Charlie Hebdo – ce ne est pas ma guerre!

Herr Braybrook, in Paris wurden 12 Menschen bei einem Terror-Anschlag auf die Redaktion der Satire-Zeitschrift „Charlie Hebdo“ getötet…

Ermordet.

…richtig: ermordet. Inwiefern hat das ihre Meinung zum Umgang mit dem Islam verändert?

Wir müssen verstärkt den Dialog suchen.

Wie bitte? Meinen Sie nicht, es wäre an der Zeit, genau diese weiche Strategie zu überdenken? Sie reden doch selbst von Mord.

Das waren Einzeltäter, die nicht im Namen des Islam gehandelt haben.

Diese Ausrede hört man bei jedem Terrorakt mit islamistischem Hintergrund. Kann man angesichts von tausenden von Toten noch von Einzeltätern sprechen?

Die Zahl der Opfer beweist, dass es hier um ein personenübergreifendes Phänomen geht. Ob dieses Phänomen ein typisch muslimisches Phänomen ist, halte ich für keinesfalls bewiesen. Man kann die Berufung der Täter auf den Islam nicht als Beweis dafür hernehmen, dass der Islam Menschen zu Mördern macht. Schliesslich beruft sich die deutliche Mehrheit der friedlichen Moslems ebenfalls auf den Islam.

Man kann aber sagen, dass der Islam offenbar missverstanden wird von einigen.

Weil er dazu prädestiniert ist. Wo „tötet die Ungläubigen, wo immer ihr auf sie trefft“ steht, kann kein Frieden entstehen.

Derartige Dinge stehen auch in der Bibel. Warum findet keine Diskussion darüber statt?

Weil die Zeiten, in denen im Namen des Christentums gemordet wurde, längst vorbei sind. Wir leben in einer säkularisierten Gesellschaft. Niemand streitet ab, dass es vor der Säkularisierung Mord und Totschlag im Namen des Christentums gegeben hat.

Das beweist doch nur, dass es nicht wirklich um Religion geht, sondern um politische-gesellschaftliche Umstände, die die selbstverschuldete Unmündigkeit des Menschen ausnutzen und manipulieren. Seitdem die Kirche keinen weltlichen Einfluss hat, gibt es keine Kreuzzüge und Hexenverbrennungen mehr, dennoch ist es immer noch die gleiche Bibel, auf die sich das Christentum beruft. Eine tolerante Gesellschaft ist das Ergebnis vieler wackliger Faktoren und die Säkularisierung allein ist keinerlei Garant dafür, danken Sie an die NS-Diktatur. Die entstand Jahrhunderte nach Aufklärung und Säkularisierung.

Es gibt das Christentum heute und das Christentum im Mittelalter, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Dennoch, beide berufen sich auf das Evangelium. Ich sehe keinen Unterschied zwischen einem Kreuzritter und einem islamistischen Terroristen. Beide führen / führten ihrer Meinung nach einen heiligen Krieg.

Und deshalb gehören beide bekämpft.

Genau das ist der Unterschied. Wir werden islamische Staaten nicht von außen säkularisieren. Wodurch auch? Durch Krieg? Durch Aufklärung? facebook anybody? Glauben Sie, die haben keine eigene Philosophie, keine eigene Wissenschaft, keine Exegese des Koran?

Der erste Schritt könnte ein anderer sein: bevor wir die islamische Welt befreien, müssen wir uns erst einmal selbst schützen.

Wie kann man sich davor schützen, dass Menschen durchknallen? In den Ländern, die Terror-Organisationen beherbergen, herrschte lange Krieg, teilweise heute noch.  Welches Wundermittel haben Sie, um diese Leute davor zu bewahren, sich zu radikalisieren? Der Krieg bringt die niedrigsten Überlebensinstinkte im Menschen zum Vorschein. Das hat mit Vernunft, Mündigkeit und Intelligenz nichts mehr zu tun. Wer alles verliert und um sein Leben bangen muss, ist Argumenten nicht mehr zugänglich.

Stopp mal. Inwiefern ist die satirische Arbeit von Charlie Hebdo eine Gefahr für die Existenz der Killer von Paris gewesen? Was haben diese Islamisten durch Charlie Hebdo verloren?

Um es ganz klar zu sagen: es gibt keinerlei Legitimation für den Terrorakt in Paris. Ich halte es aber für entscheidend, klug zu analysieren. Um der eigenen Sicherheit willen, aber auch, um gerade jene Werte zu bewahren, die hier angeblich angegriffen worden sind.

Das heisst, neben der berechtigten Trauer, diese emotionale Welle nicht sich selbst zu überlassen. Die AfD, Pegida und die üblichen Verdächtigen aus der rechten Szene werden sonst auf dieser Welle reiten und sie für ihre Zwecke ausnutzen. Es hat bereits begonnen.

Vielleicht haben Pegida und AfD zumindest teilweise recht?

Nein, haben sie nicht, und schon gar nicht durch die Morde von Paris. Was die jetzt daherlabern, klingt ja fast schon nach Freude.

Inwiefern, frage ich, stellen die Morde einen Anschlag auf unsere Redefreiheit dar? Es wird keine Gesetzesänderung zur Meinungsfreiheit geben, und schon gar nicht, was Religions-Satire angeht. Das war den Tätern auch klar. Glauben Sie, die hatten vor, eine Gesetzesänderung zur Meinungsfreiheit zu initiieren? Es war viel eher ein Mittel, Angst zu verbreiten und selbst da dürfte den Mördern klar sein, dass sie niemanden zum Schweigen bringen. Es ging um das für radikalisierte Menschen typische „wir gegen die„, um blinde Wut, ausgelöst durch Verletzung religiöser Gefühle.

Und da wird doch schon klar, wo der Fehler ist, den wir nicht übernehmen sollten: „wir“ würde ja bedeuten, dass die Mörder von Paris für „die Moslems“ sprechen, denn zu Allah beten sie alle. Jedoch lehnt die überwältigende Mehrheit der Moslems diesen Terrorakt ab und toleriert – wenn sicher auch nicht mit Wohlgefallen – die Satire bzgl. ihrer Religion. Somit streichen wir schon mal „wir“.

„die“ – das impliziert, dass die Gegenseite, also der Westen geschlossen auf der anderen Seite stünden. Das ist aber nicht so. Es gibt sehr viele Nicht-Muslime, die die religiöse Satire ebenfalls inhaltlich ablehnen, auch wenn sie sie als Teil der Meinungsfreiheit tolerieren. „Wir gegen die“ – würde aber das genaue Gegenteil bedeuten: dass wir alle den Islam auslachen – NICHT: tolerieren, dass andere ihn auslachen. Das ist ein entscheidender Unterschied. Dieser zugeschriebenen Gleichsetzung beuge ich mich nicht. Ich würde nicht auf die Idee kommen, etwas, das den Moslems heilig ist, auszulachen, schon gar nicht öffentlich.

Weil sie Angst haben?

Nein, sonst wäre ich für ein Verbot dieser Satire aus Sicherheitsgründen. Das bin ich aber nicht. Nur heißt Toleranz noch lange nicht inhaltliche Unterstützung. Angst habe ich nun davor, dass genau dieser Gedanke missverstanden wird, dass jeder, der in Zukunft Mißfallen über religiöse Satire äußert, als Sympathisant des Terrorismus gesehen wird. Angst habe ich auch vor einem Zulauf bei den Rechten. Das, was Gesellschaften radikalisiert, ist der Verlust des Blicks auf den Einzelnen. Es gibt kein „ich“, es gibt nur noch die große Idee, das „wir“. Vielleicht reduziert man einen Radikalisierungs-Test in Zukunft auf eine Frage: lachst Du über Allah oder nicht? Und wenn dann einer sagt: nein, ich finde, darüber sollte man nicht lachen, gilt er als radikal.

Das klingt alles sehr kompliziert. Es ist doch eine leider ganz einfache Sache: da wurden Menschen umgebracht, weil sie der Meinung der Täter nach Dinge publiziert haben, die denen nicht gepasst haben. Was gibts denn da noch zu verkomplizieren? Einfache Frage, imaginäre Situation: hielten Sie es für anständig, all diese Gedanken auf der Trauerfeier für die Opfer von Paris zu äußern?

Nein, das würde ich nicht tun. Ich würde sagen, dass es keinerlei Legitimation für diesen verbrecherischen Akt gibt. Gleichzeitig würde ich aber ablehnen, aus Solidarität nun Anti-Islam-Cartoons von Charlie Hegda auf Plakaten zu tragen. Denn damit würde ich die vielen Moslems in ihren religiösen Gefühlen verletzen, die nichts mit den Mördern von Paris gemeinsam haben. Und genau dieses Gefühl habe ich im Moment. ZDF-Chefredakteur Peter Frey schreibt heute in seinem Kommentar „Der Anschlag von Paris ist ein Angriff auf uns alle, er zielt in das Herz einer freien Gesellschaft. „. Sorry, nein, das ist nicht der Fall. Charlie Hebda ist nicht das Herz einer freien Gesellschaft. Es ist eine extreme Erscheinungsform von Meinungsfreiheit, die sich zwar noch in deren Rahmen bewegt, zu der ich mich aber distanzieren darf. Wenige Verbrecher konnten diese Erscheinungsform nicht tolerieren und haben nun die Grundsatzdiskussion ausgelöst, inwiefern auch religiöse Satire zur Meinungsfreiheit gehört.

Ich sage ganz klar: natürlich tut sie das. Aus politischer, gesellschaftlicher Sicht, weil die Meinunsfreiheit ein zu erhaltendes Recht ist. Aber ich darf mich ebenso auf dieses Recht berufen und mein Mißfallen über derartige Satire äußern. Ich habe kein Problem damit, wenn manche Leute das lustig finden. Nur ich, ich finde es nicht lustig und weigere mich, mir von Peter Frey vorschreiben zu lassen, wo ich Charlie Hegda verorte. Ganz sicher nicht in meinem Herzen. Meinungsfreiheit heisst: innerhalb eines Rahmes darf alles gesagt werden. Es bedeutet nicht, dass jeder alles, was gesagt wird, auch gut finden muss.

Herr Braybrook, das sind schwierige Zeiten. Ich hoffe, Sie wissen, was Sie sagen und lassen Vorsicht walten.

Ich hoffe das für uns alle. Angesichts mancher Kommentare aus der Pegida-Fraktion stelle ich mir die Frage, ob auschliesslich Trauer über die Morde in Paris besteht oder evtl. auch klammheimliche Freude. Ich hoffe, dass unsere westliche Gesellschaft in der Lage sein wird, humanistisch zu reagieren und das heisst: vernunftsbezogen, rational und mit der gegebenen Überlegung. Was ich in der Presse lese, beunruhigt mich: ich lese Dinge wie „Killer„, „Kriegserklärung an die ganze Welt„, „Massaker“ (ich verlinke Bild grundsätzlich nicht und eigentlich kann man die auch nicht ernstnehmen. Jedoch sprach heute.de gestern ebenfalls noch von einem Massaker, inzwischen ist diese Überschrift nicht mehr zu finden) – muss das weiter eskalieren? Reichen Begriffe wie „Mord“, „Terror“ und „Anschlag“ nicht aus? Die Welt schreibt, der Anschlag auf Charlie Hebdo habe einer Redaktion gegolten, die bis zum Letzten entschlossen gewesen sei, die Freiheit aller Denkenden jederzeit zu verteidigen. Das ist ein übler kriegerischer Jargon, der Leute zu Märtyrern stilisiert. Das ist aber falsch. Das geht zu weit. Die Redakteure von Charlie Hebdo wären im Leben niemals bereit gewesen, auf diese Weise für ihre Arbeit zu sterben. Da wird eine Situation konstruiert, die es so nicht gegeben hat.

Der Ausspruch: „je suis Charlie Hebdo“ trifft auf mich insofern zu, dass auch ich das Recht haben will, eine Satire wie jene zu äußern. Aber ich lese jetzt bereits seitens AfD und Pegida-Anhängern /-Sympathisanten, dass wir alle uns zusammen wehren müssten gegen den Islam. Das ist dann die Bejahung des „wir gegen euch“, sozusagen die gegenseitige Kriegserklärung. Ich glaube, dass das nicht der richtige Weg ist, mit Terror, Islamismus und Pegida umzugehen. Es ist Zeit, dass die schweigende Mehrheit sowohl Terroristen als auch Nationalisten gegenüber Stellung bezieht, die Gesellschaft für sich vereinnahmt. Das ist unsere Freiheit, nicht die Freiheit Pegidas. Und Gott, das ist unser Gott, nicht der Gott al-quaidas. Gott hat nichts mit Krieg zu tun.

Sie fragen mich nach einem Weg? Es gibt einen anderen Weg: „ce ne pas ma guerre“!

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Burka, Kaftan, Kopftuch: so funktioniert Stigmatisierung

Bei daMax bin ich auf dieses youtube-Video gestoßen:

Es bestätigt meine Ansicht, daß Migranten vor allem unter dem kleinen, alltäglichen Faschismus leiden. Was ist das, der „kleine, alltägliche“ Faschismus?

Nun, viele Medien tun sich immer wieder durch enorm engagierte Berichte über die Neonazi-Szene hervor. Da wird dann darüber berichtet, daß es Prügel-Glatzen und Nazi-Aufmärsche gibt.

Natürlich ist das skandalös, aber mal ehrlich: um festzustellen, daß offene Gewalt gegen Afro-Deutsche verachtenswert ist, bedarf es nicht wirklich journalistischen Gespürs. Damit hat man sich nicht wirklich den Pulitzer-Preis verdient.

Die Presse soll doch eigentlich unbequem sein, oder nicht? Sie genießt genau dafür einen gewissen Schutz, das Privileg der Freiheit: um frei über heiße Eisen berichten zu können und damit die Funktion demokratischer Kontrolle ausüben zu können.
Sie legt sich an mit Mächten, oder zumindest sollte sie das.

Die Macht, die in obigem Video dargestellt wird, ist die der autochtonen Bevölkerung. Dieses Video ist der Beweis dafür, daß die Diskussion um Burka, Kaftan und Kopftuch von vornherein darauf ausgelegt war, Menschen zu stigmatisieren und vom gesellschaftlichen Leben auszuschließen. Das Gespenst von den „Parallelgesellschaften“ ist hier gezielt an die Wand gemalt worden und es hat seine Wirkung nicht verfehlt: Menschen verbinden negative Urteile gegenüber anderen allein aufgrund ihrer Kleidung.

Vor allem die kalte Souveränität, mit der sie über Migranten in deren Beisein reden (man beachte das Paar, bei dem der Mann bei ca. 1:17 sagt: „…und wenn er jetzt trotzdem einer (Terrorist, Anm. d. V.) ist, was machst dann?“), spiegelt die chauvinistische Haltung wieder. So, als wäre der Mann im Kaftan, der Mensch, über den die da reden, überhaupt nicht anwesend. Als wäre er ein Hund, über dessen Bösartigkeit man im Tierheim spekuliert. Oder ein gebrauchtes Auto, das evtl. kaputt ist, irgendwelche Mängel hat.

Das meine ich mit alltäglichem Faschismus. Ich habe so dermaßen oft erlebt, daß Leute in meinem Beisein Türkenwitze erzählt haben, ohne überhaupt zu merken, daß es mir nicht paßt. Und wenn es mal einer gemerkt hat, dann hat er gemeint, ich sei ja kein Türke, man habe nichts gegen Ausländer generell, aber die Türken, das sei natürlich schon eine besondere Art Nomadenvolk und deren Geschichte sei – man denke nur an das osmanische Reich – blutrünstig etc.

Klar, die deutsche Geschichte ist demgegenüber ausschließlich vom Pazifismus geprägt…

Jedenfalls sind Gewalttaten gegen Migranten zwar verachtenswert, aber erst der kleine, alltägliche Faschismus ist es, unter dem Millionen von Migranten in Deutschland (und ja, selbstverständlich auch in anderen Ländern) tagtäglich leiden. Diese Art des Faschismus ist so wirksam, gerade weil sie in sanften Worten daherkommt: man verteidigt ja nur die Demokratie gegen einen patriarchalischen Glauben, es geht ja um nicht von der Hand zu weisende Integrationsprobleme in einer postmodernen globalisierten Gesellschaft mit enormen Sozialausgaben und da ist ja auch noch der Terror usw.

Das alles interessiert die vielen Millionen braven, arbeitenden Migranten nicht. Sie bekommen die gleichen Vorurteile ab wie die wenigen kriminellen, und das allein aufgrund ihrer ethnischen Zugehörigkeit. Das beweist das Video.

Blogs, die sich aus anderer Perspektive ebenfalls mit dem Video beschäftigen:
daMax
politbloggger
Kinus Hoppe

„Integrationsverweigerer“ und „Deutschkursschwänzer“

tagesschau.de berichtet angesichts der Äußerungen Seehofers von einer statistischen Erhebung des Bundesamtes für Migration, die besagt, daß jeder fünfte Migrant den verpflichtenden Deutschkurs nicht besuche.

Überfliegt man das so, mag man an die eine oder andere Etikette denken, die Migranten hierzulande anhaften – Integrationsunwilligkeit, Kriminalität, Fanatismus gar. Sie blubbern aus dem Morast an Alltagswissen einfach so hervor, dafür kann man nichts. Die Medien haben mit voyeuristischen „Berichten“ auf RTL über ausländische Schulverweigerer oder das neuen Buch Sarrazins dafür gesorgt, daß man gar nicht anders kann, als daran zu denken. Egal, wie man dazu steht.

Was auch immer darüber gedacht wird, wie auch immer die Migration in Deutschland bewertet wird, eines scheint überall als Prämisse festzustehen: Deutschkenntnisse sollen eine zwingende Voraussetzung für Integration sein.

Darin liegt bereits inmplizit die erste Schuldzuweisung: all die vielen Migranten, die nach D kommen oder bereits hier leben und kein Deutsch sprechen, sind a priori „nicht integriert“. Und da sie selbst die einzigen sind, die Deutsch lernen können, ist dieser „Mißstand“ auch ihr eigener Fehler. Wer immer also nach Deutschland kommt und die deutsche Sprache nicht beherrscht (soll ja vorkommen…), wird also a priori schuldig gesprochen. In diesem Spiel kann man nur verlieren, denn niemand, außer diejenigen, die bereits hier aufwachsen, lernen Deutsch so, wie es die Deutschen sprechen – akzentfrei.

Dann kommt der gütige deutsche Staat her und „schenkt“ großzügigerweise den Migranten Deutschkurse, so, als wäre das etwas besonders Erstrebenswertes.

Darin zeigt sich eine extreme Form positiven Chauvinismus´: so inetwa fühlt sich eine Hausfrau, wenn sie eine neue Schürze geschenkt bekommt.

Weiter wirkt der Begriff „Schwänzer“ (ist inzwischen von der Hauptseite verschwunden, dürfte aber bald wieder auftauchen…) degradierend: erwachsene Menschen werden hier zu Schülern gemacht und die Lehrenden sind nicht etwas jene, die in den jeweiligen Kursen an der Tafel stehen, sondern die deutsche Gesellschaft.
Wie soll aus einem derartigen Statusgefälle Integration vorangebracht werden?

Und überhaupt: verordnetem Deutschunterricht liegt ein Verständnis von Integration zugrunde, das einseitig ist. Der Deutsche beherrscht seine Sprache ja bereits (was angesichts der umgangssprachlichen Gebrechen dieser Nation ja mal ein interessanter Untersuchungsgegenstand wäre…), der Migrant muß sie noch lernen. Daraus ergibt sich die Frage, wie gut jemand Deutsch sprechen können muß, bis er endlich „integriert“ ist. Meine befürchtung, die sich auf eigene Erfahrungen stützt, ist: nie. Egal, wie gut man Deutsch spricht, egal, ob man eine Arbeit hat oder gar die deutsche Staatsbürgerschaft besitzt, man bleibt immer anders – bestenfalls ein eingebürgerter Deutscher mit Migrationshintergrund. Will man heiraten, muß man die Einbürgerungsurkunde vorlegen, selbst, wenn man seit 20 Jahren einen deutschen Paß hat. Im Recht kommt hier symbolisch zum Ausdruck, was mir ein Mensch in Tuttlingen mal gesagt hat: „Einr fo uns wirsch du nia.“ – auf deutsch „Einer von uns wirst du nie.“.

Diese verordneten Deutschkurse werden von einem Teil der Migranten nicht wahrgenommen. Durch die Verordnung entsteht eine Pflicht, und kommt man dieser Pflicht nicht nach, ist man deviant, nur, weil man einen Sprachkurs nicht besuchen will. Diese Logik kann nur funktionieren, wenn man den Erwerb der Sprache als Indikator für Integration ansieht. Und genau das ist der Fehler: die Prämisse: „wer deutsch spricht, ist integriert“ bzw. „wer nicht deutsch spricht, ist nicht integriert / integrationsunwillig“. Wie wäre es mal, sich zu fragen, warum die Migranten daran nicht teilnehmen wollen? Könnte das vielleicht einen Grund haben?

Ich kenne massenhaft Menschen, die schlecht oder kaum Deutsch sprechen. Und keinen von ihnen würde ich als kriminell oder integrationsunwillig, faul oder gar fanatisch bezeichnen.

Dies wird nun aber immer leichter möglich sein, weil diese deutsche Gesellschaft eine Prämisse geschaffen hat, die jeden Migranten, der nach Deutschland kommt, a priori zum Delinquenten macht.

Ich sage das sehr selten, aber in dieser Sache sind uns die USA ein gutes Stück voraus: dort hat man lange schon erkannt, daß man Menschen integrieren kann, wenn man ihnen ihre Kultur läßt. Das Zauberwort heißt Wertschätzung.

Dreyer: Zuwanderungsdebatte ist schädlich

SWR: Malu Dreyer (SPD), neue Vorsitzende der Integrationsministerkonferenz der Länder, hält die Zuwanderungsdebatte für schädlich.

Es gibt sie also noch, die Integrationsbeauftragten, die diesen Namen verdienen. Hervorzuheben dabei ist der Passus, in dem Dreyer ein Argument anführt, das langsam in Vergessenheit gerät: die Diskussion um „integrationsunwillige“ Ausländer ist sachlich falsch.

Immer wieder zitiere ich u.a. die SINUS-Studie aus dem Jahre 2008 (Artikel von Wippermann / Flaig), die ein differenziertes Bild der Lebenswelten von MigrantInnen zeichnet und nach deren Lektüre mitnichten behauptet werden kann, sie seien integrationsunwillig.

Genau darum geht es: alle distanzieren sich von Sarrazin, aber allzu viele sagen, seine Wortwahl sei inakzeptabel, er spräche jedoch Wahrheiten aus. Aber genau das ist es ja: die Prämisse der „allgemein integrationsunwilligen, schlechtes Deutsch sprechenden“ Migranten ist nichts weiter als eine Mär.

Aber wenn man Migranten nur aus dem Schundfernsehen kennt, kommen einem diese einfachen Erklärungen natürlich gelegen.

Die meisten Menschen haben mit Migranten überhaupt nichts zu tun. Sie sehen sie vielleicht im Kaufhaus oder auf der Straße, aber vor allem kennen sie jene verzerrten Bilder aus RTL & Co.
Das allein gibt zwar ein trauriges Bild der Freizeitgestaltung ab, aber diese mag ja jedermanns persönliche Sache sein.

Daß man sich aber daraufhin eine Meinung über ganze Volksgruppen bildet und diese verdammt, daß man dieses ganze alltägliche Mobbing mit Türkenwitzen und -Verarschung und Etikettierung mitmacht, daß man sogar in der Lage ist, Gesetze zu beschließen, die eindeutig diskriminierend oder einfach nur lächerlich sind, ist nicht mehr nur einfach traurig, es ist eine Schande: weil man zu faul und fettärschig war, mit Andersdenkenden in Berührung zu kommen.

Manipulation bei der Tagesschau – to be continued…

Ich berichtete bereits hier darüber, daß die etablierte Presse sich nicht nur herausnimmt, getarnte Meinungsmache zu betreiben, indem sie artverwandte Themen nebeneinander platziert, sondern den Leser auch noch für blöd verkauft, indem sie diese Artikel nicht als Meinung / Kommentar, sondern als Bericht tarnt.

Nun wurde heute ganz groß über den Durchbruch im Gotthard-Tunnel berichtet. Dabei entflammte in den Kommentaren schnell der Streit um S21.

Dies versuchte dann die Moderation wie folgt zu unterbinden:

Thematische Ausrichtung der Kommentare
Fr, 15.10.2010 – 19:48 — Moderation

Sehr geehrte Meta-UserInnen,

bitte kehren Sie in Ihrer Diskussion zum eigentlichen Thema dieser Meldung – dem Schweizer Gotthard-Tunnel – zurück.

Vielen Dank.

Mit freundlichen Grüßen,
die Moderation

Darauf habe ich geantwortet:

Sehr geehrte Moderation,

bitte nehmen Sie zur Kenntnis, daß ihre eigene Redaktion nicht in der Lage ist, das Thema „Schweizer Gotthard-Tunnel“ vom Thema Stuttgart 21 zu trennen:

http://www.tagesschau.de/ausland/gottharddemokratie100.html

Weiteres Beispiel war die bewußte Platzierung eines wertenden Artikels (also eines als Artikel getarnten Kommentars) über den Umbau des Wiener Bahnhofs neben einer Meldung zu Stuttgart 21 am 02.10.2010, Screenshot hier:

https://feydbraybrook.wordpress.com/2010/10/02/manipulation-bei-der-tagesschau/

Ich stelle fest:

die Diskussion von artverwandten Themen ist für Sie erlaubt, für Ihre Kunden nicht. Enttäuschend.

Bin mal gespannt, ob die das überhaupt freischalten.

UPDATE:

Tatsächlich, die Moderation hat reagiert:

Sehr geehrter User FeydBraybrook,

wie Sie selber feststellen, gibt es eine Meldung, „Die Schweiz ist nicht Stuttgart“, in der eine vergleichende Diskussion sehr sinnvoll ist. Darüber hinaus befinden sich derzeit zwei Artikel allein zu „Stuttgart 21“ auf unserer Seite (und einige mehr lassen sich auf meta.tagesschau.de finden). Bitte haben Sie darum Verständnis, dass es in der Meldung, die explizit vom Durchbruch am Gotthard-Tunnel handelt, nicht ohne Referenz auf dieses Hauptthema um „Stuttgart 21“ gehen soll.

Mit freundlichen Grüßen,

Die Moderation

Meine Antwort:

Sehr geehrte Moderation,

ich denke, daß die Teilnahme Ihrer Kunden an einer Diskussion der beste Indikator dafür ist, ob das Maß an „Quer-Diskussionen“ erfüllt ist oder nicht. Offensichtlich herrscht hier ein Bedarf, der sich schwer in Bahnen lenken läßt.

Soweit ich das beurteile, haben Sie die meta-User mit Ihrer Intervention vor den Kopf gestoßen, da bisher keine Kommentare freigeschaltet wurden, die Ihren Vorgaben bzgl. der Thematik entsprechen.

Ich erkenne jedoch an, daß Sie sich inhaltlich mit meinem Kommentar befaßt haben.

Mit freundlichen Grüßen,

Feyd Braybrook

Den letzten Satz meine ich so, wie ich ihn schreibe. Und dennoch ist es unverständlich, wieso beispielsweise bei wirklich jedem Thema in bezug auf Migranten auch noch der fremdenfeindlichste Kommentar freigeschaltet wird.

Beispiel:

Integrationsbeauftragte Böhmer schlägt eine „Deutschpflicht auf Schulhöfen“ vor – ja, sie will tatsächlich verbieten, daß sich Migranten in der Schule in ihrer eigenen Sprache unterhalten dürfen.

Abgesehen davon, daß die Kultusminister der Länder dies ablehnen, sind die Kommentare der meta-User ziemlich peinlich. Auszug:

„Mit solchem Verhalten macht er (Kolat, der diesen Vorschlag rügt, Anm. FB) sich zum Handlanger derer, die Deutschland nur für die tollen Sozialleistungen bevölkern.“ (Bezug zum Thema?)

„Haben wir den gar keinen Stolz für unsere Sprache und Kultur?????????“ (Empörung über Kritik an Böhmer; Bezug zum Thema?)

„Deutschpflicht ist wie Schulpflicht“ (Bezug zur Logik?)

„Ich frage mich wann denn jetzt endlich auch die Glocken der Kirche abgehängt werden um Platz für einen Muezzin zu machen.“ (Bezug zum Thema?)

„Das Verbot würde zweifellos einen grossen Schritt zur Integration der Kinder bringen. Auch später die besseren Deutsch-Kentnisse einen höheren sozialen Standard ermöglichen. Es könnte also auch ein wenig Machterhalt bei Herrn Kolat mit spielen. Immigranten, die gut Integriert sind benötigen keine Immigrantenverbände mehr.“ (AUA!)

„Wenn aus den Kindern mit M-Hintergrund in Deutschland etwas werden soll, müssen sie unsere Sprache perfekt beherrschen. Sonst droht der übliche Kreislauf: kein guter Schulabschluss, keine Lehrstelle, Hass auf die „Besserbetuchten“ …“ (AUA!)

„Wir wurden auf dem Schulhof als „Scheiß Deutsche“ beschimpft und mit Backpfeifen belegt. Hallo?“ (Wußte garnicht, daß „Scheiß Deutsche“ Worte der türkischen Sprache sind…, Bezug zum Thema?)

Ja, ich weiß, daß es nicht nur eine Moderation bei der Tagesschau gibt. Aber als Konsument (ich könnte auch „Kunde“ oder „Gebührenzahler“ sagen) interessiert mich nicht, ob und warum die Tagesschau-Site keinen einheitlichen Stil bei der Moderation fährt.

Naja, jedenfalls ein klein wenig Absolution für die Mod des Gotthard-Tunnel- und Schimpf und Schande über jene des Deutschpflicht-Beitrages!

Nazis bei der Tagesschau

Gestern auf tagesschau.de

– dazu die Kommentare.

Natürlich habe ich mehrfach gegen die „Kommentare“ protestiert. Nachdem noch nicht mal einer meiner Kommentare veröffentlicht worden ist, habe ich nun dies an meta@tagesschau.de geschrieben:

„Liebe Redaktion,

Wenn tagesschau.de über das Treiben der Nazis in den neuen Medien berichtet,

und sich sogleich Kommentare auf diesen Artikel finden, deren Autoren sich zwar von „den Nazis“ abgrenzen wollen, gleichzeitig aber gegen Migranten hetzen („‚Rechts‘ ist politisch – ‚Nazi‘ ist Ideologie“, Mi, 25.08.2010 – 00:30 — Thorsten S.; „ob die jetzige Ausländerpolitik gut für unser Land ist“, Mi, 25.08.2010 – 00:12 — Käptn LeChuck; „weil die Politiker Probleme mit kriminellen Ausländern nicht thematisieren“, Di, 24.08.2010 – 23:30 — derliebsteunnetteste;),

und diese Autoren meinen, ein Aussparen oder eine vorsichtige Behandlung dieser Themen sei „falsch verstandene Toleranz“ und ein „Totschweigen“ derselben (Mi, 25.08.2010 – 09:03 — KapplerJung),

und diese Vorgehensweise der „sanften Rekrutierung“ (man ist ja kein Nazi, aber man dürfe doch sich selbst noch als Deutscher bezeichnen dürfen und man müsse ja Kriminalität von Migranten nicht gutheißen müssen)hier offensichtlich zugelassen wird,

frage ich mich,

warum die Redaktion der Tagesschau ihr doch sicher vorhandenes Interesse daran, den Mißbrauch eines an sich guten Artikels gegen das Treiben der Nazis im Netz zu verhindern, einerseits durch die Veröffentlichung eines politisch korrekten Artikels wie des vorliegenden zeigt

und andererseits genau diese „sanfte Rekrutierung“ durch all diese unkorrekten und empörenden Artikel nicht nur zuläßt, sondern de facto

fördert.

Schweigen ist Schuld, haben Sie das vergessen?

Ich lese auf tagesschau.de haufenweise Kommentare, die nationalistisches Gedankengut verbreiten.

Und es ist mir völlig egal, ob in einem Ihrer kleingedruckten Disclaimer-Blocks steht, daß Sie sich davon distanzieren – es ist bekannt, wie viele Leute den lesen.

Denn genau das beklagen Sie ja in ihrem Artikel: die Nutzung des Internets durch Nazis aufgrund der Analyse des Userverhaltens.

Aber vielleicht war das ja ein Versehen. Da ich nun aber bereits zum 3. Mal auf dieses Versehen hingewiesen habe und ich statt wenigstens eines meiner Hinweise haufenweise Hinweise auf die ach so bösen Migranten und die ach so bösen Politiker, die „das Problem“ angeblich ignorieren und somit offensichtlich selbst schuld an der Existenz von Nazis im Netz sind, lesen mußte, sehe ich mich gezwungen, mindestens die Redaktionsleitung (oder deren Leitung) auf dieses

„Versehen“

hinzuweisen.

Eventuell gibt es ja innerhalb der ARD irgendeine regulative Instanz. Außerhalb gibts es ja genügend.“

Meine Beschwerde an meta@tagesschau.de wurde wie folgt beantwortet:

„Sehr geehrter User FeydBraybrook,

vielen Dank für Ihren Hinweis. Die von Ihnen angeführten Kommentare widersprechen jedoch nicht unseren Richtlinien, die Sie unter http://meta.tagesschau.de/user/register einsehen können. Somit sind sie zulässig. Kommentare, die einen rechtsradikalen Ursprung vermuten lassen, werden nicht freigeschaltet.

Mit freundlichen Grüßen,

Die Moderation

tagesschau.de
Hugh-Greene-Weg 1
22529 Hamburg“

Darauf habe ich so geantwortet:

„Sehr geehrte Moderation,

vielen Dank für Ihre Antwort.

1. Ich habe in meiner heutigen Beschwerde nicht darum gebeten, irgendeinen Kommentar zu löschen. Ich habe lediglich meine Verwunderung darüber geäußert, daß meine Kommentare, in denen ich auf andere Kommentare Bezug nehme, nicht veröffentlicht werden.

2. Ob Sie meine Meinung zur „sanften Rekrutierung“ durch Neonazis teilen oder nicht, ist für eine Veröffentlichung meines Kommentars doch unerheblich, oder? Sie widersprechen m.E. nicht Ihren Richtlinien, die Sie unter http://meta.tagesschau.de/user/register einsehen können, und das dürfte das Einzige sein, was für eine Veröffentlichung erheblich ist.

3. Da Sie offensichtlich nicht gewillt sind, entsprechend Ihres öffentlich-rechtlicher Auftrages GEZ-Zahler wie mich partizipieren zu lassen, bitte ich Sie darum, mir mitzuteilen, wo ich mich

über Sie

beschweren kann.

Mit freundlichen Grüßen,

Name“

Bisher gab es keine Antwort.

Darum habe ich nun folgendes direkt an die ARD geschrieben:

„Sehr geehrte Damen und Herren,

Ich halte den Artikel „Neonazis setzen auf soziale Netzwerke“ auf tagesschau.de für wichtig und gelungen.

Leider ist es Nationalisten gelungen, die Kommentarfunktion ihres Online-Angebotes dafür zu nutzen, rechtsgerichtetes Gedankengut zu verbreiten.

Darauf habe ich mehrfach hingewiesen, dies wurde von der Moderation leider konsequent ignoriert. Einer meiner Kommentare ist auf meinem Blog heute dokumentiert und veröffentlicht:

https://feydbraybrook.wordpress.com/2010/08/25/nazis-bei-der-tagesschau/

Ich bitte Sie, mir mitzuteilen, was ihre Moderation daran hindert, meinen Kommentar freizuschalten.

Sollte das ein Mißverständnis sein, möchte ich mein Bedauern darüber zum Ausdruck bringen, daß selbst bei einer sofortigen Freischaltung der Schaden, den Kommentare wie diese:

„‘Rechts’ ist politisch – ‘Nazi’ ist Ideologie“, Mi, 25.08.2010 – 00:30 — Thorsten S.; „ob die jetzige Ausländerpolitik gut für unser Land ist“, Mi, 25.08.2010 – 00:12 — Käptn LeChuck; „weil die Politiker Probleme mit kriminellen Ausländern nicht thematisieren“, Di, 24.08.2010 – 23:30 — derliebsteunnetteste, „falsch verstandene Toleranz“, „Totschweigen“ von Problemen mit Migranten, Mi, 25.08.2010 – 09:03 — KapplerJung“

angerichtet haben, schwer wiedergutzumachen ist. Denn diese „Kommentare“ stehen (bis auf den letzten) seit gestern auf Ihrer Seite und zeichnen dem unbedarften Leser ein einseitiges Bild.

Wenn Sie das unbedingt stehen lassen wollen: warum können Sie nicht wenigstens einen Gegenkommentar dazu freigeben?

Mit freundlichen Grüßen,

Name“

Ich nehme an, da passiert auch nichts. Falls doch, wäre es schön und ich schreibe hier die Antwort.

Es ist einfach nur noch bittere Ironie: Die Tagesschau berichtet über die Nutzung des Internets durch Neonazis und in den Kommentaren toben sie sich dann aus.

Belgien will die Burka verbieten

In Belgien soll darüber abgestimmt werden, ob die ganze oder teilweise Verbergung des Gesichtes bis zur Nichtidentifizierbarkeit per Gesetz verboten werden soll. Auffällig dabei ist die breite Zustimmung im Vorfeld vom ganzen politischen Spektrum. Die Mitte und der rechte Flügel – naja, die Gründe dürften bekannt sein: Neo-Nationalismus – sind sowieso dagegen, aber die Linke sieht sich dazu aufgerufen, den Mangel an Feminismus durch die Unterstützung dieses Gesetzes auszugleichen. So, als würden jetzt alle bisher verschleierten Frauen durch dieses Gesetz „befreit“ werden … noch naiver gehts nicht mehr.

Bereits aus pragmatischen Gründen ist der Gesetzesentwurf höchst zweifelhaft. Es gibt im Leben eines Westeuropäers zig Situationen, in denen er die Voraussetzungen für den Tatbestand der ganzen oder teilweisen Verbergung des Gesichts erfüllt: Fasching, Winterkleidung, Motorradhelm usw.

Gerade das letzte Beispiel ist alles andere als aus der Luft gegriffen: es sollen sogar spätere Außenminister Deutschlands in diesem Outfit auf halbkrimineller Tour fotografiert worden sein.

Ebenfalls aus pragmatischer Sicht ist es immer wieder enttäuschend, wie sehr sich gerade das linke Spektum aus einer gutgemeinten pro-feministischen Position für diese in Mode gekommene Status-Grenzlinien-Ziehung mißbrauchen läßt. Ich bin zwar für basisdemokratisch orientierte Politik, aber ein wenig strategisches Denken muß schon sein – jeder, der sich wirksam von nationalistischen Kräften distanzieren will, sollte sich aus der Kopftuch- bzw. Burka-Diskussion heraushalten.

Soviel zur Frage des Pragmatismus.

Aus humanistischer Sicht ist dieser Vorgang erst Recht beschämend. Da wird die Verschleierung gleichgesetzt mit Integrations-Unwillen und womöglich Terrorismus-Nähe.

Wie soll denn das funktionieren?

Wer Terror betreiben will, wird sicher nicht in Nikab mitten über die Einkaufsmeile Brüssel spazieren, um dann einen Akt des Terrorismus zu begehen. Wie blöde kann der Westen sein?

Und wer sich nicht integrieren wollte (ich bezweifle, daß es so viele sind die das aktiv tun, siehe SINUS-Studie in der APuZ 5/2009: S. 8), würde es durch die Kriminalisierung einer religiösen Kleiderverordnung auch weiter nicht wollen.

Der Westen zeigt sich angesichts des Terrorismus hilf- und kopflos. Daraus folgt Aktionismus dieser Art.

Der Artikel auf tagesschau.de ist übrigens sehr differenziert geschrieben, was nicht mehr allzu häufig vorkommt in diesen Tagen.

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