Der Hobbit: Herr der Ringe Teil 0

Herr Braybrook, Sie haben sich den Film „Der Hobbit“ angeschaut. Wie fanden Sie ihn?

Es war ein durchwachsenes Erlebnis.

Erläutern Sie.

„Der Hobbit“ gilt zwar allgemeinhin als die Vorgeschichte zum „Herrn der Ringe“, war aber nie so konzipiert. Tolkien hatte längt beruflich als Professor für Sprachen in Oxford Karriere gemacht und sozusagen all das, was er bisher so an wunderlichen Geschichten erfunden hatte, in dieses Buch fließen lassen und natürlich angepasst. All diese Fragmente waren also noch nicht als zusammenhängendes Buch gedacht, und erst, nachdem „Der Hobbit“ ein Erfolg geworden war, hatte sich Tolkien entschlossen, etwas Größeres zu erschaffen. So schön „Der Hobbit“ als Buch auch ist, man merkt ihm das Collagenhafte an. Und das ist das Problem an diesem Film. Er springt von einer Begebenheit zur nächsten und das hat wenig Zusammenhang.

Das heißt aber auch, daß die Schuld nicht bei Peter Jackson, dem Regisseur zu suchen ist.

Ach so, ja klar: schuld ist das Buch…

Nein, aber Sie scheinen das typisch Episodenhafte von Fantasy nicht zu mögen und der Hobbit war nun mal eben ein Prototyp der Fantasyliteratur.

Nein und ja. Ich mag Fantasy durchaus, wenn sie schafft, was sie vorhat: mir glaubhaft eine andere Welt vorzugaukeln. Ob das dann in Episoden geschieht oder nicht, ist mir wurscht. Das hat der Hobbit als Buch ja auch geschafft, nur: Peter Jackson hat mit dem Film zweierlei versucht. Er wollte einerseits ein neues, großes Fantasy-Erlebnis schaffen und sich andererseits der Welt des J. R. R. Tolkien bedienen. Da ist der Hobbit eben das, was noch am nächsten am Herrn der Ringe dran ist, nur: es ist eben nicht der Herr der Ringe.

Der Hobbit gibt nun mal nicht mehr Ring-Mythos her als eben da ist. Es sei denn, Jackson erfindet es dazu. Das wiederum hätten die Tolkien-Fans ihm nicht verziehen, ganz so wie damals, als er Tom Bombadil aus dem Herrn der Ringe rausgelassen hat. Es gab ein riesiges Hallo allein deswegen, weil er etwas weggelassen hatte – wie wäre es erst geworden, wenn er etwas dazuerfunden hätte? Also hat er sich selbst eine Quasi-Legitimation erteilt, indem er frei Dinge aus dem Herr der Ringe in den Hobbit reingenommen hat, die zwar schon von Tolkien stammen, zum Zeitpunkt der Erscheinung des Hobbits aber eben nichts vorgesehen waren.

Ist doch gut: er verleiht der eher oberflächlichen Kost des Hobbit-Buches die Tiefe des Herrn der Ringe. Da kann es schon mal zu Ungereimtheiten kommen, aber das stört wahre Tolkien-Fans nicht, denn selbst Tolkien hat den Hobbit als Vorgeschichte zum Herrn der Ringe gesehen. Wie soll man auch sonst vorgehen, wenn man eine „Vorgeschichte“ verfilmt, die gar nicht als solche geplant war?

Es hat ihn ja niemand gezwungen, „den Hobbit“ zu verfilmen. „Der Herr der Ringe“ lebt ja besonders von seiner epischen Breite und der rote Faden mit dem Ring und seiner Verführungskraft hält das alles zusammen. Das kam in der beliebten Filmtrilogie natürlich auch rüber und man könnte sagen: das Buch war eine gute Steilvorlage.

Der Hobbit hingegen ist nicht auf einer Stufe mit dem Herrn der Ringe. Die guten Momente sind ja jene, in denen einem der große Zusammenhang mit dem Ring und seiner enormen Bedeutung für Mittelerde klar wird, aber diese Momente werden erst im Betrachter selbst konstruiert. Das Schlimme ist: man ist sich dessen bewußt, weil man beide Bücher und ihre Entstehungsgeschichte kennt. Und weil Jackson weiß, daß die Zuschauer das wissen, baut er die Epik nachträglich ein.

Ist es verboten, hier konstruktivistisch heranzugehen? Es funktioniert doch, ist doch egal, warum.

Das ist mein Problem mit dem Film: es funktioniert für mich nicht. Wenn ich ins Kino gehe – und glauben Sie mir, ich mag Fantasy! – dann muß der Film es schaffen, dieses „ist doch nur ein Film“ – Gefühl sozusagen wegzuzaubern. Ich hingegen habe gealterte Schauspieler gesehen, die aber eine Geschichte vor den Ereignissen der Trilogie darstellen. In dem Moment wird mir das ganze Konstrukt bewußt. Ich sehe nicht Elrond, der mit Galadriel, Saruman und Gandalf in Bruchtal redet, ich sehe Hugo Weaving mit massig übertünchten Falten, Cate Blanchett mit gealtertem Gesicht und Ian McKellen mit noch mehr Falten. Bei Christopher Lee hingegen haben sie die Haut per CGI ganz gut hingekriegt. Aber das rettet die Situation nicht, die sowieso nicht im Buch vorkommt.

Das Alter der Schauspieler ist nicht das wirkliche Problem. Es ist eine Art Mitleid, die man mit Peter Jackson empfindet. Der scheint da wirklich tief drin zu stecken in der Materie. So sehr nämlich, daß der kindliche Wunsch nach einem 4. Teil des Herrn der Ringe zu diesem Hobbit geführt hat. Da steckt so viel Wille darin, aber leider ist da nicht viel mehr als der Wille. Und der Versuch, das tiefer mit der Epik zu verweben, kann als gescheitert angesehen werden, schlimmer noch: ich behaupte, „Der Hobbit“ wäre besser geworden, wenn man das Ganze ohne die Einbettung in die Epik gemacht hätte.

Sie hatten also keinen Spaß?

Doch schon. Abgesehen von meinen Einwänden ist es ein gut gemachtes Fantasy-Szenario.

Sie verwirren mich. Das klingt ja so, als wüßten Sie eben doch nicht, ob ihnen der Film gefallen hat.

Ich fürchte, ich kann Ihnen da keine klare Antwort geben. Der Film ist OK und ich habe ihn gesehen, weil der Hype so groß war. Aber weil sich der Hype auch auf den Tolkien-Mythos begründet und dieser allgegenwärtig ist, kritisiere ich ihn in bezug darauf. Das will er ja auch. Peter Jackson hat genau gewußt, woran er sich wagt.

Jetzt tun sie mal nicht so, als wäre er dazu nicht in der Lage. Immerhin hat er den Herrn der Ringe verfilmt und das alles andere als schlecht.

Er scheitert an dem Denkmal, das er sich selbst gesetzt hat. Warum läßt er das nicht so, wie es war? Das erinnert mich irgendwie an diese ganzen Rockbands, die ihre größten Hits erneut im klassischen Gewand aufnehmen. Das verkommt zum furchtbarsten Kitsch, den man sich vorstellen kann. Ich kann mir schon vorstellen, daß Peter Jackson, überwältigt vom Erfolg der Filmtrilogie, im Nachhinein noch tausend Dinge anders machen wollte. Aber genau dieser Verführung darf man nicht erliegen.

Aber Peter Jackson hat doch nicht die Trilogie bearbeitet. „Der Hobbit“ ist ein völlig neuer Film.

Ich fürchte nicht. Der Hobbit an sich ist aus dem Wunsch entstanden, einen 4. Teil des Herrn der Ringe zu machen. Alle wollten das. Peter Jackson ebenso wie die Fans. Aber das muß man sich verkneifen. Es gibt keinen Herrn der Ringe Teil 4. Tolkien hat seine gute Idee mit dem Ring sowieso schon ausführlichst verwurstet, mehr war eben nicht. Man kann es natürlich versuchen, aber das Ergebnis trübt den Eindruck eher als dass es ihn bereichert.

Und trotzdem haben sie es gesehen?

Ich habe es streckenweise sogar genossen. Ich weiß, was ich ausblenden muß und ob dann noch genug übrigbleibt, um zu sagen: „hat sich gelohnt“.

Also hat es sich gelohnt, den Film zu sehen?

Teilweise.

Sie regen mich auf. Sie wollen doch allen nur den Film vermiesen!

Tut mir leid, wenn ich Sie aus ihrem Kindertraum erweckt habe, aber glauben Sie mir: es wird noch andere Fantasy-Kino-Erlebnisse in Ihrem Leben geben und dann wird „Der Hobbit“ vergessen sein.

Navy Seals – Team America

Die Tagesschau hat die Satire nicht verlernt:

BOOOAAAAHHH!!! Die NAVY SEALS sind ja sooo hart und ein solches Einsatzteam hat BIN LADEN GETÖTET!!! WHOAAAAAH (heißt auf englisch: BOAAAAAH!). So hart – Männer, die durchs Feuer gehen, Männer, die nach innen weinen – und vermutlich auch bluten, falls sie es überhaupt irgendwann tun… FALLS SIE ÜBERHAUPT BLUT HABEN!!!

Das erinnert mich an folgenden Film, den ich jedem nur wärmstens ans Herz legen kann: Team America

Das ist nur der Anfang – dieser Film ist eindeutig für Erwachsene, auch, wenn es ein Marionetten-Film ist – aber Amerika und Marionetten, das hat schon so gewisse Parallelen…

Ganz toll auch folgender Kommentar von obigem Screenshot (Auszug):

Die USA befinden sich nach eigener Definition mit Al Kaida im Krieg, und Al Kaida mit den USA. Und in einem Krieg herrscht Kriegsrecht, daraus könnten die Amerikaner ein Tötungsrecht für Bin Laden ableiten, auch wenn internationale Rechtsexperten diese Interpretation kontrovers beurteilen.

Meine Antwort:

Ethik bedarf der Logik.
Fr, 06.05.2011 – 21:49 — FeydBraybrook

Herr Kastan schreibt:

„Die USA befinden sich nach eigener Definition mit Al Kaida im Krieg, und Al Kaida mit den USA. Und in einem Krieg herrscht Kriegsrecht, daraus könnten die Amerikaner ein Tötungsrecht für Bin Laden ableiten, auch wenn internationale Rechtsexperten diese Interpretation kontrovers beurteilen.“

Wie kann man doch irren. Der Logik dieser Passage folgend könnte die sich ebenfalls in diesem Krieg befindende Al Kaida ein Tötungsrecht für ihre Ziele ableiten.

Den Passus wollen wir dann doch mal ganz schnell wieder vergessen.

Ghostbusters III in der Mache!

Na gut, daMax wird mich dafür vielleicht hassen, aber ich kann nicht umhin, es gut zu finden:

Ghostbusters 3 – die Fortsetzung ist in der Mache. Und das heißt natürlich, daß die früheren Schauspieler wieder dabei sind, so wie es sich gehört.

Ich erwarte ein Spektakel an Selbstverarschung á la Rocky Balboa, wobei das ja bereits im zweiten Teil der Fall war und aufgrund der Regie durch Ivan Reitman zu erwarten ist. Und auch, wenn ich normalerweise von CGI-Kino alles andere als begeistert bin, freue ich mich auch auf die Optik des Films.

Dazu möchte ich eine meiner Lieblingsszenen hier anbringen:

Wüstenplanet vs. Avatar

Hab grad Avatar gesehen und fands OK. Wieso nur OK?

Also: eine Riesen-Story habe ich nicht erwartet. Bei einem Fantasy-Science-Fiction-Film kommt es natürlich auf die Detailliertheit der Umgebung an. Diese ist besonders optisch gelungen. Am besten kommt das Ambiente jedoch rüber, wo sich Cameron des Backgrounds von Naturvölkern bedient. Jedoch kommt das nie über einen gewissen Grad an Genauigkeit heraus.

Beispiel: die große Mutter – nun ja, die gibts in vielen Naturreligionen. Da hätte sicher keiner was dagegen gehabt, wenn er sich einer ganz bestimmten pantheistischen Vorstellung der Muttergottheit eines konkreten Volkes und deren Sinnzusammenhang bedient hätte, anstatt durch Verallgemeinerung (es muß ja einer breiten Masse gefallen) zu gewährleisten, daß auch wirklich der Ungebildetste versteht, worum es beim Pantheismus geht. So ist also die Rede von der großen Mutter und keiner weiß so richtig, was sie eigentlich ist. Das soll auch keiner, denn Massenkino lebt oft von archetypischen Andeutungen und dem Rest, den jeder selbst mit seinen Gedanken ausschmücken soll. Mir jedenfalls ist das nicht genug. Mal ehrlich, da funktioniert die Erklärung dessen, was „die Macht“ ist / sein soll, bei STAR WARS aber um einiges besser.

Noch ein Beispiel: Unoptanium gibts in großen Mengen auf einem Mond des Planeten Polyphemus. Deshalb ist die halbe Menschheit natürlich heiß auf das Zeug und schickt Gerätschaften zum Abbau und Soldaten zur Sicherstellung desselben. Das stört natürlich die Ureinwohner, die Na´vi. Diese Humanoiden sind den Menschen körperlich überlegen, letztere jedoch haben natürlich ihre Technik und setzen sie skrupellos ein, um den Mond auszubeuten.
Tja, so was ähnliches hatten wir im Wüstenplaneten ebenfalls. Und dort hat es mir auch viel besser gefallen, weil die Motive und das Verhalten der gegnerischen Seiten genauer dargestellt wird. Die Fremen sind nicht einfach eine Art Indianer – sie haben zwar eine archetypische Kultur, aber auch eine den Anforderungen des Lebens auf dem Wüstenplaneten entsprechend angepaßte hochentwickelte Technik (z.B. die Wüstenanzüge). Das macht die Sache viel spannender als der 100. Aufguß von Cowboys gegen Indianer.

Zu den weiteren Parallelen Paul vs. Feyd = Jake vs. Col. Miles oder Zähmung des Toruk = Zähmung des Shai Hulud oder Raumfahrergilde/MAFEA = RDA-Konzern könnte man noch mehr sagen. Jedoch ging es Cameron sicher nicht um eine getreue Kopie. Ebenso macht es mir auch nicht allzu viel aus, wenn ein Plot so offensichtlich geklaut ist. Dann muß es aber auch funktionieren, und so richtig funktionierts eben erst, wenns mich umhaut.

Hat es aber nicht. Es ist eine Schau, was da optisch vor sich geht. Damit meine ich übrigens nicht nur den Realismus, sondern auch die Kamera. Das hat schon was, wie Col. Miles am Ende dieses seltsame Vieh im „Rückspiegel“ seines Walkers auf sich zukommen sieht.

Das allerwichtigste Argument gegen eine höhere Bewertung dieses Filmes ist jedoch der Schluß. Nehmen wir mal die Klobigkeit in der Story so dahin. Gehen wir davon aus, daß Cameron tatsächlich gelingt, was er vorhatte: den Kampf um Ressourcen als Grund für die Feindschaft zwischen Völkern und vor allem dessen Überwindung darzustellen. Was lernen wir aus dieser Geschichte? Wie wird diese Allegorie, die sich einem ja geradezu aufdrängt, aufgelöst? Was steht auf der letzten Seite dieses Buches?

Das:
die Na´vi entledigen sich der gewalttätigen Bedrohung durch Anwendung von Naturgewalt. Die Wende im Film ist der Eingriff der Muttergottheit, die ihre Kinder (also die ganzen Viecher) als Verbündete der Na´vi in den Kampf gegen das feindliche Militär schickt. Das ist also die Lösung unserer Probleme: wir beten um einen Messias, der – anders als Jesus Christus – als Antwort auf die Gewalt die Gegengewalt bietet. Es gibt kein friedliches Auskommen. Es gibt nur Gut und Böse und die Guten müssen einfach nur stärker als die Bösen sein, ansonsten gehen sie drauf. Tja, da widerspricht der Film aber seiner eigenen Logik, denn nichts würde die Menschen daran hindern, mit einer 200-fachen militärischen Gewalt auf den Planeten zurückzukehren und alles Leben auf dem Planeten auszulöschen. Nein, das kann nicht die Lösung sein, aber genau das wird einem bei diesem Film angeboten und darauf fällt man nicht wirklich rein.

Avatar ist trotz vieler oberflächlich angerissener Gedanken wie der Ausbeutung der Natur und der daraus resultierenden kriegerischen Expansion vor allem Effekthascherei. Und die allein reicht mir nicht für einen 2. Besuch. Also: irgendwann mal auf DVD und bis dahin eben noch mal den Wüstenplaneten in der Ext. Edition angeschaut…

…leid für Swayze, echt.

Ich hatte das mit dem Bauchspeicheldrüsenkrebs mal irgendwo gelesen und dann aber wieder verdrängt. Und dann ist es halt doch passiert:

Patrick Swayze ist tot

Nicht, daß ich „Dirty Dancing“ gemocht hätte. Auch „Ghost – Nachrichten von Sam“ hat mich nicht wirklich zu einem Swayze-Fan gemacht. Selbst „Fackeln im Sturm“, das wir ja irgendwie alle gemocht haben (außer vielleicht die 2., 3., xte Staffel) konnte nicht dafür sorgen, daß ich mein Dick&Doof-Poster für Swayze geräumt habe, und Fackeln im Sturm war ja jetzt mal ein gutes Epos (trotz des Schmonzetten-Alarms).

Aber so Leute wie Swayze bleiben präsent und das ist immer irgendwie tragisch. Warum? Naja, Präsenz ist Wahrnehmung, und ein Tod, der wahrgenommen wird, ruft sich (leider) deutlicher ins Bewußtsein als blanke Zahlen in Krebs-Statistiken.

Der Nachteil am Relativieren ist aber das Signal einer gewissen Gefühlskälte. Man kann bei jedem an Krebs verstorbenen Prominenten den Kollektiven Pseudo-Trauer-Tourismus anprangern und an die vielen Millionen Krebstoten erinnern oder einfach mal R.I.P. sagen. Mach ich hiermit. Tut mir leid für Swayze, echt.

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