Fake-Accounts in wirklich

Ein Artikel, auf den ich durch den Mitleser „DerEine“ aufmerksam geworden bin:

web.de in echt: Nazis stören Wahlveranstaltungen etablierter Parteien (Spiegel Online)

Nicht, daß ich ein Freund direkter Wahlverfahren wäre. Was dabei rauskommen kann, haben wir jüngst in der Schweiz gesehen.
Jedoch muß die repräsentative Demokratie umdenken. Sie macht nämlich möglich, daß Menschen es für ausreichend erachten, eine Position zu vertreten, um sich selbst als Demokrat zu bezeichnen. Der Diskurs, der Austausch von Argumenten zum Zweck der gemeinsamen Findung eines tragfähigen Konsens, fällt weg – man hat nicht das Gefühl, etwas zusammen erarbeiten zu müssen, da es ein Zusammengehörigkeitsgefühl nicht gibt. Man fühlt sich lediglich in seinen Interessen bedroht (wird ganz gerne dadurch gemacht, daß der Islam mit Terrorismus gleichgesetzt wird) und will diese – möglichst lautstark – rausposaunen.
Die neuen Nationalisten machen dies eben auf diese Weise. Sie gehen einfach zu Wahlveranstaltungen, weil dort Menschen sind, die sich selbst für politische interessiert halten. Ganz egal, wie dumm ihre Argumente auch sind, sie erreichen den einen oder anderen. Und selbst, wenn die Anwesenden nicht erreicht werden, ist das Minimalziel Publicity durch die Presse erreicht – diese greift aus falsch verstandenem journalistischen Ethos gerne mal noch so absurde Themen auf.

Diesen Menschen darf man keine Öffentlichkeit geben. Zumindest darf man deren dummdreiste Angstmache und gezielte Fehlinformation nicht unbeantwortet stehen lassen. Das hat bereits einmal in Deutschland funktioniert und ein zweites Mal soll es nicht mehr so sein.

Keine Fake-Accounts auf web.de, keine Scheinteilnahme an politischen Wahlkampfveranstaltungen. Es muß möglich sein, dumme Fragen nach Kopftüchern unbeantwortet zu lassen. Ein Politiker, dem so eine Frage gestellt wird, sollte eigentlich antworten: „Auf diesem Niveau diskutiere ich nicht!“.

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