Corona-Proteste: zweierlei Maß

[Update 27.12.2021, 20:15 Uhr]

Erst das Ansehen eines Menschen beschädigen und im Nachhinein dann die Spuren verwischen – das ZDF hat den Beitrag geändert und Vermutungen als solche gekennzeichnet (Original: „…und die aus der Querdenken-Bewegung stammt…“) sowie die verleumderische und hetzerische Überschrift im Absatz (Original: „Kleinkind von Querdenkerin verletzt“) geändert:

[Update Ende]

Ursprünglicher Beitrag:

heute.de titelt im Artikel um 13:06 Uhr „Prozesse wegen Demo-Gewalt bereits heute“. Gemeint sind damit „beschleunigte Verfahren“ gegenüber 4 Teilnehmern einer Anti-Corona-Demo in Schweinfurt gestern. Dort waren – wie in etlichen anderen Städten Deutschlands – Tausende zu einer Demo gegen die Corona-Maßnahmen und den vielfach diskutierten Impfzwang auf die Straße gegangen. Demonstrationen sind aufgrund des Infektionsschutzgesetzes inzwischen aber verboten. Und die Notlösung „Spaziergänge“ wird entweder durch polizeiliche Schikanen gestört oder ebenfalls verboten (vgl. Abbildung am Ende des Beitrages).

Aufsehen hatte ein Zwischenfall auf der Demo in Schweinfurt gestern erregt, bei dem die Polizei Pfefferspray so eingesetzt hatte, dass ein 4-jähriges Kind dies abbekommen hat und medizinisch versorgt werden musste. heute.de schreibt im o.g. Artikel dazu:

Ich übernehme jetzt mal die „Was wir wissen… und was nicht“-Form, mit der sich heute.de immer als besonders sachlich Berichterstattung brüstet – vermutlich um sich von der BILD-Zeitung abzuheben. Gelingt das? Schauen wir selbst:

Was wir wissen:

  • ein vierjähriges Kind und seine Mutter werden von der Polizei mit Pfefferspray attackiert.
  • das Kind muss medizinisch versorgt werden

Was wir nicht wissen:

  • ob es eine Demo war
  • ob die Frau eine bewusste Teilnehmerin des Spaziergangs war
  • ob sie die Darstellung der Polizei, sie habe eine Absperrung überwinden wollen, bestätigt
  • ob diese Frau eine Querdenkerin ist

Was heute.de stattdessen schreibt:

  • es sei eine Demo gewesen
  • die Frau sei bewusste Teilnehmerin dieser Demo gewesen
  • sie verschweigt, ob die Frau die Sicht der Polizei bestätigt hat oder nicht
  • die Frau sei eine Querdenkerin

heute.de setzt hier also irgendwelche unbestätigten Gerüchte in die Welt. Schlimm genug. Was dem Faß aber den Boden ausschlägt, ist die Formulierung im Titel: das Kleinkind sei von einer Querdenkerin verletzt worden. Damit ist also die Mutter gemeint. Die unterstellen dieser Frau nicht nur Fahrlässigkeit, sondern Vorsatz und noch dazu verdrehen sie die Tatsachen völlig. Das Pfefferspray ist von der Polizei eingesetzt worden und dieser öffentlich-rechtliche Sender verdreht die Fakten so, dass man denken muss, die Mutter hätte das Pfefferspray eingesetzt. Das ist unterstes BILD-Zeitungsniveau und verletzt jeglichen Anstand und die Menschenwürde der Mutter.

Der Shitstorm im Netz ist groß: vielfach ist zu lesen, wie widerwärtig es doch sei, dass die Demonstranten Kinder als Schutzschilde missbrauchten. Seitens der Polizei ist zu lesen:

Diese Aussage stammt von Oliver Malchow, Chef der Gewerkschaft der Polizei, aber die Aussagen anderer Polizeivertreter im Netz sind hier deckungsgleich. Abgesehen davon, dass hier eine Hexenjagd inszeniert wird und Persönlichkeitsrechte verletzt (wie bei der BILD-Zeitung eben auch), werde ich stutzig: was heisst das, man nehme in Kauf, in eine gewalttätige Auseinandersetzung zu geraten? In einem Rechtsstaat sollte man als friedlicher Demonstrant doch keine Angst davor haben, von der Polizei angegriffen zu werden, oder? Ich verstehe das jetzt mal als eine kaum noch unterschwellige Drohung: „wagt es nicht, gegen die Maßnahmen zu demonstrieren, sonst gibt es gewalttätige Auseinandersetzungen“.

Im Übrigen möchte ich noch daran erinnern, dass gerade Identitäts-Linke sich schwer zurückhalten müssten mit dem Unterstützen dieses Spieß-Umdrehens. Damals, beim Schwarzen Donnerstag im Rahmen der Proteste gegen S21, hatten wir exakt dieselbe Situation. Menschen aller Coleur und jeden Alters gingen damals gegen den bevorstehenden Kahlschlag im Schloßpark demonstrieren, auch Kinder. Der Aufschrei war groß, als beim völlig unverhältnismäßigen Einsatz der Polizei hunderte Verletzte zu beklagen waren, auch Kinder. Die konservative bis rechte Seite der Gesellschaft benutzte damals genau denselben Jargon als Vorwurf an die Protestler: wie könne man seine Kinder nur auf eine Demo mitnehmen, wo doch klar sei, dass es zu Gewalt kommen würde?

Und nun haben Pseudo-Linke auch diesen Schritt zur Systemtreue vollzogen: sie stimmen ein in den einst rechten Tenor, die Frau sei selber schuld gewesen bzw. sei eine Rabenmutter usw. Dabei haben ebendiese Linken genau dasselbe Verhalten vor nunmehr 11 Jahren als Erziehung zu gelebter Demokratie verteidigt. Dieses Messen mit zweierlei Maß sagt mir: das sind keine Linken und sie waren es noch nie. Sie wollten einfach nur im Recht sein und Gewalt und Macht ausüben. Da sie das bei Corona nicht können, assimilieren sie sich eben an das System. Zur Erinnerung hier noch ein Foto, das damals durch die Medien gegangen ist:

Nur eines hat sich nicht geändert: der Totalausfall der Medien. Die haben die S21-Protestbewegung damals auch kleingeredet, Teilnehmerzahlen bei Demos großzügig gekürzt und den Fokus der Berichterstattung auf gewaltbereite Ausnahmefälle gelegt. Sie sind allem nachgekommen, nur einem nicht: ihrem öffentlich-rechtlichen Auftrag. Und somit sind sie auf eine perverse Art sogar noch zuverlässig.

The innocence of muslims – bei UNS wäre das nicht passiert…

Ach, die Moslems wieder…

Religion ist doch nur dazu da, die Massen zu verblenden. Uns im Westen kann das nicht passieren…

…aber is ja klar, die Dummen schreien nach Religion. Wer innerlich total verkümmert ist, braucht halt was Großes, an das er sich anlehnen kann…

…und überhaupt… wie kann man wegen was so Abstraktem wie einem Witz über einen vor 1300 Jahren verstorbenen Propheten den Schritt zur Gewaltausübung vollziehen…? Passend dazu ein lesenswerter (kurzer) Wikipedia-Artikel:

Daniel Nivel, fast totgeschlagen von säkularisierten und aufgeklärten westlichen Hooligans. Und zwar wegen was so Konkretem wie Fußball.

Noch Fragen?

occupy Börsen, Banken, Bier

also beim Karate
da geht es ja um Selbstverteidigung
ganz so wie beim okkupieren der Wall Street
weil die greifen unsere Existenz an
das wird ja schon quasi körperlich
wie einer, der mir an den Kragen will
da muß man dann selbst körperlich werden
den einen Griff anwenden
und vielleicht sogar den anderen Schlag austeilen
Karate könnte helfen
aber Meister Miyagi sagt
nicht irgendeinen
sonst nützt es nicht
oder wird unverhältnismäßig
also:
wenn der dir mit der Faust kommt
wehr sie ab
wenn der damit nicht aufhört
wehre nochmal ab und dann schlag zu
mach ihn unschädlich

aber das, was die in Rom gemacht haben
ist einfach nur bescheuert
wer hat die verletzt?
die Schaufensterscheibe bei 1:28?
das brennende Verteidigungsministerium bei 1:40?
das brennende Auto bei 2:41?
und was wird durch die Gewalt verhindert?
ändert sich nun das Bankensystem?
ist etwas Abstraktes wie ein System
durch etwas Konkretes wie Gewalt überhaupt beeinflußbar?
sind es die Banker, die ihr treffen wollt?
welche denn?
alle?
alle Banker sind Schweine?
die Politiker?
alle Politiker sind Schweine?
und wenn ihr sagt:
nein, es sind nicht alle Banker und Politiker Schweine
aber es reicht ein % von hundert
um uns allen zu schaden
vergeßt ihr dabei nicht
daß ihr es seid,
die uns allen schaden?

gestern in der Tagesschau
eine brennende Stadt
das ist nicht subversiv
oder gar Ausdruck demokratischen Willens
das ist einfach nur dumm
weil der Bankomat jetzt nicht mehr funzt
deshalb müssen die ganzen Hools jetzt einen anderen Automaten suchen
einen, der noch funktioniert
damit sie das Geld abheben können
das sie selbst ebenfalls auf der Bank haben
um sich technischen Schnickschnack zu kaufen
mit dem sie ihre Revolution twittern
oder bei facebook posten
oder youtube
bescheuert

und wenn anonymous sagt
sie rufen zum „friedlichen Protest“ auf
frage ich mich
warum die dazu noch aufrufen müssen?
es bedarf keiner anonymen Aufrufe
um friedlich zu protestieren
die Organisation des 15.10. hat auch ohne die Anonymen gut geklappt
zu welchem Teil davon muß anonym aufgerufen werden?

und wenn die sagen
„wir vergessen nicht“
sage ich:
nee, euch vergißt die Geschichte nicht
ihr seid so ne Art Faschos
die haben wir nicht vergessen
obwohl wir es gerne würden
aber die Pest stirbt nicht aus

wenn ich eure lachhaften Aufrufe sehe
im Netz
denke ich sofort an Brainwashing
und dann diese bescheuerte Aufmachung
ein wenig zu viel Matrix geschau, ne?
nur: Matrix strotzt nicht so vor Kitsch
kitschige Musik
kitschiger Bildschnitt
kitschiger Duktus

vielleicht bedarf es ab und an mal einer Revolution
Umwälzung
Neuanfang
aber manchmal ist es schon erschreckend
was für Pfeifen sich an den Unmut des Volkes heften
um ihren geistigen Dünnschiß auf dieser Welle zu verbreiten
jedenfalls:
wenn dies eine Revolution ist
und wenn es demnächst
was ich nicht hoffe
aber auch nicht verhindern kann
zu richtig bösen Gewalttaten kommt
weil Menschen glauben
„für das Gute“ zu handeln
wenn sie andere verletzen oder töten
wenn es also zu Mord und Totschlag kommt
weil irgendein Depp sich für Neo und andere für Agenten
und diese Realität für die Matrix hält
dann seid ihr schuld
denn ihr habt das Potenzial
die nächsten Faschisten zu werden

und ja: ich habe sie gesehen
diese vielen friedlichen Demonstranten
und ich bin mir ganz sicher
daß es friedlich geblieben wäre
wenn Faschisten wie ihr nicht
Aufrufe im Netz gepostet hätten
die ein paar wenigen als Legitimation dienen
weil sie unkonkret formuliert sind
weil sie mit Ängsten
Wut
viel Bauch
aber wenig Hirn
spielen
und diese heraufbeschworenen Gefühle
dann kommentarlos stehen lassen

das ist wie zündeln
an der Tanke
oder Karate
gegenüber dem kleinen Nachbarsjungen von nebenan
„schau her
ich kann dir den Arm umdrehen“
Toll, Daniel.
Ganz toll.

und jetzt noch etwas Grusel aus dem B-Movie:

[UPDATE]
„tapfer im nirgendwo“: erfrischend vernünftige Gedanken zu ausufernden Okkupisten in Köln.

Alltagsnazis II: Hamburg

Portugiese in Hamburg schwebt nach fremdenfeindlicher Attacke immer noch in Lebensgefahr.

tiehierf – the number of exclusion

Bergab.
Kurve.
Naß.
U-Bahngleise.

Zuviel für einen Kangoo. Der Wagen bricht aus. Nach rechts, nach links, dann wieder nach rechts.

Danke, parkendes Auto, danke Betonpfeiler, denn ohne Euch…
Glimpflich, ja, aber auch ein Blechschaden muß polizeilich registriert werden. Da sitze ich nun im Einsatzwagen, den Unfall vor meinem geistigen youtube-Fenster in HD loopend. Und während ich auf meine Papiere warte, sehe ich es:

Die Innenverkleidung der Polizeiwagentür.

Hartplastik, zerkratzt. Nicht ein oder zwei Kratzerchen etwa, die unsereins vom übereifrigen Ein-und Aussteigen oder dem Transport des neuen IKEA-Regals kennt, nein. Diese Tür ist übersät von Kratzern und ohne je dabeigewesen zu sein, sehe ich vor meinem inneren Auge entsetzt die Situationen, in denen sie entstanden sind. Nix mehr youtube.

Die Realität drückt auf das „X“ und dann bekomme ich sie wieder, meine Papiere.

„Die Fahrzeughalter werden sich vermutlich die nächsten Tage mit Ihnen in Verbindung setzen und dann müssen Sie ihrer Kfz-Versicherung blablabla…“. Ach ja, mein Leben in der Mitte dieser Gesellschaft war etwas aus der Spur geraten, erinnere ich mich.

Während ich das Polizeiauto zurück in dieses bürgerliche Leben verlasse, sehe ich die Spuren, die bei den Gewaltakten entstanden sind. Man kann sie lesen: hier mußte jemand rein, der garantiert nicht rein wollte.

Und im Namen aller Inhaftierten lese ich die Spuren rückwärts: Freiheit.

B 313 31: Polizei peinigt Piraten

Das ging daneben:

Die Piratenpartei kann sich bei dem Polizisten bedanken, denn er hat ihrem Motto „Freiheit statt Angst“ im Zusammenhang mit dem Begriff des Überwachungsstaates eine wahrscheinlich ungewollte Schwere verliehen. Wurde die Piratenpartei bisher eher belächelt oder höchstens noch als Manifestation des Narzißmus einer infantilen Gesellschaft gesehen, beschleicht wohl jeden Betrachter des Videos ein verdammt ungutes Gefühl.

Von Horror-Phantasien kann hier keine Rede sein. Sollte bei der juristischen Rekonstruktion dieses Vorganges (und da kann man einen drauf lassen, daß diese erfolgen wird!) nicht etwas völlig anderes rauskommen, wird hier offensichtlich ein Demonstrant / Passant / (echter oder selbsternannter) Journalist aufgrund der ersichtlichen schriftlichen Erfassung der Vorgänge von einem Polizisten (Nr: 2212) auf den Boden gezerrt und grundlos von diesem und einigen seiner Kollegen zusammengeschlagen sowie verhaftet, d.h.: in einem Polizeieinsatzwagen mit dem Kennzeichen B 313 31 abgeführt.

Aus meiner Sicht interessant:
die Konfrontation mit dem Aufschrieb scheint des Polizisten Gemüt zu überfordern. Auf dem Zettel steht ja nichts, was nicht geschehen wäre (Foto folgt, habs in irgendeinem Blog gesehen – dürfte sich wie ein Lauffeuer verbreiten). Die schriftliche Fixierung, einem Tathergangs-Protokoll gleich, führt dem Polizisten vor Augen, daß der Schreibende sich selbst als Ordnungshüter versteht. Nämlich als mündiger Bürger, der sein Recht wahrnimmt, öffentliche Vorgänge für die Öffentlichkeit nachvollziehbar festzuhalten und womöglich zu veröffentlichen. Dem liegt die Auffassung zugrunde, daß der Polizist zwar Macht ausübt, diese aber nach strikten Regeln und zwar so, daß er seinen 80 Millionen Vorgesetzten dafür Rechenschaft abzulegen hat. Und das geht für den Polizisten mal gar nicht: er soll der Kontrollierte sein? Womöglich der Verbrecher? Tja, und da fühlt er sich dazu aufgerufen, die Verhältnisse in seinem Sinne wieder gerade zu rücken…

Bin mal gespannt, was der Kerl macht, wenn er diesen Vorgang und die Reaktionen darauf auf Youtube, Twitter und inzwischen bereits unzähligen Blogs nachverfolgen kann.

EDIT:

Ari auf homerecording.de schließt meinen Thread mit dem Hinweis auf das youtube-Video mit folgenden Worten:

„Poste dein Kram in Foren, wo sich dann andere Aufdiefressebekommer drüber auskotzen können. Aber nicht in einem Musiker-& Künstlerforum. Hier interessiert das niemanden.“

Das alles neben Artikeln zum Wahl-O-Mat oder Porsche vs. Ferrari, klassischen Musiker- und Künstlerthemen also…

Hm…dann wohl besser doch noch auf nach web.de…;-)

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