Stuttgart 21: Baustopp!!!

Es ist vollbracht:

tagesschau.de: Baustopp
heute.de: Baustopp
spiegel.de: Bi-Ba-Baustopp

Klar: es ist ein vorläufiger Baustopp „bis die neue Landesregierung sich konstituiert“. Und ob danach dann ein endgültiger folgt oder ob es aufgrund der Ausgeglichenheit zwischen Rot und Grün zu einem Kompromiß – also zu einer Volksabstimmung – kommt, ist wieder eine andere Frage.

Aber zunächst einmal tut das nach monatelangem taktischen Gerede (ein Ausstieg ist ja eigentlich gar nicht mehr möglich und ein Baustopp wäre demnach sinnlos und verteuere das Projekt nur, die Verträge seien gemacht und es hinge auch nicht nur von der Regierung ab, sondern von den Vertragspartnern und der Bahn usw.) einfach nur gut.
Der Wähler ist der Souverän. Das hat die Bahn anstandslos anerkannt. Ich will sie nicht heiligsprechen – sie hätte den imaginären Souverän CDU/FDP genauso anstandslos anerkannt und weitergebaut. Aber die CDU/FDP ist eben nicht mehr der Souverän, sondern Rot-Grün, und die haben nun auch die Macht, alle rechtlichen Mittel auszuschöpfen, um das Engagement des Landes im Projekt zu beenden.

So muß man mit der Wirtschaft reden. Nicht, daß wir keine bräuchten. Sie soll ihren festen Platz in der Gesellschaft haben, aber ganz bestimmt nicht den Vorsitz.

Borna im Theaterhaus am Di., 30.11.2010 ab 19.30 Uhr

Auszug: „Mit Christine Prayon, Heinrich Steinfest, Borna, Melitta Dingdong, Timo Brunke und vielen anderen“

Theaterhaus

SWR: „oben bleiben“ wegen „rechtlicher Hürden“ nicht in der Hitparade

Heute bekomme ich bei den Parkschützern folgende Nachricht:

„Hallo Borna,
ich habe mich bei SWR1 beschwert, dass „Oben bleiben“ nicht plaziert wurde. Jetzt bekam ich folgendes als Antwort: „Im Fall von Borna kommt auch noch eine rechtliche Hürde hinzu. Uns ist ausser einer Youtube-Version keine veröffentlichte Form des Songs bekannt.
Hier sind Urheberrechtsfragen völlig ungeklärt und wir können uns nicht leisten, so etwas zu senden. Die Regeln bei Musik sind streng und was im Internet geht, ist nicht automatisch auch im Radio sendbar.“
Stimmt das so, oder hätte es da nicht eine einfache Lösung gegeben?
Ganz herzliche Grüße
Clemens
PS: Es hiess natürlich auch, dass es eine Parkschützer Kampagne gegeben hätte-auf den Teil kann ich aber entsprechend antworten, nicht aber auf obige urheberrechtliche Geschichte“

Nachdem es „oben bleiben“ nicht in die Hitparade geschafft hatte, fragten sich Parkschützer mehrfach, woran das angesichts wiederholter Aufrufe zum Voting gelegen haben könnte. Immerhin wurden dort 1000 Titel gespielt und da sollte es doch für einen Platz weiter unten gereicht haben.
Die Diskussionen dazu habe ich teils interessiert, teils amüsiert verfolgt, mich dort aber nicht eingeklinkt. Meine Einstellung bei solchen Sachen ist die: wer wirklich gut ist, mobilisiert derart viele Stimmen, daß sie kleine steuernde Eingriffe einer Redaktion (…) ausgleicht und so gesehen habe ich eben doch zu wenig Stimmen gehabt.
Man muß verlieren können, ohne gleich „SCHIEBUNG!“ zu rufen.

Der Hinweis mit der GEMA ist allerdings seltsam: es gibt keine ungeklärten Fragen bei dem Song. Alles ist von mir komponiert, getextet und eingespielt und vor allem ist dies bei der Online-Recherche der GEMA-Seite von jedermann einsehbar.

Aber was solls, man kann ja jetzt nicht im Nachhinein ein großes Ding draus machen, wie sähe das denn in der Öffentlichkeit aus…? „Jetzt klagen die auch noch einen Platz in der Hitparade ein…“

Nee, „oben bleiben“ hats eben einfach nicht geschafft und die Entscheidung ist zu akzeptieren, Punkt.

Aber ein wenig schmeichelhaft ist es schon, daß wohl die Stimmen für eine Platzierung ausgereicht hätten, dann jedoch aufgrund „rechtlicher Hürden“, die es gar nicht gibt, eine Entscheidung gegen den Song gefallen ist.

Im folgenden noch mein Statement bei den Parkschützern:

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Hi,

ich habe die Diskussionen um die SWR-Hitparade verfolgt und mich bewußt rausgehalten. Nachdem mir geschrieben wurde, daß der SWR die Nicht-Platzierung des Songs „oben bleiben“ auf „rechtliche Hürden“ zurückführt und dies die Diskussionen wieder angeregt hat, möchte ich hier wie folgt Stellung nehmen:

sämtliche Rechte an „oben bleiben“ liegen bei mir.
Ich habe den Song komponiert, getextet, arrangiert, alle Instrumente und alle Stimmen selbt eingespielt bzw. eingesungen.
Er ist bei der GEMA gemeldet und die o.g. Daten können jederzeit in der Online-Recherche https://online.gema.de/werke/ eingesehen werden. Es gibt also keinerlei rechtliche Fragen, die offen wären.
Anfallende Gebühren müssen zwar direkt an die GEMA, nicht an einen Verlag gezahlt werden – für den SWR ändert das aber gar nichts.

Ich möchte dennoch davon absehen, hier Vermutungen zu unlauteren Vorgängen zu äußern. Ich gehe davon aus, daß das Ergebnis rechtens ist – zwar nicht absolut in bezug auf die Votingzahlen, wie ja die div. E-Mails zw. Euch und dem SWR implizit belegen, dafür aber im Hinblick darauf, daß man als unbekannter Act mehr leisten muß, um von etablierten Medien wahrgenomen zu werden. Das ist ein wenig ungerecht, aber es ist mEn keine Verschwörung oder so was.
Wir kennen das von der Berichterstattung über die Demos: wir hatten längst schon Zehntausende auf der Straße, bis wir wahrgenommen wurden – und dann mußten wir wahrgenommen werden. Bei den Befürwortern haben weit weniger Teilnehmer ausgereicht, und es stand ständig in gleichmacherischem Jargon („Befürworter und Gegner protestieren zu tausenden…“) etwas dazu in den lokalen Medien.

Also keinen Groll: aus diesem Blickwinkel betrachtet waren es dann doch zu wenig Stimmen, als daß der SWR gezwungen gewesen wäre, den Song unbedingt ins Programm zu nehmen (weil vielleicht tausende für den Song gevotet hätten – da gibts dann auch für den SWR keinen Grund, nicht die Online-Recherche der GEMA zu bemühen).
Für mich ist es ein Erfolg, daß viele Menschen sich hier und beim SWR für meinen Song stark gemacht haben, und selbstverständlich bin ich auch dankbar.

Aber man sollte dieses Thema nun abhaken. Also klar: mich verwundert die Begründung mit den „rechtlichen Fragen“ auch, denn bei der Eisenbahnromantik-Sendung waren das zwei kurze Telefonate mit dem Redakteur und alles hat wunderbar geklappt.

Trotzdem weise ich darauf hin, was allgemein für diese Stuttgarter Bewegung gilt:

machen wir uns nicht abhängig davon, wie wir von etablierten Medien wahrgenommen werden. Das haben wir nicht nötig. Wir sollten voller Selbstvertrauen darauf schauen, was wir erreicht haben. Mehr noch:
wir sollten uns freuen, wenn bspw. Teilnehmerzahlen bei Demos später in Medienberichten runtergerechnet werden, denn das verrät, daß wir offensichtlich ganz schön stark sind, denn sonst wären unlautere Tricks nicht nötig.

Ich würde mich freuen, wenn wir uns auf diese Stärke konzentrieren könnten.

Also: mein Song hats nicht geschafft, aber auf youtube hat er im Moment so ca 35000 views, und das, ohne von SWR gespielt worden zu sein 😉

Viele Grüße und Kopf hoch!

Borna

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wen interessiert die SWR-Hitparade?

S21-Befürworter weinen Krokodilstränen um den Park…

Stuttgarter Zeitung online: iiihhh, Camping!

Nein, das ist kein Campen im eigentlichen Sinne des Tourismus.

Das soll es aber auch nicht sein. Hier passiert etwas Spannendes: Menschen bemächtigen sich eines (Wohn-)Raums, der von der Öffentlichkeit nicht genutzt wird.
Der besagte Teil des Parks soll ja bekanntlich Stuttgart 21 weichen, die Parkschützer sind dagegen.
Ob sie es nun schaffen, oder nicht: ein öffentliches Interesse an diesem Teil des Parks kann von Befürworterseite logischerweise nicht mehr bestehen. Mit klaren Worten:
wenn man Befürworter von S21 ist, will man dieses Gelände doch sowieso dem Erdboden gleich machen. Was gibt es da noch zu schützen?

Schauen wir mal in den Artikel. Dort heißt es:
„Die IG (Bürger für Stuttgart 21, Anm. F.) spricht von „Müll, Dreck überall, dem Rasen als Schlammfeld“ und sammelt derzeit Unterschriften für eine Sammelbeschwerde beim baden-württembergischen Staatsministerium.“

Die „IG“ betreibt die Facebook-Präsenz der Befürworter. Dort wird massiv PR für S21 (und gegen K21) betrieben. Zuletzt wurde die Präsenz dazu genutzt, die Spuren der T-Shirt-Affäre zu verwischen.

Und nun soll eine Sammelbeschwerde auf den Weg gebracht werden. Im Hinblick auf die weiteren Aktivitäten der Facebook-Präsenz wird einem schnell klar, daß es gar nicht um deren rechtliche Seite geht – ob da jetzt Konsequenzen, vielleicht gar eine Räumung folgen sollen. Es geht darum, das zu tun, was die S21-Befürworter seit langem tun:
dem Widerstand eine negative Etikette aufzudrücken.

„Seht her, die Gegner von S21 sind asoziale, obdachlose und ungepflegte Müllproduzenten.“ – so soll sich das der potenzielle CDU- S21-Befürworter denken.

Die negativen Eigenschaften einiger weniger werden auf die gesamte Masse übertragen. Dazu brauchen sich Stefan Wöhler und Sven Willing, die Betreiber der Präsenz, noch nicht einmal die Finger schmutzig zu machen und selbst diese Verallgemeinerung durchzuführen. Es reicht, wenn die Stuttgarter Zeitung mit einer 25-Foto-Strecke Punks im Müll zeigt. Den Rest erledigt dann das auf Ordnung und Sauberkeit programmierte Hirn jener, für die die Schwäbische Kehrwoche der Ausgangspunkt sozialer Kontakte in der Nachbarschaft ist. Hier wird ein Bild vom Park gezeichnet, das völlig unzutreffend ist: der Park, das soll eine Müllhalde sein, ein Treff von Obdachlosen.

Ich selbst habe mich überzeugt: selten habe ich an einem öffentlichen Platz eine derart offene und gleichzeitig sinnerfüllte Athmosphäre erlebt. Hier, wo am 30.09. so viel Gewalt gegenüber friedlichen Demonstranten ausgeübt worden ist, genau hier ist das Volk geblieben. Es hat ohne rituellen Schnickschnack diesen Platz zu einem Platz des Happenings gemacht, allein durch seine Präsenz und den offenen Diskurs vor Ort – gerade auch mit Befürwortern des Projekts.

Die Kriminalisierung der Demonstrationen ist anhand der Äußerung der IG, „die Parkschützer“ hätten den Park „verschmutzt und zerstört, und zwar mehr, als es die Bauarbeiten für Stuttgart 21 je tun werden“ völlig offensichtlich: „Am Anfang habe das Land die Dauermahnwache mit einem Zelt genehmigt, „alles andere ist illegal“.

Menschen sind zu hunderttausenden gegen S21 demonstrieren gegangen und stelbstverständlich haben sie es vor Ort, im Park getan. Daß dabei das Gras zertrampelt wird, ist vermutlich nicht zu vermeiden, wobei man dazu sagen muß, daß die größte Zerstörung durch das Wasser der Wasserwerfer am 30.09. entstanden ist. Wenn es regnet, geht auch kaum jemand in den Park – eine natürliche Regulierung sozusagen: ist es durch Regen naß, ist der Rasen anfällig, aber bei Regen läuft auch fast keiner drüber.

Die Regierung war aber der Meinung, zu einem Zeitpunkt hoher Frequentierung, während einer Schülerdemo, Wasserwerfer einsetzen zu müssen. Daß das dann zu zerstörtem Rasen führt, ist demnach nicht die Schuld der Demonstranten, denn man hätte die Menge an Menschen ja nicht einfach nach Hause schicken können mit dem Hinweis, daß ansonsten ja der Rasen kaputtgeht. Viel leichter wäre es gewesen, die Wasserwerfer trocken zu lassen. Da reicht ein Befehl, und der Rasen bleibt ganz.

Aber mal abgesehen vom Rasen:

Es wurden hunderte Menschen am 30.09. verletzt, manche davon schwer. Und die Befürworter sorgen sich um den Rasen, der dabei zerstört worden ist; einen Rasen, den sie zugunsten einer kalten 50er-Jahre-B-Science-Fiction-Movie-Architektur sowieso weghaben wollten, mitsamt der Bäume und der kulturellen Bedeutung dieses Ortes für die Menschen.

Dafür ist ihnen nichts zu schade: sie fotografieren 5 Punks mit ihren Zelten, eine zerbrochene Bierflasche und ungespülte Tassen, lassen es unter dem Deckmantel freien Journalismus´ in der Lokalzeitung veröffentlichen und nutzen es für Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen wie die Sammelbeschwerde.

Der Park ist längst mehr als nur ein Park: er hat symbolische und tatsächliche Bedeutung für die gesamte Bewegung gegen Stuttgart 21. Dabei liegen manche Symbole wie die gefährdeten Bäume auf der Hand:

Symbol des Lebens, gewachsen in Jahrzehnten – manche Bäume sind über 200 Jahre alt usw.
– weitere Symbole sind dazugekommen: die Parkwache als Symbol für die Wachsamkeit oder ein erwachtes Bewußtsein nie repräsentierter Bürger, die merken, daß es offensichtlich keine Möglichkeit gibt, Macht vertrauensvoll abzugeben, ohne sie direkt und selbst zu kontrollieren.
– dann der Park als Versammlungsort: hunderttausende von Menschen verbinden damit Erlebnisse aktiver Demokratie in Form der wiederholten Demonstrationen
– und natürlich gibt es noch die unzähligen Kunstwerke vor Ort – sie aufzuzählen, ist anhand ihrer Masse nicht möglich. Sie reichen von einfachen Sympathie-Bekundungen bis hin zu gewitzten Aktions-Kunstwerken wie den Schleifen an den Zweigen der Bäume, an denen Kinder ziehen, ohne die Zweige abzubrechen.

Dieser Schloßpark ist ein Ort öffentlichen Lebens geworden und dieser seltene Umstand führt zu Begegnungen, die in einer schlafenden Gesellschaft nie möglich wären: Menschen unterschiedlichster Art begegnen sich in einer offenen, wohlwollenden Athmosphäre.

Allein deshalb schon gehört der Park geschützt und eines kann den Betreibern der Sammelbeschwerde gesagt sein: die Parkschützer werden langfristig ganz bestimmt besser für den Rasen sorgen als die S21-Gegner, denn letztere wollen ihn ratz-fatz beseitigen, um eine überdimensionale Käsereibe darauf zu bauen.

Zum Vergleich:

Kein Witz: Geld von S21-Gegnern stinkt nicht!!!

Ein S21-Befürworter geht in einen Laden. Er kauft ein Pack Bananen und ein Pack Gurken.
„Macht 2,10 €“, sagt der Ladenbesitzer. Und freut sich.
Danach geht ein S21-Gegner in den Laden und kauft ebenfalls ein Lügenpack Bananen bzw. ein Lügenpack Gurken.
„Machtmißbrauch 2,10 €“, sagt der Ladenbesitzer. Und freut sich auch.

Warum?

Weil Geld nicht stinkt und es völlig egal ist, von wem die 2,10 € kommen. Es sei denn, der Ladenbesitzer merkt plötzlich, daß die Menge der S21-Gegner einen wichtigen Teil seiner Kundschaft ausmacht. Wie merkt er das? SO:

Und kurze Zeit später hängt in seinem Schaufenster ein Schild: „Stuttgart 21

Borna live @ Wagenhallen / S21 Quartett

Konzert-Hinweis: Borna und die B-Kapelle

Im Rahmen der langen Nacht des Autos gibts einen Mini-Gig mit 3 Songs von mir zu hören.

Wo: Wagenhallen, Innerer Nordbahnhof 1, 70191 Stuttgart
Wann: 28.10.2010, zwischen 21.00 und 22.00 Uhr
Eintritt: frei

weitere Infos:

Lange Nacht des Autos

Programm Wagenhallen

Anfahrt (pdf)

 

Bis dann,

Borna

UPDATE:

Die Veranstaltung ist ein S21 im Rahmen der Langen Nacht des Autos.
Zum Thema S21 hat Floyd auf dem Fakeblog ein S21-Quartett reingestellt – unbedingt ansehen!

Protestdisziplin

Mein Statement bei den Parkschützern mit Unterstützern, Schlechtfindern und Diskussion.

Wer zu faul ist, lese hier das Statement:

Zum Thema „mangelnde Präsenz am Bahnhof“ möchte ich Euch meine Postition etwas näherbringen.
Konkret kam gestern vor Ort, am Bahnhof, bei Beginn des „großen“ Abbruchs (denn der kleine hatte, wie wir alle wußten, schon lange begonnen) dieselbe Diskussion auf, die bereits in abstrakter Weise mehrfach bei uns in der Bewegung geführt worden ist.

1. es gibt immer wieder Protestler, die sich beklagt haben, daß der Protest zu lasch sei.
Sie forderten mehr Präsenz, mehr Bereitschaft zu öffentlichkeitswirksamen Aktionen, mehr Bereitschaft zu den Bau verhindernden Aktionen und beklagten das Fehlen derselben. Dies häuft sich seit gestern ganz besonders.

2. die dahinter steckende Überzeugung ist, meinen, zu wissen,
– was das Ziel des Protestes sei
– was die richtige Form des Protestes sei
– was die falsche Form des Protestes sei
– was das Denken und die Überzeugung jener sei, die anscheinend nicht die Ansicht über das Ziel und die Form teilen

3.
kurz: sie interpretieren unsere Art, zu sein und beurteilen uns danach.
kurz: sie beanspruchen Führung

Die Menschen, die auf die Straße gehen, sind aber dort, weil sie sich nicht mehr blind führen lassen wollen.

Ich will mich nicht aufgrund einer aufgedrückten Disziplin führen lassen. Ich entscheide selbst, wann ich einer von vielen bin und wann ich meine Individualität behalten will.
Ich will mein Verhalten nicht mehr von Politikern beurteilen lassen und genauso wenig von selbsternannten Anführern des Protestes.
Auch, wenn ich keine Partei gewählt habe, die an der Durchführung von S21 beteiligt ist: es gibt doch einige, die das getan haben und die dennoch entsetzt sind darüber, daß ihre Stimme auf diese schändliche Art interpretiert worden ist, daß diese Rückschlüsse aus der Legitimation gezogen worden sind. Sie sind von Politikern enttäuscht worden und ich nehme an, daß sie in Frage stellen, ob das System, überhaupt so viel Macht für einen so langen Zeitraum an angeblich repräsentative Personengruppen zu übertragen, noch tragbar ist.

Deshalb meine Position an die Sparte derjenigen, die alle, die nicht an der Mahnwache oder den Blockaden teilnehmen, als „nicht hinter der Bewegung stehend“ verurteilen:

Ihr habt weder die Legitimation, den Konsens der Bewegung zu definieren, noch ihn (selbst, wenn man ihn definieren könnte) für Euch zu beanspruchen. Es gibt kein Protest-Paradigma, und wenn doch, ist die Frage, wer es definiert.
Ihr habt nicht das Recht, zu einer Disziplin aufzurufen (Sprüche wie: „KOMMT ZUR WACHE!“).
Ihr habt nicht das Recht, „mangelnden Gehorsam“ (wenn man nicht zur Wache kommt) zu verurteilen.
Ihr habt noch nicht einmal das Recht, nach dem Grund zu fragen, denn dadurch macht ihr die anderen zu Angeklagten, die eine Bringschuld der Rechtfertigung haben.
Ihr könnt aufrufen, aber ihr habt die Entscheidung zu akzeptieren, ohne Wenn und Aber.

Mal ganz abgesehen davon, daß es äußerst dumm ist, sich der „Logik der Unumkehrbarkeit“ unterzuordnen, indem man deren Negation, die „Logik der Umkehrbarkeit“ zum Ziel unseres Protestes macht. Das ist das Einlassen auf einen Kampf, dessen Spielregeln von Politikern gemacht wurden.

Ob S21 kommt oder nicht – ich lehne es ab. Ich versuche zwar, auf meine Weise etwas dagegen zu tun und wünsche einen sofortigen Baustopp, aber ich entscheide selbst, wie weit ich dafür gehe.

Im Grunde hätte schon eine einzige Demonstration gereicht – jene z.B., bei der mehr als 20000 Menschen an einer Lichterkette teilgenommen haben, um „unumkehrbar“ unseren Protest zum Ausdruck zu bringen. Der Grund, wieso ich für wiederholte Demos bin, ist der pragmatische, daß es dadurch immer mehr Menschen werden, die aus der angeblich „schweigenden Mehrheit“ laut werden gegen S21.

Im Moment läuft natürlich alles drunter und drüber. Das ist verständlich. Aber erst die Zeit wird zeigen, was von all dem, was im Moment an Protesten läuft, wirklich einen Einfluß auf das Leben der Menschen haben wird. Mein persönlicher Wunsch wäre es, wenn die Politiker bei der nächsten Wahl bitter abgestraft würden, damit ihnen das Wort „Demokratie“ durch den versohlten Hintern ins Gehirn aufsteigt. Mein Wunsch ist, daß jeder selbst prüft, was an Aktion und zivilem Ungehorsam er mit seinem Gewissen vereinbaren kann.
Vor allem aber wünsche ich, daß niemand aus dem Auge verliert, daß Baggerfahrer, Polizisten, Bahnvertreter und Politiker mit denselben Rechten ausgestattet sind wie wir.
Wer das nicht tut, muß damit rechnen, daß er mit seiner Argumentation eine Blaupause für jeden liefert, der gegen ihn ist. Wer also anderen Rechte abspricht, nur weil sie für S21 sind, muß damit rechnen, daß dasselbe mit ihm geschieht.

Andere mögen sich derweil damit beschäftigen, der Öffentlichkeit beweisen zu wollen, daß man in der Lage ist, dieses dumme Bauprojekt durch Aktionen wie Blockaden zu behindern. Solange das friedlich abläuft, sollen sie es ungehindert tun.

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