Bitte, Politiker: bleibt ehrlich. BITTE!

Die deutsche Kanzlerin verdient weniger als ein Sparkassendirektor. Schlappe 200 000 € Jahresgehalt seien zu wenig, hört man ausnahmsweise mal nicht vom Stammtisch, sondern aus der Kantine des Bundestages. Immerhin lenke die Bundeskanzlerin die Geschicke eines ganzen Landes, ein Sparkassendirektor hingegen nur jene einer Bankfiliale. Das hören wir nicht von einem der vielen CDU/FDP-Abgeordneten, die ihr mieses Gehalt durch das Engagement in zahlreichen Aufsichtsräten irgendwelcher Unternehmen der Wirtschaft aufstocken müssen. Dieses Thema serviert uns in alter Frische Peer Steinbrück, der Kanzlerkandidat der SPD, die ja für soziale Gerechtigkeit steht und sich als „Arbeiterpartei“ verstanden wissen will.

Und dann wird als Begründung für eine Gehaltserhöhung – die die Damen und Herren des Bundestages ja selbst festlegen dürfen – auch immer wieder die Angst vor Korruption geäußert. Wer als Politiker zu wenig verdiene, sei in Gefahr, der Versuchung zu erliegen, sich kaufen zu lassen.

Tja, damit müssen wir dreisten Wähler schon rechnen: wenn wir unsere Politiker mit schäbigen 7960,- € (2013 dann 8252,- €) abgespeisen, ist doch völlig klar, daß die ihr Verantwortungsbewußtsein und ihre Moral, ihre Ethik und ihre Überzeugung in die Tonne kicken und das Team wechseln.

Es ist klar, aber ich gehe noch weiter:

wir müssen endlich den Kniefall vollziehen. Es geht nicht nur um Geld, es geht auch um Anerkennung. Jeden Montag morgen, wenn wir gemeinen Wähler arbeiten gehen und die bösen Hartzer ein Viertel ihrer monatlich zustehenden 374,- € (Höchstsatz) für billigen Fusel ausgeben, wenn unsere Kindern in Kindergärten und Schulen bereits mit einem 6 – 8 Stundentag auf die Produktionsgesellschaft hin trainiert werden – wofür sie dankbar sein müssen! -, sollte in der gesamten Bundesrepublik eine Glocke ertönen. 10.00 Uhr, Kniefall-Apell.

Text:

„Liebe Politiker!

Wir wissen, wie schwer Euer Leben ist. Wir wissen, daß die Anwesenheit im Bundestag nicht gewährleistet werden kann, denn bei den knapp 7960,- €,

Alle: 7960,- €!

die Ihr verdient, muß man in den einen oder anderen Aufsichtsrat schauen. Dazuverdienen.

Alle: DAZUVERDIENEN!

Dennoch ist das alles zu wenig. Gefahren lauern überall und die Korruption ist eine Versuchung, der keiner widerstehen kann. Jeder ist käuflich,

Alle: KÄUFLICH!

es kommt nur auf den Preis an. Kindergärtnerinnen sollten auch mehr Geld bekommen, sonst ist davon auszugehen, dass sie eines Tages Kinderpornos drehen müssen, um nicht zu verarmen.

Alle: VERARMEN!

Ärzte sollten auch mehr Geld bekommen, sonst ist davon auszugehen, dass sie eines Tages Organhandel betreiben müssen, um nicht zu verarmen.

Alle: VERARMEN!

Polizisten, Richter, Finanzbeamte sollten auch mehr Geld bekommen, sonst ist davon auszugehen, dass sie eines Tages ihr Amt missbrauchen müssen, um nicht zu verarmen.

Alle: VERARMEN!

Wir bitten Euch.

Alle: BITTE!

Wir bitten Euch untertänigst.

Alle: BITTE BITTE!

Wir bitten Euch ergeben:

Alle: BITTE BITTE BITTE!

Bleibt ehrlich. Vielleicht. Wenigstens so ein klein wenig. Wir zahlen Euch auch ganz viel Geld und sind dann Eure aller- aller – allerbesten Freunde!

Alle: FREUNDE!

Das muss doch helfen, oder? Und was die böse Kassiererin angeht, die wegen einer geklauten Schrippe gefeuert wird: RECHT SO!

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Oben bleiben Song Lied Ding

so, bitteschön:

„oben bleiben“ – myspace

Fußball und Korruption


(Koch betet? Bitte den Wahlslogan beachten!!!)

Was haben die CDU, das Fußballgeschäft, das Jugendstrafrecht und die Kirche miteinander zu tun?

Nach der Kanonisation Robert Enkes, die ja eigentlich eine Selbstkanonisation des deutschen Fußballs sein sollte, haben wir mit dem neuesten Wettskandal in den Ligen 2 – 5 sowie der U19 (!) einen Vorgang, der einer Selbst-Exkommunikation (um den Jargon der Kirche zu wahren) gleichkommt: dümmer kann man sich selbst nicht ins Abseits schießen.

Dazu erinnere ich an das Länderspiel der Deutschen Nationalmannschaft in Bochum gegen Ghana anno 1993. 0:1 lag man gegen den damaligen Nobody zur Pause zurück und das als amtierender Weltmeister. Die „Berti raus!“-Rufe waren nicht zu überhören – da waren mehr als nur ein paar Hool-Stimmen zu vernehmen.
Als das Ganze immer lauter (und peinlicher) wurde, passierte etwas, das ich damals nicht wirklich verstand: wie auf Kommando schossen die Deutschen in kürzester Zeit mehrere Tore, so daß es am Ende 6:1 für Deutschland ausging. Ich weiß noch, wie ich begeistert die Nationalmannschaft lobte und mein Vater lediglich versetzte: „Kein Wunder, das war doch ein gekauftes Spiel und jetzt scheißen die auf ihr Geld, um Bertis Arsch zu retten.“.

Damals hatte ich natürlich meine Zweifel daran, aber inzwischen halte ich es für wahrscheinlicher, daß es tatsächlich ein gekauftes Spiel war – nur daß die Deutschen sich wohl entschieden hatten, die unter der Hand geforderte Leistung (ich schätze, es hätte ein 1:1 sein sollen) nicht zu erbringen, weil angesichts des Prestigeverlustes die Summe nicht hoch genug gewesen wäre. Eine Kosten-Nutzen-Rechnung also.

Nun ist das ja nicht der erste Schiebungsskandal. Es gibt inzwischen fast in jeder Saison derartige Enthüllungen, wenn auch nicht in derart großem Ausmaß. Eine Anmerkung dazu:
Warum wird das vergessen? Warum rollt nach der Verhaftung irgendwelcher Verdächtiger der Ball wieder über den Rasen, so, als sei nichts geschehen?
Da fragt sich der eine oder andere: was meint der damit? Was soll geschehen? Ich meine, daß dem Publikum da doch irgendwann die Lust vergehen muß, oder nicht? Aber dem ist nicht so, und ich vermute, das liegt daran, daß die Leute den Fußball, oder konkret: den Zirkus drumherum brauchen. Die Sportschau, die echten und gemachten Stars, das Gerede um Transfers, Sponsoren, Aufstieg und Abstieg bis hin zur Inszenierung kleinerer und mittlerer Rangeleien zwischen Trainern und Spielern, Trainern und Trainern, Trainern und Schiedsrichtern und allen und jedem – die Leute wollen das, und es ist letztendlich egal, ob es inszeniert ist bzw. ob man das sogar weiß, denn: es ist Entertainment.

So, und nun habt Ihr Euer Entertainment, Fußball-Junkies. Nicht, daß dieses verboten wäre, nur erspart mir bitte das dümmliche ernsthafte Getue um den Fußball. Diesen ganzen Fan-Krimskrams, die idiotischen Diskussionen um die Legitimation immer höherer Transfers, die Trauer um Robert Enke, die Frage nach Foul oder Nicht-Foul oder die jene, welcher Sender nun der geeignete für die samstägliche Bearbeitung der Bundesliga sein soll. Fußball ist ein Entertainment-Geschäft und dieses ist traditionell korrumpiert. Fußball ist 90 Minuten Bier trinken, den Neandertaler rauslassen und dann wieder ins normale Leben zurückkehren. Außerhalb dieses 90-minütigen Schutzkorridors macht man sich lächerlich, so als Neandertaler.

Ein wenig schade ist es ja dann doch um die U19-Spieler, denn U19 heißt ja bekanntlich: im Alter von 17 – 19 Jahren.

Angesichts dessen sollten sich diverse Herren des konservativen Lagers nochmal genau überlegen, ob das mit der Herabsetzung des Jugendstrafrechts (bzw. volle Anwendung des Erwachsenenstrafrechts) wirklich sinnvoll wäre, denn dann würden besagte U19-Spieler mit deutlich drastischeren Strafen rechnen müssen. Und das hieße natürlich in einigen Fällen Knast oder zumindest ein Leben als Vorbestrafter. Auf jeden Fall könnte darunter der Fußball-Betrieb leiden, aber ich bin mir sicher, daß es da pragmatische Lösungen geben wird. Soll heißen: die Herabsetzung des Jugendstrafrechts gilt für den Migranten ohne Gesicht und Namen, nicht aber für den U19-Spieler.

Ich frage mich, wieviele Selbstmorde jetzt folgen werden…

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