B 313 31: Polizei peinigt Piraten

Das ging daneben:

Die Piratenpartei kann sich bei dem Polizisten bedanken, denn er hat ihrem Motto „Freiheit statt Angst“ im Zusammenhang mit dem Begriff des Überwachungsstaates eine wahrscheinlich ungewollte Schwere verliehen. Wurde die Piratenpartei bisher eher belächelt oder höchstens noch als Manifestation des Narzißmus einer infantilen Gesellschaft gesehen, beschleicht wohl jeden Betrachter des Videos ein verdammt ungutes Gefühl.

Von Horror-Phantasien kann hier keine Rede sein. Sollte bei der juristischen Rekonstruktion dieses Vorganges (und da kann man einen drauf lassen, daß diese erfolgen wird!) nicht etwas völlig anderes rauskommen, wird hier offensichtlich ein Demonstrant / Passant / (echter oder selbsternannter) Journalist aufgrund der ersichtlichen schriftlichen Erfassung der Vorgänge von einem Polizisten (Nr: 2212) auf den Boden gezerrt und grundlos von diesem und einigen seiner Kollegen zusammengeschlagen sowie verhaftet, d.h.: in einem Polizeieinsatzwagen mit dem Kennzeichen B 313 31 abgeführt.

Aus meiner Sicht interessant:
die Konfrontation mit dem Aufschrieb scheint des Polizisten Gemüt zu überfordern. Auf dem Zettel steht ja nichts, was nicht geschehen wäre (Foto folgt, habs in irgendeinem Blog gesehen – dürfte sich wie ein Lauffeuer verbreiten). Die schriftliche Fixierung, einem Tathergangs-Protokoll gleich, führt dem Polizisten vor Augen, daß der Schreibende sich selbst als Ordnungshüter versteht. Nämlich als mündiger Bürger, der sein Recht wahrnimmt, öffentliche Vorgänge für die Öffentlichkeit nachvollziehbar festzuhalten und womöglich zu veröffentlichen. Dem liegt die Auffassung zugrunde, daß der Polizist zwar Macht ausübt, diese aber nach strikten Regeln und zwar so, daß er seinen 80 Millionen Vorgesetzten dafür Rechenschaft abzulegen hat. Und das geht für den Polizisten mal gar nicht: er soll der Kontrollierte sein? Womöglich der Verbrecher? Tja, und da fühlt er sich dazu aufgerufen, die Verhältnisse in seinem Sinne wieder gerade zu rücken…

Bin mal gespannt, was der Kerl macht, wenn er diesen Vorgang und die Reaktionen darauf auf Youtube, Twitter und inzwischen bereits unzähligen Blogs nachverfolgen kann.

EDIT:

Ari auf homerecording.de schließt meinen Thread mit dem Hinweis auf das youtube-Video mit folgenden Worten:

„Poste dein Kram in Foren, wo sich dann andere Aufdiefressebekommer drüber auskotzen können. Aber nicht in einem Musiker-& Künstlerforum. Hier interessiert das niemanden.“

Das alles neben Artikeln zum Wahl-O-Mat oder Porsche vs. Ferrari, klassischen Musiker- und Künstlerthemen also…

Hm…dann wohl besser doch noch auf nach web.de…;-)

Advertisements

2 Antworten

  1. Kleine Korrektur: das Motto „Freiheit statt Angst“ wurde ebensowenig von den Piraten erfunden wie die Demo von ihnen organisiert wurde. Die Demo sowie das Motto kommen vom „Arbeitskreis Vorratsdatenspeicherung“, die Piraten haben das nur als nützliche Gelegenheit entdeckt, sich in Szene zu setzen.

    Tja und die Reaktion, die du in dem „Künstler“forum kassiert hast ist für mich stellvertretend für genau das unmögliche Benehmen, das ich vor einiger Zeit schon mal kritisiert hatte. So eine Pannereaktion hätte sich der gleiche Typ im echten Leben sicher nicht getraut.

    Freut mich, dass du auch unter die Blogger gegangen bist. Bin ja mal gespannt, was hier noch so alles passiert. Aber: kannste dir noch nen anderes Theme zulegen? Büdde…. 🙂

  2. Es stimmt: das sind nicht nur „die Piraten“ und vielleicht war der Fahrradfahrer vielleicht gar kein Pirat. In diesem Fall ist es vielleicht nicht so tragisch, da die Kernaussage „Machtmißbrauch bei Konfrontation mit Machtkontrolle“ auf beide Szenarien zutrifft: für den Fall, daß der Radfahrer ein Pirat oder eben keiner ist.

    Auf der anderen Seite gibt mir meine eigene Verallgemeinerung schon zu denken… Freiheit bzw. deren Beschneidung durch die Vorgänge, gegen die in Berlin demonstriert worden ist, ist ja ein Grundrecht aller und sollte alle tangieren. Einerseits ist es also hilfreich, daß die Piraten sich momentan gekonnt in der Nähe dieses Begriffes inszenieren, andererseits sollte man den Begriff der Freiheit nicht ausschließlich auf die Piratenpartei reduzieren. Im Unkehrschluß hieße das nämlich: ooch, ich bin kein Pirat, dann geht mich das eh nix an…

    Und das wollen wir ja nicht. Danke also für die Korrektur.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: