Kein Nazi, aber…

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Andere Geschichte eines Nichtwählers

Der Mann liegt halb auf dem Gehweg, halb auf der Straße. Mein Blick bleibt sofort an ihm hängen. Ist er ohnmächtig? Nein… er regt sich, kriecht auf ein Fahrrad am Gehwegrand zu.

Ah, er ist also besoffen. Und zwar so dermassen voll, dass ihm selbst das Kriechen schwerfällt. Immer wieder erschlafft er völlig.

Der braucht offensichtlich Hilfe.

Nachdem ich das letzte Mal so etwas gemacht hatte, weiss ich, dass man zuerst die Polizei rufen muss. In Deutschland geht „öffentliche Sicherheit“ offensichtlich vor Gesundheit. Da erspare ich mir jetzt mal einen Kommentar.

Ich gebe also meinen Namen an und schildere das Gesehene. Eine Streife will nach dem Rechten schauen.

Inzwischen hat sich der arme Kerl irgendwie auf ein abgesperrtes Baugelände geschleppt und liegt jetzt auf der Bank.

Sie zu mir: „Komm, wir müssen wählen.“, dann sieht sie ihn. „Der wählt heute bestimmt nicht.“

Ich: „Nee. Der hat keine Wahl.“

 

Erst denken, liebe Spiegel-Leser (Spiegel-Titel vor kurzem: „Nichtwähler: träge, frustriert, arrogant“), dann verurteilen.

occupy Börsen, Banken, Bier

also beim Karate
da geht es ja um Selbstverteidigung
ganz so wie beim okkupieren der Wall Street
weil die greifen unsere Existenz an
das wird ja schon quasi körperlich
wie einer, der mir an den Kragen will
da muß man dann selbst körperlich werden
den einen Griff anwenden
und vielleicht sogar den anderen Schlag austeilen
Karate könnte helfen
aber Meister Miyagi sagt
nicht irgendeinen
sonst nützt es nicht
oder wird unverhältnismäßig
also:
wenn der dir mit der Faust kommt
wehr sie ab
wenn der damit nicht aufhört
wehre nochmal ab und dann schlag zu
mach ihn unschädlich

aber das, was die in Rom gemacht haben
ist einfach nur bescheuert
wer hat die verletzt?
die Schaufensterscheibe bei 1:28?
das brennende Verteidigungsministerium bei 1:40?
das brennende Auto bei 2:41?
und was wird durch die Gewalt verhindert?
ändert sich nun das Bankensystem?
ist etwas Abstraktes wie ein System
durch etwas Konkretes wie Gewalt überhaupt beeinflußbar?
sind es die Banker, die ihr treffen wollt?
welche denn?
alle?
alle Banker sind Schweine?
die Politiker?
alle Politiker sind Schweine?
und wenn ihr sagt:
nein, es sind nicht alle Banker und Politiker Schweine
aber es reicht ein % von hundert
um uns allen zu schaden
vergeßt ihr dabei nicht
daß ihr es seid,
die uns allen schaden?

gestern in der Tagesschau
eine brennende Stadt
das ist nicht subversiv
oder gar Ausdruck demokratischen Willens
das ist einfach nur dumm
weil der Bankomat jetzt nicht mehr funzt
deshalb müssen die ganzen Hools jetzt einen anderen Automaten suchen
einen, der noch funktioniert
damit sie das Geld abheben können
das sie selbst ebenfalls auf der Bank haben
um sich technischen Schnickschnack zu kaufen
mit dem sie ihre Revolution twittern
oder bei facebook posten
oder youtube
bescheuert

und wenn anonymous sagt
sie rufen zum „friedlichen Protest“ auf
frage ich mich
warum die dazu noch aufrufen müssen?
es bedarf keiner anonymen Aufrufe
um friedlich zu protestieren
die Organisation des 15.10. hat auch ohne die Anonymen gut geklappt
zu welchem Teil davon muß anonym aufgerufen werden?

und wenn die sagen
„wir vergessen nicht“
sage ich:
nee, euch vergißt die Geschichte nicht
ihr seid so ne Art Faschos
die haben wir nicht vergessen
obwohl wir es gerne würden
aber die Pest stirbt nicht aus

wenn ich eure lachhaften Aufrufe sehe
im Netz
denke ich sofort an Brainwashing
und dann diese bescheuerte Aufmachung
ein wenig zu viel Matrix geschau, ne?
nur: Matrix strotzt nicht so vor Kitsch
kitschige Musik
kitschiger Bildschnitt
kitschiger Duktus

vielleicht bedarf es ab und an mal einer Revolution
Umwälzung
Neuanfang
aber manchmal ist es schon erschreckend
was für Pfeifen sich an den Unmut des Volkes heften
um ihren geistigen Dünnschiß auf dieser Welle zu verbreiten
jedenfalls:
wenn dies eine Revolution ist
und wenn es demnächst
was ich nicht hoffe
aber auch nicht verhindern kann
zu richtig bösen Gewalttaten kommt
weil Menschen glauben
„für das Gute“ zu handeln
wenn sie andere verletzen oder töten
wenn es also zu Mord und Totschlag kommt
weil irgendein Depp sich für Neo und andere für Agenten
und diese Realität für die Matrix hält
dann seid ihr schuld
denn ihr habt das Potenzial
die nächsten Faschisten zu werden

und ja: ich habe sie gesehen
diese vielen friedlichen Demonstranten
und ich bin mir ganz sicher
daß es friedlich geblieben wäre
wenn Faschisten wie ihr nicht
Aufrufe im Netz gepostet hätten
die ein paar wenigen als Legitimation dienen
weil sie unkonkret formuliert sind
weil sie mit Ängsten
Wut
viel Bauch
aber wenig Hirn
spielen
und diese heraufbeschworenen Gefühle
dann kommentarlos stehen lassen

das ist wie zündeln
an der Tanke
oder Karate
gegenüber dem kleinen Nachbarsjungen von nebenan
„schau her
ich kann dir den Arm umdrehen“
Toll, Daniel.
Ganz toll.

und jetzt noch etwas Grusel aus dem B-Movie:

[UPDATE]
„tapfer im nirgendwo“: erfrischend vernünftige Gedanken zu ausufernden Okkupisten in Köln.

Protest S21: äh…in welcher Richtung halte ich den Lauf?

Über die Vorkommnisse am 30.09. im Stuttgarter Schloßgarten brauche ich ja wohl keine Worte mehr zu verlieren, als ich es bereits hier und hier getan habe.

Sie hatten die Bundesrepublik aufgerüttelt. Zu viele Augenzeugen, zu viele youtube-Videos hatten die Medienmaschinerie etablierter Politik entlarvt. Der einzige Weg für ebendiese, einigermaßen trocken aus dem Sturm der Entrüstung, den diese Bilder und Berichte ausgelöst hatten, rauszukommen, wäre eine Entschuldigung, wären rollende Köpfe gewesen. Und weil die Maschinerie genau das nicht zuließ (wer übernimmt schon freiwillig die Verantwortung für ein Desaster?), wurde trotz des Übermaßes an Gegenberweisen die UNwahrheit verbreitet, Rentner und Schüler hätten eine paramilitärisch ausgerüstete Polizei zu hartem Durchgreifen provoziert. Und genau das hat wiederum zu noch mehr Protesten geführt. Ergebnis: die Demonstrationen am 01.10., 04.10. und 08.10. waren die bis dato größten mit 100000, 55000 und 150000 Menschen.

Nun war gestern die angekündigte Großdemo mit Konstantin Wecker am Schloßplatz. Es war kalt und nieselig und demnach sind ca. 25000 Demonstranten durchaus als Erfolg zu sehen – die Samstagsdemos waren bisher immer eher enttäuschend.

Gegen Ende jedoch wurde es dann leicht spannend, als das Gerücht über Twitter verbreitet wurde, daß ca. 40 Personen den Südflügel besetzt hätten. Kurz danach wurde das auch live als Video von drinnen gestreamt. Um die 9000 Betrachter bewiesen, wie sehr die Bilder vom 30.09. das Bewußtsein um zivilen Ungehorsam und die Reaktion der Polizei darauf geprägt hatten, wie groß das Interesse an den Vorkommnissen um S21 herum inzwischen ist.

Die Kamera war fast andauernd auf die Brandschutztür gerichtet – diese war verschlossen und um die aufzubrechen, bedarf es eines Rammbocks der Größe Gronds.

Irgendwann kam die Polizei auf die Idee, die Angeln, das Schloß und den Türschließer zu flexen, was im gefühlt 17. Versuch dann auch gelang.

Die Spannung stieg und während die Rammstöße die Tür immer ein wenig mehr aus den Angeln drückten, hatte man als Twitter-Konsument genügend Zeit, sich die Erstürmung des besetzten Südflügels in allerfeinster GSG9-Manier vorzustellen.

Und dann kam der heiß ersehnte Moment. Die Tür flog auf und aus etwas Rauch und Staub kam…

…nicht Darth Vader. Auch nicht Rambo.

Da standen zwei PolizistInnen mit Neon-Weste flankiert von ein paar BePos. Sie liefen ganz entspannt auf die Besetzer zu und fragten nach dem Sprecher der Gruppe. Dem übermittelten sie in schwäbelndem Hochdeutsch relaxed die Aufforderung, das Gebäude in kleinen Gruppen zu verlassen.
Dies geschah und alles war vorbei.

Irgendwie blieb ein Gefühl der Ratlosigkeit…
was hatte diese Aktion nun bewirkt?

Die Parkschützer sprechen heute von einer wichtigen PR-Aktion.

Nun, dem widerspreche ich aus vielerlei Gründen.

Zunächst einmal ist eine PR-Aktion geplant. Das war diese Aktion zwar auch, aber zur Planung gehört meiner Meinung nach vor allem die Frage, wie bei einer inszenierten Auseinandersetzung das Verhalten der Akteure in der Öffentlichkeit bewertet werden wird. Was bleibt am Ende im kollektiven Gedächtnis haften? Welche Assoziation wird durch das Wort „Südflügelbesetzung“ beim Normalbürger – und die wollen wir ja erreichen! – ausgelöst werden?
Ich denke, es wird folgender Gedanke sein: „Och, die Polizei war ja ganz niedlich…“.

Wenn also das Ziel der Aktion war, auf das Verhalten der Polizei hinzuweisen, dann ist das in einer Art gelungen, die sicher nicht erwünscht war: die Polizei hat sich völlig vorbildlich verhalten. So hätte man sich das am 30.09. gewünscht.

Nicht, daß ich mir gewünscht hätte, die Polizei hätte sich gestern wie am 30.09. verhalten, keineswegs! Ich bin zwar überwältigt von der Welle der Solidarität, die der unverhältnismäßige Einsatz der Polizei an jenem Tag in der Republik ausgelöst hatte und freue mich darüber. Aber ich würde mich natürlich nicht über eine weitere Gewalt-Eskalation freuen. Wer die Eskalation jenes Donnerstags im Hinblick auf den Auftrieb, den die Protestbewegung dadurch erhalten hat, als in diesem Sinne positiv und womöglich wiederholenswert bewertet, hat da irgendetwas nicht verstanden. Die Polizei hat sich also zum Glück vorbildlich verhalten.

Aber war das Glück?

Nein.

Sie hat sich vollkommen absichtlich vorbildlich verhalten.

Klingt seltsam? Nun, man stelle sich vor, wie Rech und Mappus gestern Abend in der Kantine des Landtages zusammensitzen und ein weiteres Mal darüber grubeln, wie sie das Image der Prügelpolizei loswerden können.
Und dann sagt Mappus: „Vielleicht könnten wir ja eine Aktion zivilen Ungehorsams inszenieren, die wir dann durch Kuschelpolizei auflösen…?“
Und der Rech so: „Nee, das blickt doch jeder, daß das inszeniert ist. Wozu sollten die Demonstranten eine Aktion durchführen, bei der sie sich dann von der Polizei zur Ordnung bitten lassen und dem dann auch noch Folge leisten?“
Mappus so: „Stimmt, ja. Und dann wäre ja noch die Frage, welchen Akt des zivilen Ungehorsams die im Moment vollbringen könnten…es wird im Moment ja nirgends abgerissen. So blöd sind die auch nicht.“
Rechs Handy klingelt (Nationalhymne). Der nimmt den Anruf an und nach kurzer Zeit erhellt sich sein Gesicht.
Anschließend Rech zu Mappus: „Vergiß meinen letzten Satz. Die sind so blöd und haben den Südflügel besetzt.“
Und der Mappus dann: „Also los: wir präsentieren den Medien die friedlichste Aktion, die man je bei der Räumung einer Hausbesetzung gesehen hat.“

Einen weiteren Grund habe ich Rech gerade eben in den Mund gelegt. Stellt Euch mal vor, die verbarrikadieren sich da drin und natürlich muß die Polizei abriegeln – nennt mir einen einzigen Menschen in Deutschland, der dafür kein Verständnis hätte. Und dann ließe sie die Besetzer einfach drinnen schmoren…weil durch die Besetzung des Südflügels nichts, rein gar nichts verhindert wird. Die Arbeiten dort ruhen sowieso und S21 wird zumindest dadurch überhaupt nicht verhindert, kein bißchen.

Und dann müssen die ganz kleinlaut nach 3 – 4 Tagen darum bitten, daß man sie rausläßt, weil sie endlich wieder anständig scheißen wollen, geschweige denn von dem Umstand des Hungers bzw. Durstes, der Übernächtigung und womöglich, weil die am Montag zur Schule oder zur Arbeit müssen…das Ganze ist noch glimpflich verlaufen. Es hätte ein PR-Desaster werden können.

Wann beginnen die Leute endlich mal, zu denken?

Wozu einen Südflügel besetzen, der im Moment nicht abgerissen wird? Wozu das Spiel an sich reißen, wenn der Gegner die Trümpfe in der Hand hält? Das ist so, als hätte der starke Junge von nebenan einem den Ball zurückgegeben, nachdem die Mama interveniert hat und man läge ihm den Ball vor die Füße und nähme ihn wieder weg, damit es so aussieht, als sei man stark…

Ich habe kein Problem mit organischem zivilem Ungehorsam – eine Menge von 100000 Menschen setzt sich, wie bei den letzten Demos, irgendwann einfach in Bewegung, da kann man nichts machen, dann gibt es einfach einen Demozug, ob der geplant war oder nicht.
Und wenn jeder weiß, daß der Grube in der Liedehalle ist und der IHK die Show vorspielt, die sie sehen will – also Rendite-Hochrechnungen -, dann ist es für mich vollkommen OK, wenn Menschen, die ein paar hundert Meter weiter gegen all das demonstrieren, zur Liederhalle ziehen, um friedlich, aber lautstark zu protestieren.

Daß diese Menge dann aber die Tiefgarage blockiert oder Autos mit Aufklebern zukleistert, obwohl sie damit Gegner und Befürworter des Projektes schädigt ist genauso dumm wie die klägliche Vorstellung der Besetzer gestern abend, denn man muß sich, wenn man schon den Kampf um die Selbstinszenierung eingeht, immer fragen: wie sehe ich dabei aus bzw.: wer geht aus diesem Kampf als Sieger hervor?

Es war die Polizei.

Ich könnte mir vorstellen, daß so manch einer gestern gesagt hat: hach ja, es gibt sie noch, „unsere“ friedliebende Landespolizei – und das völlig zurecht! Ich bin von Politessen fürs Falschparken schon blöder angemacht worden als die Besetzer gestern von der Polizei…

Verstehe mich bitte keiner falsch: inhaltlich ist mein Standpunkt zur S21 der Gleiche wie zuvor. Ich gehe sogar weiter: meine Bewertung des Vorgehens der Polizei vom 30.09. ist durch den gestrigen Akt in keiner Weise beeinflußt – der 30.09. steht für ein barbarisches Vorgehen der Polizei.
Aber was denkt der bisher Unbeteiligte? Noch schlimmer: was denken jene, die bisher aus reiner Loyalität für S21 waren, zwischenzeitlich aber aufgrund der skandalösen Vorkommnisse am 30.09. ins Wanken geraten waren?

Das muß man einfach im Auge behalten. Diese Auseinandersetzung findet über die Medien statt – kein Schwein hat sich für die 4000 Leute interessiert, vor denen ich im Mai gestanden bin. Nun sind es (abgesehen von gestern) 100000 und mehr, weil der einfache Wille des Volkes auf mehr Beteiligung an der Politik mit Füßen getreten worden ist und sich die etablierte Politik entblößt hat. Man konnte den 30.09. nicht planen, denn die Proteste waren organisch, frei, ungezwungen und die Ausschreitungen nicht inszeniert, zumindest nicht seitens der Demonstranten. Genau das Gegenteil gilt für die Seite der Projekt-Verantwortlichen einschließlich Einsatzkommandos der Polizei.

Das nun wiederholen zu wollen, nur, weil es aus 5000 Leuten 50000, 100000, 150000 gemacht hat, ist dumm. So was wie am 30.09. kann und darf sich nicht wiederholen.

Also muß man im Kopf durchspielen, was passiert, wenn man bewußt mit den Medien spielt.

Der 30.09. reicht als Beweis staatlichen Willens zur Durchsetzung seiner Macht gegenüber den Bürgern. Warum soll man das „toppen“?

Borna: „an den nächsten tag“

Manipulation bei der Tagesschau

Heute morgen berichtete tagesschau.de über den polizeilichen Angriff auf friedliche Bürger, die sich schlimmstenfalls zivilen Ungehorsam vorwerfen lassen müssen.
Direkt daneben platzierte die Site einen Bericht über den Umbau des Wiener Bahnhofs, der – im Gegensatz zu S21 – von der ortsansässigen Bevölkerung geradzu vergöttert wird, wenn man dem Autor Glauben schenken will.

Es gab keinen besonderen Grund für den Artikel. Also keinen geplanten oder ungeplanten Vorgang im Rahmen des Umbaus, der das gerechtfertigt hätte. Jetzt wird mancher sagen: na gut, dieser Artikel ist pro S21, das ist doch erlaubt.

Tja, seriöser Jounalismus kennzeichnet Kommentare, und dieser ist aufgrund dessen, daß er dies nicht tut, gerade mal eine Meinung, noch nicht einmal ein Kommentar.

Medien wirken hochgradig normativ und angesichts von Verletzten (die Gerüchte, daß es Schlimmeres gegeben hat, werden sich hoffentlich nicht bewahrheiten…) ist es nicht einfach ein Formfehler der Tagesschau, bei einem derart heißen Eisen eine als Artikel getarnte Meinung direkt neben einer Meldung zur polizeilichen Eskalation in Stuttgart zu platzieren, nein: es ist grob fahrlässig und jounalistisch höchst unseriös. Und womöglich ist es bezahlte Werbung. Deshalb keinen Link, sondern nur einen Screenshot (Anm.: inzwischen ist der Artikel nicht mehr direkt daneben, aber immer noch anklickbar):

Stuttgart 21: brutales Vorgehen der Polizei

Ausschuß tagt heute über das brutale Vorgehen der Polizei gegenüber Kindern und Rentnern.

target=“_blank“Da werden kleine Kinder instrumentalisiert, vor einer Demonstration hergetrieben, das ist unglaublich.“
Der CDU-Abgeordnete Rolf Koschorrek in der Gesundheitsdebatte im Bundestag

Dieser Aussage geht ein zweifelhaftes Verständnis von Demokratie voraus: daß nämlich Demokratie etwas sei, woran Menschen heranzuführen seien, etwas, das man müsam erlernen und womöglich studieren müsse, etwas, zu dem ein gewisses Alter vonnöten sei, das einen biologisch dazu befähige, demokratisch zu denken und zu handeln.

Nein, es ist anders: wenn Menschen sich engagieren, einen Willen bilden und diesen zum Ausdruck bringen, IST das bereits Demokratie. Die Lehrer, die die Schulklassen zum Schloßgarten gebracht haben, haben sich durch eine lebensnahe Pädagogik ausgezeichnet.
Schüler dorthin zu bringen, war mitnichten verantwortungslos, denn Polizeipräsenz sollte in einem Rechtsstaat nicht automatisch zu Verletzungen führen, d.h.: in einem Rechtsstaat sollte ein Bürger keine Angst vor Nähe zur Polizei haben müssen.

Die Aussage Koschorreks spricht den SchülerInnen ab, zu eigenem Denken fähig zu sein, da er von „Instrumentalisierung“ spricht. In Wirklichkeit ist er der einzige, der sie instrumentalisiert bzw. es versucht: anstatt die Frage nach dem Verantwortlichen für das brutale Vorgehen der Polizei zu stellen, benutzt er die emotinal-protagonistische Haltung einer Gesellschaft gegenüber ihren Kindern, um in demagogischer Manier gegen Projektgegner zu hetzen – die BILD hätte das nicht besser hingekriegt.

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