Geheimes Protokoll von Merkel-Obama-Telefonat veröffentlicht!

funkstille(Dieses Foto ist kein Fake: Obama hat tatsächlich ein Telefon in der Hand. Quelle: heute.de vom 16.07.2014)

O: Ja, hi, Du. Hier Obama.

(Pause)

M: Ja, heeeey, ha ha, der O-ba-maaa! … na, alles klar? (Pause) …lange nicht gehört, Mensch!

O: Äh, ha ha, höm höm, hüstel… also ich hatte hier technische Probleme mit der Leitung und…

M: Technische Probleme? Wie technische Probleme? Hat das was mit dem Knistern in der Leitung zu tun?

O: (verwundert) Knistern? KNIIISTERN? Wie? Was für ein Knistern? Also hier bei mir ist alles in Ordnung.

M: Aber Du hattest doch von Problemen gesprochen!

O: Naja, also … hüstel… mal was anderes. Wie findstn die weltpolitische Lage so?

M: Die weltpolitische Lage?

O: Ja, also Nahost, Ukraine, Nord Korea und all das Zeug, Du weisst schon. Die weltpolitische Lage eben. Unser Job.

M: (Pause) …jaaa, äh … das ist ja wieder ganz schön … äh … weltpolitisch, ne?

O: Ja, äh, wie findstn das jetzt?

M: Hallo? Hallo? Ich kann Dich nicht mehr verstehen… bist Du im Tunnel? Hallo?

Wir sind wieder wer…

merkel-gauck

 

Also klar, Frau Merkel war im Stadion. Herr Gauck auch.

Aber näher kommen sie einander nicht, die Politik und der Fußball, auch, wenn das bereits in der Vergangenheit so fleißig hergeredet werden wollte. Da konnte die Gleichzeitigkeit der Ereignisse noch so … gleichzeitig sein, letztlich hatte die „Auferstehung“ des deutschen Volkes 1954 nichts mit dem Titel seinerzeit zu tun. Und auch der Titel von Rom und die deutsche Einheit 1990 hatten nicht mehr als das Fallen bzw. Vorhandensein von Mauern gemeinsam.

Dennoch funktioniert sie, die Fusion zwischen berechtigter Begeisterung über guten Fußball, nationaler Mythologisierung und politischer Zweckentfremdung. Und ich habe die Befürchtung, dass wir davon in nächster Zeit mehr als genug bekommen werden.

 

wunder-bern-031954: „Fußballwunder“ und „Wirtschaftswunder“, „Wir sind wieder wer“ – Fußball ist bisweilen mehr als nur Fußball.

 

kohl_flaggen_dpaEmpfang der deutschen Mannschaft am Frankfurter Römer 1990? Ach nee, der Typ im Vordergrund ist zu dick: „Deutschland einig Fußball-Land“ und Helmut Kohl auf dem Höhepunkt.

Heute schreibt „Le Parisien„: „Deutschland ist nicht nur in wirtschaftlicher Hinsicht, sondern auch in Sachen Fußball eine Supermacht.“

Aha. Dann sind wir ja nur noch einen Schritt vom Stein der Weisen entfernt. Alles, was Deutschland anfasst, wird zu Gold. Weil, wer nicht nur wirtschaftlich, sondern auch im Fußball Erfolge vorzuweisen hat, muß ein Geheimrezept haben, eine Art Weltformel, die eigentlich auf alles anwendbar ist, sei es Politik oder Fußball und vielleicht auch gegen AIDS.

Es weiß zwar keiner, welche Art Formel das sein könnte, aber trotzdem sucht man nach ihr.

Täte man es nicht, müßte man schliesslich die Dinge getrennt, versachlicht betrachten. So zum Beispiel in der Politik: Deutschland steht wirtschaftlich gut da, weil die Agenda 2010 radikal war. Nicht wenige halten sie schlicht für unmenschlich. Fehlerfreiheit wird ihr jedenfalls von niemandem attestiert. Oder eben im Fußball: diese Mannschaft hat zwar Brasilien 1:7 geschlagen, gegen Ghana und Algerien jedoch durchaus so ihre Probleme gehabt.

Aber wer will sowas schon hören im Moment des Triumphes?

Ich verrate jetzt mal ein Geheimnis: mich interessieren beide genannten Spiele auch nicht mehr sonderlich. Das war ein (durchaus gekonnter) Arbeitssieg bzw. Unentschieden und ich kenne keinen Weltmeister, der je ohne solche Spiele ausgekommen wäre. Aber heute (15.07.2014) lese ich bereits Folgendes auf Facebook:

fbgaucho

Vorangegangen war der sog. „Gaucho-Marsch„. Von dem kann man halten, was man will, mich erschreckt vor allem aber die völlige Ergebenheit mancher Fans, die nicht in der Lage sind, auch nur einen Funken Kritik zuzulassen. Es ist also nicht möglich, zu sagen: gut gespielt, verdient gewonnen und ein wenig danebengegriffen im Taumel des Erfolgs. Nee, nicht mal das. Nichts, gar nichts darf auszusetzen sein an diesen Helden, denn sie werden nun kanonisiert und haben genauso wie Heilige grenzenlose Verehrung verdient.

Nun gut, im Fußball darf man noch über den einen oder anderen Stolperstein hinwegsehen, in der Politik nicht. Da kann nicht allein die Bilanz ausschlaggebend sein, da müssen auch die sog. „Störfeuer“ (um mal Weltmeister Lahm zu zitieren) begutachtet werden.

Herr Mertesacker durfte nach dem Algerien-Spiel auch mal dichtmachen und so tun, als sei er als Fan und nicht als gut bezahlter Leistungsträger nach Schwächen gefragt worden. Die Politik darf das aber nicht.

Und deswegen nervt mich dieses dümmliche Parallelen-Ziehen zwischen Erfolg A und Erfolg B. Beides steht für sich alleine und bereits für sich alleine besehen wird oft genug nach der Parole verfahren: „Winners are not judged“.

Wenn man aber beides miteinander vermischt, dann entsteht ein gefährlicher Mix, aufbauend auf unklaren Annahmen und oberflächlichen Halbwahrheiten. Und daraus entsteht dann irgendwann ein Mythos: die unbesiegbaren Deutschen, die in jedem Fall erfolgreiche Bundesregierung, Geheimwaffe Agenda 2010 blablabla. Das führt dann selbst im Ausland zu so Sprüchen, wie sie der Spiegel aus der englischen Presse zitiert hat: „Irgendwas machen die Deutschen richtig“.

Bravo, glänzende Analyse. Darauf lässt sich prima aufbauen. Fragt sich nur, was. Aber egal, Hauptsache man macht „irgendwas“ (was?) wie die Deutschen. Und das waren Stimmen aus dem Ausland, wohlbemerkt. Stimmen aus Paris und London, wo das Kopieren des deutschen Weges irgendwo gaaanz hinten in der Prioritätenliste steht. Aus Deutschland dürfte es demnächst noch eine Schippe deutscher Weg mehr sein.

Also: diese Mannschaft hat den Titel hochverdient gewonnen, ich habe mich sehr gefreut und alle Spiele genossen. Ja, auch die Spiele gegen Ghana und Algerien, denn eine gute Mannschaft kann das in schwierigen Spielen notwendige Mindestniveau abrufen und dazu waren die Deutschen immer in der Lage.

Aber: die gewichtige Rolle Deutschlands in Europa, manche sprechen von einer Führungsrolle, hat nichts mit dem deutschen Fußball zu tun. Auch nicht umgekehrt. Deutschland hat die WM nicht etwa aufgrund „deutscher Tugenden“ gewonnen. Auch nicht aufgrund einer deutschen Mentalität oder ähnlichem. Was soll denn das sein, eine „deutsche Tugend“? Kriegt man das als Deutscher in die Wiege gelegt? Fragen wir lieber nicht Mesut Özil, Sami Khedira oder den besonders im Finale überragend gut spielenden Jerome Boateng, was sie von der Vererbung charakterlicher Eigenschaften halten. Vermutlich so wenig wie ich. Deshalb mein Rat:

Genießt diesen völlig verdienten Titel und feiert die deutsche Mannschaft, aber wenn Ihr feiert, übertreibt es nicht mit dem Selbst-Feiern. Gewonnen und schön gespielt, das haben letztlich die 23 Leute des WM-Kaders vom DFB, nicht das deutsche Volk oder personifizierte „deutsche Tugenden“. Lasst die Finger von der Mythologisierung „deutscher Eigenschaften“. Glaubt nicht, dass das nun ein weiterer Schritt in Richtung Weltmacht aufgrund Vorbestimmung (um nicht zu sagen „Vorsehung“) ist. Das ist Firlefanz, der inetwa so seriös ist wie das Horoskop. Und wer das eben doch nicht lassen kann, muss dazu dann aber auch zu jener Publikation greifen, die alle drei von einander getrennten Bereiche Politik, Sport und Horoskop gerne mal auf einer Seite unterbringt, neben dem Oben-ohne-Foto der Swinger-interessierten vollbusigen Friseurin auf Seite 3: die BILD-Zeitung.

Dazu die Warnung nach dem Finale ´54 von, man höre und staune, der CDU/CSU (Quelle: bpb.de):

„So warnte der Deutschland-Uniondienst der CDU/CSU bereits am Montag nach dem Endspiel davor, „nach dem Fußballerfolg in Bern von einem „deutschen Fußballwunder“ zu sprechen“. Der große sportliche Erfolg dürfe nicht in nationale Phrasen gehüllt und das Geschehen in der Schweiz so kommentiert werden, als habe das deutsche Volk neun Jahre nach dem Zusammenbruch wieder zu „siegen“ verstanden.“

Recht hatte sie mal, die CDU.

 

UPDATE: die Gaucho-„Diskussion“ entwickelt sich weiter…

 

Bildschirminhalt erfassen-7

Es ist einfach nicht zu vermeiden. Aus irgendeinem Grund findet sich dieser fb-Nutzer nun von der sog. „Nazi-Keule“ erschlagen. Obwohl die niemand herausgeholt hat (abgesehen davon, dass es sie gar nicht gibt…). Manche Leute wollen den Fußball einfach politisieren. Weil sie die Deutschtümelei brauchen – wobei dieses Foto da oben mehr ist als nur das.

Ich hingegen schaue mir jetzt das fantastische Götze-Tor noch mal an. Ganz ohne Hintergedanken.

[Update 2]:

Pressestimmen aus dem In- und Ausland zum „Gaucho-Dance“.

NSA-Affäre: Win / Win / Win / Win für das System

Win für Merkel:

Herr Pofalla verbot uns das Maul, als wir Fragen bzgl. unserer Ausspähung durch die NSA stellten. Nun, da seine Chefin Merkel selbst ausgespäht wird, folgt nicht etwa eine Entschuldigung, das Einräumen von Fehlern, nein: sie empört sich, reisst genau jenes Maul auf, das uns durch ihren Knecht Pofalla verboten worden ist. Ausgespäht zu werden, das schafft Nähe, das stiftet Identifikation. „Ich bin eine von Euch“, höre ich Angie sagen.

Win für Google:

der Konzern ist „aufgebracht darüber, wie weit die Regierung scheinbar gegangen ist, um Daten aus unseren privaten Glasfaser-Netzwerken abzugreifen“ – dabei sind SIE es, die Daten sammeln und per Zwangs-Verbindung von Googlemail-/Youtube-/Google+-Accounts eine weitgehende Anonymität im Netz verhindern.

Win für die Presse:

sie schreibt über alles und besonders gerne über den neuen Skandal. Dass die Presse als verlängerter Arm der Politik ständig über die drohende Gefahr des Terrorismus berichtet (wie oft wurden schon „große Anschläge“ aufgrund von „geheimen Informationen aus sicherer Quelle“ angeblich „verhindert“?) und damit erst eine breite Akzeptanz von Geheimdiensten schafft, kümmert keinen mehr, denn die NSA, die uns ausspäht, scheint ja eine andere NSA zu sein als jene, die von der Presse eifrig promoted wird.

Hauptsache, der Mensch konsumiert die journalistische Diarrhoe.

Win für die Opposition:

Sie wird sich jetzt ganz arg darüber aufregen, dass ja wohl niemand mehr in diesem Land vor Spionage sicher ist. Dabei gibt es nicht eine Partei, die nicht in irgendeiner Form staatliche Schnüffelei betrieben hat. Sei es als Lauschangriff, sei es zu anderen Zeiten in anderen politischen Systemen.

Win für Obama:

er kann sich jetzt als starker Mann profilieren, der aufräumt. Dazu muss er nur behaupten, nichts von alldem gewusst zu haben und das dumme Volk wird es ihm – zumindest überwiegend – glauben.

Win für die NSA:

solange so etwas wie die NSA nicht abgeschafft wird, gibt es keine wirkliche „Strafe“ für sie. Schlimmstenfalls werden ein paar Köpfe rollen, aber durch Neustrukturierung und Qualitätssicherung wird sie strahlender über uns wachen als je zuvor.

Hach, dabei wäre es so einfach. Einfach die Regierung abwählen. Aber bei so enorm viiielen Arbeitsplätzen (bei denen die prekären Arbeitsverhältnisse mitgezählt werden…) MUSS man sie doch lieben, unsere Winner. Wer sind eigentlich die Loser? Tja, wer wohl?

Ich will zwei Dinge. Erstens: ich will meine Häme, meine Abscheu, meine Schadenfreude über jene ausschütten, die dieser Regierung dazu verholfen haben, im Amt zu bleiben. Ihr regt Euch über die NSA-Affäre auf? HALTET. EINFACH. DEN. RAND.

Und ich will Wahrheit. Einfach nur etwas Wahrheit will ich.

borna: geld kann man nicht s-sehn

Emnid-Umfrage: Mehrheit gegen Stuttgart 21

tagesschau.de schreibt zu Merkels Reise in die Türkei: „keine einfache Reise„.

Dazu sage ich nur: lasst sie mal nach Stuttgart kommen, dann wird sie sehen, was eine wirklich schwierige Reise ist. Denn in der Türkei dürfte Merkel deutlich mehr Anhänger haben als bei uns in Stuttgart… hat sie doch erst diese Woche autokratisch das Thema „Stuttgart 21“ vom Wahlkampf ausgeschlossen.

Das kann sie ja machen, wenn sie meint – in der freiheitlichen Demokratie hat jeder auch das Recht auf Ignoranz, nur:

das heisst noch lange nicht, dass es das Problem Stuttgart 21 nicht gibt. Im Gegenteil: gestern waren wieder Tausende bei der Grossdemo gegen das Milliardenloch. Und je mehr dieses Problem dethematisiert wird, desto lauter werden die schreien, die von ihm betroffen sind.

 

demostuttgart

 

Und nun haben taz und kontext bei just jenem Meinungsforschungsinstitut, welches vor allem durch eine völlig überfrühte Umfrage eine vermeintliche Zustimmung der Bürger für S21 gemessen haben will, in aller Ruhe die Fakten sacken lassen und dann erneut eine Befragung in Auftrag gegeben.

Ergebnis:

knapp 54 % der Befragten lehnen den Bau von S21 ab, nur noch 39 % befürworten ihn. Die genaue Fragestellung:

„Statt 4,5 Milliarden Euro soll das Bahnprojekt Stuttgart 21 nach Angaben der Deutschen Bahn AG jetzt 6,8 Milliarden Euro kosten. Was ist Ihrer Ansicht nach sinnvoller? Der Weiterbetrieb und die Modernisierung des Kopfbahnhofs oder der Bau von Stuttgart 21?“

 

Ohne Worte.

Bitte, Politiker: bleibt ehrlich. BITTE!

Die deutsche Kanzlerin verdient weniger als ein Sparkassendirektor. Schlappe 200 000 € Jahresgehalt seien zu wenig, hört man ausnahmsweise mal nicht vom Stammtisch, sondern aus der Kantine des Bundestages. Immerhin lenke die Bundeskanzlerin die Geschicke eines ganzen Landes, ein Sparkassendirektor hingegen nur jene einer Bankfiliale. Das hören wir nicht von einem der vielen CDU/FDP-Abgeordneten, die ihr mieses Gehalt durch das Engagement in zahlreichen Aufsichtsräten irgendwelcher Unternehmen der Wirtschaft aufstocken müssen. Dieses Thema serviert uns in alter Frische Peer Steinbrück, der Kanzlerkandidat der SPD, die ja für soziale Gerechtigkeit steht und sich als „Arbeiterpartei“ verstanden wissen will.

Und dann wird als Begründung für eine Gehaltserhöhung – die die Damen und Herren des Bundestages ja selbst festlegen dürfen – auch immer wieder die Angst vor Korruption geäußert. Wer als Politiker zu wenig verdiene, sei in Gefahr, der Versuchung zu erliegen, sich kaufen zu lassen.

Tja, damit müssen wir dreisten Wähler schon rechnen: wenn wir unsere Politiker mit schäbigen 7960,- € (2013 dann 8252,- €) abgespeisen, ist doch völlig klar, daß die ihr Verantwortungsbewußtsein und ihre Moral, ihre Ethik und ihre Überzeugung in die Tonne kicken und das Team wechseln.

Es ist klar, aber ich gehe noch weiter:

wir müssen endlich den Kniefall vollziehen. Es geht nicht nur um Geld, es geht auch um Anerkennung. Jeden Montag morgen, wenn wir gemeinen Wähler arbeiten gehen und die bösen Hartzer ein Viertel ihrer monatlich zustehenden 374,- € (Höchstsatz) für billigen Fusel ausgeben, wenn unsere Kindern in Kindergärten und Schulen bereits mit einem 6 – 8 Stundentag auf die Produktionsgesellschaft hin trainiert werden – wofür sie dankbar sein müssen! -, sollte in der gesamten Bundesrepublik eine Glocke ertönen. 10.00 Uhr, Kniefall-Apell.

Text:

„Liebe Politiker!

Wir wissen, wie schwer Euer Leben ist. Wir wissen, daß die Anwesenheit im Bundestag nicht gewährleistet werden kann, denn bei den knapp 7960,- €,

Alle: 7960,- €!

die Ihr verdient, muß man in den einen oder anderen Aufsichtsrat schauen. Dazuverdienen.

Alle: DAZUVERDIENEN!

Dennoch ist das alles zu wenig. Gefahren lauern überall und die Korruption ist eine Versuchung, der keiner widerstehen kann. Jeder ist käuflich,

Alle: KÄUFLICH!

es kommt nur auf den Preis an. Kindergärtnerinnen sollten auch mehr Geld bekommen, sonst ist davon auszugehen, dass sie eines Tages Kinderpornos drehen müssen, um nicht zu verarmen.

Alle: VERARMEN!

Ärzte sollten auch mehr Geld bekommen, sonst ist davon auszugehen, dass sie eines Tages Organhandel betreiben müssen, um nicht zu verarmen.

Alle: VERARMEN!

Polizisten, Richter, Finanzbeamte sollten auch mehr Geld bekommen, sonst ist davon auszugehen, dass sie eines Tages ihr Amt missbrauchen müssen, um nicht zu verarmen.

Alle: VERARMEN!

Wir bitten Euch.

Alle: BITTE!

Wir bitten Euch untertänigst.

Alle: BITTE BITTE!

Wir bitten Euch ergeben:

Alle: BITTE BITTE BITTE!

Bleibt ehrlich. Vielleicht. Wenigstens so ein klein wenig. Wir zahlen Euch auch ganz viel Geld und sind dann Eure aller- aller – allerbesten Freunde!

Alle: FREUNDE!

Das muss doch helfen, oder? Und was die böse Kassiererin angeht, die wegen einer geklauten Schrippe gefeuert wird: RECHT SO!

Pofalla und die Parteidisziplin

Pofalla hin oder her: Parteidisziplin ist ein übliches Phänomen in einer Parteiendemokratie. Und bevor einer denkt, ich wäre grundsätzlich dafür oder dagegen: bin ich nicht. Nicht grundsätzlich. Politik bewegt sich immer zwischen Idealismus und Pragmatismus – wer was anderes glaubt, lügt sich selbst in die Tasche. Selbst der ehrenwerte Kurt Schumann (Politiker-Kongruenz-Wert: 100 % oder so…)…


(genau bei 1:15)

…mußte pragmatisch handeln, wenn es darauf ankam – Parteigenosse Hoegner unterstellte ihm gar Diktator-Allüren.
Sie gehört in unserem System also dazu, und ich bin mir sicher, daß die Piraten (genauso wie die Grünen in den 80ern) auch noch vor diesem Problem stehen werden.
Wir reden hier also nicht von Parteiendisziplin als generellem Problem, sondern von einem Parteiwerkzeug, das momentan für jeden politischen Handgriff angewendet wird, oder?

Also: was Parteiendisziplin angeht, ist die CDU weiter als die Grünen und jene weiter als die Piraten. Und die FDP ist am allerweitesten: im Abgrund der Belanglosigkeit. Sie sind also alle auf dem gleichen Weg, nur nicht an derselben Stelle.

FDP, da bläst sie wieder!

Wochenlang nur schlechte Nachrichten von der FDP. Die völlig von Idealismus befreite „Spaßpartei“ kam angesichts schlechter Nachrichten aus der Innen- und Außenpolitik und ihrem Mangel an grundlegenden Gegenkonzepten für die globalen Problemstellungen in den Sog nach unten. Abgetaucht, wie Moby Dick. Und ist man einmal vom Ringen um die 5 %-Hürde betroffen, sorgt allein schon die Masse medialer Aufbereitung für eine Verstärkung dieses Sogs.
Ob das gerechtfertigt ist, wage ich zu bezweifeln, obwohl mir wirklich nicht viel an der FDP liegt. Ich mutiere doch nicht aus reiner Abneigung zu Käptn Ahab.

Und nun hat der Herr Rösler alles eine Karte gesetzt: trotz Maulkorb von Fr. Merkel höchstpersönlich hat er das gesagt, was sie alle denken. Griechenland ist bankrott und da hilft nur noch die Insolvenz. Meuterei auf der Bounty.

Das schafft Volksnähe, das befriedet den Stammtisch, wahlweise auch die Kajüte. Oder es heizt die Stimmung gerade da an. Was auch immer der Fall ist, es ist ein Buhlen um die Gunst der (Wähler-)Stimme auf der Straße (oder in der Kajüte), sei es nun gegenüber der Kanzlerin unerhört oder nicht.

Und siehe da, schwupps! – springt die FDP, so mir nichts, dir nichts im Deutschland-Trend über die 5 %. Wal, da bläst er. Wieder.

Jetzt könnte ich mich über Moby Dick aufregen. Tu ich aber nicht. Wer hat die Jagd auf diesen Wal denn überhaupt inszeniert? Richtig. Käptn Ahab und seine Mannschaft von Losern. Wenn nämlich letztere nicht so hörig wären, könnte Ahab befehlen, was er wollte, er könnte mit seinem Holzbein auf die Planken stampfen – es hätte keinen Sinn. Stell dir vor, es ist Walfang, und keiner harpuniert mit.

Aber nein: jede (Stammtisch-)“Wahrheit“ braucht einen, der sich nicht zu schade dafür ist, sie rauszuproleten. Rösler und seine FDP sprechen es endlich aus (Griechenland ist bankrott) und 2 % der Wähler finden das sooo mutig. Ganz wie auf der Pequod. Nur, daß das Ende der Pequod deren Untergang auf hoher See ist – gerammt von einem bösartigen weißen Wal. Freu dich nicht zu früh, FDP. Das Spiel mit dem Stammtisch ist eines mit gezinkten Karten. Oder gebrochener Harpune, in der Logik Moby Dicks gesprochen.

Die Farbpalette der Atheisten

Der Atheist Media Blog klaut schreibt getreu seinem Konzept ganze 5 Sätze zu den Äußerungen deutscher „christlicher“ Politiker und der daraus entstandenen Kontroverse. Ich zitiere:

Kanzlerin empört viele Christen

Bundeskanzlerin Angela Merkel ist mit der von ihr geäußerten Freude über die Tötung Osama bin Ladens auf deutliche Kritik in den Kirchen, aber auch in ihrer eigenen Partei gestoßen. „Als Christin kann ich nur sagen, dass es kein Grund zum Feiern ist, wenn jemand gezielt getötet wird“, sagte Katrin Göring-Eckardt der Berliner Zeitung. Die Grünen-Politikerin ist Präses der Synode der Evangelischen Kirche Deutschlands und Bundestagsvizepräsidentin.

(…)

Auch die stellvertretende Vorsitzende der Unionsfraktion Ingrid Fischbach ging zur Äußerung der CDU-Vorsitzenden Merkel auf Distanz. „Aus christlicher Sicht ist es sicher nicht angemessen, Freude über die gezielte Tötung eines Menschen und über dessen Tod zu äußern“, sagte die Politikerin, die auch dem Zentralkomitee der deutschen Katholiken angehört.

Weiterlesen:

http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/politik/342959/342960.php

(Überschrift inbegriffen).

Nein, Quantität allein reicht nicht aus. Man darf auch kurze Artikel schreiben. Aber wozu schreiben die einen Pseudo-Artikel, der lediglich aus einem Link, dem Zitat der ersten 5 Sätze und dem schlicht-schnöden Imperativ „Weiterlesen:“ besteht, wenn doch eine Einbettung in einen Link-Dump gereicht hätte?

Die Lösung: der Autor schreibt seinen Artikel mehr oder weniger heimlich in den Kommentaren weiter. Folgendes ist im ersten Kommentar zu lesen:

„Es gibt Christen die freuen sich, und es gibt Christen die dagegen sind. Was denn nun??“

Ach so, daher weht der Wind. Da bekommt so ein Atheist natürlich mächtig Kohldampf ob des nicht-gefundenen Fressens hier. In einer Zeit, in der fast jeder, sogar die alt-ehrwürdige Tagesschau mitmacht beim allgemeinen Jubel über eine Exekution; in der an dortiger Stelle kritische Fragen nach dem Verbleib der Leiche bin Ladens automatisch als Verschwörungstheorie etikettiert werden; in der man offensichtlich vergessen hat, daß gerade die Art und Weise des Umgangs mit Verbrechern den Unterschied zwischen Rechts- und Unrechtsstaat ausmacht; in solch einer Zeit sind die handgezählten kritischen Stimmen einem Atheisten ein Dorn im Auge, sofern sie von Christen stammen.

Da sucht man doch lieber im Morast vergangener Untaten seitens der Kirche, um seinem erklärten Ziel, der Haßbekundung näher zu kommen.

Zum inoffiziellen Teil des Artikels („Es gibt Christen die freuen sich, und es gibt Christen die dagegen sind. Was denn nun??“):

Tja, liebe Atheisten-Blogger: nehmt doch einfach die Farbe Eurer Wahl und bemalt die Christen einheitlich in einer Euch passenden. Das Dumme ist nur, daß Ihr offensichtlich nur 2 Farben zur Wahl habt: schwarz und weiß. Mir fällt die Kategorisierung nicht ganz so schwer wie Euch. Es ist doch ganz einfach: die Bibel gebietet die Feindesliebe und somit kommt es, daß sich Christen dazu entschließen, die Exekution bin Ladens nicht zu bejubeln. Sollte Euch das immer noch nicht klar sein, stehe ich gerne für Rückfragen zur Verfügung.

Den anderen sei die Reaktion der Christen ans Herz gelegt. Sie scheinen zu den wenigen zu gehören, die angesichts der kriegerischen Umtriebe in der Welt noch Fragen stellen und nicht kritiklos fressen, was ihnen durch die Medien zu Fraß vorgeworfen wird.

EDIT: mein Artikel bezieht sich auf den Autor des besagten Artikels auf AMB.

…kriegt gescheuert, ehrlich.

Super-GAU
darüber schreibt man nicht
und damit meine ich nicht mal die Opposition, die das nicht dürfen soll
bin eh nicht von der CDU, soviel muß gesagt sein
aber auch wenn ichs wäre, meinte ich damit was anderes
ich meine die Blogger
und doch beschäftigt es einen, also schreibt man
andererseits fragt man sich
warum muß man alles kundtun, was einen beschäftigt?
ja klar
Internet als Medium des Volkes, die Masse authentischer individueller Meinungen gegen die starren etablierten Medien usw.
blabla
wer kontrolliert das Internet, hä?
sind all die Geschehnisse in Arabien ein Ergebnis des „freien Internets“?
glaubt Ihr, Ihr habt mit Eurem Geblogge irgendwas geändert?
sein Leben riskieren, weil man in einer Diktatur auf die Straße geht, das tut man nur, wenn man eh nichts mehr zu verlieren hat
Blogs mögen da eine gewisse Rolle spielen
aber ganz gewiß nicht die Blogs verwöhnter Vorstadtkinder des Westens
pah
nehmt Euch mal bloß nicht zu ernst, Spacken

ach so, tut Ihr nicht?
dann schaut mal, wieviel Chic dabei ist bei dieser ganzen Netzscheiße
dieser ganze Schnick-Schnack drumherum
das Sich-selber-Gutfinden
die Bloggerszene
deren nichtige Treffen
ihr Output, der sich vor allem in Design äußert
und damit meine ich nicht mal die Space-Invaders-T-Tshirts
die gabs schon immer
damit meine ich die Counter-Strike-T-Shirts, die gibts erst seit Winnenden

wer jetzt nicht gemerkt hat, daß das ein Witz war, kriegt ausnahmsweise mal nicht gescheuert
weil mir nicht zum Lachen ist
sondern, und das ist das Komische: zum Schreiben
und das heißt an dieser Stelle: zum Bloggen
(„…und ich finde das zum Bloggen!“ – „APPLAUS“ zeigt die Anzeige und das Talkshow-Publikum apportiert applaudiert)

nee, da hats geknallt in Japan
nachdem die Welle gekommen ist
die nach dem Beben gekommen ist
scheiße
scheiße

und wir sitzen hier und sind mit unserem Scheiß beschäftigt
und damit meine ich nicht die Space Invaders
oder das Internet
sondern die angeblich auf den Tsunami bzw. Fukushima I bezogenen Diskussionen
also das, wovon wir glauben, daß es der konstruktive Beitrag sei, den wir zu dieser Sache leisten
dabei ist es alles andere
Parteienpolitik
Wahlkampf
Regierungsraison
aber auch der Robin-Hoodismus kleiner Buchstabenkotzer, genannt Blogger
und Little John ist der einzig Coole, aber er hat nicht das Sagen
bzw. der dicke Mönch
der war zwar eigentlich gar keiner, aber er war authentisch: Wein, Weib und Gesang

jedenfalls mußte ja auch ein Sarrazene rein bei der Costner-Verfilmung
korrekt geschliffen
glänzend, brillierend gar mangels Inhalt
da gings auch nicht um den Kreuzzug oder die geschichtlich korrekte Aufarbeitung westlich-christlicher Arroganz gegenüber dem Islam
hätte es geklappt mit der Aufarbeitung, hätten wir die Sarrazin-Debatte nicht heute

nein, es ging um uns
das ständige Polieren unseres Images
der Kreuzzug, das waren andere
und wir haben es erkannt, weil wir heilig sind
ein Image, das wir vor uns selbst aufbauen
damit wir auch morgen noch kraftvoll in den Spiegel beißen können

Also:
unsere Kreuzzüge (und wer jetzt sagt „äh-äh, nicht meiner, ich habe damals nicht gelebt“, kriegt echt gescheuert) werden poliert
d.h.: wir haben mit damals nichts zu tun und weil Costner einen Sarrazenen gegen König John kämpfen läßt, sind wir frei von Schuld
noch schnell über die Kirche geschissen und gut is

natürlich sind wir gegen S21
aber am liebsten würden wir uns Uniformen anziehen
damit marschiert sichs leichter gegen S21
und wehe, einer schert aus
der ist eine Gefahr für die Bewegung
da vergißt man schon mal, daß das Ausscheren diese Bewegung groß gemacht hat
und wenn jetzt einer sagt: „hä? ich dachte, der ist gegen S21“, kriegt er gescheuert

unsere Regierung ist böse, weil sie die AKW-Laufzeiten verlängert hat
fragt sich nur, wie sie zu unserer Regierung geworden ist
äh-äh, ich hab die nicht … KLATSCH!
ich auch nicht
aber mir ist es auch nicht gelungen, es zu verhindern
mitgefangen unbefangen

noch schnell die Merkel zusammengeschissen und gut is
weil wir ja alle keinen Strom verbrauchen
oder wenn, dann ists nur ÖKO-Strom
aber was ist mit all dem Konsum, dem wir folgen?
schreiben wir auf Papyrus?
oder bloggen wir in ein Internet, das insgesamt ein vierzehn Milliardstel Gramm wiegt, weil es aus Elektronen und somit zu einem gut Teil wohl aus Atomstrom besteht?
und jetzt werden die einen oder anderen sagen:
ach so, darauf will der hinaus… in unserer Zivilisation ist es gar nicht möglich, keine Atomenergie zu nutzen
also: entweder aussteigen oder scheißegal-Einstellung kultivieren
Nee, nix da. Das meine ich nicht
ich meine vielleicht nur die Möglichkeit, mal ein wenig was anderes zu denken als das, was vorgegeben wird
sich also nicht dem Zwang von entweder / oder beugen
Öko-Strom oder konventioneller Strom
Regierung oder Opposition
für oder gegen Ego-Shooter
für oder gegen S21
ließe sich endlos weiter…
ich meine damit einfach nur die Frage:
was passiert da gerade?
wie funktioniert dieses Chaos, in dem wir stecken?
welche Rolle habe ich darin?

und vielleicht, aber auch nur vielleicht – denn es ist nicht mehr als mein Entschluß, den ich an dieser Stelle treffe – folgert man dann:
egal, was da erkannt wird
auf welche Weise das System funktioniert
wie sehr auch die Schwächen der anderen offenbart werden
es ist doch eigentlich völlig scheißegal
wichtig ist doch:
welchen Teil trage ich zu dem ganzen Chaos bei?
wo bin ich gedankenlos, konformistisch, egoistisch, böse?

Das ist doch die absolut einzige Frage, die zählt.

Also: nehmt Euch mal nicht zu ernst, nur weil Ihr das Etablierte nicht unterstützt.
Das ist keinerlei Auszeichnung.
Es ist auch keine Lösung, jetzt schon die nächste Regierung (Rot-Grün?) zu verurteilen.
Nicht, daß ich damit sagen will, daß es keinen Sinn macht, die Regierung abzuwählen.
Tut es.
Nur geht es mir nicht um die Tatsache, daß die Opposition irgendwann mal Koalition wird und somit systemgemäß von ihren Wahlversprechen abweichen wird.
Es geht nicht um Korruktionsprognosen.
Auch das ist eine Frage des Intellekts, nicht der Moral.

Moral ist die Beschäftigung mit der eigenen Moral.

Also vergeßt nicht, daß das Dagegen-Sein noch nichts, rein gar nichts darüber aussagt, ob Ihr den schlechten Teil in Euch abgewählt habt.
Man kann gegen die CDU, gegen AKWs, gegen Zensur, gegen Turbo-Kapitalismus, gegen Sozialabbau, gegen S21 sein
und trotzdem kann man gleichzeitig das größte Arschoch sein, das auf dieser Welt rumläuft.

Und wenn jetzt einer sagt: „hä? und wo redest Du denn über Deine Schwächen?“, kriegt der gescheuert, ganz ehrlich.

Update:
der Blasphemie-Blog weint, weil Christen das Ende der Welt herannahen sehen.
Also da sterben tausende in Japan, Fukushima explodiert fast, die Börsen stürzen ab.
Und der Blasphemie-Blog? Beshäftigt sich mit sich selbst. Genau das meine ich.

Zum Abschluß ein Screenshot von der dortigen Zensur:

da sag ich nur:
gescheuert, gescheuert, gescheuert.
batsch, batsch, batsch.

und darum:

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