Mein Handy starrt mich an.

Tagelang wurde über die Verfolgung der beiden Ausbrecher Heckhoff & Michalski berichtet. Nach Heckhoff wurde heute nun auch Michalski gefaßt. Für derartige Boulevard-Meldungen habe ich mich noch nie interessiert.

Was mich jedoch wirklich stutzig gemacht hat, war die Bemerkung des Einsatzleiters Klinger über „neue Überwachungsmaßnahmen“, die es möglich gemacht haben, Michalskis Handy zu orten.

Tja, das freut nun sicher etliche BILD-Zeitungsleser. Ich hingegen habe irgendwie das Gefühl, daß mich mein Handy neuerdings anschaut.

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tiehierf – the number of exclusion

Bergab.
Kurve.
Naß.
U-Bahngleise.

Zuviel für einen Kangoo. Der Wagen bricht aus. Nach rechts, nach links, dann wieder nach rechts.

Danke, parkendes Auto, danke Betonpfeiler, denn ohne Euch…
Glimpflich, ja, aber auch ein Blechschaden muß polizeilich registriert werden. Da sitze ich nun im Einsatzwagen, den Unfall vor meinem geistigen youtube-Fenster in HD loopend. Und während ich auf meine Papiere warte, sehe ich es:

Die Innenverkleidung der Polizeiwagentür.

Hartplastik, zerkratzt. Nicht ein oder zwei Kratzerchen etwa, die unsereins vom übereifrigen Ein-und Aussteigen oder dem Transport des neuen IKEA-Regals kennt, nein. Diese Tür ist übersät von Kratzern und ohne je dabeigewesen zu sein, sehe ich vor meinem inneren Auge entsetzt die Situationen, in denen sie entstanden sind. Nix mehr youtube.

Die Realität drückt auf das „X“ und dann bekomme ich sie wieder, meine Papiere.

„Die Fahrzeughalter werden sich vermutlich die nächsten Tage mit Ihnen in Verbindung setzen und dann müssen Sie ihrer Kfz-Versicherung blablabla…“. Ach ja, mein Leben in der Mitte dieser Gesellschaft war etwas aus der Spur geraten, erinnere ich mich.

Während ich das Polizeiauto zurück in dieses bürgerliche Leben verlasse, sehe ich die Spuren, die bei den Gewaltakten entstanden sind. Man kann sie lesen: hier mußte jemand rein, der garantiert nicht rein wollte.

Und im Namen aller Inhaftierten lese ich die Spuren rückwärts: Freiheit.

B 313 31: Polizei peinigt Piraten

Das ging daneben:

Die Piratenpartei kann sich bei dem Polizisten bedanken, denn er hat ihrem Motto „Freiheit statt Angst“ im Zusammenhang mit dem Begriff des Überwachungsstaates eine wahrscheinlich ungewollte Schwere verliehen. Wurde die Piratenpartei bisher eher belächelt oder höchstens noch als Manifestation des Narzißmus einer infantilen Gesellschaft gesehen, beschleicht wohl jeden Betrachter des Videos ein verdammt ungutes Gefühl.

Von Horror-Phantasien kann hier keine Rede sein. Sollte bei der juristischen Rekonstruktion dieses Vorganges (und da kann man einen drauf lassen, daß diese erfolgen wird!) nicht etwas völlig anderes rauskommen, wird hier offensichtlich ein Demonstrant / Passant / (echter oder selbsternannter) Journalist aufgrund der ersichtlichen schriftlichen Erfassung der Vorgänge von einem Polizisten (Nr: 2212) auf den Boden gezerrt und grundlos von diesem und einigen seiner Kollegen zusammengeschlagen sowie verhaftet, d.h.: in einem Polizeieinsatzwagen mit dem Kennzeichen B 313 31 abgeführt.

Aus meiner Sicht interessant:
die Konfrontation mit dem Aufschrieb scheint des Polizisten Gemüt zu überfordern. Auf dem Zettel steht ja nichts, was nicht geschehen wäre (Foto folgt, habs in irgendeinem Blog gesehen – dürfte sich wie ein Lauffeuer verbreiten). Die schriftliche Fixierung, einem Tathergangs-Protokoll gleich, führt dem Polizisten vor Augen, daß der Schreibende sich selbst als Ordnungshüter versteht. Nämlich als mündiger Bürger, der sein Recht wahrnimmt, öffentliche Vorgänge für die Öffentlichkeit nachvollziehbar festzuhalten und womöglich zu veröffentlichen. Dem liegt die Auffassung zugrunde, daß der Polizist zwar Macht ausübt, diese aber nach strikten Regeln und zwar so, daß er seinen 80 Millionen Vorgesetzten dafür Rechenschaft abzulegen hat. Und das geht für den Polizisten mal gar nicht: er soll der Kontrollierte sein? Womöglich der Verbrecher? Tja, und da fühlt er sich dazu aufgerufen, die Verhältnisse in seinem Sinne wieder gerade zu rücken…

Bin mal gespannt, was der Kerl macht, wenn er diesen Vorgang und die Reaktionen darauf auf Youtube, Twitter und inzwischen bereits unzähligen Blogs nachverfolgen kann.

EDIT:

Ari auf homerecording.de schließt meinen Thread mit dem Hinweis auf das youtube-Video mit folgenden Worten:

„Poste dein Kram in Foren, wo sich dann andere Aufdiefressebekommer drüber auskotzen können. Aber nicht in einem Musiker-& Künstlerforum. Hier interessiert das niemanden.“

Das alles neben Artikeln zum Wahl-O-Mat oder Porsche vs. Ferrari, klassischen Musiker- und Künstlerthemen also…

Hm…dann wohl besser doch noch auf nach web.de…;-)

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