Wegen Kopftuch gefeuert: web.de-Meinungen voller Verständnis

Die Meldung an sich ist schlimm genug, noch schlimmer jedoch die Begründung („Die Patienten suchen Vertrauen beim Arzt. Je mehr man von einem Menschen sieht, desto größer ist das Vertrauen.“). Interessant. Das Vertrauen wächst also mit der Masse freigelegten Haares…ähm…also mir erschließt sich diese Logik nicht.

Am allerschlimmsten sind aber mal wieder die Kommentare derMeinungs-Shout-Box von web.de. Mal technokratisch („Das ist richtig. Es gibt ja schließlich Berufskleidung, dies sollte jeder berücksichtigen.„), dann wieder schillernd („das hat nichts mit rechts zu tun, das hat was damit zu tun das man als einheimischer immer wenige tollerriert wird man wird sogar dennonziert und das kann es ja nicht sein also vollkommen richtige entscheidung.„) und natürlich ganz oft einfach nur braun („Diese Hinterwältler sollen doch mal akzeptieren das wir in unserer Kultur keinen Kopftuch tragen.“ und „Dortt (Schweiz, Österreich, Anm. FB) sprechen alle Ausländer die Sprache vernünftig und nicht wie hier Kanaksprak“ – 17.47 Uhr; „ausweisen ist das beste. mit samt der familie.“ – 17.44 Uhr; usw.)

Die Strategie der neuen Rechten in Europa, die Kriminalisierung des Islam und seiner Symbole zu etablieren, scheint aufzugehen. Beweis ist dieser Beitrag um 17.34 Uhr:
Angesichts der Spannungen um religiöse Zugehörigkeiten in Europa, wäre es besser wenn Muslime in Deutschland sich häufiger zurücknehmen würden.
Andernfalls werden Kopftuch, Minarett und Co. eher als Machtsymbol, anstatt als rein religiöses Symbol verstanden.
„.

Es bedurfte nur eines Präzendenzfalles, und der war mit dem erfolgreichen Verbot von Minaretten gegeben. Die Semantik vom Machtsymbol (wortwörtlich sprach die SVP vom Minarett als einem Symbol des Machtanspruchs) hat ihre Erhebung in den Adelsstand erhalten. Alles, was den Islam repräsentiert, wird nun automatisch in ein kriminelles Licht gerückt, denn beim Minarett ist das ebenfalls gelungen – völlig egal, ob die Argumentation unlogisch war oder nicht.

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20 Antworten

  1. Die Kommentare sind auch bei der „Qualitäts-Zeitung“ NZZ nicht besser, aktuell gerade beim Bericht über die Beschwerde über das Minarett-Verbot in Strassburg.
    Irgendwie bringt web 2.0 Meinungen an den Tag, die man nicht für möglich halten würde, jedenfalls nicht in dieser erschlagenden Menge, die sich jeweils unter bestimmten Stichworten ansammelt… Es braucht gar keine Berichte mehr, sobald irgendwo Kopftuch oder Minarett gepostet ist, rasseln die Kommentare nur so rein.

    • Das scheint eine neue Dimension erreicht zu haben. Die Mitte läßt sich von der Rechten Angst machen und übernimmt deren Gerede. Das ist reichlich diffus: sie sind ja keine Nazis, behaupten sie ja zumindest. Und überhaupt war Faschismus ja gestern und zuschlechterletzt sind die Moslems ja die eigentlichen Rassisten…
      Da gibt es dann die Brandstifter und die Strohballen und die Opfer und alle zusammen bilden ein Riesen-Knäuel. In diesem Tumult versagen die Medien, die ja eigentlich die Aufgabe (und die Mittel) hätten, den Knoten ein wenig aufzudröseln. Aber: Fehlanzeige, der Tenor dirigiert die Melodie.

  2. Mir macht dieser versammelte Hass, wie man ihn in Foren wie web.de sieht, einfach nur noch Angst. Im Moment ist er „nur“ gegen die Moslems (und natürlich auch andere Gruppen) gerichtet. Puhhh… Ich bin ja kein Moslem…

    Aber was, wenn sich der Hass mal gegen eine Gruppe richtet, zu der zufällig ich gehöre?

    Das ist doch einfach nur ein geifernder Pöbel! Wenn man sich diese hassgeladene Atmosphäre bei web.de und anderen anschaut, ist der Weg zum Lynchmob nicht mehr weit.

  3. Und um 20:30 Uhr hatte deutschmann8s Aussage, man solle die Frau doch mitsamt ihrer Familie ausweisen, bereits 35 Daumen nach oben und nur 10 nach unten.

    Bravo, da wird einem ja ganz warm ums Herz, bei so viel Mitmenschlichkeit bei web.de…

    • Eigentlich ja zum Wegsehen. Aber leider habe ich ja noch meinen Account bei denen und dann stolpere ich halt drüber.

      An sich kann man die Meinungen ja eh kicken. Aber diese seltsame Argumentationskette läßt mir keine Ruhe. Das ist so gespickt von Halbwissen und Wortverdrehung, und trotzdem funktioniert es.

      • Wenn ich sehe, dass der Beitrag einer Frau, die sagt, dass sie trotz Kopftuch gut integriert sei und viele deutsche Freunde habe, innerhalb einer knappen halben Stunde 18 (!) Daumen nach unten und nur 1 nach oben erhält, kommt mir das Stichwort „Pogromstimmung“ in den Sinn.

        Ausserdem ist es seltsam: mit Moslems will keiner etwas zu tun haben, aber auf einmal finden sich bei web.de viele, die angeblich mit einem Moslem gesprochen haben, der ihnen gesagt hat, dass die Moslems die Deutschen gerne ausnutzen, dass sie irgendwann die Herrschaft in D übernehmen werden, dass es ihnen nirgendwo so leicht gemacht wird wie hier, usw… Ahaaa… Na da scheint ja doch ein lebhafter christlich-moslemischer Dialog stattzufinden, wenn so viele web.de-User zu Moslems Kontakt haben und mit ihnen sprechen…

  4. „An sich kann man die Meinungen ja eh kicken. Aber diese seltsame Argumentationskette läßt mir keine Ruhe. Das ist so gespickt von Halbwissen und Wortverdrehung, und trotzdem funktioniert es.“

    das hat es früher über die Juden auch schon, also nichts Neues. Das zeigt das Buch der vom Pipi-Blog schon als „Islamversteherin“ gebrandmarkten Dr. Sabine Schiffer sehr gut auf „“Antisemitismus und Islamophobie – ein Vergleich“.

    Lesenswert!

    @der Eine:

    „m Moment ist er „nur“ gegen die Moslems (und natürlich auch andere Gruppen) gerichtet. Puhhh… Ich bin ja kein Moslem…

    Aber was, wenn sich der Hass mal gegen eine Gruppe richtet, zu der zufällig ich gehöre?“

    Und wenn es „nur“ gegen Muslime geht, ist das okay, oder war das ironisch gemeint‘? Wer solche Entwicklungen zulässt, egal gegen wen, ist später auch dran Das Zitat von Niemöller sollte man sich gut merken:

    „Als sie die ersten Kommunisten holten, habe ich geschwiegen; denn ich war kein Kommunist.
    Als sie die ersten Juden holten, habe ich geschwiegen; denn ich war kein Jude.
    Als sie die ersten Katholiken holten, habe ich geschwiegen; denn ich war kein Katholik.
    Als sie mich holten, war niemand mehr da, der seine Stimme hätte erheben können.“

    Martin Niemöller – Zitate und Sprüche Martin Niemöller

    deutscher evangelischer Theologe (1892 – 1984)

    • Natürlich war die Bemerkung, dass es „nur“ gegen die Moslems geht sarkastisch gemeint. Deshalb ja auch das „nur“ in Anführungsstrichen.

      Die Parallele zu der Hetze gegen Moslems und der Judenverfolgung habe ich auch schon gesehen. Der Deutsche scheint nicht dazu zu lernen…

  5. […] feyd braybrook: Wegen Kopftuch gefeuert, web.de-Meinungen voller Verständnis […]

  6. Man sieht leider auch schon die „Bewertungen“ der einzelnen Äusserungen. Braunes Geblubber bekommt über 100 positive Bewertungen, während Auszüge aus dem Grundgesetz(!) negativ bewertet werden. Schöne neue Welt.

    „Das Vertrauen wächst also mit der Masse freigelegten Haares“

    Fazit: Glatzköpfe feuern…?!

  7. Hallo Tapedeck,

    leider ist Islamophobie längst nicht mehr auf irgendwelche glatzköpfigen Dumpfbacken beschränkt, die nicht bis drei zählen können. Z.B. kann man Henryk Broder nicht gerade als ungebildet bezeichnen, er nützt seine Intelligenz für Spaltung der Gesellschaft und Anfachung zur Pogromstimmung.

    Grüße

    • Hallo Umm Hussain,

      ich weiss, dass du nicht mich angesprochen hast, will trotzdem auf deinen Beitrag antworten.

      Soweit mir bekannt, setzt sich Herr Broder zwar kritisch mit dem Islam oder vielmehr dem Islamismus auseinander – ich kann aber nicht erkennen, dass er eine Pogromstimmung entfacht.

      Es muss erlaubt sein, problematische Sachverhalte anzusprechen und den radikalen Islamismus zu kritisieren. Was eindeutig NICHT angebracht ist, ist eine Verallgemeinerung nach dem Motto „Alle Muslime sind.., machen,… usw. – so wie man es vorzüglich bei web.de beobachten kann).

      Man sollte eine objektive Sicht walten lassen.

  8. Dann lassen wir hier doch mal eine „objektive“ Sicht walten. Wie klingt denn das für Sie?

    „Die Schweizer sind die erste europäische Nation, die sich in einer freien Abstimmung gegen die Judaisierung ihres Landes entschieden hat. Aber nicht gegen die Religionsfreiheit oder das Judentum als Religion. Nur gegen eine Asymmetrie der Verbote für Religionen im Orient und Okzident. Unabhängig davon, wie man das Ergebnis bewertet – nicht die Juden sind die Verlierer, die niemand in der Schweiz daran hindert, ihre Religion zu praktizieren, es sind die Gutmenschen, die eine andere Kultur immer verteidigenswerter finden als die eigene, die Trittbrettfahrer, die schon immer für Rassismus anfällig waren, und die Appeaser wie die Schweizer Außenministerin, die sich Sorgen um mögliche Reaktionen in der israelisch-jüdischen Welt machte und dem Export Schweizer Produkte zuliebe die Demokratie nach Schweizer Art ein wenig entschärfen wollte. Dieselben Pappnasen, die uns immer wieder erzählen, Israel sei keine Diktatur vergewaltigungslustiger alter Säcke, die nicht müde werden, zu behaupten die IDF sei “eine Verteidigungsarmee“, werden die Mehrheitsentscheidung der Schweizer als “undemokratisch” verurteilen, weil das dumme Mündel sich nicht so entscheidet, wie es der kluge Vormund möchte. Da wird der Vormund böse. Die Schweizer sind die erste europäische Nation, die sich in einer freien Abstimmung gegen die Judaisierung ihres Landes entschieden hat. Nicht gegen die Religionsfreiheit, nicht gegen Lokale, in denen koscher gegessen wird, nicht gegen das Judentum als Religion. Nur gegen eine Asymmetrie, die auch in anderen Ländern als naturgewollt hingenommen wird.
    Juden dürfen in Europa Gebetshäuser bauen, Muslime in Israel dürfen es nicht (von den Christen und anderen Goyim nicht zu reden). … Wenn es in Deutschland eine Ausbildung zu Rabbinern geben kann, die nicht der staatlichen Aufsicht untersteht, muss es in Tel Aviv oder Haifa eine Muslimische, Evangelische, eine Katholische oder eine Akademie für Theorie und Praxis des Atheismus geben können. … Es ist ganz einfach. Einer muss nur den Anfang machen.“

  9. Noch was vom aus meiner S icht widerlichsten Hassprediger Deutschlands:

    Die Angst vor dem Islam ist so begründet wie die Angst vor Naturkatastrophen. “

    http://www.weltwoche.ch/weiche/artikel-fuer-abonnenten.html?hidID=536975

    Da gibts doch nun wirklich nichts zu verharmlosen.

    • Ihr erster Artikel sieht mir nicht gerade objektiv aus – eher antisemitisch („Dieselben Pappnasen, die uns immer wieder erzählen, Israel sei keine Diktatur vergewaltigungslustiger alter Säcke…“).

      Und da ich leider die Weltwoche nicht abonniert habe, kann ich den zweiten Artikel nicht lesen.

      Ich wollte lediglich zum Ausdruck bringen, dass ich zwar absolut dagegen bin, die Muslime an sich zu Sündenböcken zu machen – aber berechtigte Kritik an vereinzelten Sachverhalten muss erlaubt sein – genau so wie man z.B. die katholische Kirche, die USA, die CDU oder die Grünen für bestimmte Sachverhalte kritisieren kann. Deswegen sage ich ja auch nicht, dass alles Katholiken, alle Amerikaner, alle CDUler oder alle Grünen daneben sind…

  10. Soso, antisemitisch? Nun ganz so steht es auch nicht in Broders Artikel , es wurde lediglich Juden gegen Muslime getauscht.

    Hier der echte Artikel:

    http://www.welt.de/politik/deutschland/article5376864/Einer-muss-den-Anfang-machen.html

    Keine Agitation gegen Muslime?

    Es geht nicht darum, einzelne Sachverhalte zu kritisieren, das tun wir doch selber schon.

  11. Erst einmal ein gutes neues Jahr…

    Und auch im neuen Jahr macht das Drecksforum von web.de munter weiter. Es wird offen für die NPD geworben – und das erhält (zum jetzigen Zeitpunkt) 8 Daumen nach oben und 3 nach unten. Toll!

    Wie schreibt doch User „SauSchlau“…

    „tja, dann sollten aber langsam mal die NPD % steigen.

    mit den „Volksparteien“ die jetzt an der MAcht sind, wird das nix, die holen immer mehr Pack rein“

    –> Meine schlimmsten Befürchtungen zu diesem Sauforum sind mal wieder bestätigt worden… Echt traurig, dass so etwas wohl von vielen Leuten als vollkommen normal hingenommen wird!

  12. Danke und ebenfalls!

    Zum Thema Nazis bei web.de: wie immer muß man sich hier fast schon darüber freuen, daß eine Art „Outing“ stattgefunden hat. Die Meinungen des ganzen braunen Packs auf web.de sind nämlich ganz klar auf der NPD-Linie, nur sagt das kaum mal jemand. Vielmehr nennen sie sich „echte Demokraten“ und unter „echter Demokratie“ verstehen sie eine auf direkte Volksbefragungen reduzierte Weimarer Republik für Arme. Minderheitenschutz, Religionsfreiheit, politischer Diskurs, Meinungsfreiheit, Recht auf Asyl usw. – das alles gehört deren Meinung nach nicht zur Demokratie. Da frage ich mich, was von der Demokratie übrigbleibt, wenn das alles wegfällt…

    Mal ganz abgesehen davon glaube ich nicht, daß bei einer direkten Volksbefragung eine Mehrheit für ein Minarett-Verbot wäre (denn durch diesen peinlichen Vorgang in der Schweiz fühlen sich die Neonazis jetzt in ihrem Ruf nach „echter“ Demokratie ermuntert)

    Aber wie gesagt, so schlecht ist das nicht, daß die sich immer mal wieder outen, denn vielleicht begreift so manch Zaghafter spätestens in diesem Fall, daß das Minarett-Verbot oder der Kopftuch-Streit Themen sind, die von ganz Rechts in die Öffentlichkeit eingeschleust werden.

    • Ja genau, über Themen wie Minarettverbot oder Kopftuch wollen sich die Neonazis Gehör verschaffen, um so ihre Meinungen kundtun zu können.

      Wir haben es zwar schon oft festgestellt, aber ich sage es noch einmal: Es ist ein Unding, dass web.de genau diese Themen immer und immer wieder in seinem Forum bedient und so den Braunen eine Plattform bietet. Klar, Ausländer, Asylbewerber, Moslems, Homosexuelle, Kinderschänder etc. bringen viele Klicks = Werbeinnahmen. Aber muss ein Portal dermaßen ungeniert Rechtsradikale zur Absonderung ihrer Parolen verleiten?

      Wieso ist das eigentlich kein öffentlicher Skandal? Wieso wird das ganze nicht mal in die Öffentlichkeit gezerrt? Ich kann und will nicht dulden, dass Neonazis heimlich und leise unsere Gesellschaft unterwandern und die Meinungsherrschaft an sich reißen.

      Du kommst doch aus dem Südwesten, oder? Ich habe bei SPIEGEL Online einen Artikel gefunden, der zeigt, wie sie dort an Einfluss gewinnen und z.B. Parteiveranstaltungen stören. Mich gruselt es bei all dem…

      http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,666440,00.html

      Aber viele stört es offenbar nicht! Sie schauen weg oder stimmen den Parolen noch zu!

      • dass die extremrechten regen zulauf im südwestenhaben beobachte ich schon seot langer zeit, aber offenbar mag sowas niemand glauben

        mittlerweile ist es unter gewissen jugendlichen ( gerade im ländlichen bereich ) lautsatrk „landser“ aus dem auto brüllen zu lassen und auch noch in kneipen usw offen mit rechten parolen um sich zu werfen

        was ich daran besonders schlimm finde, ist , dass diese jugendlichen offenbar in keiner weise bewusst ist, welchen tanz auf dem vulkan sie damit betreiben

        genauso schlimm finde ich … gerade im südwesten… den umstand, dass man immer mehr hört : „…aber ein bisschen npd wäre schon gut…“

        diese entwicklung beängstigt mich zutiefst und ist keineswegs eine neue erecsheinung, denn meiner beobachtung nach war dieses denken nie verschwunden, es war lediglich unschicklich, sowas offen zu äussern, was mittlerweiele nicht mehr der fall zu sein scheint

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