Kein Nazi, aber…

Brigitte Dings wird 80

Brigitte Bardot wird 80. Wer? Die da:

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Klar. Das beeindruckt auch noch 60 Jahre danach. Nein, ich werde jetzt kein Vergleichsbild zu heute posten, denn logischerweise sieht sie heute alt und runzlig aus. Und nein, das ist es nicht, was mich stört. Ich störe mich auch nicht wirklich an ihrer Ausrichtung an der politisch extremen Rechten. Das ist zwar verwerflich, aber ich kann mich ja nicht über jeden kleinen Vorstadt-Nazi kümmern.

Was mich wirklich stört, ist der Artikel auf heute.de anlässlich ihres Geburtstages.

Beispiel:

bardotheute2Aha. Nicht BB liegt falsch, sondern BB sagt, was sie denkt und damit eckt man eben an. Dem einen gefällts, dem anderen nicht. Da erscheint die Überschrift zum Artikel auch in einem ganz anderen Licht:

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Wir erinnern uns an Thilo Sarrazin. Oder Udo Ulfkotte. Oder auch, eine Nummer kleiner und (scheinbar) unpolitischer: Bernhard Bueb. Oder Michael Winterhoff usw. usw. Sie alle haben sich mit ihren „Streitschriften“ zu Wort gemeldet, um konservatives und rechtspopulistisches Gedankengut als Lösung für Probleme anzubieten. Und immer, wenn man sie oder ihre Anhänger mit dem Sturm der Entrüstung konfrontiert hat, den ihre Aussagen ausgelöst hatten, kam als Antwort: sie seien nun mal nicht gekommen, um schön daherzureden, wichtige / wahre Dinge würden halt nunmal polarisieren, manches müsse provokant formuliert werden, um Veränderung auszulösen usw. Das würde einer bestimmten linken Bürgerschaft zwar nicht gefallen, dennoch müsse es mal gesagt werden.

In dieses Horn stößt der Artikel auf heute.de: BB provoziert und eckt an, denn sie sagt, was sie denkt.

Immerhin: ein mal (1x) im Artikel nennt Sabine Glaubitz die Äußerungen BBs gegenüber Homosexuellen, Linken, Obdachlosen und illegalen Einwanderern „hetzerisch“.

Das ist mir aber zu wenig. Für mich sieht es eher so aus, als sei dies der Versuch von heute.de, auch mal so etwas ähnliches wie das Busenwunder von Seite 3 in der Bild-Zeitung abzubilden, ohne sich zu ihren politischen Äusserungen positionieren. Wie praktisch, dass BB das durch ihre „politische Arbeit“ möglich macht, denn eigentlich ist heute.de ja etwas völlig anderes als die Bild.

Solingen vor 20 Jahren: darum.

Vor 20 Jahren gipfelte die Welle des nationalistischen Hasses im Brandanschlag von Solingen.

5 Menschen starben durch die feige Hand dumpfer Nationalisten. Deshalb zur Erinnerung:

 

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Gürsün İnce (* 4. Oktober 1965)

Hatice Genç (* 20. November 1974)

Gülüstan Öztürk (* 14. April 1981)

Hülya Genç, (* Februar 1984)

Saime Genç (* 12. August 1988)

Nur, falls sich jemand fragt, wieso ich Kommentare mit den Worten „Parallelgesellschaft“ und „Integrationsverweigerer“ nicht freischalte. Schaut in die Gesichter dieser Kinder und ich sage euch: darum.

Fake-Accounts in wirklich

Ein Artikel, auf den ich durch den Mitleser „DerEine“ aufmerksam geworden bin:

web.de in echt: Nazis stören Wahlveranstaltungen etablierter Parteien (Spiegel Online)

Nicht, daß ich ein Freund direkter Wahlverfahren wäre. Was dabei rauskommen kann, haben wir jüngst in der Schweiz gesehen.
Jedoch muß die repräsentative Demokratie umdenken. Sie macht nämlich möglich, daß Menschen es für ausreichend erachten, eine Position zu vertreten, um sich selbst als Demokrat zu bezeichnen. Der Diskurs, der Austausch von Argumenten zum Zweck der gemeinsamen Findung eines tragfähigen Konsens, fällt weg – man hat nicht das Gefühl, etwas zusammen erarbeiten zu müssen, da es ein Zusammengehörigkeitsgefühl nicht gibt. Man fühlt sich lediglich in seinen Interessen bedroht (wird ganz gerne dadurch gemacht, daß der Islam mit Terrorismus gleichgesetzt wird) und will diese – möglichst lautstark – rausposaunen.
Die neuen Nationalisten machen dies eben auf diese Weise. Sie gehen einfach zu Wahlveranstaltungen, weil dort Menschen sind, die sich selbst für politische interessiert halten. Ganz egal, wie dumm ihre Argumente auch sind, sie erreichen den einen oder anderen. Und selbst, wenn die Anwesenden nicht erreicht werden, ist das Minimalziel Publicity durch die Presse erreicht – diese greift aus falsch verstandenem journalistischen Ethos gerne mal noch so absurde Themen auf.

Diesen Menschen darf man keine Öffentlichkeit geben. Zumindest darf man deren dummdreiste Angstmache und gezielte Fehlinformation nicht unbeantwortet stehen lassen. Das hat bereits einmal in Deutschland funktioniert und ein zweites Mal soll es nicht mehr so sein.

Keine Fake-Accounts auf web.de, keine Scheinteilnahme an politischen Wahlkampfveranstaltungen. Es muß möglich sein, dumme Fragen nach Kopftüchern unbeantwortet zu lassen. Ein Politiker, dem so eine Frage gestellt wird, sollte eigentlich antworten: „Auf diesem Niveau diskutiere ich nicht!“.

Schweizer Referendum: nein zu Minaretten

Die Religionsfreiheit beinhaltet, daß niemandem Religiosität vorgeschrieben werden darf. Das heißt aber auch, daß jeder, der das möchte, für sich bzw. mit Gleichgesinten religiös aktiv sein darf.

Die konservative SVP in der Schweiz hat ein Referendum zustande gebracht, in dem die Schweizer über ein Bau-Verbot von Minaretten abstimmen dürfen. Dabei hatte sie sich nicht besonders schlau angestellt: so konnte man auf der Homepage der SVP in einem Flash-Spiel Minarette abschießen. Das und das umstrittene Plakat dazu hatten sicher ihren Anteil daran, daß Umfragen noch vor einem Monat ein Scheitern des Referendums vorausgesagt haben. Umso überraschender erscheint also dieses Ergebnis.

Offensichtlich gilt das Grundrecht der Religionsfreiheit nicht für Muslime. Und damit ist es kein Grundrecht mehr, sondern ein Instrument zur Ausgrenzung von Minderheiten: Christen dürfen beten, Muslime nicht. Das, was sich der Westen überheblich auf die Fahnen schreibt, also den gefühlten humanistischen Vorsprung in Kultur und Verfassung, ist hiermit ad absurdum geführt. Die SVP sieht in den Minaretten ein „politisches Symbol für einen Machtanspruch“. Soll das heißen, daß das alleinige Dasein der Muslime eine Bedrohung darstellt? Das gilt höchstens für jemanden, der selbst einen Machtanspruch hat. So kann das nicht funktionieren. Man erwartet von Moslems Integration, sieht sie selbst und ihre Religion aber als Bedrohung der eigenen Macht, die man auch auszuüben berechtigt ist.

Der Westen sägt hiermit an seinen eigenen Pfeilern. Die französische Revolution als Beginn der Demokratie in Europa folgte dem Wahlspruch: „Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit„. Spätestens jetzt ist klar, daß auch die moderne Gesellschaft zu Rückschrittlichkeit fähig ist. Willkommen in der Postmoderne.

EDIT:

es geht auch anders. Hier ein paar Links zu Blogs, die sich in intelligenten, bewegenden und Hoffnung machenden Beiträgen dazu äußern:

Stoepsorama: La Suisse n’existe plus!
Redders Welt: minarett-verbot und unser platz in der geschichte
wahrscheinlich: Reaktionen auf Minarett-Verbot

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