Unser vorherrschendes Verständnis vom Sozialstaat

Schäuble zum Sparpaket.

In Niedersachsen wurde gestern eine Diätenerhöhung beschlossen – wie üblich durch die Abgeordneten selbst.

Das Paradoxe an unserem Sozialsystem ist ja Folgendes:

es soll in schlechten Zeiten verhindern, daß Leute in den Armutsstrudel gelangen.

Aber gerade in schlechten Zeiten wird vor allem im Sozialsystem gekürzt. Wie wir an diesem Beispiel sehen, auch noch an den Ärmsten der Armen.

Die Sparmaßnahmen werden kurzfristig Geld sparen und sicher dazu beitragen, daß Hartz IV-Empfänger nun wirklich jeden Job annehmen werden, vom Leichenwäscher bis zum Kanalreiniger.

Mittel- und langfristig wird es aber ein großer Teil der Menschen nicht schaffen, die Rechnungen zu bezahlen bzw. die Bedürfnisse von Kindern, die in dieser Gesellschaft Sozialisation erfahren, zu befriedigen – damit meine ich nicht das neueste Nintendo DS, sondern die Fahrt mit der U-Bahn oder den Eintritt ins Freibad.
Das liegt daran, daß manche Leute eben einfach nicht in der Lage sind, jeden Job zu übernehmen. Es ist schlicht und ergreifend eine falsche Annahme, zu glauben, daß alle Arbeitslosen nur zu faul sind.

Und in ein, zwei Jahren haben wir noch mehr marginalisierte Menschen in Deutschland. Aber dann kann man ja wieder sparen und gleichzeitig, wie gestern in Niedersachsen, eine Diätenerhöhung um rund 400 € pro Abgeordneten beschließen.

Brainwashing auf tagesschau.de

Alle Jahre wieder beglückt uns der Handelsverband Deutschland mit erfreulichen Nachrichten:

Die Wirtschaftskrise hat keinerlei Auswirkungen auf die Kauflust der Kunden.

Das behauptet zumindest der HDE, die Dachorganisation des Einzelhandels in Deutschland.

Irgendwie kommt einem diese Behauptung bekannt vor … Moment mal … ah, ja, richtig. Vor einem Jahr lasen wir auf tagesschau.de foldende Worte des HDE-Sprechers Pellengahr:

„Pellengahr zufolge blicken die Händler „hoffnungsvoll“ auf die noch verbleibenden zweieinhalb Verkaufstage. Diese würden ganz im Zeichen des Geschenke- und Lebensmitteleinkaufs stehen. Auswirkungen der Rezession seien bislang kaum zu spüren.“

HIER

wars sogar richtig optimistisch und

DA

ebenfalls.

Und wenn dann die offiziellen Zahlen veröffentlicht werden, ergibt sich ein anderes Bild, denn die Umsätze sind dieses Jahr wieder zurückgegangen, dieses mal um 1,5 %.

Hätte mich ja auch gewundert, wenn alle von globaler und nationaler Krise und Quelle oder Karstadt-Pleite gesprochen hätten und gleichzeitig auch nur ein Wort an der Sache mit dem Optimismus gestimmt hätte.

Also heißt es seitens der Kaufhausleitung an das Personal:“weiter dümmlich grinsen“, denn das will der Kunde sehen. Wie gut, daß der Einzelhandel weiß, was ich sehen will…

Interessant auch folgende Meldung:

„Ein großer Renner des Weihnachtsgeschäfts war nach HDE-Angaben erneut Unterhaltungselektronik. Gefragt waren unter anderem Flachbildschirme mit neuer LED-Technologie und Multimedia-Handys. Auch hochwertiger Modeschmuck würde gerne verschenkt.“

Ist das jetzt ein umformulierter Media-Markt-Flyer oder tatsächlich eine ernstzunehmende Analyse des Käuferverhaltens…? Beides? Nichts davon?

%d Bloggern gefällt das: