Die Farbpalette der Atheisten

Der Atheist Media Blog klaut schreibt getreu seinem Konzept ganze 5 Sätze zu den Äußerungen deutscher „christlicher“ Politiker und der daraus entstandenen Kontroverse. Ich zitiere:

Kanzlerin empört viele Christen

Bundeskanzlerin Angela Merkel ist mit der von ihr geäußerten Freude über die Tötung Osama bin Ladens auf deutliche Kritik in den Kirchen, aber auch in ihrer eigenen Partei gestoßen. „Als Christin kann ich nur sagen, dass es kein Grund zum Feiern ist, wenn jemand gezielt getötet wird“, sagte Katrin Göring-Eckardt der Berliner Zeitung. Die Grünen-Politikerin ist Präses der Synode der Evangelischen Kirche Deutschlands und Bundestagsvizepräsidentin.

(…)

Auch die stellvertretende Vorsitzende der Unionsfraktion Ingrid Fischbach ging zur Äußerung der CDU-Vorsitzenden Merkel auf Distanz. „Aus christlicher Sicht ist es sicher nicht angemessen, Freude über die gezielte Tötung eines Menschen und über dessen Tod zu äußern“, sagte die Politikerin, die auch dem Zentralkomitee der deutschen Katholiken angehört.

Weiterlesen:

http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/politik/342959/342960.php

(Überschrift inbegriffen).

Nein, Quantität allein reicht nicht aus. Man darf auch kurze Artikel schreiben. Aber wozu schreiben die einen Pseudo-Artikel, der lediglich aus einem Link, dem Zitat der ersten 5 Sätze und dem schlicht-schnöden Imperativ „Weiterlesen:“ besteht, wenn doch eine Einbettung in einen Link-Dump gereicht hätte?

Die Lösung: der Autor schreibt seinen Artikel mehr oder weniger heimlich in den Kommentaren weiter. Folgendes ist im ersten Kommentar zu lesen:

„Es gibt Christen die freuen sich, und es gibt Christen die dagegen sind. Was denn nun??“

Ach so, daher weht der Wind. Da bekommt so ein Atheist natürlich mächtig Kohldampf ob des nicht-gefundenen Fressens hier. In einer Zeit, in der fast jeder, sogar die alt-ehrwürdige Tagesschau mitmacht beim allgemeinen Jubel über eine Exekution; in der an dortiger Stelle kritische Fragen nach dem Verbleib der Leiche bin Ladens automatisch als Verschwörungstheorie etikettiert werden; in der man offensichtlich vergessen hat, daß gerade die Art und Weise des Umgangs mit Verbrechern den Unterschied zwischen Rechts- und Unrechtsstaat ausmacht; in solch einer Zeit sind die handgezählten kritischen Stimmen einem Atheisten ein Dorn im Auge, sofern sie von Christen stammen.

Da sucht man doch lieber im Morast vergangener Untaten seitens der Kirche, um seinem erklärten Ziel, der Haßbekundung näher zu kommen.

Zum inoffiziellen Teil des Artikels („Es gibt Christen die freuen sich, und es gibt Christen die dagegen sind. Was denn nun??“):

Tja, liebe Atheisten-Blogger: nehmt doch einfach die Farbe Eurer Wahl und bemalt die Christen einheitlich in einer Euch passenden. Das Dumme ist nur, daß Ihr offensichtlich nur 2 Farben zur Wahl habt: schwarz und weiß. Mir fällt die Kategorisierung nicht ganz so schwer wie Euch. Es ist doch ganz einfach: die Bibel gebietet die Feindesliebe und somit kommt es, daß sich Christen dazu entschließen, die Exekution bin Ladens nicht zu bejubeln. Sollte Euch das immer noch nicht klar sein, stehe ich gerne für Rückfragen zur Verfügung.

Den anderen sei die Reaktion der Christen ans Herz gelegt. Sie scheinen zu den wenigen zu gehören, die angesichts der kriegerischen Umtriebe in der Welt noch Fragen stellen und nicht kritiklos fressen, was ihnen durch die Medien zu Fraß vorgeworfen wird.

EDIT: mein Artikel bezieht sich auf den Autor des besagten Artikels auf AMB.

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Belgien will die Burka verbieten

In Belgien soll darüber abgestimmt werden, ob die ganze oder teilweise Verbergung des Gesichtes bis zur Nichtidentifizierbarkeit per Gesetz verboten werden soll. Auffällig dabei ist die breite Zustimmung im Vorfeld vom ganzen politischen Spektrum. Die Mitte und der rechte Flügel – naja, die Gründe dürften bekannt sein: Neo-Nationalismus – sind sowieso dagegen, aber die Linke sieht sich dazu aufgerufen, den Mangel an Feminismus durch die Unterstützung dieses Gesetzes auszugleichen. So, als würden jetzt alle bisher verschleierten Frauen durch dieses Gesetz „befreit“ werden … noch naiver gehts nicht mehr.

Bereits aus pragmatischen Gründen ist der Gesetzesentwurf höchst zweifelhaft. Es gibt im Leben eines Westeuropäers zig Situationen, in denen er die Voraussetzungen für den Tatbestand der ganzen oder teilweisen Verbergung des Gesichts erfüllt: Fasching, Winterkleidung, Motorradhelm usw.

Gerade das letzte Beispiel ist alles andere als aus der Luft gegriffen: es sollen sogar spätere Außenminister Deutschlands in diesem Outfit auf halbkrimineller Tour fotografiert worden sein.

Ebenfalls aus pragmatischer Sicht ist es immer wieder enttäuschend, wie sehr sich gerade das linke Spektum aus einer gutgemeinten pro-feministischen Position für diese in Mode gekommene Status-Grenzlinien-Ziehung mißbrauchen läßt. Ich bin zwar für basisdemokratisch orientierte Politik, aber ein wenig strategisches Denken muß schon sein – jeder, der sich wirksam von nationalistischen Kräften distanzieren will, sollte sich aus der Kopftuch- bzw. Burka-Diskussion heraushalten.

Soviel zur Frage des Pragmatismus.

Aus humanistischer Sicht ist dieser Vorgang erst Recht beschämend. Da wird die Verschleierung gleichgesetzt mit Integrations-Unwillen und womöglich Terrorismus-Nähe.

Wie soll denn das funktionieren?

Wer Terror betreiben will, wird sicher nicht in Nikab mitten über die Einkaufsmeile Brüssel spazieren, um dann einen Akt des Terrorismus zu begehen. Wie blöde kann der Westen sein?

Und wer sich nicht integrieren wollte (ich bezweifle, daß es so viele sind die das aktiv tun, siehe SINUS-Studie in der APuZ 5/2009: S. 8), würde es durch die Kriminalisierung einer religiösen Kleiderverordnung auch weiter nicht wollen.

Der Westen zeigt sich angesichts des Terrorismus hilf- und kopflos. Daraus folgt Aktionismus dieser Art.

Der Artikel auf tagesschau.de ist übrigens sehr differenziert geschrieben, was nicht mehr allzu häufig vorkommt in diesen Tagen.

Datenschutz für Steuerkriminelle

Frech, das: da will einer Daten von Steuersündern in der Schweiz besitzen, die er der Bundesregierung für 2,5 Mio € aushändigen will.

Die Schweiz, in der die Konten geführt werden, läuft bereits vor jeglicher Stellungnahme auf deutscher Seite Sturm – man hat ja ein Image zu verlieren.

Und nun fängt die Diskussion hierzulande an. Wie aus dem Artikel (1. Link oben) zu entnehmen ist, sind die Grünen und die SPD dafür, dieses Angebot anzunehmen, während die FDP / CDU dagegen ist. Grund: dies verstoße gegen den Datenschutz.

Aha.

D.h., es sei unzulässig, zur Aufdeckung eines Verbrechens selbst eines zu begehen. Da frage ich mich aber, was mit den Nacktscannern ist: sind sie keine Verletzung der Privatsphäre? Was ist mit Hausdurchsuchungen? Sie sind eine Verletzung der Privatsphäre, aber wenn es begründete Verdachtsmomente gibt, bricht das eine Recht das andere. Kriminelle sollen das Recht nicht für ihre Ziele beugen dürfen, heißt es.

Es sei denn, die kriminelle Handlung ist ein Steuervergehen. Das ist natürlich etwas völlig anderes. Steuersünder dürfen sich hinter dem Datenschutz verstecken – zumindest, solange CDU und FDP die Koalition stellen.

Ob das nun ein Fake ist oder nicht: die Dreistigkeit, mit der Politiker mutmaßliche Verbrecher durch das Vorschieben eines Grundrechtes schützen, ist schon frappierend.

Lynchmob

Gewalt durch Jugendliche in Münchner S-Bahn.

Und schon heißt es wieder, unsere Justiz sei nicht hart genug. Dieser Reflex erfolgt gleichzeitig mit dem Ruf nach Abschiebung krimineller Migranten, so, als wäre die Nationalität der Täter bereits bekannt. Wo? Bei web.de natürlich, wo denn sonst?

Das ist ein Irrtum:

Gegen die Mörder Dominik Brunners (des S-Bahn-Opfers von München) ist Anklage wegen Mordes erhoben worden.

Was wollen die also? Wer von Kuschelpädagogik redet, hat keine Ahnung.

Oder hätte man sie wegen Besessenheit zum Scheiterhaufen verurteilen sollen? Na, dann ab ins Mittelalter…

War völlig klar, daß das wieder von Nationalisten ausgeschlachtet wird…bevor überhaupt bekannt ist, ob es Migranten waren oder Deutsche. Das zeigt, daß es nicht um eine Diskussion zur Härte der Justiz, sondern um das allseitsbekannte Dampf-Ablassen am Stammtisch geht.

Mein Handy starrt mich an.

Tagelang wurde über die Verfolgung der beiden Ausbrecher Heckhoff & Michalski berichtet. Nach Heckhoff wurde heute nun auch Michalski gefaßt. Für derartige Boulevard-Meldungen habe ich mich noch nie interessiert.

Was mich jedoch wirklich stutzig gemacht hat, war die Bemerkung des Einsatzleiters Klinger über „neue Überwachungsmaßnahmen“, die es möglich gemacht haben, Michalskis Handy zu orten.

Tja, das freut nun sicher etliche BILD-Zeitungsleser. Ich hingegen habe irgendwie das Gefühl, daß mich mein Handy neuerdings anschaut.

B 313 31: Polizei peinigt Piraten

Das ging daneben:

Die Piratenpartei kann sich bei dem Polizisten bedanken, denn er hat ihrem Motto „Freiheit statt Angst“ im Zusammenhang mit dem Begriff des Überwachungsstaates eine wahrscheinlich ungewollte Schwere verliehen. Wurde die Piratenpartei bisher eher belächelt oder höchstens noch als Manifestation des Narzißmus einer infantilen Gesellschaft gesehen, beschleicht wohl jeden Betrachter des Videos ein verdammt ungutes Gefühl.

Von Horror-Phantasien kann hier keine Rede sein. Sollte bei der juristischen Rekonstruktion dieses Vorganges (und da kann man einen drauf lassen, daß diese erfolgen wird!) nicht etwas völlig anderes rauskommen, wird hier offensichtlich ein Demonstrant / Passant / (echter oder selbsternannter) Journalist aufgrund der ersichtlichen schriftlichen Erfassung der Vorgänge von einem Polizisten (Nr: 2212) auf den Boden gezerrt und grundlos von diesem und einigen seiner Kollegen zusammengeschlagen sowie verhaftet, d.h.: in einem Polizeieinsatzwagen mit dem Kennzeichen B 313 31 abgeführt.

Aus meiner Sicht interessant:
die Konfrontation mit dem Aufschrieb scheint des Polizisten Gemüt zu überfordern. Auf dem Zettel steht ja nichts, was nicht geschehen wäre (Foto folgt, habs in irgendeinem Blog gesehen – dürfte sich wie ein Lauffeuer verbreiten). Die schriftliche Fixierung, einem Tathergangs-Protokoll gleich, führt dem Polizisten vor Augen, daß der Schreibende sich selbst als Ordnungshüter versteht. Nämlich als mündiger Bürger, der sein Recht wahrnimmt, öffentliche Vorgänge für die Öffentlichkeit nachvollziehbar festzuhalten und womöglich zu veröffentlichen. Dem liegt die Auffassung zugrunde, daß der Polizist zwar Macht ausübt, diese aber nach strikten Regeln und zwar so, daß er seinen 80 Millionen Vorgesetzten dafür Rechenschaft abzulegen hat. Und das geht für den Polizisten mal gar nicht: er soll der Kontrollierte sein? Womöglich der Verbrecher? Tja, und da fühlt er sich dazu aufgerufen, die Verhältnisse in seinem Sinne wieder gerade zu rücken…

Bin mal gespannt, was der Kerl macht, wenn er diesen Vorgang und die Reaktionen darauf auf Youtube, Twitter und inzwischen bereits unzähligen Blogs nachverfolgen kann.

EDIT:

Ari auf homerecording.de schließt meinen Thread mit dem Hinweis auf das youtube-Video mit folgenden Worten:

„Poste dein Kram in Foren, wo sich dann andere Aufdiefressebekommer drüber auskotzen können. Aber nicht in einem Musiker-& Künstlerforum. Hier interessiert das niemanden.“

Das alles neben Artikeln zum Wahl-O-Mat oder Porsche vs. Ferrari, klassischen Musiker- und Künstlerthemen also…

Hm…dann wohl besser doch noch auf nach web.de…;-)

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