angaben einzufügen:

„Weil ich ein Franke / Frabe bin“ M+T: © Borna Cesljarevic 2007, http://www.myspace.com/itsmeborna

Viele Grüße,

Borna“

Jetzt bin ich dann mal gespannt, was passiert…ich werde Euch auf dem Laufenden halten.

Ich hatte haargenau das gleiche Problem letzte Woche mit „Girl from Mogadishou“, welches, ebenfalls komplett aus meiner Feder, wieder einmal gestreamt worden ist, ohne jegliche Erlaubnis, noch nicht mal mit meinem Namen irgendwo. Von Geld natürlich ganz zu schweigen.

Also habe ich um lediglich die Angabe meines Namens gebeten. Ich habe also keinen Vertrag, kein Geld, nur die Platzierung meiner Songwriting-Credits erbeten. Nachdem ich beim 3. Mal noch nicht mal eine Antwort bekommen hatte, habe ich es eben doch bei youtube gemeldet.

Und nun ist das Video gelöscht.

Dazu frage ich mich nur, was solche Leute sich denken. Wahrscheinlich nichts, denn was kostet es einen, einen Namen + Copyrightzeichen mit Jahresangabe zum Video zu schreiben? Kann das so schwer sein? Offensichtlich schon und in diesem Fall habe ich überhaupt kein Problem damit, das ganze zu melden.

Ich meine, man freut sich einerseits darüber, daß, wie im Fall des FCN-Liedes gut 7500 Leute reingehört haben, aber dann stellt man sich die Frage, was man davon hat, wenn keiner der Hörer noch nicht mal die Möglichkeit hat, den Namen des Autors rauszubekommen? Warum keine win/win-Situation zwischen Konsumenten und Autoren?

Das Aufbrechen althergebrachter Strukturen im Musikbusiness ist wichtig, ja. Es ist nicht vertretbar, wenn mit Mega-Acts Millionen verdient werden, die dann zu einem guten Teil beim Management bzw. der Plattenfirma landen, nur, damit die immer wieder DSDS-Scheiße auf den Markt werfen können, wo sie nur deshalb läuft, weil sie ohne Ende gehyped ist.

Aber dann müssen kleine Autoren auch irgendeine Form von Vergütung bekommen, denn die Plattenfirmen haben sich beim Vorwurf, kleine Filesharer auf Millionen zu verklagen ja immer damit rausgeredet, daß sie die Interessen auch der kleinen Autoren stellvertretend wahrnähmen, ihnen finanzielle Sicherheit böten, damit diese ihren Beruf ausüben könnten. Daß die Plattenbosse das völlig ins Extreme verzerrt haben, also daß die meiste Kohle nur bei den durchgestylten Casting-Acts landet, mag sein, aber trotz aller Lüge ist auf diese Weise für kleine Acts letztlich mehr rausgesprungen als bei einem Stream auf youtube ohne Namensnennung.

Wer also Musik kleiner Autoren ohne Vergütung oder wenigstens Namensnennung verbreitet, bestiehlt sie und arbeitet der Ausrede der Major-Acts für ihr drakonisches Vorgehen in die Hände und mir kann keiner von dieser Sorte Filesharer erzählen, daß er die Musik kleiner Bands unbezahlt brennt / streamt, um die Ungerechtigkeit der Majors auszugleichen.

Das ist eine Lüge.

Das ist so, als hätte Robin Hood die Armen bestohlen, weil sie vom Sheriff von Nottingham beschützt werden und die Beute für sich behalten.

Ich habe für solche Arschlöcher kein Verständnis.

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