Nachrichten werden nicht „gemacht“? Hold my beer…

Seit Ende November sinkt das Infektionsgeschehen ständig. So auch heute:

13 908 Neuinfektionen (Vorwoche: 29 348)

69 Todesfälle (Vorwoche: 180)

Hospitalisierungsinzidenz: 3,26

R-Wert: 0,77

(Quelle: RKI)

Gute Nachrichten, sollte man meinen. Sowas verkauft sich aber nicht. Medien brauchen vor allem schlechte Nachrichten. Was macht also das öffentlich-rechtliche Nachrichtenmagazin „heute.de“? Ah, ja: es gibt genau einen Wert, der dem positiven Trend gegenläufig ist, und das ist die Inzidenz. Dieser ist von 220,7 (gestern) heute auf 222.7 geklettert. Und genau das wird die Überschrift.

Wow. Das ist ja fast ein (1) Prozent!!! Um genau zu sein beträgt der Wert 0,906!!! Zum Vergleich: Neuinfektionen haben sich um mehr als die Hälfte verringert, ebenso die Todeszahl. Aber was kümmert das ZDF denn Verhältnismäßigkeit bei der Berichterstattung? Wäre dem so, gäbe es eine positive Nachricht mehr neben der Tatsache, dass das Infektionsgeschen wieder abflaut und Omikron offensichtlich nicht der große Horror ist, zu dem es in diesen Medien seit Wochen gemacht worden ist.

Also: Gesamtbild ignorieren, Fokus auf ein Mosaikstückchen legen, das den Duktus des Mediums transportiert und raus damit als Schlagzeile: Sieben-Tage-Inzidenz steigt wieder.

Damit der oberflächliche Nachrichtenkonsument die Schlagzeile bekommt, die er braucht.

Weltuntergang: Online-Ausgabe des Hamburger Abendblattes nur noch gegen Gebühr!

Vielleicht unterschätze ich die Wirkung, die diese Entscheidung haben wird. Vielleicht ist es Ignoranz, wenn ich Stammlesern der Online-Ausgabe des Hamburger Abendblattes den Rat gebe, einfach woanders zu lesen. Vielleicht unterschätze ich das alles also und sollte mich aufregen.

Angesichts der Einführung von Gebühren für den Abruf bestimmter Online-Artikel bei besagter Zeitung bleibe ich jedoch gelassen:

wem wird hier was genommen? Wer die Gebühren nicht zahlen will, wird auf der Suche nach Nachrichten-Content im Netz fündig, sobald er drei Schritte weiter geht. Es ist so dermaßen unwichtig, was das Hamburger Abendblatt diesbezüglich tut, daß ich sogar noch einen Schritt weiter gehe und mich freue.

Warum?

Ich denke, daß das ein zu erwartender Schritt in Richtung Verlagerung der Berichterstattung auf das Netz war. Was wird geschehen? Viele User werden abspringen, die Seitenbetreiber werden dennoch zunächst mal einiges mehr an Kohle verdienen. Dafür werden sie ein Mindestmaß an Qualität bieten müssen, denn die User haben dann ja bezahlt, also dürfen sie auch eine Gegenleistung erwarten.
Kurz: der Handel „Geld gegen (Nachrichten-)Informationen“ soll sich nun auf das Internet als Medium verlagern – so die Vorstellung.

Das wäre mir aber neu. Der Siegeszug des Internets war ja ein Siegeszug der freien Informationen für lau. Angesichts der enormen Konkurrenz dürfte man sich da ins eigene Fleisch schneiden: wer nicht bereit ist, beim Hamburger Abendblatt Geld für Nachrichten zu zahlen, geht eben zur Konkurrenz, und die wird durch ein kostenfreies Angebot eher mächtiger denn schwächer.

Bisher haben die Online-Pendants der Zeitungen ihren eigentlichen Zweck, neugierig auf die „Handheld-Ausgaben“ zu machen, doch bestens erfüllt: Menschen lasen, wurden aufmerksam und entschieden sich, hier und da mal die „echte“ Zeitung zu kaufen. Hat sich – mal ganz abgesehen vom Werbe-Effekt – doch ausgezahlt, oder? Jetzt kommen irgendwelche Qualitätsprüfer und überlegen, wieviel Geld sie durch die Gebührenschranke noch verdienen könnten.

Meine Prognose: das wird sich nicht auszahlen. Im Internet gibts einfach zu viel kostenfreien Content.

Aber mal ehrlich: ich habe das Hamburger Abendblatt eh noch nie gelesen und werde auch in Zukunft ganz gut ohne auskommen.

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