SWR: „oben bleiben“ wegen „rechtlicher Hürden“ nicht in der Hitparade

Heute bekomme ich bei den Parkschützern folgende Nachricht:

„Hallo Borna,
ich habe mich bei SWR1 beschwert, dass „Oben bleiben“ nicht plaziert wurde. Jetzt bekam ich folgendes als Antwort: „Im Fall von Borna kommt auch noch eine rechtliche Hürde hinzu. Uns ist ausser einer Youtube-Version keine veröffentlichte Form des Songs bekannt.
Hier sind Urheberrechtsfragen völlig ungeklärt und wir können uns nicht leisten, so etwas zu senden. Die Regeln bei Musik sind streng und was im Internet geht, ist nicht automatisch auch im Radio sendbar.“
Stimmt das so, oder hätte es da nicht eine einfache Lösung gegeben?
Ganz herzliche Grüße
Clemens
PS: Es hiess natürlich auch, dass es eine Parkschützer Kampagne gegeben hätte-auf den Teil kann ich aber entsprechend antworten, nicht aber auf obige urheberrechtliche Geschichte“

Nachdem es „oben bleiben“ nicht in die Hitparade geschafft hatte, fragten sich Parkschützer mehrfach, woran das angesichts wiederholter Aufrufe zum Voting gelegen haben könnte. Immerhin wurden dort 1000 Titel gespielt und da sollte es doch für einen Platz weiter unten gereicht haben.
Die Diskussionen dazu habe ich teils interessiert, teils amüsiert verfolgt, mich dort aber nicht eingeklinkt. Meine Einstellung bei solchen Sachen ist die: wer wirklich gut ist, mobilisiert derart viele Stimmen, daß sie kleine steuernde Eingriffe einer Redaktion (…) ausgleicht und so gesehen habe ich eben doch zu wenig Stimmen gehabt.
Man muß verlieren können, ohne gleich „SCHIEBUNG!“ zu rufen.

Der Hinweis mit der GEMA ist allerdings seltsam: es gibt keine ungeklärten Fragen bei dem Song. Alles ist von mir komponiert, getextet und eingespielt und vor allem ist dies bei der Online-Recherche der GEMA-Seite von jedermann einsehbar.

Aber was solls, man kann ja jetzt nicht im Nachhinein ein großes Ding draus machen, wie sähe das denn in der Öffentlichkeit aus…? „Jetzt klagen die auch noch einen Platz in der Hitparade ein…“

Nee, „oben bleiben“ hats eben einfach nicht geschafft und die Entscheidung ist zu akzeptieren, Punkt.

Aber ein wenig schmeichelhaft ist es schon, daß wohl die Stimmen für eine Platzierung ausgereicht hätten, dann jedoch aufgrund „rechtlicher Hürden“, die es gar nicht gibt, eine Entscheidung gegen den Song gefallen ist.

Im folgenden noch mein Statement bei den Parkschützern:

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Hi,

ich habe die Diskussionen um die SWR-Hitparade verfolgt und mich bewußt rausgehalten. Nachdem mir geschrieben wurde, daß der SWR die Nicht-Platzierung des Songs „oben bleiben“ auf „rechtliche Hürden“ zurückführt und dies die Diskussionen wieder angeregt hat, möchte ich hier wie folgt Stellung nehmen:

sämtliche Rechte an „oben bleiben“ liegen bei mir.
Ich habe den Song komponiert, getextet, arrangiert, alle Instrumente und alle Stimmen selbt eingespielt bzw. eingesungen.
Er ist bei der GEMA gemeldet und die o.g. Daten können jederzeit in der Online-Recherche https://online.gema.de/werke/ eingesehen werden. Es gibt also keinerlei rechtliche Fragen, die offen wären.
Anfallende Gebühren müssen zwar direkt an die GEMA, nicht an einen Verlag gezahlt werden – für den SWR ändert das aber gar nichts.

Ich möchte dennoch davon absehen, hier Vermutungen zu unlauteren Vorgängen zu äußern. Ich gehe davon aus, daß das Ergebnis rechtens ist – zwar nicht absolut in bezug auf die Votingzahlen, wie ja die div. E-Mails zw. Euch und dem SWR implizit belegen, dafür aber im Hinblick darauf, daß man als unbekannter Act mehr leisten muß, um von etablierten Medien wahrgenomen zu werden. Das ist ein wenig ungerecht, aber es ist mEn keine Verschwörung oder so was.
Wir kennen das von der Berichterstattung über die Demos: wir hatten längst schon Zehntausende auf der Straße, bis wir wahrgenommen wurden – und dann mußten wir wahrgenommen werden. Bei den Befürwortern haben weit weniger Teilnehmer ausgereicht, und es stand ständig in gleichmacherischem Jargon („Befürworter und Gegner protestieren zu tausenden…“) etwas dazu in den lokalen Medien.

Also keinen Groll: aus diesem Blickwinkel betrachtet waren es dann doch zu wenig Stimmen, als daß der SWR gezwungen gewesen wäre, den Song unbedingt ins Programm zu nehmen (weil vielleicht tausende für den Song gevotet hätten – da gibts dann auch für den SWR keinen Grund, nicht die Online-Recherche der GEMA zu bemühen).
Für mich ist es ein Erfolg, daß viele Menschen sich hier und beim SWR für meinen Song stark gemacht haben, und selbstverständlich bin ich auch dankbar.

Aber man sollte dieses Thema nun abhaken. Also klar: mich verwundert die Begründung mit den „rechtlichen Fragen“ auch, denn bei der Eisenbahnromantik-Sendung waren das zwei kurze Telefonate mit dem Redakteur und alles hat wunderbar geklappt.

Trotzdem weise ich darauf hin, was allgemein für diese Stuttgarter Bewegung gilt:

machen wir uns nicht abhängig davon, wie wir von etablierten Medien wahrgenommen werden. Das haben wir nicht nötig. Wir sollten voller Selbstvertrauen darauf schauen, was wir erreicht haben. Mehr noch:
wir sollten uns freuen, wenn bspw. Teilnehmerzahlen bei Demos später in Medienberichten runtergerechnet werden, denn das verrät, daß wir offensichtlich ganz schön stark sind, denn sonst wären unlautere Tricks nicht nötig.

Ich würde mich freuen, wenn wir uns auf diese Stärke konzentrieren könnten.

Also: mein Song hats nicht geschafft, aber auf youtube hat er im Moment so ca 35000 views, und das, ohne von SWR gespielt worden zu sein 😉

Viele Grüße und Kopf hoch!

Borna

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wen interessiert die SWR-Hitparade?

Wenn Rockenbauch furzt…

Der SWR mal wieder…

Ich war heute auf der Demo gegen Stuttgart 21. Der SWR behauptet folgendes:

„Der Leiter des Theaterhauses Stuttgart, Werner Schretzmeier, sagte, niemand habe etwas gegen einen modernen Bahnhof. Er könne sich jedoch nicht erinnern, wann sich Politiker so vehement für die Bildung eingesetzt hätten und sprach von Verschwendung.“
Screenshot:

Dann darf Fr. Gönner sich über das Motto der Demo empören:

Wenn man das als Unbeteiligter / Unwissender liest, denkt man doch so was wie:
„Ach ja, die Künstler… egal, wie gut sie sind, von Politik haben sie ja doch keine Ahnung“
„man kann nicht einfach Äpfel mit Birnen aufrechnen“
„Soziales und Verkehr sind doch zwei völlig verschiedene Töpfe“
usw.

Tja, nur leider hat der SWR offensichtlich „vergessen“, daß Schretzmeier das Wort „KOPFbahnhof“ benutzt hatte.

Nur ein Wort? Unwichtig? Mitnichten!

Hätte Schretzmann „Bahnhof“ gesagt, hätte man ihm unterstellen können, er sei einfach nur neidisch, weil in Zeiten knapper Kassen halt eben auch an der Kultur gespart wird. Und da stürze man sich eben auf jedes womöglich noch so sinnvolle Projekt wie einen modernen Bahnhof, gegen den man ja nichts habe.

Das hat Schretzmann aber nicht gesagt. Er ist NICHT einfach für irgendeinen modernen Bahnhof. Er ist komplett gegen DIESEN neuen S21-Bahnhof, weil es gute Argumente gegen ihn gibt. Und DAZU ist es empörend, daß er in seiner Branche – wie jeder andere in seiner Branche – beobachten muß, wie dauernd „kein Geld“ mehr da sein soll.
Er ist ABSOLUT für einen modernen KOPFbahnhof.

Der SWR stützt damit die Fehlanalyse der CDU, das Projekt sei ja ganz OK, aber eben nicht richtig kommuniziert. Man müsse nur die richtige PR machen, es den (dummen) Leuten klarmachen…

Eines noch zu Frau Gönner:

sie widerspricht sich selbst. Zuerst bestreitet sie einen Zusammenhang zwischen der Wirtschaftlichkeit von S21 und Sozialausgaben – dann nämlich, wenn die Projektgegner davon ausgehen, daß der Bahnhof unwirtschaftlich ist und Löcher in die Kassen reißt.
Und dann macht sie in alter CDU-Manier weis, daß die Wirtschaftlichkeit von S21 sich auf die Steuern und somit positiv auf Sozialausgaben auswirke.

Wie kann man sich derart widersprechen?

Mal ganz abgesehen davon frage ich mich, warum dieser Gedankengang Gedankenirrweg dem SWR einen Absatz wert ist. Wenn Rockenbauch furzt, dann stehts ja auch nicht im Artikel über die Pro-21-„Demo“.

SWR ahnungslos: ähhh…Pflastersteine oder so?

Heute berichtet der SWR darüber, daß 600 Demonstranten aus Stuttgart im restlos ausverkauften Sonderzug in Berlin angekommen sind, um dort u.a. vor der Zentrale der Deutschen Bahn gegen S21 zu demonstrieren.

Natürlich wird versucht, die Demonstranten wieder einmal in die linke Ecke zu stellen. Unheimlich erwähnenswert scheint dem SWR der Umstand, daß sie von den Vorsitzenden der Linkspartei, Gesine Lötzsch und Klaus Ernst, begrüßt worden seien. Mich wundert inzwischen nicht mehr, daß seitens der Befürworter als Argument für S21 die Frage „ja, wollt Ihr denn den Kommunismus?“ angeführt wird. Dahinter stehende Logik: entweder CDU oder Kommunismus, wer nicht für uns ist, ist gegen uns… kennen wir bereits. Also ich habe nix mit den Linken – bin ich jetzt wie alle meine Bekannten zu Unrecht in der Bewegung? Bin ich CDU-Wähler? Da hätte ich aber was verpaßt…

Gegen Ende des Artikels gibts dann aber doch etwas wirklich Ärgerliches:


(Screenshot 26.10.2010, 12:20 Uhr – vielleicht wirds ja noch geändert…)

Nun, auch Anstalt des öffentlichen Rechts kann mal eine Panne passieren… Innenminister Rech ließ noch am selben Abend, also am 30.09. seine Aussage, es seien Pflastersteine geworfen worden, dementieren. Das ist meiner Rechnung nach inzwischen rund 26 Tage her. Scheint aber nicht auszureichen für den SWR.

Also nix „nach Angaben der Demonstranten“ – „Offiziell bestätigt vom Innenminister himself“, bitteschön.

Worauf ich jetzt noch warte, ist, daß der SWR dies damit begründet, daß es Schwarzseher gibt.

Heute schon REZitiert?

UPDATE:

wie daMax berichtet, hat die Falschinformation bereits ihren Schaden angerichtet: bspw. die NZZ hat den Text wortwörtlich vom SWR übernommen.
Da wir wissen, wie gewaltig die normative Wirkung solcher Artikel in Massenmedien ist, ist Empörung angebracht.
Denn offensichtlich dürfen Medien wie der SWR derartige Falschinformationen in die Welt setzen, wenn sie sie eine Zeit später ändern / korrigieren. Die Korrektur wird im Gegensatz zur Falschinformation von den copy&paste-Jounalisten (Danke für den Begriff, daMax!) aber nicht mehr übernommen.

Was bleibt, ist die Falschinformation und da das beim SWR, der StZ und den StN immer wieder passiert und denen somit bewußt ist, spreche ich nicht mehr von Falschinformation oder Ahnungslosigkeit, sondern von Lüge.

Ich schlage dem super-etablierten, spitzen-seriösen SWR vor, Nachhilfe bei der BILD-Zeitung zu nehmen. Die war in der Lage, bei Google die Worte „Polizeieinsatz Rech dementiert Pflasterteine“ einzugeben und sich zu informieren.

UPDATE:
Weiter gehts mit der Manipulation:
Der Stern stellt fest, die Demonstranten kämen aus „der linken Mitte“.

Im Artikel werden die Ergebnisse der Studie zunächst „den Demonstranten“, dann „den Protestierenden“ und zuletzt „den Stuttgart 21-Gegnern“ zugeordnet:


Das ist wissenschaftlich bzw. journalistisch unkorrekt! Wenn die Befragung auf einer Demo stattgefunden hat, frag ich mich, wieso nicht darauf hingewiesen wird, daß die Menge der Demonstranten und die Menge der Stuttgart 21-Gegner zwar Schnittpunkte haben, aber nicht gleichzusetzen sind (intensional gleich, extensional verschieden – ich glaube, das ist Logik…)!

Was denkt Otto-Normal-Leser? Wer gegen S21 ist, gehört zur linken Mitte. Das wirkt natürlich abschreckend.

Manipulation.

Stuttgart 21: Aufstand bei Abriss

Der Abriß hat begonnen. Eigentlich hat er das bereits kurz nach der Errichtung des Bauzauns, allerdings fand das zerstörerische Treiben innerhalb der nach außen hin sichtbaren Mauern statt.

Nun, nachdem drinnen wohl alles beseitigt ist, was beim endgültigen Abriß der Außenmauern stören könnte, hat der Bagger zugebissen. Innerhalb kurzer Zeit war eine Schneise vom Dach bis zum Erdboden gerissen.

Die Parkschützer hatten noch nicht mal Alarm ausgelöst, da war die Fassade schon stark beschädigt.

Hintergründe, Fakten und Informationsmaterial der Kritiker gibt es mehr als genug. Es wäre unmöglich, das auch nur ansatzweise hier aufzuzeigen. Jedem, der sich informieren möchte, seien folgende Seiten ans Herz gelegt:

Kopfbahnhof 21
Parkschützer
schrem-webcam

Ich werde hier sicher noch einige Dinge zu den Themen Partizipation und die Frage, welche unterschiedlichen Bedeutungen der Begriff Fortschritt hat, posten.

Fürs erste regt mich allerdings die maßlose Untertreibung vieler Medien bei der Angabe der Teilnehmerzahlen bei der spontanen Demo auf. Insbesondere stört mich, daß ausgerechnet der SWR gegen 20.00 Uhr immer noch von „hunderten“ Demonstranten sprach, während ich auf der Demo gegen 18.00 Uhr mindestens 6000 Menschen geschätzt hatte. Dazu kamen tatsächlich hunderte, die bereits vorher Richtung Weindorf gezogen sind.

Wenn das die BLÖD-Zeitung macht, naja, so sind die eben.

Aber der SWR, der seinen Sitz hier in Stuttgart hat, der vor Ort war, der sich anmaßt, seriösen Jounalismus zu betreiben…ich fasse es nicht.

Hier noch ein Foto der Demo, der etwa ein Drittel des Geländes zeigt. Hinter dem Bildrand links befindet sich ein etwa gleich großes Gelände und dort war der größte Andrang. Da bin ich nicht mehr hingekommen. Ich war etwa zwischen den beiden Bäumen rechts. Einen Rundumschwenk werde ich demnächst auf youtube hochladen. Ich bin mir aber dennoch sicher, daß die Untertreibung des SWR bald schon durch andere Uploads Lügen gestraft werden wird. Insgesamt zeigt dieser Ausschnitt etwa ein Drittel der Demo.

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