Ökumene ist nicht Konversion

Mir kommt die wiederholte Anmahnung der Ökumene widersprüchlich vor. Da haben sich Menschen (wenn auch durchaus zurecht!) vor hunderten von Jahren von einer Institution abgespalten, weil sie Praxis (Verquickung von Kirche und Politik und somit Korruption) und Theorie (Glaubensfragen, bspw. Ablaßhandel usw.) abgelehnt haben.
Daraufhin fanden freiwillig und unfreiwillig Reformen innerhalb der Kirche statt, während sich aus der abgespaltenen Gegenbewegung eine eigene Bewegung, die evangelischen Kirchen entwickelt hat.
Und nun erwarten manche evangelischen Gläubigen, daß die katholische Kirche die Ökumene wieder herstellt, aber das geht eben nicht. Mehr ist einfach nicht drin. Die kath. Kirche ist einen weiten Weg gegangen, hat sich von innen heraus reformiert und tut dies auch weiter (wenn auch etwas langsam für meinen Geschmack). Aber das ist keine Schulaufgabe, bei der heute schon klar ist, daß irgendwann, wenn die Katholiken mal so weit sind, der Zölibat einfach so fallen oder die Scheidung als eben OK und die Abtreibung als vertretbar angesehen werden wird.
Die Position, die die Kirche zu diesen Fragen hat, ist bewußt gewählt. Sie hat sich sehr genau damit befaßt und es ist irgendwie unverschämt, wenn Leute so tun, als wäre ihr Standpunkt eine Art Denkfehler, der nur noch einzusehen ist. Die Kirchenspaltung ist nicht von der katholischen Kirche hergestellt worden und dennoch sucht sie den Dialog.
Die Ökumene ist doch eigentlich schon da – es gibt eben pluralistische Auffassungen über das Christentum und daß der Papst so offen das Gespräch sucht, ist ein Zeichen dafür, daß man sich nicht in jedem Detail einig sein muß und gleichzeitig Wert auf die Unterschiede im Detail legen darf und trotzdem miteinenander reden kann. Das müssen demokratisch gesinnte evangelische Christen schon aushalten. Oder anders ausgedrückt: so, wie die Ökumene von manchen formuliert wird, wäre sie nichts weiter als Konversion.

Hier noch ein interessanter Artikel zum Thema.

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Interview: Feyd und die Kirche Teil II

Sie haben immer noch nicht gesagt, weshalb wir heute noch eine Kirche brauchen.
 
Sie ist das Dach über dem Kopf der Gemeinde. Solidarität entfaltet sich erst in Gemeinschaft. Es gibt aber noch eine andere Komponente. Ob Sie´s glauben oder nicht, aber beten macht in der Gemeinschaft stark.
 
Kompanien marschieren in Gemeinschaft für den Krieg.
 
Und die Gläubigen beten in Gemeinschaft für den Frieden.
 
Das hält Saddam Hussein nicht auf.
 
Sicher hat letztlich nur der Irak-Krieg dazu geführt, Saddam Hussein zu fassen. Aber war das eine ethisch richtige Entscheidung? Hat der Krieg die Region befriedet, den Menschen zu einem besseren Leben verholfen?
 
Wenn Sie die Exil-Irakis fragen, die vor Husseins Staatsterror fliehen mußten, werden Sie ein klares „Ja!“ erhalten.
 
Nur ist das nicht die einzige Folge dieses Krieges. Zählen Sie die Leichen auf dem Weg zu dieser Folge. Und überhaupt: was gibt Ihnen das Recht, Weg und Ziel einseitig zu definieren? Indem man den Krieg zugesteht, Mittel zum Zweck zu sein, muß man ja nur noch den Zweck positiv formulieren, und schon kann man die Mittel heiligen. „Weil man dadurch den bösen Hussein beseitigen konnte, war der Krieg heilig.“ – tote irakische Soldaten sind eine Folge, kein Mittel. Sie sind die Realität, die nicht unter den Tisch gekehrt werden kann. Ihre Familien sind genauso von ihrem Tod betroffen wie kene von US-Soldaten. Welchen Unterschied macht das?
 
Sie gehen davon aus, daß der Mensch schlecht ist: weil man in der Politik überhaupt nur erst bestehen kann, wenn man schlecht handelt – was man als Christ ja nicht darf…
 
…soll…

also gut: soll, sollte man von der Politik als Christ am besten die Finger lassen.
 
Ich sagte es bereits: sein Reich ist nicht von dieser Welt. Es gibt sicher redliche Politiker oder politische Entscheidungen, aber verantworten muß man sie erst vor Gott.
 
Ich nehme an, Stalin und Hitler haben nicht an Gott geglaubt. Das hat ihnen ihr Werk leicht gemacht, weil sie sich ja vor niemandem verantworten mußten.
 
Ich bin mir sicher, daß sie das nach ihrem Tod mußten.
 
Vor Gott, klar. Das hilft Millionen ermordeter Juden nicht.
 
Aber die Verantwortung vor Gott ist das einzige, was einen Menschen überhaupt davon abhalten kann, bei etwas wie dem Holocaust mitzumachen. Wenige gab es, die sich gegen Hitler gestellt haben. Die meisten haben sich ihre Legitimation außerhalb der Religion geholt. Pater Maximillian Kolbe ist im Hungerturm gestorben. Ihm war klar: ich kann das vor Gott nicht verantworten. Wir können uns nicht aussuchen, in welchen Zeiten unter welchen politischen Umständen wir leben. Wir können nur darüber nachdenken, was gut und was schlecht ist und dann ist es an uns, uns zu entscheiden – völlig unabhängig davon, auf welcher „Seite“ wir stehen. „Seiten“ gibt es nur zwischen menschlichen Kontrahenten. Gott steht für all das Gute, woran wir glauben. Das hat eine ganz andere Qualität als die vom menschlichen Bewußtsein erschaffene Rechtfertigung für „richtiges“ Handeln.

Es gab im Gegensatz zu Maximillian Kolbe etliche in der Kirche, die die Nazis nicht gestoppt, teilweise sogar offen unterstützt haben.
 
Ja, die gab es. Auch in der Kirche. Und selbstverständlich auch außerhalb. Aber die Kirche ist nicht dazu da, diese Welt zu retten. Eine ihrer – nicht-exklusiven – Aufgaben ist die Auslegung der Bibel. Diese wiederum ist die Schnittstelle zwischen der universellen Wahrheit des Evangeliums und den Anforderungen dieser Welt.
 
Und sie ist unfehlbar.
 
Nein. Das Wort Gottes, das Evangelium ist unfehlbar. Bei dessen Interpretation können selbstverständlich Fehler unterlaufen.

Dieses Unfehlbarkeits-Zeug ist für aufgeklärte West-Europäer schwer einzuordnen.
 
Entweder glaubt man an einen Gott oder man glaubt an die naturwissenschaftliche Erklärung des Gottesbegriffs. Der Gedanke, einerseits an eine übernatürliche Kraft zu glauben, die eine Ordnung vorgibt und andererseits natürliche oder besser: naturwissenschaftliche Erklärungen für sie zu finden, ist geradezu lächerlich. Man kann nicht an Gott glauben und das Phänomen Glaube (meist psychologisch) zu erklären versuchen, man kann an Gott glauben und dasselbe tun, man kann aber nicht an Gott glauben und ihn für einen Teil dieser Welt halten, der lediglich quantitativ verschieden von uns, ansonsten aber denselben Gesetzen unterworfen ist.

Was glauben Sie, ist der Grund dafür, daß die Leute es dennoch tun?
 
Wir haben Freiheit zum neuen Glauben erhoben. Der autonome Mensch steht im Mittelpunkt allen Denkens. Da paßt es nicht rein, daß es womöglich eine höhere Ordnung gibt, der er unterworfen ist. Wir akzeptieren ja kaum noch die physikalischen Grenzen unseres Seins, beispielsweise im Sport, wo Doping in Kauf genommen wird, um immer noch mehr Leistung zu bringen, aber auch in der Raumfahrt oder der Computertechnik. Dieses Denken prägt uns und wir übertragen es auf die Moral: der Mensch kann alles und immer mehr, er soll auch alles dürfen können. Ein Gott, dessen Gesetze dieses Prinzip einschränken und der Grenzen aufweist gefällt uns nicht. Eher schon ein Gott, der selbst Grenzen unterworfen ist und den wir lediglich deshalb vergöttert haben, weil wir ihn bisher nicht durchschaut haben. Es gab in den 90ern einen Roman, „Ein Mensch namens Jesus„, in dem viele seiner Wunder naturwissenschaftlich erklärt worden sind. Die Leute haben es gekauft wie die warmen Semmeln.
 
Was spricht dagegen, daß jeder selbst entscheiden dürfen soll, ob er an Jesus als Mensch, an Jesus als Gott oder gar nicht an Jesus glauben soll?
 
Nichts. Wir haben die Religionsfreiheit. Jeder kann doch denken, was er will. Gerade deswegen verstehe ich nicht, wieso Menschen sich von der Kirche eingeschränkt fühlen. Wer es nicht glaubt: nur zu. Wer aus der Kirche austreten will: bitteschön.

Warum wird man da eigentlich reingeboren und muß dann erst umständlich austreten?

Die Eltern haben das Recht, ihr Kind entsprechend ihrer Wertmaßstäbe zu erziehen. Wenn sie es taufen lassen wollen, ist das ihr Recht und selbstverständlich auch sinnvoll. Bevor Sie das ungerecht finden, bedenken Sie, daß das für alle anderen Bereiche auch gilt, z.B. politische Einstellungen, Kulturtechniken und Symbolsysteme – sie bekommen sie quasi in die Wiege gelegt und sie brauchen eine ganze Weile, das einerseits zu verinnerlichen und sich andererseits davon zu distanzieren.

Sozialisation?

Sie sagen es.

Die findet doch längst durch das Fernsehen und die Clique statt.

Auch das ist eine unkorrekte Annahme. Neben Fernsehen und Peer Group findet Sozialisation nach wie vor auch in der Familie statt, zumindest bis zu einem gewissen Alter. Die grundlegende Erziehung von Beginn an mit aller Pflege und familiären Nähe erledigen die Eltern üblicherweise von alleine und dazu gehört eben auch die Vermittlung von Werten – meist durch das Vorleben in der Familie. Der Staat kann und will das nicht machen.
Zum „umständlichen Austritt“: Sie gehen mit Ihrem Perso zum Standesamt oder Amtsgericht. Dort füllen Sie ein Formular aus, bezahlen eine Bearbeitungsgebühr und lassen dies auf Ihrer Lohnsteuerkarte vermerken. Die Kirchensteuer wird wie jede andere behandelt und diese Prozedur gilt für alle anderen steuerlichen Änderungen.

Na schön, aber warum bin ich zwangsweise Mitglied?

Sind sie nicht. Wenn Ihre Eltern Sie getauft haben, sind sie bis zum Austritt Mitglied und sollten Sie als Mitglied dann einkommensteuerpflichtig werden, werden auch Kirchensteuern abgebucht – aber auch das läßt sich ändern. Der einzige Weg, das zu verhindern, wäre, Eltern zu verbieten, ihr Kind zu taufen.

Der Staat sollte das tun, denn Eltern greifen hier in das Persönlichkeitsrecht des Kindes ein.

Sie bekommen von Geburt an die Staatsbürgerschaft ihrer Eltern. Das wäre Ihrer Logik nach auch ein Eingriff in das Persönlichkeitsrecht seitens des Staates. In Wirklichkeit werden sie dadurch Träger von Rechten, die Sie schützen. Es ist ein Recht, Werte vermittelt zu bekommen, weil man ohne sie orientierungslos ist.

Das ist nicht das Gleiche. Durch die Taufe werde ich Träger von Pflichten, die ich nie wollte.

Ich könnte sagen: „So ist das eben mit den Pflichten, man kann sie sich nicht aussuchen.“, aber das wäre natürlich etwas fies dahergesagt. Ein wahrer Kern steckt hingegen schon drin: wenn Werte für einen Staat unabdingbar sind und diese demnach in der Familie vermittelt werden sollen, muß dies auch für die Vermittlung religiöser Werte gelten sollen. Diese Aufgabe gibt der Staat den Eltern vertrauensvoll in die Hände, weil er, der Staat, um seine Beschaffenheit als Konstrukt weiß. Weiter wäre die Bandbreite der möglichen zu vermittelnden Werte derart mannigfaltig, daß eine Ausformulierung zu schwammig wäre – sie würde einfach alles beinhalten und nichts aussagen.
Und angenommen, keiner wollte die Kirchensteuer mehr bezahlen: wer sollte denn die ganzen sozialen Dienste betreiben, die durch den Wegfall der Kirchensteuer wegfielen?

Die Kirche steckt einen Großteil in die eigene Tasche und das meiste am Kindergarten zahlt der Staat.

Ein Pfarrer ist nun mal ein Amtsträger in der Kirche. Haben Sie sich den Terminkalender eines Pfarrers mal angesehen? Vielleicht verstehen Sie dann, warum der Zölibat – egal, wie man zu ihm steht – auch Freiräume schafft. Stellen Sie sich vor, ein Pfarrer hätte eine Familie zu umsorgen… Jedenfalls ist das ein Haufen Arbeit – soll die unbezahlt bleiben? Dazu kommt eine Menge an Verwaltungsarbeit innerhalb kirchlicher Einrichtungen – vielleicht gibt es irgendwann mal Programme, die so etwas automatisch tun, im Moment geht das nicht ohne Menschen. ErzieherInnen, AltenpflegerInnen – kurz: 1 Million Beschäftigter im kirchlichen Dienst in Deutschland müssen bezahlt werden. Und dann sind noch lange nicht die Kosten für Verpflegung der Kindergartenkinder und Immobilien bezahlt. Und abgesehen davon machen das fast alle so. Die Leistungen werden öffentlich ausgeschrieben und die Träger Sozialer Arbeit bewerben sich darum. Das hat für den Staat den Vorteil, daß er sich nicht um Dinge kümmern muß, von denen er wenig bis nichts versteht. Die Träger haben Know-How und sind vor Ort. Das ist unbezahlbar. Das macht der Pari genauso wie die AWO.

Warum braucht die Kirche Immobilien?

Sollen die Kindergärten jetzt auf der Straße gehalten werden?

Mir wäre es lieber, der Staat würde selbst Soziale Arbeit tun.

Er tut es, und es ist ihm schon lange ein Klotz am Bein. Das Subsidiaritätsprinzip geht davon aus, daß der Staat sich nicht in die Belange von Bürgern einmischt – weil dieBürger sowieso besser in der Lage sind, für ihre Belange einzutreten. Da die Kirche seit Jahrhunderten Soziale Arbeit tut, hat sie ein enormes Know-How entwickelt, das von Generation zu Generation weitergegeben wird. Dazu kommt eine funktionierende Organisation und Verwaltung. Und glauben Sie mir: reich wird die Kirche dadurch nicht. Um es genau zu sagen: niemand würde diese Jobs freiwillig und nach wirtschaftlichen Maßstäben machen. Sie rechnet sich einfach nicht. Soziale Arbeit ist eigentlich was für „Verrückte“ – oder eben Menschen, die aus Überzeugung in Kauf nehmen, damit nicht reich zu werden. Wenn Sie die Religionen abschaffen würden, gäbe es keine Caritas mehr.

Mitleid schafft ein Abhängigkeitsverhältnis.

Mitleid war der Ursprung der Sozialen Arbeit, er ist es auch heute noch bei vielen Menschen. Aber so, wie diese sich professionalisieren, tun es auch die kirchlichen Verbände. Und sie haben zur Professionalisierung beigetragen. Denken Sie, die ganzen Erkenntnisse der Sozialen Arbeit seien außerhalb des professionellen Umfeldes der Kirchen entstanden? Es gibt Dutzende katholischer Universitäten, die einen guten Ruf besitzen.

Zurück zu den Protesten: 20000 Menschen haben in Spanien öffentlich bekundet, nicht an Jesus zu glauben.
 
Hunderttausende haben das Gegenteil bekundet. Wieso berichten die Medien weit mehr über die Gegendemonstration als über den eigentlichen Event?
 
Weil die Mehrheit für das Etablissement steht. Davon ist genug in den Medien.
 
Das Gegenteil ist der Fall: nirgends weht der Kirche ein eisigerer Wind ins Gesicht als in Deutschland und dennoch tut man hierzulande so, als müsse man sie völlig demontieren. Dabei ist kaum noch etwas da, was man abschrauben könnte. Das Etablissement, von dem Sie reden, ist hierzulande extrem kirchenfeindlich. So sehr, daß man Berichte über den sehr gute besuchten und äußerst erfolgreichen Weltjugendtag für Anti-Kirchen-Propaganda zurechtbiegt.
 
Die Online-Präsenz der Tagesschau berichtete wahrheitsgemäß über Proteste.
 
Und sie verschwieg die Begeisterung hunderttausender junger Menschen. Sehen SIe nicht, daß das Methode hat? Da wird das ganze Jahr über wirklich jede Gelegenheit genutzt, die Kirche fertig zu machen und es gibt ja auch genügend Futter dafür, u.a. das schwindende Interesse der Jugend an Religion und Kirche – hierzulande. International betrachtet steht die Kirche mitnichten so negativ da wir in Deutschland. Das zeigt sich beim Weltjugendtag. Und das ist der Journaille ein Dorn im Auge. Also schreibt man über die im Vergleich winzige Gegendemonstration und will „Der Papst ist ein Nazi!“ gehört haben – selbst, wenns stimmt, bezeugt das doch das Boulevard-Niveau, das bei der Tagesschau kultiviert worden ist. Zurufe werden zum Inhalt eines angeblich seriösen Berichtes. Wer hat das gerufen? Warum? Was bedeutet es? „Nazi“ – das ist ein bestimmter Begriff, der gerade in Deutschland und in bezug auf Deutsche eine ganz bestimmte Bedeutung inne hat. Das einfach so unkommentiert und ohne jeden Zusammenhang in den Bericht zu schreiben, ist nichts als Hetze. Im besten Fall hieße es, der Papst werde von den Spaniern bzw. den spanischen Gegendemonstranten für einen Nazi gehalten – das wäre einer Meldung wert. Aber es war ein einzelner Zuruf, den der Redakteur gehört haben will. Dann kann er auch die anderen Beschimpfungen in den Artikel schreiben, derer es sicher viele gibt. Aber ist das seriös?
Weiter hat er „vermutet“ – und er hat das auch so geschrieben, als Vermutung! – daß die Gegendemonstranten dieselben seien, die zuletzt auch gegen die Regierung auf die Straße gegangen seien, wohingegen die Besucher des Weltjugendtages nicht zu dieser Menge gehörten. Ist das seriös? Es waren hunderttausende gegen die Regierung auf den Straßen, und der Redakteur geht einfach mal davon aus, daß diese nicht am Weltjugendtag teilnehmen. Ist er ein demografisch-telepatisch begates Medium? Wenn man schon Vermutungen anstellt, dann doch die, daß gerade die überwiegend katholischen Spanier an der kirchlichen Veranstaltung teilnehmen. Im Zweifel schreibt man nichts darüber. Oder man macht es, wie selbst für einen Anfänger im journalistischen Bereich selbstverständlich, genau: man recherchiert. Aber wozu auch? Es könnte ja herauskommen, daß die Spanier mitnichten ein Problem mit dem Papst haben.

Demnächst hier der letzte Teil des Interviews

Interview: Feyd und die Kirche (Teil I)

Guten Tag Herr Braybrook.
 
Schön, Sie wieder zu sehen.
 
Herr Braybrook, die katholische Kirche hat soeben ihren Weltjugendtag begangen. Ihr Resümee?
 
Ein überwältigendes Ereignis.
 
Ist das Ihr Ernst?
 
Kommen Sie zur Sache. Ich nehme an, Sie fanden es alles andere als überwältigend.
 
Das kann man sagen. Schließlich gab es eine Festnahme wegen Terror-Verdachts und Proteste am Rande der Veranstaltung.
 
Ihre Bezeichnung „am Rande“ ist schon richtig. Neben all den vielen begeisterten und friedlichen jungen Menschen gab es leider auch einen Freak und eine kleine Gruppe von Menschen, die gegen den Weltjugendtag demonstriert haben.
 
Nennen Sie einen Terror-Attentäter verharmlosend einen Freak?
 
Nennen Sie einen Freak aufbauschend einen Terror-Attentäter?
 
Wieso hat ihn denn die Polizei festgenommen?
 
Es hieß, man verdächtige ihn, einen Anschlag auf Gegner des Weltjugendtages geplant zu haben.
 
Ist das kein Terror?
 
Nein, das ist der Verdacht auf einen Anschlag. Lesen Sie doch genauer. Da heißt es :“…Mexikaner plante offenbar…“. Oder:“In Internetforen soll er Attentatspläne angekündigt haben“ – soll? Ein Redakteur bekommt doch Geld dafür, zu recherchieren, oder nicht? Oder kann er kein Spanisch? Was macht er dann auf dem Weltjugendtag in Spanien? Deshalb bringt er ja auch die Kritik des Bundes Deutscher Katholiken, die sprechen wenigstens seine Sprache. Oder auf die Kritik Franceso Rodriguez von der Vereinigung „Säkulares Europa“, der katholischen Kirche würden Rechte zugebilligt, die ihr nicht zustünden, unterstellt der Autor dem mutmaßlichen Attentäter, er habe dies für „Blasphemie“ gehalten bzw. daran gedacht – ist das seriös? Kann Reinhard Spiegelhauer vom HR jetzt schon Gedanken lesen? Aber selbst, wenn er das tatsächlich vorgehabt haben sollte: so etwas gab es auch 1980 beim Oktoberfest. Ein verirrter Einzeltäter, vermutlich radikalisiert.
 
Seltsam: Sie halten Breivik (den Mann, der die Anschläge auf Oslo und Utøya verübt hat) für einen typischen Vertreter der rechten Szene, den verhafteten Mexikaner aber für keinen typischen Christen.
 
Natürlich, denn in keiner christlichen Publikation lese ich von Ausgrenzung und Gewalt gegenüber anderen, schon gar nicht den Verlierern der Gesellschaft, was ja der Fall bei den von Breivik verhaßten Migranten ist. Und damit steht er nicht alleine da bei den neuen Nationalisten Europas. Breiviks Taten stehen in reinster rechtspopulistischer und nationalistischer Tradition.
 
Ist eine Kirche, die hierarchisch strukturiert ist, deren Oberhaupt für unfehlbar proklamiert wird und die „den rechten Glauben“ predigt, unschuldig an der Verfolgung Andersgläubiger?
 
Die Hierarchie ist einerseits ein wichtiger Kritikpunkt, jedoch gibt es sie in anderen Institutionen genauso. Sie ist ein Relikt aus einer Zeit, in der Staatsoberhaupt und höchste religiöse Instanz in einer Person vereint waren. Andererseits geht es um religiöse Erkenntnisse, die eine enorme Expertenschaft voraussetzen. Das Priesteramt aber auch die Exegese bedürfen eines jahrelangen Studiums. Das sind Texte und Traditionen, die jahrtausendealt sind und die zuerst rein sprachlich, dann semantisch verstanden und interpretiert werden müssen. Das kann eben nicht jeder. Und dann ist ja noch die Frage, was das alles mit armen Irren zu tun haben soll, die in der katholischen Kirche etwas anderes suchen als ihr Seelenheil. Die sog. „Verfolgung Andersgläubiger“, wie Sie es nennen, ist in Wahrheit die Vernichtung anderer durch eine arme Seele, die sich eine Plattform für ihren Wahn sucht. Würde die Kirche ihre gesamte Hierarchie abschaffen, käme es trotzdem dazu, daß irgendein Mensch seine dunklen Seiten auf Kosten des Evangeliums oder der angeblich zu beschützenden westlichen Demokratie auslebt. Das ist kein Grund für die Kirche, ihre jahrtausendealte Tradition zu verneinen.
 
Der Staat verfügt auch über eine jahrtausendealte Tradition, hat sich aber verändert.
 
Da liegen gleich mehrere Falschannahmen drin. „Den Staat“ gibt es nicht, schon gar nicht seit Jahrtausenden. Genauer: die BRD, in der wir leben, gibt es strenggenommen in dieser Form erst seit 1990. Die Staaten, die davor existiert haben, unterlagen anderen Regeln und Gesetzen. Praktisch alle Lebensbereiche unterlagen anderen Bedingungen, die weltpolitische Lage war anders, dementsprechend die Zusammensetzung der Gesellschaft. Und der Staat vor 100 Jahren bestand aus den Menschen von vor 100 Jahren – diese aber konnten ziemlich konservativ sein und an Veränderungen überhaupt nicht interessiert. Machen Sie nicht den Fehler, die Kirche a priori für altmodisch zu halten. Menschen sind bisweilen altmodisch. Werte sind nicht alt- oder neumodisch – wir halten sie für wahr oder unwahr, nachdem wir sie lange prüfen. Ein Wertewandel wäre in der Kirche nur machbar, wenn man die Referenz, also das Evangelium umschriebe. Dieses hat sich aber 2000 Jahre lang bewährt und würde immer wieder geprüft.
Natürlich hat die Kirche auch weiterhin die Aufgabe, die Botschaft des Evangeliums zu interpretieren. Die Frage ist nur: wie viel Interpretation ist möglich, wenn der Kern der Aussage nicht verändert werden soll?
 
Das ist ja das Problem: warum soll sich die Menschheit mit der Quadratur des Kreises beschäftigen? Die Annahmen der Menschheit aus der Zeit vor 1000 und mehr Jahren können gar nicht in die neue Zeit gebracht werden. Die Menschheit des 21. Jahrhunderts hat neue Erkenntnisse gefunden, die besser zu ihrem Dasein passen.
 
Wenn man glaubt, daß der Mensch Gott nach seinem Ebenbild geschaffen hat, trifft das zu. Dann muß jede Generation ihren Gott neu definieren, weil sie sich selbst ebenfalls neu definiert. Oder um es mit Ihrem Ausdruck der „Erkenntnis“ zu formulieren: so wie sich der Mensch selbst erkennt, glaubt er, Gott zu erkennen. Es ist aber nun mal die Eigenart von Religionen, daß man an die Existenz eines „höheren Wesens“ glaubt, das dem Menschen seine höhere Weisheit offenbart. Also etwas, das vor dem Menschen da war und nach ihm sein wird und das unabhängig vom Zeitgeist Generationen überdauert.

„Und Gott schuf den Menschen zu seinem Bilde“ – klingt antiquiert.
 
Wenn Sie das überfordert, nehmen Sie vielleicht zur Kenntnis, daß der Idealismus ebenfalls von einer höheren Ordnung ausgeht, die erst hergestellt werden muß.
Eine universalistische Idee hat per se Alleingeltungsanspruch. Ich nehme an, Sie sind gegen die Beschneidung von Frauen?
 
Natürlich. Das gehört sanktioniert.
 
Es sind doch aber andere, souveräne Staaten, in denen womöglich die rechtlichen Mittel dafür nicht ausreichen?
 
Und in diesem Fall muß man sich über das sogenannte Recht in diesen Staaten hinwegsetzen.
 
Die Souveränität eines anderen Staates ist aber ebenfalls Teil einer Vorstellung von Recht.
 
Nicht, was derlei Staaten betrifft.
 
Und wer bestimmt das? Wer sagt, in welchem Fall Staaten „Unrechtsstaaten“ sind und in welchem Fall nicht? Wer bestimmt, welches Recht zugunsten der Wahrung anderer Rechte gebrochen sind? Wer bestimmt, ob die Souveränität eines Staates verletzt werden soll oder nicht? Die USA?
 
Nicht die beste Lösung. Aber immerhin besser als gar keine.
 
Die Frage ist, ob „Staaten“ – oder besser: Staatsregierungen – überhaupt in der Lage sind, solche Urteile zu fällen und daraufhin Entscheidungen zu treffen. Das kann nur der einzelne Mensch selbst.
 
Nur wird „der einzelne Mensch“ Adolf Hitler nicht daran hindern, Europa zu verwüsten und die Juden erbarmungslos zu verfolgen.
 
Stimmt. Aber viele einzelne Menschen haben ihm zu seiner Macht verholfen, obwohl sie hätten anders handeln können, und manche wenigen, darunter viele Christen, haben ihm den Gehorsam verweigert. Vergessen wir nicht: Adolf Hitler kam nicht durch seinen Putschversuch in den Zwanzigern, sondern durch legitime Wahlen 1932/1933 ins Parlament. Die Menschen selbst haben ihm zur Macht verholfen. Aber: Religion ist nicht primär dazu da, die politischen Probleme der Menschheit zu lösen, auch wenn Menschen aus religiösen Motiven heraus politisch gut handeln können. Religion ist das, was zwischen dem Einzelnen und Gott stattfindet. Jeder selbst ist seinem Gewissen, Gott gegenüber Rechenschaft schuldig. Die Identifikation eines anderen als Schurken oder eines anderen Staates als Schurkenstaat entbindet nicht von der ethischen, der moralischen, der religiösen Frage nach der Legitimation für das Außerkraftsetzen von Recht. Orientiert man sich nur an der staatlichen Legitimation, hat jeder US-Soldat mit dem Beschluß des Kongresses die Absolution für den Einmarsch in den Irak erhalten, inklusive aller Leichen, über die er auf dem Weg in Saddam Husseins Palast (oder, wie sich später herausgestellt hat: Bunker) gegangen ist.
Vor Gott aber ist jegliche staatliche Legitimation völlig unerheblich. Jesus sagt: mein Reich ist nicht von dieser Welt. Es geht um die höhere, die göttliche Ordnung, das göttliche Gesetz.
 
Sie meinen das 3. Gebot: Du sollst nicht töten?
 
Das fünfte nach dem katholischen Katechismus, das sechste nach der heiligen Schrift.

Warum brauche ich dafür eine Kirche? Wenn es nur um mich und Gott geht – was hat der Papst da verloren?
 
Ohne Kirche weiß man z.B. nicht, um welches Gebot es sich handelt. Aber im Ernst: das Hantieren mit derart komplexen Fragen wie der Legitimation für das Töten erfordert allerhöchste Genauigkeit, allerhöchste Kenntnis. Da geht es um mehr als die Kenntnis der 11 Gebote oder deren Reihenfolge.

Ohne Kirche kann also kein Mensch eigenständig ethische Entscheidungen fällen?
 
Natürlich kann er das.
 
Aber keine richtigen?
 
Natürlich kann er das. Aber warum soll die Kirche nicht eine Art Leitsatz herausgeben. Es gibt sowieso schon keine richtigen – also einfachen – Antworten auf schwere ethische Fragen. Ein US-Soldat steht im Irak vor der Wahl, einen Kameraden zu retten indem er einen Iraki erschießt oder es nicht zu tun – und damit zu riskieren, selbst mitsamt Kamerad draufzugehen. Da gibt es keine saubere Lösung.
 
Ein Dilemma.
 
Ja. Aber wenn bereits die Zielformulierung ungenau ist – wenn man also aufgrund der Realität Zugeständnisse an die Ideale macht, wird das Ergebnis immer schwammiger.

Vielleicht hilft ihm bei der Entscheidung das Wissen, mit dem irakischen Soldaten den Beschützer eines der größten Despoten der arabischen Welt vor sich zu haben.
 
Sie meinen, er verfügt über Wissen aus Zeitungen, Büchern, dem Fernsehen?
 
Was soll diese Detailfrage? Ja, vermutlich hat er dieses Wissen aus Zeitungen, Büchern und dem Fernsehen. Vielleicht auch von seiner Nachbarin, Frau Krause.
 
Dann müßte er aus diesen Medien aber auch wissen, daß diese Informationen manipulierbar sind. So geschehen im Falle Irak: dem Kongress wurden absichtlich falsche Informationen zugeschanzt, um die Wahrscheinlichkeit der Bewilligung einer Intervention zu erhöhen. Und nicht nur der Kongreß, auch die Mehrheit der Bevölkerung der USA befürwortete daraufhin die Intervention.
Es ist immer das gleiche Prinzip: man holt sich die Legitimation für die Tötung / den Mord außerhalb des eigenen Gewissens. Weil uns eine andere Instanz beruhigt: die anderen sind die Schurken und verdienen zu sterben. Sie sind die Bösen. Da findet eine Verteufelung statt.
 
Da betreten Sie jetzt aber ein gewagtes Terrain. Die Kirche hat auf diese Weise Millionen angebliche Hexen verbrannt.
 
Wieder liegen Sie bereits bei den Fakten falsch. Es waren weit weniger, etwa 40000 – 60000.
 
Na toll.
 
Und nicht die Kirche hat sie verbrannt, sondern sie hat sie verurteilt – übrigens vor allem die evangelische! Die Vollstreckung oblag weltlicher Gewalt.
 
Welchen Unterschied macht das?
 
Für die Ermordeten keinen.
 
Eben, und nun?
 
Weil man mit heutigen Maßstäben Dinge beurteilt, die früher üblich waren. Das Schlimme ist, daß man die heutige Kirche so behandelt, als hätte sie die damaligen Verbrechen begangen. Man muß verstehen, daß das eine andere Zeit war. Es war völlig normal, daß die Kirche weltliche Macht hatte. Das war bereits im römischen Reich so: Priester…
 
…und Priesterinnen…
 
… waren Angehörige einer angesehenen und mit Privilegien ausgestatteten Kaste. Selbstverständlich hatten sie eine Deutungshoheit religiöse Fragen betreffend und selbstverständlich gab es ein unfehlbares religiöses Oberhaupt.
 
Den Kaiser.
 
Richtig. Er galt als Sohn Jupiters, des höchsten Gottes und sein Wort war Gesetz.
 
L´etat ce moi. Und das finden sie gut?
 
Nein. Aber die Menschen haben das damals akzeptiert, allein aufgrund der normativen Kraft, die in den Äußerungen der Mächtigen steckt. In der damaligen Zeit war das so akzeptiert wie das Sklaventum und im Übrigen auch die Herrschaft des Hausherrn (der Name sagt es ja bereits) über die Frau und die Kinder.
 
Barbarei des Altertums.
 
Philiosophisch legitimiert. Und überhaupt: die Barbaren, das waren die jenseits des Limes. Die Römer selbst haben sich bei den griechischen Philosophen bedient und diese wiederum haben die Hierarchie zwischen Sklave Herr, Frau und Kind philosophisch begründet.
 
Ach ja? Welcher mittelmäßige Philosoph hat dies begründet?
 
Kein geringerer als Aristoteles selbst. Lesen sie seine „Politik“, schlackern sie mit den Ohren. Und dennoch war er der Begründer der Ethik.
 
Nun, auch geniale Philosophen sind der Spiegel ihrer Zeit. Zur Zeit Aristoteles´ galt eine andere Moral.
 
Na bitte, da sagen Sie es doch selbst. Aristoteles´ Ausführungen zur Sklaverei werden ihm verziehen, der Kirche der frühen Neuzeit die Hexenverfolgung aber nicht. Man beurteilt aus historischer Ferne eine Institution „hier“ vor Ort – ein glänzend geeignetes Feld für Selbstgerechtigkeit. Fragen Sie einen Menschen heutzutage, ob er die Hexenverfolgung mitgemacht hätte und keiner wird es bejahen. Aber wer hat dann die ganzen Denunziationen begangen? An der Hexenverfolgung war die Obrigkeit ebenso wie deren Untertanen beteiligt und Denunziation war der Part des einfachen Volkes, den viele bereitwillig übernommen haben. Die Institution Kirche war wie jede Institution letztlich ein Zusammenschluß von Menschen und die funktionieren heute nicht wesentlich anders als im Mittelalter oder in der frühen Neuzeit. Sie sind bereit, Mobbing zu betreiben und zu morden, solange sie glauben, es für eine gerechte Sache zu tun.

Na bitte, da haben wir einen weiteren Grund, uns von der Religion abzukehren. Sie stiftet nur Unheil.

Ebenso könnte man sagen, daß die Religion die bedeutendsten Momente des Widerstandes gegen organisiertes Unrecht inszeniert hat. Friedrich Spee, einer der bedeutendsten Kritiker der Hexenverfolgung, war Jesuit. Nehmen Sie doch einfach hin, daß Menschen die Eigenschaft haben, kollektiv zu handeln und zu denken. Wenn dies sowieso der Fall ist, ist es doch besser, man füttert diesen Hunger mit dem Streben nach dem Guten.

Aber tut das die Kirche im Falle der Homosexuellen? Ist es damit getan, ihnen die Empfehlung zu geben, vom „Weg der Sünde“ abzukehren und heterosexuell oder abstinent zu werden? Gibt es da nicht noch die Möglichkeit, kirchlicherseits Homosexualität wie eine völlig normale sexuelle Ausrichtung zu behandeln?

Das ist richtig.

Oha. Diese Worte ausgerechnet von Ihnen zu hören verwundert mich doch sehr…

Ich halte die Kirche auch nicht für unfehlbar, lediglich das Wort Gottes für wahr. Was Homosexualität angeht, hat die Kirche immer noch eine negative Position dazu. Das halte ich für unsinnig. Der Gedanke, der dahinter steckt, ist ja der, man könne ein Unheil an der Ausbreitung hindern. Stattdessen ist Homosexualität wohl determiniert, nicht „anerzogen“ oder Folge von Sozialisation. Ein Beweis dafür dürfte sein, daß sie zu allen Zeiten und überall aufgetreten ist – ob man sie nun erlaubt oder verboten hat.

Schön. Wann treten Sie aus der Kirche aus?

Sie wissen ja noch nicht einmal, ob ich Mitglied bin. Aber wenn dem so wäre: wozu? Es gibt ja auch eine Erneuerung von innen heraus. Ich bin mir sicher, daß die Kirche diese Aufgaben bewältigen kann. Dabei kommt es darauf an, daß sie sich erneuert. Dies ist aber eine schwierige Gratwanderung zwischen der Bewahrung des Wortes Gottes und dessen Interpretation. Dazu ist eine Veranstaltung wie der Weltjugendtag wichtig. Die progressivsten Tendenzen in jeder Bewegung sind bei der Jugend zu finden. Und niemand kann so frei und authentisch Kritik innerhalb der eigenen Reihen üben wie die Jugend. Leider wurde seitens der Tagesschau die Aufgabe des Jugendtages ausschließlich auf die Ausübung von Kritik reduziert. Ein journalistischer Anfängerfehler.

Wohl eher Absicht.

Das ist ja noch schlimmer: weil man der Kirche eins auf die Mütze geben will, verschweigt man, daß 1 Million junger Menschen auch anderes für die Kirche empfinden als Abneigung.

Es ist nun mal ein deutsches, freies Medium.

Es ist vor allem eine egozentrische Sichtweise, nicht im Ansatz objektiv. Hajo Friedrichs, der Guru der Tagesthemen hat mal gesagt: „Einen guten Journalisten erkennt man daran, dass er sich nicht gemein macht mit einer Sache, auch nicht mit einer guten Sache; dass er überall dabei ist, aber nirgendwo dazugehört.“. Wenn der Redakteur der Meinung ist, es sei gut, Kritik an der Kirche zu üben, kann er das ja machen. Aber „gut“ für einen Jounalisten wäre es, auch die Begeisterung der guten Million junger Christen zu beschreiben. Das hat er marginalisiert. Deshalb kann man die Tagesschau als Medium nicht mehr ernstnehmen, wenn es um die Kirche geht. Die Berichte sind völlig vorhersehbar, da nicht objektiv. So, als könnten sich die Menschen kein eigenes Urteil bilden.

Ende Teil I. Morgen folgt Teil II.

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